Schmerz

Aus Organspende-Wiki
(Weitergeleitet von Schmerzempfinden)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eine häufige Sorge, aber auch Aussage, sind die (möglichen) Schmerzen von Hirntoten. Daher in Kürze:

Begriffsdefinition

  • Schmerzrezeption erfolgt durch die Schmerzrezeptoren. Die meisten von ihnen befinden sich in der Haut. Diese Schmerzrezeption wird über Nervenbahnen an das Rückenmark gemeldet.
  • Schmerzreaktion bezeichnet die durch das Rückenmark ausgelöste Reaktion des Körpers auf einen Schmerzreiz, frei von der Schmerzwahrnehmung. Dies erfolgt durch Reflexe und Ausschüttung von Stresshormonen.
  • * Schmerzwahrnehmung oder auch Schmerzbewusstsein bezeichnet die bewusste Wahrnehmung eines Schmerzes. Es schmerzt.

Diese drei Begriffe besitzen eine zeitliche Abfolge und sind auch anatomisch eindeutig voneinander zu unterscheiden:

Schmerzrezeption Schmerzreaktion Schmerzwahrnehmung
Die Empfindung des Schmerzes erfolgt in die [Schmerzrezeptoren]]. Diese leiten die Information über Nervenbahnen an das Rückenmark weiter. Motorische Reaktion: Das Rückenmark zieht über den Reflexbogen den schmerzenden Körperteil reflexartig aus der Gefahrenzone.

Vegetative Reaktion: Gleichzeitig ergeht die Schmerzinformation an die Nebenniere, die die Stresshormone (u.a. Adrenalin) ausschüttet => Blutdruck und Herzfrequenz steigen.

Vom Rückenmark erhält das Gehirn über den Hypothalamus die Information des Schmerzes. Erst durch die Verarbeitung im Gehirn wird der Schmerz als solcher wahrgenommen. Dies geschieht 0,2 bis 0,5 sec nach Rezeption des Schmerzes.
Millisekunde 0 = Start <200 Millisekunden >200 Millisekunden
Körper Bewusstsein
Der Schmerz gehört unvermeidlich zu unserem Leben. Er besitzt eine physiologische Bedeutung, weil er dazu dient, uns vor einer drohenden Gewebeschädigung zu warnen.[1]

Über den Scherz

Aufgabe des Schmerzes

Der Schmerz signalisiert dem Körper, dass er auf irgendeine Art geschädigt wird. Dies muss vermieden werden. Daher ist der Schmerz ein wichtiges Alarmsignal, das hilft, uns körperschonend zu verhalten. Menschen ohne Schmerzempfinden sterben oft in jungen Jahren an jungen Jahren an Infektionen und entzündeten Gelenksfehlstellungen.
Um Schmerz zu empfinden, bedarf es Sinneszellen, die diese Schädigung des Körpers erkennen. Man spricht von "noxischen" (schädlichen) Reizen und für das Schmerzsystem von einem "nozizeptiven System" (schadenerkennendes System). Die eigentliche Schmerzwahrnehmung erfolgt erst mit der Verarbeitung der Schmerzreize im Gehirn. [2]

Klassifizierung des Schmerzes

Maria Lorünser unterschiedet zwei Arten des Schmerzes:[3]

  • Somatischer Schmerz
    Der somatische Schmerz ist der Schmerz des Körpers. Er wird unterschieden in Oberflächenschmerz (Nozizeptoren in der Haut) und Tiefenschmerz (Nozizeptoren in Muskeln, Bindegewebe und Gelenken).
  • Viszeraler Schmerz
    Der viszeraler Schmerz ist der Schmerz der Eingeweide und Organe (z.B. Gallenkolik). - Achtung: Leber und Gehirn besitzen keine Nozizeptoren und sind daher schmerzunempfindlich.

Hans-Georg Schaible klassifiziert den Schmerz nach der Art seiner Entstehung:[4]

  • Physiologischer Nozizeptorschmerz.
    Wenn Schmerzen durch die Einwirkung gewebeschädigender Reize auf

normales Gewebe ausgelöst werden. Er warnt uns vor Gewebeschädigungen, und wir leiten unwillkürlich Gegenmaßnahmen ein (z.B. rasches Wegziehen der Hand, wenn man versehentlich auf eine heiße Herdplatte fasst). Ein intakter Schmerzsinn ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Körper unversehrt bleibt.

  • Pathophysiologischer Nozizeptorschmerz.
    Er wird durch pathophysiologische Organveränderungen (z.B. bei Entzündung) ausgelöst. Er ist ein wichtiges Symptom vieler Erkrankungen. Häufig erzwingt er ein Verhalten, das für die Heilung einer Krankheit erforderlich ist (z.B. Ruhigstellen einer verletzten Extremität).
  • Neuropathischer Schmerz.
    Dieser Schmerz entsteht durch Schädigung von Nervenfasern. Er ist abnormal, weil er nicht im Dienst der Gefahrerkennung steht.

Nach seiner Definition ist der Schmerz ein Sinnes- und ein Gefühlserlebnis. Damit verbunden sind vegetatitve und motorische Reaktionen des Körpers. Die verschiedenen Schmerzkomponenten umfassen:[5]

  • Sensorische Schmerzkomponente
    Sie umfasst die Analyse des noxischen Reizes nach Ort, Intensität, Art und Dauer.
  • Affektive Schmerzkomponente
    Die Schmerzempfindung löst fast immer eine unlustbetonte Emotion in uns aus, wodurch unser Wohlbefinden gestört wird. Besonders bei Tiefenschmerzen und chronischen Schmerzen kann sie sehr ausgeprägt sein.
  • Vegetative Schmerzkomponente
    Sie umfasst Reaktionen des vegetativen Nervensystems, die durch Schmerzreize ausgelöst werden. Es treten sowohl Aktivierungen des sympathischen Nervensystems als auch Reaktionen wie Blutdruckabfall und Übelkeit auf.
  • Motorische Schmerzkomponente
    Sie zeigt sich in Schutzreflexen, durch die das betroffene Körperteil von der Schmerzquelle entfernt wird. Auch Schonhaltungen und Muskelverspannungen sind motorische Schmerzkomponenten.
  • Kognitive Schmerzkomponente
    Der Schmerz wird anhand früherer Schmerzerfahrung bewertet und nach seiner aktuellen Bedeutung eingestuft. Kognitive Prozesse können Schmerzäußerungen auslösen (psychomotorische Komponente, z.B. Mimik, Wehklagen).

Weg der Schmerzempfindung

Maria Lorünser gibt als Weg der Schmerzempfindung an:[3][6]

Übersicht
  • 1. Neuron
  • Nozizeptor
  • 2. (Projektions-)Neuron
  • Hinterhorn (RM)
  • 3. Neuron
  • Thalamuskerne
  • 4. Neuron
  • Somatosensorischer Cortex
  • Schmerz - wo, wie
Schmerzverarbeitung im Gehirn

Schmerzbewußtsein

Physiologische Stationen (Unter-)Bewusstsein
Cortex Bewusstsein
Limbisches System Unterbewusstsein

keine Schmerzwahrnehmung
Hirnstamm
Rückenmark
Nozizeptoren

H. O. Handwerker trennt das Schmerzbewusstsein - die bewusste Wahrnehmung des Schmerzes - von den neurologischen Vorgängen im Unterbewusstsein. Er zeigt dabei auf, dass es ohne Bewusstsein Schmerzwahrnehmung unmöglich ist. Wenn wir in Narkose liegen, einem Zustand ohne Bewusstsein, ist Schmerzwahrnehmung unmöglich. Dabei funktioniert jedoch der gesamte neurologische Weg von den Nozizeptoren bis zum Limbischen System. Doch das Bewusstsein ist ist (z.B. durch die Narkose) ausgeschaltet und kann daher keinen Schmerz wahrnehmen.[7]

Schmerzen sind Bewußtseinsvorgänge, und das Phänomen Bewußtsein ist naturwissenschaftlich noch nicht geklärt. Es läßt sich aber zeigen, daß Bewußtseinsvorgänge in ihrer Struktur und ihrem Ablauf von Vorgängen im Nervensystem bestimmt werden.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Neozition und Schmerz: Unter Neozeption versteht man die nervösen Prozesse, die dann zu Schmerz führen könne, wenn Bewußtsein vorhanden ist. Nozizeptive Prozesse lassen sich mit reduktionistischen naturwissenschaftlichen Ansätzen untersuchen, z.B. an isolierten Zellverbänden.[8]

Schmerzreaktion und Schmerzwahrnehmung

Unterschied: Schmerzreaktion und Schmerzwahrnehmung

Es ist zwischen Schmerzreaktion (Reflex) und Schmerzwahrnehmung (bewusst wahrgenommener Schmerz) zu unterscheiden. Was zunächst im Körper abläuft, ist eine Schmerzreaktion. Die Schmerzwahrnehmung erfolgt danach. - Das Beispiel der heißen Herdplatte verdeutlicht dies:[9]

  1. Schmerzrezeptoren in der Handfläche werden durch die große Hitze gereizt.
  2. Nervenfasern leiten diese Schmerzinformation an das Rückenmark weiter.
  3. Im Rückenmark teilt sich diese Information für Reflexbogen, Nebenniere und Gehirn.
  4. Informationsweg Reflexbogen
    Über den Reflexbogen im Rückenmark wird die Hand reflexartig von der heißen Herdplatte zurückgezogen.
  5. Informationsweg Nebenniere
    1. Über Nervenfaser gelangt die Schmerzinformation vom Rückenmark zur Nebenniere.
    2. Das Nebennierenmark schüttet Stresshormone aus (u.a. Adrenalin) und stellt damit im Körper alle Energiereserven für Kampf oder Flucht zur Verfügung.[10]
    3. Die Ausschüttung der Stresshormone lässt Puls und Blutdruck nach oben schnellen, d.h. wir erschrecken.
    4. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Gehirn noch keinen Schmerz wahrgenommen.[Anm. 2]
  6. Informationsweg Gehirn
    1. Über Nervenfaser gelangt die Schmerzinformation vom Rückenmark zum Gehirn.
    2. Im limbischen System[Anm. 3] wird die Schmerzinformation emotional bewertet.[Anm. 4]
    3. Beurteilt das limbische System den Schmerz als relevant, gibt es diese Information an das Großhirn weiter. Damit ist der Schmerz bewusst gemacht.

Damit ist der Unterschied zwischen Schmerzreaktion und Schmerwahrnehmung klar:

  • Schmerzreaktionen erfolgen über das Rückenmark. Das Gehirn spielt dabei keine Rolle.
  • Schmerzwahrnehmmung erfolgt danach, wird im limbischen System bewertet und kommt, wenn die Information als relevant eingestuft wurde, dann erst als Information im Großhirn an und ist ab dann bewusst.

Damit ist klar aufgezeigt:

Hirntote können zwar Schmerzreaktionen haben, aber in D/A/CH[Anm. 5] keine Schmerzwahrnehmung.

Schmerzkomponenten

Schmerz besitzt 4 Komponenten, auf denen der Körper auf Schmerz reagiert. Diese sollen am Beispiel des Eintauchens der Hand in 50°C heißes Wasser verdeutlicht werden:[11]

  • Sensorische Komponente
    Beim Eintauchen der Hand in heißes Wasser werden Nozizeptoren der Haut erregt. Diese Schmerzrezeption wird mit Angabe der Lokalisation und Intensität durch Nervenbahnen über das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet. Dort wird der Schmerz bewertet und bewusst wahrgenommen.
  • Motorische Komponente
    Wenn wir die Hand unbeabsichtlich in heißes Wasser eintauchen, zuckt unsere Hand zurück, "lange bevor uns der Hitzeschmerz bewusst wurde und wir willkürlich darauf hätten reagieren können. Diese motorische Komponente des Schmerzes ist uns als Flucht- oder Schutzreflex in einer Vielzahl von Beispielen bekannt. ... Im weiteren Sinne sind auch andere Verhaltensäußerungen auf den Schmerz, die aus der Schmerzbewertung resultieren, als motorisch oder besser psychomotorische Komponenten des Schmerzes anzusehen." Dies erfolgt über die Reflexbögen im Rückenmark.
  • Affektive Komponente
    Wenn die Temperatur des Wassers 25°C beträgt, in das wir unsere Hand eintauchen, so ist es entscheidend, von welcher Ausgangsposition wir kommen: Ist es ein heißer Sommertag mit über 35°C, so sind uns die 25°C eine Abkühlung. Ist es ein frostiger Wintertag, so sind die 25°C eine wohlige Wärme. Was wir wahrnehmen, löst bei uns Gefühle aus. Wie dieses Beispiel zeigt, kann der gleiche physikalische Reiz entgegengesetzte Gefühle auslösen.
  • Vegetative Komponente
    Das Eintauchen einer Hand in heißes Wasser führt zur Erweiterung der Hautgefäße und damit zu erhöhter Durchblutung. Dies wird an der Rötung der Haut sichtbar. Bei Eintauchen der Hand in Eiswasser verengen sich die Blutgefäße und die Hand wird weiß. In der Regel steigen in beiden Fällen der Blutdruck und Puls an, die Pupillen erweitern sich und die Atmung verändert sich.

Schmerzreaktionen

Schmerzreaktionen werden im Bereich des Kopfes über den Hirnstamm und vom Hals abwärts über das Rückenmark ausgelöst. - Es wird zwischen der motorischen und vegetativen Schmerzreaktion unterschieden:[3]

  • Motorische Schmerzreaktion
    Das schmerzende Körperteil wird über den Reflexbogen im Rückenmmark reflexartig aus der Gefahrenzone genommen (z.B. die Handfläche von der heißen Herdplatte schnell zurückgezogen).
  • Vegetative Schmerzreaktion
    Über das Rückenmark wird der Sympathikus aktiviert (Herzfrequenz und Blutdruck steigen, stärkere Durchblutung, Schweißausbruch). Damit stehen uns für Kampf oder Flucht sofort maximale Leistung zur Verfügung.

Schmerzreaktionen bei Hirntoten

Bei jeder HTD wird der V. Hirnnerv Trigeminus gereizt, was einen größtmöglichen Schmerzreiz auslöst. Dieser ist mit dem Hirnstamm verbunden und dort mit motorischen Nerven verschaltet, die normalerweise eine Schmerzreaktion im Gesicht auslöst. Bei Hirntoten fehlt diese Schmerzreaktion im Gesicht, da der Hirnstamm abgestorben ist.
Werden Schmerzreize am übrigen Körper gesetzt, so können diese - über das Rückenmark verschaltet - am übrigen Körper Reaktionen hervorrufen.[12]

Schmerz1a.jpg Schmerz1b.jpg Schmerz1c.jpg Schmerz1d.jpg
Hierbei beteiligten Körperteile: Von den Schmerzreptoren wird ein großer Schmerz empfunden (z.B. Öffnung des Oberkörpers). Diese Information wird an das Rückenmark weitergeleitet. Vom Rückenmark geht ein Impuls über eine Nervenleitung zu den Nebennieren und löst die Ausschüttung von Stresshormonen aus, u.a. Adrenalin. Dadurch steigen Blutdruck und Puls.[Anm. 6] Vom Rückenmark geht ein Impuls über eine Nervenleitung zum Gehirn. Da dieses beim Hirntoten abgestorben ist, kann dieser Impuls nicht als Schmerz wahrgenommen werden.

"Es ist durchaus zutreffend, dass während der Organentnahme derartige Phänomene beobachtet werden, welche schmerzstimulationsbezogenes Verhalten lebender Personen imitieren. Die deutlichsten Reaktionen zeigen sich beim Hautschnitt sowie bei Präparationen am Brust- und Bauchfell und dem Abbinden größerer Gefäße. Neben Blutdruck- und Pulsreaktionen kann es zu Muskelzuckungen durch elektrische Schneideinstrimente sowie zu flächenhaften Hautrötungen und Schwitzen kommen. ...
Um die beschriebenen Phänomene zu erklären und die Frage einer noch vorhandenen Schmerzwahrnehmung bei hirntoten Patienten zu beantworten, sie zum Vergleich ein Patient mit einer kompletten Querschnittlähmung im oberen Halsmark betratet. Es sind hier alle Nervenbahnen zwischen dem Kopf und dem übrigen Körper durchtrennt. In vielfacher Hinsicht besteht damit eine Ähnlichkeit zum Hirntod - allerdings mit dem wesentlichen Unterschied eines intakten Gehirnes und eines Bewusstseins und damit der Fähigkeit, Schmerzempfindungen mitzuteilen. Auch bei diesen Patienten können vergleichbare Manipulationen im Bereich des Körpers entsprechende Veränderungen des Blutdrucks und Pulses sowie Rötungen und Schweißreaktionen auslösen, ohne daß etwas wie eine Schmerzempfindung die Bewusstseinsebene erreicht.
Ebenso konnte schon 1946 tierexperimentell an Katzen, bei welchen eine Decapitierung - also eine Durchtrennung an der Grenze von Hirnstamm und oberen Rückenmark - durchgeführt worden war, gezeigt werden, dass bereits geringe mechanische Manipulationen in der Körperperipherie bzw. an den Baucheingeweiden Blutdurck- und Pulsreaktionen sowie Spontanbewegungen der Extremitäten hervorrufen können. Diese Reaktionen entsprechen exakt den Phänomenen, welche gelegentlich bei Hirntoten während der Organexplantation beobachtet werden."[13]

Schmerzwahrnehmung

Im Gyrus postcentralis findet die bewusste Wahrnehmung z.B. der Schmerzreize mit lokalisatorischer Zuordnung zu einzelnen Körperregionen statt. Zusätzliche Projektionen vom Thalamus in andere Kortexbereiche ermöglichen aber auch außerhalb des Gyrus postcentralis eine Schmerzwahrnehmung, allerdings meist ohne präzise lokalsatorische Zuordnung."[14]

Normales Schmerzwahrnehmung

Die normale Schmerzwahrnehmung soll am Beispiel einer heißen Herdplatte verdeutlicht werden:

  1. Die Schmerzrezeptoren in der Haut werden die Hitze der Herdplatte gereizt.
  2. Nervenfasern leiten diese Information an das Rückenmark weiter.
  3. Im Rückenmark wird diese Information aufgeteilt:
    1. Über den Reflexbogen wird die Hand reflexartig von der heißen Herdplatte zurückgezogen.
    2. Über eine Nervenfaser wird die Information Schmerz an die Nebenniere weitergeleitet.
      1. Die Nebenniere schüttet Stresshormone (u.a. Adrenalin) aus.
      2. Die Folgen hiervon sind: Puls und Blutdruck steigen an. Damit ist der Mensch für Flucht oder Kampf in körperlicher Hochform.
    3. Über eine Nervenfaser wird die Schmerzinformation an das Gehirn weitergeleitet.
      1. Die bewusste Schmerzverarbeitung und Schmerzwahrnehmung erfolgt im Großhirn. In der sogenannten Thalamus-Region bekommt der Schmerz seine gefühlsmäßige Bedeutung. In den Gebieten der Hirnrinde wird das Schmerzgeschehen unter Verwendung bisheriger Erfahrungen schließlich bewertet.[15] - Bewusste Schmerzwahrnehmung erfolgt wie jede andere Sinneswahrnehmung (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) im Großhirn.
      2. In zwei Bereichen der Großhirnrinde - im somato-sensorischen Cortex und im hinteren Bereich der Inselrinde - wird der Schmerzreiz emotional bewertet. Eine zentrale Rolle spielt der präfrontaler Cortex (ACC).[16]
        Ca. 0,2 Sekunden, nachdem wir reflexartig die Hand von der heißen Herdplatte genommen haben, nehmen wir bewusst den Schmerz wahr.
      3. Der Mensch - nicht der Körper, d.h. reflexartig - handelt auf diesen Schmerzreiz bewusst: bei einem angenehmen Reiz wird z.B. versucht zu kuscheln (d.h. ihn möglichst zu intensivieren und ihn noch möglichst lange zu erhalten), bei einem unangenehmen Reiz (z.B. Schmerz), werden wir versuchen, diesem Schmerz zu entfliehen oder zumindest zu verringern.

Veränderung des Gehirns durch chronische Schmerzen
Anne Nicklas zeigt in ihrer Dissertation (2013) auf, dass chronische Schmerzen zu Veränderungen im Gehirn führen. "Trotz der zunehmenden Erkenntnisse bleiben die exakten Mechanismen, die zu den spezifischen Veränderungen der grauen Hirnsubstanz bei CLBP-Patienten führen, weiter unklar." (S. 15)[17]

Anatomie der Schmerzwahrnehmung

Die Schmerzafferenzen[Anm. 7] werden nach dem Eintritt in das Rückenmark im Hinterhorn auf das 2.Neuron umgeschaltet. Sie kreuzen dann zusammen mit Fasern der Temperaturwahrnehmung und denjenigen für grobe Druck- und Tastempfindungen in der Commissura alba des Rückenmarks auf die Gegenseite. Von dort aus führen sie als Tractus spinothalamicus nach oben zum Thalamus im Zwischenhirn und schließlich zur sensiblen Großhirnrinde, "die für die bewusste Schmerzwahrnehmung und die weitere zuordnende Verarbeitung essentiell ist."[18]

Eine Schädigung des Tractus spinothalamicus führt zu einer Empfindungslosigkeit für Temperatur (Thermanästesie) und Schmerz (Analgesie) auf der kontralateralen Körperhälfte in allen Hautdermatomen (...), die unterhalb des Rückenmarkssegmentes liegen, in dem die Schädigung aufgetreten ist.[18]

Das 1. Neuron nimmt den entsprechende Impuls (Schmerz, Temperatur, grobe Mechanozeption) zum Rückenmark, wo es die Information an das 2. Neuron weitergibt. Das 2. Neuron kreuzt hierauf unmittelbar auf die Gegenseite und führt als Tractus spinothalamicus nach oben. Im Markhirn wird er mit dem vom Kopf kommenden Drillingsnerv zusammengefasst. In somatotopischer Anordnung führen die Neuronen zum Nucleus ventralis posterior im Thalamus. Dort erfolgt die Umschaltung auf das 3. Neuron. Diese Neuronen führen zum Gyrus postcentralis des Parietallappens. Sie enden in ihrer somatotopischer Anordnung in der primären somatosensiblen Hirnrinde. Im Gyrus postcentralis findet die bewusste Wahrnehmung z.B. der Schmerzreize mit lokalisatorischer Zuordnung zu einzelnen Körperregionen statt. Zusätzliche Projektionen vom Thalamus in andere Kortexbereiche ermöglichen aber auch außerhalb des Gyrus postcentralis eine Schmerzwahrnehmung, allerdings meist ohne präzise lokalsatorische Zuordnung."[19]

Nozizeptive Zellen im und unterhalb des Thalamus werden über den Tractus spinothalamicus erregt, und sie projizieren in das sensorische Kortexareal S1. Diese thalamischen und kortikalen Zellen bilden das laterale System. Nozizeptive Zellen im lateralen System haben kleine rezeptive Felder und sind somatotopisch organisiert.[20]

Nur wenn sich das thalamokortikale System im Wachzustand befindet, empfinden wir Schmerzen. Im Schlaf können zwar Nozizeptoren und nozizeptive Rückenmarkzellen aktiviert werden und über aszendierende Bahnen nozizeptive Information zum Thalamus weiterleiten, doch wird die weitere Verarbeitung im Thalamus blockiert, so dass keine bewussten Schmerzen erzeugt werden. Jedoch aktivieren starke Schmerzreize das aufsteigende retikuläre System, so dass wir aufgeweckt werden.[21]
In Narkose ist die bewusste Wahrnehmung von Schmerzreizen aufgehoben. Die nozizeptiven Vorgänge in Primärafferenzen und im Rückenmark werden dagegen nicht ausgeschaltet. Um auch die nozizeptiven Vorgänge auf diesen Ebenen zu unterdrücken, besteht eine moderne Narkose immer aus einer Kombination von Schmerztherapie und Ausschaltung des Bewusstseins.[22]
Im Kortex sind mehrere Areale an der Schmerzentstehung beteiligt:
  • Die S1-Region im Gyrus postcentralis hat sensorisch-diskriminative Aufgaben.
  • Die S2-Region im Parietalkortex ist sensorisch-integrativ tätig.
  • Die Insula dient der sensorisch-limbischen Interaktion.
  • Der Gyrus cinguli anterior bewirkt Aufmerksamkeit und Antwortselektion.
  • Der präfrontale Kortex kontolliert Affekt, Emotion und Gedächtnis.[23]

Menschen mit gestörter Schmerzwahrnehmung

Eine zentrale Rolle spielt der anteriore cinguläre Cortex (ACC). Der ACC moduliert auch die Schmerzwahrnehmung, indem er etwa über körpereigene Opiate die Sensitivität verringert. Ist dieses Areal verkleinert, dann kann also die Schmerzempfindung nicht mehr so gut reduziert werden.

In der Inselrinde (Lobus insularis, BA 13, 14) wird die Schmerzwahrnehmung reguliert, d.h. dem Schmerz bewusst Aufmerksamkeit geschenkt, aber auch unterdrückt.

Aus Dissertationen:

  • Bernd-Alexander Gebhard Hock zeigt auf Seite 18 seiner Dissertation anhand von cMRT-Bildern auf, in welchen Regionen des Gehirns Schmerzschwelle, Intensität und Unangenehmheit verarbeitet werden.[24]
  • Von 144 Patienten mit hypoxischen Hirnschaden reagierten 38 auf einen Schmerzreiz mit einem spitzen Gegenstand, 106 Patienten zeigten keinerlei Reaktionen.[25]
  • "Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um plötzlich einschießende, heftigste, zum Teil fast unerträgliche oberflächlich in Haut- und Schleimhaut empfundene Schmerzattacken eines oder mehrerer Äste des V. Hirnnerven."[26]
  • Über Trigeminusneuralgie: "Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch plötzliche, unerwartet 'aus heiterem Himmel' auftretende Schmerzanfälle von größter Intensität, die Sekunden, höchstens Minuten anhalten. Der Schmerz wird als 'stechend' wie ein 'Messerstich' oder wie ein 'Peitschenhieb' beschrieben."[27]
  • Trigeminusneuralgie kann zum Suizid treiben: " Exemplarisch möchte ich einen Patient anführen, der mit akuter Suizidgefahr aufgrund der unerträglichen neuralgischen Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, was dieser auch im Interview bestätigte, allerdings bei der Beantwortung der Fragen nach seelischer Mitbeteiligung diese verneinte."[28]


Fazit:
Um Schmerzen bewusst oder unbewusst wahrnehmen zu können, bedarf es eines funktionierenden Gehirns. Ist jedoch im Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm keine Funktionalität vorhanden (Hirntod), können keine Schmerzen wahrgenommen werden, wie groß diese auch sein mögen.
Bei jeder HTD gehört die Reizung des Trigeminus-Nervs mit hinzu. Es darf dabei zu keiner Schmerzreaktion kommen, ansonsten wäre der Hirntod widerlegt. Reizung des Trigeminus-Nervs gehört mit zu den größten Schmerzreizen. Wenn hier keine Schmerzreaktion erfolgt, warum soll dann beim Öffnen des Oberkörpers zum Zweck der Organentnahme eine Schmerzreaktion erfolgen? Das macht keinen Sinn.

Schmerzreaktion von Hirntoten

Die "Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen" (Stand 24.5.2011), herausgegeben von der "Schweizer Akademie der Medizinischen Wissenschaften" (SAMW) enthält einen indirekten Hinweis auf Schmerzreize und Schmerzreaktion von Hirntoten: Im Anhang heißt es auf Seite 21 unter "Klinische Zeichen des Todes", Punkt 5:

Fehlen jeglicher Reaktion auf starken Schmerzreiz: Die Reaktion auf Schmerzreize muss durch Druck auf die Austrittsstelle eines Trigeminusastes am Orbitarand geprüft werden.

Was eine Reizung des Trigeminus-Nervs für Gesunde bedeutet, ist hier nachzulesen[29]

Bei der Trigeminusneuralgie können heftigste Schmerzen im Trigeminusgebiet auftreten. Diese werden als mitunter stärkste bekannte Schmerzen beschrieben.

Mit anderen Worten: Wenn der Hirntote bei der Reizung des Trigeminus-Nervs keine motorischen Reaktionen zeigt, kann er auch bei der Öffnung des Oberkörpers zum Zweck der Organentnahme keine Schmerzen bewusst wahrnehmen.

In D/A/CH können Hirntote keine Schmerzen wahrnehmen,
sie haben nur unbewusste Schmerzreaktionen.

Siehe hierzu auch alle diese Internetseiten:[30]

Wahrnehmungsketten der Schmerzwahrnehmung

Beschreibung der Wahrnehmungskette für die Schmerzwahrnehmung

Hermann Otto Handwerker fast den neurologischen Ablauf der Schmerzen (Wahrnehmungskette) wie folgt:[31]

Die Nervenimpulse der Nozizeptoren werden synaptisch auf Neurone im Hinterhorn des Rückenmarks und des Hirnstamms übertragen. Dort findet man 2 Typen von sekundären nozizeptiven Neuronen: solche, die durch ein weiteres Spektrum von Reizen von der leichten Berührung bis hin zu noxischen Reizen erregt werden, die WDR-Neurone ('wide dynamic range') und solche Neurone, die überwiegend nozizeptiven Input erhalten, die NS-Neurone ('nociceptor specific'). Beide Typen von Neuronen sind an der Übermittlung der nozizeptiven Information ins Hirn und an Reflexantworten beteiligt.
Nozizeptiver Einstrom aus tiefen Körpergeweben, v.a. aus den Viszaren, wird im ZNS durch Neurone übertragen, die auch Input aus der Haut erhalten. Diese viszrosomatische Konvergenz ist eine der Voraussetzungen für die Übertragung von Schmerz in die Head-Zonen.
Eine der Folgen von längerdauernder nozizeptiver Erregung zentraler Neurone ist die Änderung der Genexpression im Zellkern. Es werden 'immediate early genes' exprimiert, eine Gruppe von Genen, die rasch und vorübergehend aktiviert werden können und zur Veränderung des Zellstoffwechsels beitragen. Die Expression dieser Gene kann als Marker für zentralvernöse nozizeptive Aktivierung verwendet werden. Es ist heute klar, dass die nozizeptive Information nicht nur über eine gekreuzte Bahn, den Tractus spinothalamicus, ins Hirn übertragen wird. Da es verschiedene Hirnregionen gibt, die die nozizeptive Information erhalten, gibt es auch multiple Projektonen in diesen Regionen.
Die wichtigsten Überträgerstoffe an den Synapsen im Rückenmark sind die erregenden Amionosäuren, v.a. Glutamat, das auf verschiedene Typen postsynaptischer Rezeptoren wirkt, den AMPA-, den NMDA- und den metabotropen Rezeptor. Alle diese Übertragungsmechanismen sind an der nozizeptiven Informationsübertragung beteiligt, der NMDA-Rezeptor wird allerdings nur aktiv, wenn es bereit zu einer Erregung des betreffenden Neurons gekommen ist. Er ist für zentrale Sensibilisierungsvorgänge wichtig. Die Neuropeptide, Substanz P und CGRP, spielen eine wichtige Rolle als Verstärker der synaptischen Übertraung nozizeptiver Information. Wahrscheinlich sind noch weitere Transmittersubstanzen modulierend wirksam, z.B. Stickoxid (NO).
Neben der Erregung sind hemmende Synapsen für die geordnete Funktion des zentralen nozizeptiven Systems wichtig. Zu dieser Hemmung tragen serotonerge und neuradrenerge Zellgruppen des Hirnstamms bei. Das wichtigste endogene Hemmsystem hat als Überträgerstoff die Endophine und Enkephaline und wirkt auf die Opioidrezeptoren der Übertragungszellen. Das endogene Opiodsystem wird einerseits durch Nerbenimpulse aktiviert, die ins zentrale Nervensystem übertragen werden, andererseits ist es tonisch aktiv. Ein Gegenspieler dieser tonischen Hemmung wird durch Neurone gebildet, die Cholezystokinin sezernieren.

H.O. Handwerker schreibt über die Verarbeitung von Schmerzreizen im Kopf:[32]

Es gibt im Gehirn nicht nur ein einziges 'Schmerzzentrum'. An der Schmerzverarbeitung sind vielmehr mehrere Hirnsysteme beteiligt. Unterschieden wir ein latereales System, das als Projektionsgebiete die laterale somatosensorische Kerngruppe des Thalamus und die somatosensorischen Hirnrindefelder S I und S II einschließt. Dieses System dient offenbar u.a. der Lokalisation und der genauen sensorischen Differenzierung von Schmerzreizen.
Daneben gibt es ein mediales System, das von medialen retikulären Kerngebieten des Mittelhirns und medialen Thalamuskernen gebildet wird. Diese Hirnregionen projiieren in den Hypothalamus und in limbische Kerngebiete. Die Projektionen diesen u.a. der emotionalen Verarbeitung von Schmerzreizen.
Es gibt verschiedene Methoden, die Hirnaktivität bei der Verarbeitung von nozizeptivem Imput zu untersuchen: elektrophysiologische Einzelzellableitungen, Registrierung von ereignisbezogenen Potenialen der Hirnrinde als Elektrische oder magnetische Feldänderungen und moderne bildgebende Verfahren, PET und die funktionelle Kernspintomographie (fMRI). Diese Methoden erfassen durchaus verschiedene Aspekte der zentralnervösen Erregung und müssen im Kontext betrachtet werden.
Nicht alle an der Schmerzverarbeitung beteiligten Hirnregionen tragen notwendigerweise zur bewussten Wahrnehmung von Schmerz bei. Eine wichtige Funktion v.a. von Stammhirnregionen, die durch noziozeptiven Input erregt werden, ist die endogene Schmerzhemmung. Zu diesem System gehören u.a. noradregerge und serotonerge Zellgruppen im Mittelhirn und Stammhirn und das zentrale Höhlengrau des Mittelhirns.

Wahrnehmungskette der Schmerzwahrnehmung I

In erster Linie dienst Schmerz als Warnung, dass etwas nicht stimmt und wir etwas tun müssen. Meist tritt er auf, weil bestimmte Nervenbahnen, die den ganzen Körper durchziehen, gereizt wurden. Dabei läuft die Wahrnehmungskette wie folgt ab:[33]

  1. Chemie des Schmerzes
    Eine Verletzung der Haut setzt Substanzen wie Bradykininund ATP frei. Diese lösen Nervenimpulse aus, welche wir letztlich als Schmerz erleben. Einige Substanzen, wie das von bestimmten Leukozyten freigesetzte Histamin, erzeugen am Ort der Verletzung Entzündungssymptome.
  2. Rückenmark
    Über spezifische Nervenfasern gelangen die Schmerzsignale zum Rückenmark. Die meisten dieser Fasern treten in das sogenannte Hinterhorn des Rückenmarks ein. Dort werden sie auf eine 2. Faser umgeschaltet. Diese kreuzt auf die andere Seite und führt nach oben zur Medulla Oblongata.
  3. Medulla Oblongata
    Die Schmerzsignale der 2. Faser aktiviert in der Medulla Oblongata das autonome Nervensystem. In Folge dessen steigen Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz. Schweiß bricht aus. Dies steigert unsere Kampf-Flucht-Bereitschaft.
  4. Absteigende Bahnen
    Von den Schmerz registrierenden Hirnregionen absteigende Nervenfasern fangen aufsteigende Schmerzsignale ab und modifizieren sie, indem sie die Freisetzung analgetischer Substanzen in Hirnstamm und Rückenmark bewirken.
  5. Thalamus
    Die Faser leitet die Schmerzsignale zum Thalamus weiter.
  6. Cortex
    Die vom Thalamus weitergeleiteten Schmerzsignale werden im Cortex als Schmerzwahrnehmung umgesetzt.

Wahrnehmungskette der Schmerzwahrnehmung II

Helena Dohmann beschreibt in ihrer Dissertation (2013) die Wahrnehmungskette der Schmerzwahrnehmung auf den Seiten 11 bis 16 den physiologischen Weg des Schmerzes von der Schmerzrezeption bis zur Schmerzwahrnehmung so:[34]

  • Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) nehmen chemische, thermische und mechanische Reize wahr und leiten den Schmerz über Nervenbahnen an das Rückenmark weiter.
  • Im Rückenmark findet die Verstärkung, Abschwächung und Kontrastierung der neuronalen Aktivitäten statt. Zum einen wird die Schmerzinformation über Nervenbahnen zum Thalamus weitergeleitet. Dabei werden sie mehrfach durch Synapsen unterbrochen, so z.B. im verlängerten Mark und der Pons.
  • "Der Thalamus ist die zentrale Verschaltungsstelle für alle Signale, die vom bzw. zum Cortex (Hirnrinde) gelangen. Er ist dabei nicht nur für die Verschaltung zuständig, sondern moduliert und koordiniert gleichzeitig die einzelnen Signale."
  • In der Hirnrinde wird der Schmerz bewusst wahrgenommen. Hierbei sind vor allem die Regionen S1, S2, ACC aktiv. "Der Cortex ist der Entstehungsort bewusster Schmerzwahrnehmung."
  • Der Nozizeptiver Flexorreflex (NFR) ist ein vom Rückenmark ausgehender Reflex, der die Gließmaßen (Hände, Arme, Füße, Beine) aus der Gefahrenzone ziehen, in der dieser Schmerz ausgelöst wurde. [35]
  • Schmerzsignale werden "bis zum Gehirn weiterleiten, um dort eine Schmerzwahrnehmung auszulösen."

Wahrnehmungskette der Schmerzwahrnehmung III

Die Schmerzwahrnehmung verläuft auf diesem Wege:[36]

  • Rückenmark
    Schmerzreize, die irgendwo im Körper registriert werden, werden über Nerven zum Rückenmark weitergeleitet. Dort werden sie auf einen 2. Nerv umgeschaltet, der zum Thalamus führt.
  • Thalamus
    Im Thalamus wird der Schmerz zur aktuellen Lebenssituation bewertet[Anm. 8] und mit einem 3. Nerv zur Inselrinde weitergeleitet.
  • Inselrinde
    In der Inselrinde erfolgt eine Umschaltung auf den 4. Nerv.
  • Cortex
    Die Schmerzinformation werden vom Thalamus wie auch von der Inselrinde an verschiedene Regionen des Cortex geleitet. Im Cortex wird der Schmerz wahrgenommen.

Wahrnehmungskette der Schmerzwahrnehmung IV

Die Schmerzwahrnehmung verläuft auf diesem Wege:[37]

  • Nozizeptoren
    Diese Sensoren sind zusammen mit Mechano- Thermo- und Chemorezeptoren für die somatische Sensibilität verantwortlich.
  • Aδ- und C-Fasern
    Die peripheren nozizeptiven Impulse werden über Aδ- und C-Fasern von den sensorischen Nervenendigungen, den Nozizeptoren zum Rückenmark - oder beim Trigeminus an den Hirnstamm - weitergeleitet. Dort werden sie über Synapsen auf zentrale Neurone umgeschaltet.
  • Rückenmark
    Im Rückenmark werden aus dem nozizeptiven Input motorische und sympathisch Reflexe generiert. Die Weiterleitung zum Gehirn erfolgt hauptsächlich über den Vorderseitenstrang.
  • Hirnstamm
    Im Hirnstamm können die nozizeptiven Informationen die Steuerung von Kreislauf und Atmung beeinflussen. Im Hirnstamm kommt es auch zu Einflüssen auf das aufsteigende retikuläre aktivierende System (ARAS), das für Wachheit und Aufmerksamkeit verantwortlich ist.
  • Thalamus
    Der Thalamus im Zwischenhirn ist der Verteiler der aufsteigendene sensorischen und somit auch nozizeptiven Information. In seinem medialen Teil verschaltet der Thalamus den Schmerzimput.

Man nimmt an, dass das limbische System den affektiven Charakter des Scherzlebens bestimmt, während der Cortex die kognitiven Leistungen (Lokalisation der Schmerzen, zielgerichtete Handlungen zur Abwehr der Gefahr stc.) steuert.

Regelungen in den Ländern

Hirnstammtod und Gesamthirntod

Beim Hirnstammtod (gilt z.B. in einigen Staaten der USA, Großbritannien (Indien, Australien), Polen und Israel) können bei Hirntoten noch Teile des Großhirns funktionsfähig sein. Da im Großhirn der Schmerz bewusst wahrgenommen wird, besteht die Möglichkeit einer bewussten Schmerzempfindung.

Beim Gesamthirntod (gilt in D/A/CH muss neben dem Hirnstamm auch das Großhirn und Kleinhirn abgestorben sein, um als Hirntoter zu gelten. Dadurch ist keine Schmerzempfindung möglich.

Fazit: In Ländern, in denen der Hirnstammtod gilt, können Hirntote u.U. noch Schmerzen wahrnehmen; in Ländern, in denen der Gesamthirntod gilt, können Hirntote keinesfalls Schmerzen wahrnehmen.

Deutschland

Bereits 1982 schrieb die BÄK zur Feststellung des Hirntodes die Überprüfung von Schmerzreaktionen bei Reizung des Trigeminus-Nervs vor. Dies wurde bis in die Gegenwart (4. Fortschreibung) beibehalten. Dabei werden am Trigeminus-Nerv die größten vorstellbare Schmerzreize ausgelöst. Hirntote zeigen hierauf keine Reaktion, weil mit dem Tod des Gehirns ihre gesamte Wahrnehmung erloschen ist, selbst die des größten Schmerzes.

Im Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1417 / B-1203 / C-1131 gaben 5 Vorsitzende und Präsidenten verschiedener ärztlicher Gesellschaften[Anm. 9] eine Erklärung zum Hirntod ab. Darin heißt es:

Nach dem Hirntod gibt es keine Schmerzempfindung mehr. Deshalb sind nach dem Hirntod bei Organentnahmen keine Maßnahmen zur Schmerzverhütung (zum Beispiel Narkose) nötig.

Schweiz

Immer wieder wird behauptet, dass in der Schweiz für die Organentnahme eine Vollnarkose vorgeschrieben sei, um evtl. Schmerzen der Organspender zu vermeiden. - Dieser Aussage muss entschieden widersprochen werden, denn die SAMW brachte im Jahre 2012 oder 2013[Anm. 10] eine 4-seitige Schrift "Fakten und Argumente"[38] heraus, in der es auf Seite 2 heißt:

Naturwissenschaftlich gesehen gibt es keine exakte zeitliche Zäsur zwischen Leben und Tod; das Sterben des Organismus als Ganzes, der Organe und der verschiedenen Zellen ist ein Prozess. Auch nach dem Funktionsausfall des Gehirns sind bestimmte unwillkürliche Reaktionen (z.B. Muskelreflexe) noch möglich. Solche Reflexe sind der Grund dafür, dass Organspender bei der Organentnahme eine Narkose erhalten.

In der von Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) und Swisstransplant herausgebrachten Schrift "Organspende und Transplantation" (Januar 2013) heißt es auf Seite 31:

Es wird empfohlen eine Narkose einzuleiten um spinalen Reflexen und Muskelkontraktionen vorzubeugen. (s. SAMW Richtlinien Seite 19)

In einem vorliegenden Schreiben von Dr. Katharina Plüss, Stv. Sektionsleiterin Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Gesundheit BAG, heißt es:

Richtlinien zur Organentnahme in der Schweiz

Die von der Schweizerische Akademie für Medizinische Wissenschaften (SAMW) verfassten Richtlinien halten folgendes fest:
"Bei der Organentnahme hat man es mit dem Körper eines Toten zu tun. Dieser besitzt jedoch nach wie vor ein weitgehend funktionstüchtiges spinales und autonomes Nervensystem. Der tote Körper kann deshalb auf Reize reagieren und motorische Reaktionen zeigen. Mit der Verabreichung von Anästhetika können solche Reaktionen weitestgehend verhindert werden. Dies trägt zur Entlastung der bei einer Organentnahme involvierten Personen bei. Da die Verabreichung von Anästhetika bis zu einem gewissen Grade ischämieprotektiv wirkt und einer Verletzung der zu entnehmenden Organe vorbeugt, ist sie auch im Interesse des Empfängers. Aus diesen Gründen wird die Verabreichung von Inhalationsanästhetika empfohlen".
In der Schweiz wird nach diesen SAMW-Richtlinien vorgegangen. Das heisst:
- es wird in der Regel keine Vollnarkose durchgeführt. Es werden z.B. keine Sedativa verwendet, was für eine Vollnarkose zwingend erforderlich wäre.
- es werden Substanzen verwendet, welche die spinalen Reflexe und die kardiozirkulatorischen Reaktionen unterdrücken (Fentanyl und Muskelrelaxantien)
- es werden in der Regel volatile Anästhetika eingesetzt, da diese eine organprotektive Wirkung haben. Diese Massnahme wird jedoch (noch?) nicht bei allen Organentnahmen angewandt, da kontrollierte Studien und Untersuchungsergebnisse, die diese Wirkung eindeutig belegen, bisher fehlen.

Fazit: In keinem der Schriften der SAMW, des BAG oder des EDI findet sich auch nur ein Hinweis darauf, dass die Narkose wegen Schmerzen empfohlen wird. Sie wird ausdrücklich empfohlen, um die spinalen Reflexe zu unterbinden.

Großbritannien

Im Jahr 2000 erschien in der britischen medizinischen Fachzeitschrift "Anesthesia" (Anasthesia 55: 105f) ein Artikel, der auch in D/A/CH lebhafte Diskussionen auslöste. Zwei britische Anästhesisten forderten für die Organentnahme generell eine Narkose mit sedierenden, schmerzhemmenden und muskelentspannenden Medikamenten. Dabei sollten die spinal ausgelöste Ausschüttung von Stresshormone (Katecholaminen) abgedämpft werden.[39] In einer gemeinsamen Erklärung vom 25.05.2001] wies die BÄK zusammen mit der DGN, der DGNC und der DGAI darauf hin, dass in Deutschland mit dem geltenden Gesamthirntod Hirntote keine Schmerzen wahrnehmen können. "Nach dem Hirntod gibt es keine Schmerzempfindung mehr. Deshalb sind nach dem Hirntod bei Organentnahmen keine Maßnahmen zur Schmerzverhütung (zum Beispiel Narkose) nötig. Die Tätigkeit eines Anästhesisten bei der Organentnahme – zu Maßnahmen wie zum Beispiel der künstlichen Beatmung, der Kontrolle der Herztätigkeit und des Kreislaufs sowie der notwendigen Ruhigstellung der Muskulatur – dient ausschließlich der Erhaltung der Funktionsfähigkeit der zu entnehmenden Organe."[40]

Sonstiges

Physiologie

Fasertypen

Es gibt 2 Nervenfastern, die Schmerz registrieren:[41]

  • A-Delta-Fasern
    A-Delta-Fasern sind dünn und leiten scharfen, lokal begrenzten Schmerz zum Gehirn. Sie registrieren Verletzungen, die innerhalb von einem Millimeter Abstand zur Faser liegen. Damit kann die Verletzung sehr genau lokalisiert werden. A-Delta-Fasern besitzen eine Myelinscheide, die die Signalleitung beschleunigt.
  • C-Fasern
    C-Fasern besitzen keine Myelinscheide und lokalisieren den Schmerzreiz nur grob.

"Anhand ihres Axondurchmessers bzw. ihrer Leitungsgeschwindigkeit können unter-schiedliche Typen von Nozizeptoren unterschieden werden, die auf hohe Temperatu-ren reagieren. Es gibt dünnmyeliniserte A-Faser-Nozizeptoren des Typs I und II (Treede, Meyer et al. 1998) mit relativ hohen Leitungsgeschwindigkeiten zwischen 15 und 25 m/s, sowie kleinkalibrige, unmyelinisierte C-Faser-Nozizeptoren mit niedriger Leitungsgeschwindigkeit bei 2 m/s."[42]


Formen von Schmerz

Je nach Ursache gibt es verschiedene Formen von Schmerz:[43]

  • neuropathischer Schmerz
    Der neuropathischer Schmerz geht auf eine Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems zurück, nicht auf eine Verletzung. Ein schmerzleitender Nerv kann verletzt oder so oft stimuliert worden sein, dass er gewohnheitmsäßige Schmerzsignale an das Gehirn sendet. Auch können Schmerzneuronen im Cortex so sensibilisiert werden, dass sie auch ohne äußere Ursache Schmerzempfinden erzeugen.
  • neuralgischer Schmerz
    Beim neuralgischen Schmerz ist die Ursache meist eine Reizung des Nervus trigeminus (Drillingsnerv = V. Hirnnerv). Die Gesichtsneuralgie betrifft oft nur eine Gesichtshälfte und ist auf der Haut, in Mund oder Zähnen zu spüren. Sie kommt und geht unvorhersehbar und wird oft als stechend, tief verletztend, elektroschockartig oder einschließend beschrieben. Oft löst das Berühren bestimmter "Triggerpunkte" auf der Haut heftige Schmerzattacken aus. Betroffene leiden oft anhaltend wochen- oder monatelang und sind dann wieder für Monate oder Jahre schmerzfrei.
  • übertragener Schmerz
    Übertragener Schmerz tritt auf, wenn Nervenfasern aus Gebieten mit viel sensorischem Input (wie der Haut) zusammen mit solchen mit wenig sensorischem Input (wie den Eingeweiden) an derselben Stelle ins Rückenmark eintreten. Das Gehirn erwartet Input von den hochsensiblen Gebieten und lokalisiert den Schmerz falsch.

Das Gehirn

Schmerz ist für das Überleben so wichtig, dass er fast alle Hirnareale beschäftigt. Drei Schmerzzentren registrieren, beurteilen und lokalisieren Schmerzsignale. Außerdem planen das suppleentär-motorische Areal und der Motorcortex mögliche Ausweichbewegungen und führen sie aus. Teile des parietalen Cortex richten die Aufmerksamkeit auf die Bedrohung und verschiedene Teile des frontalen Cortex beteiligen sich daran, die Bedeutung des Schmerzes zu ergründen und was zu tun ist.
Eine körperliche Verletzung allein lässt uns noch keinen Schmerz fühlen. Er muss bewusst werden. Dies geschieht in verschiedenen Hirnarealen, die für Emotionen, Aufmerksamkeit und das Einschätzen von Bedeutung zuständig sind. Ihre Aktivität kann jedoch auch Schmerzempfinden ganz ohne Ursachen erzeugen.
Signale von Schmerz gelangen in verschiedene Hirnareale, in denen sie Neuronen aktivieren, die beständig den Zustand des Körpers überwachen. Zwei dieser Areale sind der somatosensorische Cortex (er ermittelt, aus welchem Körperteil der Schmerz kommt) und die Insel (die emotionale Bewertung des Schmerzes). Hinzu kommt der anteriore (vordere) cinguläre Cortex (ACC). Er scheint die emotionale Bedeutung des Schmerzes zu beurteilen, wie viel Aufmerksamkeit eine Verletzung verdient.[44]

Das Gehirn ist zwar verantwortlich für unsere Schmerzwahrnehmung, registriert aber selbst keinen Schmerz, weil im Gehirn keine Schmerzrepeptoren vorhanden sind. Daher können bei Operationen am Gehirn bei vollem Bewusstsein des Patienten durchgeführt werden. Sie können bei einer elektrischen Stimulierung bestimmter Areale selbst berichten, was sie erleben. Dies hilft dem Chirurgen, Hirnareale mit entscheidenden Funktionen zu orten. So kann er sich entsprechend vorsichtig z.B. zu einem Tumor vorarbeiten, ohne dabei wichtiges, gesundes Hirngewebe zu zerstören.[45]

"Die Genauigkeit der Lokalisation eines Reizes am oder im Körper hängt vermutlich v. a. von der Repräsentation im Projektionsareal der Hirnrinde ab (...), weit weniger von der Art der erregten Afferenzen."[46]

"Zwischen Nozizeptorerregung und Schmerzempfindung läuft die komplexe zentralnervose Informationsverarbeitung ab. Dennoch prägt die Art der Nozizeptorerregung viele Eigenschaften der Schmerzperzeption, Z.B. Qualität, Lokalisation, Schwelle und teilweise auch Intensität des Schmerzes."[47]

"Da die synaptischen Prozesse im ZNS einer variablen Kontrolle unterliegen, ist die Schmerzschwelle nicht mit der Erregungsschwelle der Nozizeptoren identisch. Verschiedene Schmerzmodalitiiten werden durch unterschiedliche Populationen von Nozizeptoren verschiedener Typen vermittelt. Die zentrale Schwelle kann für verschiedene Nozizeptorpopulationen unterschiedlich eingestellt sein.[48]

Nach Melzack und Casey ist das Schmerzerleben mehrdimensional. Es hat eine sensorische, eine affektive und eine evaluative Dimension. Ein bestimmtes Schmerzerleben kann in jeder dieser 3 unabhängigen Dimensionen unterschiedlich ausgeprägt sein.[49]

Als Ergebnis vielfältiger morphologischer und funktioneller Studien lässt sich eine grobe Einteilung der an der Schmerzwahrnnehmung und an Schmerzreaktionen beteiligten Hirnregionen in ein laterales und ein mediales System vornehmen:[50]

  • Laterales System
    Das laterale System besteht aus den spezifischen thalamischen Projektonskernen und den beiden kortikalen Projektionsfeldern S1 und S2. Dieses System erhält Input von der kontralateralen Körperhälfte über den spinothalamischen Trakt und ist somatotopisch organisiert. Es dient vor allem der sensorischen Unterscheidung. Die Beteiligung dieses Systems an der Schmerzwahrnehmung belegen Untersuchungen. Wurden diese Neuronen über eine Mikroelektrode mit sehr feinen Stromimpulsen gereizt, hatten die Patienten eine Schmerzwahrnehmung.
  • Mediales System
    Das mediale System erhält einen bilateralen Input. Es umfasst retikuläre Kerne im Stammhirn und mediale Kerne im Thalamus. Es projiziert in weite Teile des Vorderhins, u.a. in die Inselregion und in den Frontallappen, vor allem aber in limbische Kerngebiete. Dazu gehören subkortikale Kerngebiete, wie Teile der Amygdala, und kortikale Strukturen wie der Gyrus cinguli anterior. Dieses hier vage umrissene System dient vielfältigen Aufgaben, u.a. der Aufmerksamkeitsaktivierung, der Bewertung und der emotionalen Färbung von Schmerzen.

Hinzu kommen weitere Hirnregionen, die im Zusammenhang mit motorischen und vegetativen Reaktionen auf Schmerzreize aktiviert werden.

"Nicht alle an der Schmerzverarbeitung beteiligten Hirnregionen tragen notwendigerweise zur bewußten Wahrnehmung von Schmerz bei. Eine wichtige Funktion v.a. von Stammhirnregionen, die durch nozizeptiven Input erregt werden, ist die endogene Schmerzhemmung. Zu diesem System gehören u.a. noradrenerge und serotonerge Zellgruppen im Mittelhirn und Stammhirn und das zentrale Höhlengrau des Mittelhirns."[51]

Das thalamokortikale System

"So stimmt das mit der Beobachtung überein, dass das thalamokortikale System genau jener Part des Zentralnervensystems ist, dessen schwere Beschädigung einen Bewusstseinsverlust nach sich zieht. Umgekehrt ist der Wert für ‚Integrierte Information’ in Systemen niedrig, die auf kleinen, quasi-unabhängigen Modulen aufgebaut sind. Dies wird der Grund sein, warum das Kleinhirn trotz seiner immensen Anzahl von Neuronen kaum etwas zur Bewusstseinsentstehung beiträgt."[52]

"Für das Bewusstwerden der Sinnesempfindung Schmerz als kognitiver Verarbeitung des Schmerzreizes ist das thalamokortikale System verantwortlich, das aus einem lateralen und einem medialen Part besteht. Das laterale System mit dem Ventrolateralkomplex des Thalamus und den Kortexarealen S1 und S2 vermittelt die sensorisch-diskriminative Komponente des Schmerzes. Dies erfolgt über den Tractus spinothalamicus und Projektion in die Kortexareale S1 und S2. Über das mediale System, das Insula, Gyrus cinguli anterior und präfrontalen Kortex umfasst, wird die emotional-affektive Schmerzkomponente vermittelt (Schaible 2007 und 2010c). Die gemeinsame Beteiligung der verschiedenen Areale bewirkt das Zusammenspiel von nozizeptiven Reizen mit anderen kortikalen Funktionen, wie Aufmerksamkeit, Emotion und Gedächtnis (Schaible 2010c, Benedetti et al. 2011a). Andersherum impliziert die Tatsache, dass Schmerz und Affekte z.T. in demselben Kortexareal wahrgenommen werden, die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der Sinnesempfindung Schmerz (Uhlemann 2004b)."[53]

Nach Thomas Sontowski gehören zum Thalamokortikalen System der Hirnstamm und der Thalamus.[54]

  • Hirnstamm
    Der Hirnstamm mit seinen Kerngebieten vermittelt verschiedene Funktionen und weist sehr große ipsi-, kontra- und bilaterale rezeptive Felder auf. So kommt es in der Formatio reticularis und anderen Kerngebieten als Antwort auf noxische Reize zu Änderungen im Entladungsverhalten der Neurone und damit zu einer Vermittlung motorischer, autonomer und affektiver Schutz- und Rückzugsreaktionen, allgemeiner Aufmerksamkeitssteigerung und Aktivierung höher gelegener subkortikaler und kortikaler Strukturen.
  • Thalamus
    Der Thalamus erhält nozizeptive Informationen hauptsächlich aus dem spinothalamischen oder retikulothalamischen Trakt. Er kann in verschiedene Anteile untergliedert werden, wobei das ventrobasale, das posteriore und das mediale Kerngebiet die bedeutendsten darstellen. Zusammenfassend kann man sagen, dass im Thalamus der ventrobasale Komplex sensorisch-diskriminative Funktionen, die medialen, posterioren und retikulären Thalamusgebiete Weckreaktionen und Affekte vermitteln. Das Thalamokortikale System ist demnach für die Bewusstwerdung von Schmerzen von entscheidender Bedeutung.

"Befindet sich das thalamokortikale System in einem Wachzustand, wird das Schmerzempfinden bewusst wahrgenommen und in Beziehung zu zahlreichen anderen neuronalen Funktionen gesetzt."[55]

"Das Einstellen der beiden Aktivitätszustände unterliegt der Kontrolle durch die Transmittersysteme des aufsteigenden, aktivierenden Hirnstammsystems, die das thalamokortikale System an die Zustände von Wachheit und Schlaf anpassen."[56]

Vor der Geburt

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Nach 26 Wochen sind die Nervenstränge, die Schmerzreize zur Hirnrinde des Fetus leiten, ausgebildet. Erst dann können die Schmerzreize von der Haut bis in die Hirnareale des Kindes gelangen. Ob sie damit aber auch bis ins Bewusstsein vordringen, steht noch nicht fest. Bewusstes Schmerzempfinden ist wahrscheinlich erst bei Frühgeburten nach der 29. bzw. 30. Schwangerschaftswoche möglich. Die Schmerzsensoren, die verästelten Ausläufer der Nervenzellen, liegen schon ab der siebten Schwangerschaftswoche in der Haut, und Rückenmarkreflexe sind ab der achten Woche vorhanden, so dass der Fetus auf Berührung mit der Nadel reagieren kann. Im Gegensatz zu dem, was die fanatischen Anhänger von Pro-Life behaupten, besagt das jedoch keineswegs, dass der Fetus bewusst Schmerz empfinden kann. Dazu müsste der Reiz erst in die Hirnrinde gelangen.[57]
Die Reaktionen eines Fetus auf Schmerzreize beruhen in dieser Phase ausschließlich auf Rückenmarksreflexen. Ein anenzaphales Kind (ein Kind ohne Großhirn) reagiert auf die gleiche Weise. Die Reaktion auf Schmerzreize verläuft bei ihm gerade deshalb so heftig und umfassend, - sie scheint den gesamten Körper mit einzubeziehen -, weil die Hirnrinde noch nicht ausgereift ist und den Rückenmarksreflex daher noch nicht auf ein normales Maß drosselt.

Die Verbindungen zwischen dem Thalamus und der kotikalen Ebene unterhalb der Hirnrinde bilden sich zwischen der 12. und 16. Schwangerschaftswoche aus. Die kortikale Ebene ist gleichsam das Wartezimmer für die Nervenfasern, die später, zwischen der 23. und 30. Woche, in die Hirnrinde hineinwachsen. Messungen der elektrischen Aktivität im Gehirn (EEG) und der Durchblutung der Hirnrinde zeigen sich bei Kindern, die ab der 25. bis 29. Schwangerschaftswoche zu früh geboren wurden, Reaktionen auf Schmerzreize. Die Schmerzreize kommen in dieser Phase also in der Hirnrinde an. Die Frage ist jedoch, ob die Hirnrinde schon reif genug ist, um den Schmerz bewusst wahrnehmen zu können. Das ist notwendig, um den Schmerz auch emotional zu empfinden.[58]

Schmerz bei Alzheimer

Schmerzreize pflanzen sich über zwei Bahnen fort. Das Schmerzgefühl läuft über den seitlichen Teil des Rückenmarks zu dem Teil der Hirnrinde, in dem die sensorischen Reize verarbeitet werden. Das ist das laterale System. Da dieser Teil der Hirnrinde von der Alzheimer-Krankheit wenig beeinträchtigt ist, wird der Schmerzreiz hier normal empfangen und verarbeitet; die Schmerzschwelle bei Alzheimer-Patienten ist normal. Das zweite System transportiert die Schmerzreize über den mittleren Teil des Rückenmarks zur cingulären Hirnrinde, einem Alarmgebiet im Gehirn, das bei Alzheimer-Patienten stark angegriffen ist. Das ist das mediale Schmerzsystem, das das Schmerzgefühl emotional prägt. Alzheimer-Patienten haben Schmerzempfindungen, weil das laterale Schmerzsystem gut funktioniert, aber sie begreifen nicht, was mit ihnen geschieht, weil ihr mediales System beeinträchtigt ist. Sie reagieren darauf in einer Weise, die wir nicht als Schmerz deuten. Sie runzeln die Stirn, sind ängstlich und aufgeregt.[59]

Vier-Phasen-Modell des Schmerzprozesses

Wade und Kollegen (Wade, Dougherty, Archer & Price) beschrieben im Jahr 1996 den Schmerzprozess anhand von vier Phasen:[60]

Schmerzintensität
(Sensation)
Unmittelbarer Schmerzaffekt
Unpleasantness)
Langfristiger Schmerzaffekt
(Suffering)
Schmerzverhalten
(Behavior)

Schmerzkomponenten

Schmerzkomponenten
sensorisch-diskriminativ => Reizidentifizierung
affektiv-emotional => Schmerzhaftigkeit
vegetativ-autonom => z.B. Puls- und Blutdrucksteigerung
motorisch => Reflexe
psychomototisch => z.B. Mimische Reaktion
kognitive => Bewegung

Mensch beschrieb im Jahr 2004 den Schmerz mit diesen Komponenten.[61]

Schmerzmatrix

Die Schmerzmatrix gesteht im Wesentlichen aus dem Thalamus, der Amygdala, der Inselrinde, dem supplementär motorischen Cortex, dem posterioren parietalen Cortex, dem präfrontalen Cortex, dem Cingulum, dem periaquäductalen Grau, den Basalganglien und dem Cerebellum sowie dem primären und sekundären somatosensorischen Cortex.[62]

Geschlechtliche Unterschiede

Robert Sorge untersuchte im Jahr 2009 in Montreal (Kanada) Schmerzen bei Mäusen. Dabei stellte er fest, dass die männlichen Versuchstiere schmerzempfindlicher waren als die weiblichen. Zusammen mit dem Schmerzexperten Jeffrey Mogil fand er den Grund heraus: Offenbar entsteht diese Art von Schmerzüberempfindlichkeit bei männlichen und weiblichen Mäusen auf unterschiedlichen Wegen, an denen auch verschiedene Typen von Immunzellen beteiligt sind.
Um die Aufmerksamkeit der Mikroglia zu erregen, die als Immunzellen des zentralen Nervensystems fungieren, injizierten die Wissenschaftler den Nagern ein spezielles bakterielles Molekül in die Wirbelsäule. Das führte jedoch nur bei den männlichen Tieren zu einer Entzündung, die dann dafür sorgte, dass diese wiederum empfindlich auf den eingangs beschriebenen Haarstrichtest reagierten. Die Mikroglia der Weibchen blieben hingegen stumm.
Um besser zu verstehen, wie es zu diesem Phänomen kommt, wandten sich Sorge und Mogil einer Schmerzquelle zu, die alle Mäuse gleichermaßen betrifft: Sie verletzten den Ischiasnerv, der vom unteren Rücken in die Beine hinabläuft, was chronische Schmerzen verursachte, die sowohl männliche als auch weibliche Tiere besonders berührungsempfindlich machten. Doch selbst in diesem Fall stießen die Wissenschaftler auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Mikroglia schienen eine wichtige Rolle bei den Schmerzen der männlichen Mäuse zu spielen, nicht aber bei denen der weiblichen: Ganz gleich, auf welchem Weg die Forscher die Mikroglia ausschalteten, sie konnten damit lediglich die Schmerzempfindlichkeit der Männchen verringern.
Die Nervenschädigung plagte die Weibchen genauso wie ihre männlichen Artgenossen – allerdings schienen bei ihnen statt Mikroglia andere Immunzellen, die T-Lymphozyten, für das chronische Leiden verantwortlich zu sein. Fügten Sorge und seine Kollegen weiblichen Mäusen ohne T-Zellen die gleiche Nervenverletzung zu, reagierten diese jedoch immer noch überempfindlich auf die feinen Haare: Nun schienen ebenfalls die Mikroglia die Schmerzantwort zu vermitteln. Indem die Wissenschaftler diese Zellen ebenfalls ausschalteten, konnten sie auch die Schmerzen der Weibchen lindern. Übertrugen die Forscher den Nagern wiederum neue T-Zellen, hörten die Tiere wieder damit auf, den Mikroglia-Schmerzpfad zu benutzen.
Bei weiteren Studien stellten die beiden Forscher fest, dass Testosteron als Umschalter zwischen den beiden Schmerzpfaden fungiert. Kastrierte Nager zeigten ähnliche Reaktionen wie weibliche Tiere. Verabreichten die Forscher ihnen jedoch zusätzliches Testosteron, wurde ihre Schmerzempfindlichkeit wieder durch die Mikroglia gesteuert.
Sorge und Mogil hätten diese Entdeckung niemals gemacht, wenn sie den gleichen Konventionen gefolgt wären wie die meisten anderen Schmerzforscher. Indem sie sowohl männliche als auch weibliche Tiere in ihre Studien miteinbezogen, schwammen sie gegen den Strom. Damals befürchteten viele ihrer Kollegen, die weiblichen Hormonzyklen würden die Interpretation der Ergebnisse erschweren. Andere arbeiteten ausschließlich mit männlichen Tieren, weil das nun mal so gang und gäbe war.
Rund 20 Prozent aller Menschen weltweit leiden an chronischen Schmerzen, die meisten von ihnen sind Frauen. Bislang bieten Arzneimittelhersteller für alle Patienten die gleichen Schmerzmittel an. Doch wenn die Wurzeln der Pein sich unterscheiden, dann könnten manche Medikamente bei einigen Patienten besser wirken als bei anderen.
Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass die Mikroglia – sowie deren Enzyme und Rezeptoren – nicht nur bei männlichen Mäusen eine wichtige Rolle für die Schmerzverarbeitung spielen. Der Neurowissenschaftler Michael Salter, der mit Mogil zusammenarbeitet, entdeckte, dass auch bei männlichen Ratten, die infolge einer Nervenverletzung besonders schmerzempfindlich sind, mikrogliale Rezeptoren am Werk sind. Salter studiert das Phänomen nun auch bei Makaken, deren Schmerzverarbeitung der des Menschen stärker ähnelt.
Und selbst wenn es Forschern irgendwann gelingen sollte, Arzneimittel zu entwickeln, die speziell auf männer- oder frauenspezifische Schmerzpfade zugeschnitten sind, reicht das womöglich nicht aus. Stattdessen könnte es von Vorteil sein, Medikamente noch stärker an den Patienten anzupassen und auch dessen Gene, Hormonlevel und anatomische Entwicklung zu berücksichtigen. Nur wenige Wissenschaftler haben sich bislang mit den Schmerzmechanismen bei solchen Menschen auseinandergesetzt, die sich nicht so einfach in die Kategorien Mann und Frau einordnen lassen. Italienische Forscher befragten für eine Untersuchung Transgender-Personen, die sich gerade einer Hormonbehandlung unterzogen. 11 von 47 Personen, die vom männlichen zum weiblichen Geschlecht wechselten, berichteten von Schmerzen, die nach dem Übergang auftraten. 6 von 26 Personen, die vom weiblichen zum männlichen Geschlecht wechselten, berichteten hingegen, dass etwaige Schmerzleiden nach der Einnahme von Testosteron nachließen.
Vermutlich entstehen demnach Schmerzen bei Menschen, deren Testosteronkonzentration über einem bestimmten Schwellenwert liegt, über den typisch männlichen Verarbeitungsweg, während Personen mit niedrigem Testosteronspiegel sich schmerztechnisch eher wie Frauen verhalten.[63]

Interaktion mit dem Immunsystem

Bei Schmerzreizen werden von Nozizeptoren Neuropeptide freigesetzt, die die Tätigkeit von Mastzellen und Immunzellen beeinflussen. Über diesen Weg kommuniziert das Nervensystem mit dem Immunsystem.[64]

Aussagen über Schmerzen der Hirntoten

Im Mai 2001 gab der WB-BÄK eine Bekanntmachung zum Schmerzempfinden bei Hirntod heraus, wonach es "nach dem Hirntod keine Schmerzempfindung mehr gibt. Deshalb sind nach demHirntod bei Organentnahmen keine Maßnahmen zur Schmerzverhütung (zumBeispiel Narkose) nötig. Die Tätigkeit eines Anästhesisten bei der Organentnahme - zu Maßnahmen wie zum Beispiel der künstlichen Beatmung, der Kontrolle derHerztätigkeit und des Kreislaufs sowie der notwendigen Ruhigstellung der Muskulatur – dient ausschließlich der Erhaltung der Funktionsfähigkeit der zu entnehmenden Organe"[65]

B. Sinner und B.M. Graf: "Im Zustand der Dezerebration ist jedoch keine kortikale Schmerzempfindung und -verarbeitung mehr vorhanden. Daher gilt es als ausreichend, die kardiozirkulatorische Antwort auf die Reflexe mit kurzwirksamen Medikamenten wie β-Blocker (Esmolol) oder Nitroglycerin zu therapieren.
Die Auslösung neuromuskulärer Reflexe können sich als spontane Bewegungen äußern, welche für Angehörige und Personal sehr befremdlich sind. Um diese Reflexbewegungen zu unterbinden aber auch zur Schaffung optimaler Entnahmebedingungen sollte daher eine Muskelrelaxierung durchgeführt werden"[66]

Anhang

Quellen

Anmerkungen

  1. Wenn somit bei der Feststellung des Hirntodes bei der Auslösung dieses größtmöglichen Schmerzes keine Reaktion gekommen ist, warum sollte ein Hirntoter dann noch Schmerzen wahrnehmen? - Wenn die Wartezeit für den Nachweis der Irreversibilität nicht durch apparative Diagnostik verkürzt wird, ist diese Überprüfung der Trigeminus-Schmerz-Reaktion nach mind. 12 bzw. 72 Stunden zu wiederholen. Es gibt hier somit eine doppelte Sicherheit.
  2. Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Schmerz#Schmerzleitung heißt es hierzu (Zugriff am 3.3.2014):
    Im Rückenmark kommt es einerseits zu Reflexverschaltungen, die eine Fluchtbewegung auslösen. Dabei ist der Schmerz noch nicht bewusst geworden (zum Beispiel reflexhaftes Zurückziehen der Hand, noch bevor die Berührung der heißen Herdplatte als schmerzhaft empfunden wurde).
  3. Das limbische System (Funktionseinheit des Gehirns) verarbeitet Emotionen und schafft Triebverhalten.
  4. Befindet sich z.B. der Mensch lebensbedrohlich auf der Flucht, nimmt er keinen Kratzer und Wunden wahr. Es geht um sein Überleben. Da spielen die Kratzer und Wunden keine Rolle. Ist er endlich in Sicherheit, fährt das limbische System die Schmerzgrenze wieder nach unten und nimmt zunächst die Wunden und später auch die Kratzer wahr. - Hierzu regt das limbische System über Hypophyse und Hypothalamus die Ausschüttung von körpereigenen Opiate (Endorphine) an. Die ausgeschütteten Endorphine können zwar gemessen werden, aber die genaue Wirkungsweise zum Anheben der Schmerzgrenze ist noch nicht geklärt (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Endorphin#Physiologie).
  5. In D/A/CH gilt der Gesamthirntod als Hirntod, d.h. Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm müssen abgestorben sein. Schmerzwahrnehmung erfolgt jedoch im Großhirn. Dieses ist in D/A/CH tot. Damit ist Schmerzwahrnehmung unmöglich. - In den Ländern mit Hirnstammtod (z.B. Großbritannien, Polen) muss für Hirntod nur der Hirnstamm abgestorben sein. Damit können dort Hirntote noch teilweise funktionierendes Großhirn besitzen. Dieses kann Schmerzen wahrnehmen. Aus diesem Grunde fordern die Ärzte in diesen Ländern für sich, wie auch für alle Organspender, dass man ihnen bei der Organentnahme eine Vollnarkose gibt.
  6. Hierzu ein Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Adrenalin#Wirkungen Zugriff am 3.3.2014.
    Adrenalin ist ein Stresshormon und schafft als solches die Voraussetzungen für die rasche Bereitstellung von Energiereserven, die in gefährlichen Situationen das Überleben sichern sollen (Kampf oder Flucht).
  7. Nervenzellen, die die Information Schmerzreiz weiterleiten.
  8. In Ruhe wird jeder Schmerz an das Gehirn weitergeleitet. In einer lebensgefährlichen Situation (z.B. Kampf auf Leben und Tod) werden auch große Schmerzen nicht wahrgenommen, weil es jetzt um das Leben an sich geht.
  9. Prof. Dr. med. Eberhard Götz
    Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anaesthesiologie und Intensivmedizin
    Prof. Dr. med. Falk Oppel
    1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie
    Prof. Dr. med. Werner Hacke
    1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
    Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe
    Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages
    Prof. Dr. med. Karl-Friedrich Sewing
    Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer
  10. Die Schrift trägt kein Datum, aber auf Seite 3 den Hinweis "Das Universitätsspital Genf (HUG) hat seit Januar 2012 ein Programm ...". Somit muss diese Schrift nach Januar 2012 erstellt worden sein.

Einzelnachweise

  1. Andrea Ebersberger: Von der Physiologie zur Pathophysiologie des Schmerzes - Grundlegende Verabeitungsmechanismen nozizeptiver Information im spinalen und medullären Hinterhorn. (Habilitationsschrift) Jena 2003, 1.
  2. Henning Beck, Sofia Anastasiadou, Christopher Meyer zu Reckendorf: Faszinierendes Gehirn. Eine bebilderte Reise in die Welt der Nervenzellen. Heidelberg 2016, 176.
  3. a b c Maria Lorünser: Physiologie des Schmerzes. Nach: https://docplayer.org/11791393-Physiologie-des-schmerzes-schmerzes.html Zugriff am 10.02.2019.
  4. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 299.
  5. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 300.
  6. Stefan Teutsch: Strukturelle Veränderungen des Gehirns als Folge repetitiver schmerzhafter Stimulation. (med. Diss.) Hamburg 2011, 13. Nach: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/5296/pdf/Dissertation.pdf Zugriff am 22.02.2019.
  7. H.O. Handwerker: Einführung in die Phathophysiologie des Schmerzes. Heidelberg 1999, 8f.
  8. H.O. Handwerker: Einführung in die Phathophysiologie des Schmerzes. Heidelberg 1999, 10.
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/Schmerz#Schmerzleitung Zugriff am 3.3.2014.
  10. http://de.wikipedia.org/wiki/Adrenalin#Wirkungen Zugriff am 3.3.2014.
  11. Niels Bierbaumer, Robert F. Schmidt: Wachen, Aufmerksamkeit und Schlafen. In: Robert F. Schmidt, Gerhard Thews (Hg.): Physiologie des Menschen. Berlin 1990, 236f.
    • Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 304.
  12. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 31.
  13. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 62.
  14. Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 7. Auflage. München 2017, 228.
  15. http://www.schmerzkreis.net/chronische-schmerzen.html Zugriff am 11.8.2015.
  16. https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-passiert-in-unserem-kopf-wenn-wir-schmerzen-haben Zugriff am 1.8.2015.
  17. Anne Nicklas: In vivo-Untersuchungen zu strukturellen Gehirnveränderungen bei chronischem lumbalem Rückenschmerz mittels Voxel-basierter Morphometrie (VBM). Köln 2013. Im Internet unter: https://repository.publisso.de/resource/frl:5371347-1/data Zugriff am 8.2.2016.
  18. a b Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 7. Auflage. München 2017, 96.
  19. Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 7. Auflage. München 2017, 228.
  20. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 307.
  21. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 307.
  22. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 307.
  23. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 308.
  24. Bernd-Alexander Gebhard Hock: Die Darstellung von Opiatrezeptoren im menschlichen Gehirn mittels Diprenorphin. München 2006, 18. Im Internet unter: https://mediatum.ub.tum.de/doc/625103/625103.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  25. Siehe: Verena Kollmann-Fakler: Prognosekriterien und Outcome der hypoxischen Hirnschädigung nach Herz-Kreislauf-Stillstand. München 2011, 51. Im Internet unter: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12629/1/Kollmann_Fakler_Verena.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  26. Dirk Borchers: Diagnostik und konservative Behandlungsstrategien beim chronischen Gesichtsschmerz. Bochum 2002, 16. Im Internet unter: http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/BorchersDirk/diss.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  27. Peyman Hadjar: Retrospektive Studie zur mikrovaskulären Dekompression des Nervus trigeminus bei Patienten über 65 Jahren. Hannover 2009, 3. Im Internet unter: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/binary/DYWQ7XXQFVPC2HA6FCRBJMF3KT3OOAPL/full/1.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  28. Raphaela Cornelia Borowka: Operative Therapie der Trigeminusneuralgie im höheren Lebensalter. Hamburg 2009, 70. Im Internet unter: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4388/pdf/DoktorarbeitBorowkaR05112009.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  29. http://de.wikipedia.org/wiki/Trigeminus#Trigeminusneuralgie Zugriff am 3.3.2014.
  30. Bei ihnen allen erfolgte der Zugriff am 11.8.2015:
  31. H.O. Handwerker: Einführung in die Phathophysiologie des Schmerzes. Heidelberg 1999, 68f.
  32. H.O. Handwerker: Einführung in die Phathophysiologie des Schmerzes. Heidelberg 1999, 79f.
  33. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 104.
  34. Kathrin Riedlinger: Der Zusammenhang zwischen Temporomandibulärer Dysfunktion und Schmerzen im Bewegungssystem. München 2008, 8. Im Internet unter: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/9256/1/Riedlinger_Kathrin.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  35. Helena Dohmann: Schmerzwahrnehmung und Schmerzempfindung bei Progressiver Supranukleärer Blickparese (PSP). Mahrburg 2013. Im Internet unter: http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2013/0132/pdf/dpsp.pdf Zugriff am 8.2.2016.
  36. Henning Beck, Sofia Anastasiadou, Christopher Meyer zu Reckendorf: Faszinierendes Gehirn. Eine bebilderte Reise in die Welt der Nervenzellen. Heidelberg 2016, 177.
  37. Guido Gallacchi, Beatrice Pilger: Schmerzkompendium. Schmerzen verstehen und behandeln. 2. Aufl. Stuttgart 2005, 26f.
  38. http://www.samw.ch/dms/de/Publikationen/Factsheets/d_TxG_Hirntod.pdf Zugriff am 3.3.2014.
  39. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 64.
  40. https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=27351 Zugriff am 2.3.2018.
  41. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 105.
  42. Stefan Teutsch: Strukturelle Veränderungen des Gehirns als Folge repetitiver schmerzhafter Stimulation. (med. Diss.) Hamburg 2011, 13. Nach: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/5296/pdf/Dissertation.pdf Zugriff am 22.02.2019.
  43. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 105.
  44. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 106.
  45. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 107.
  46. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 38.
  47. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 43.
  48. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 44.
  49. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 71.
  50. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 78.
  51. H. O. Handwerker: Einführung in die Pathophysiologie des Schmerzes. Berlin 1999, 80.
  52. Giulio Tononi: Information integration: its relevance to brain function and consciousness. In: Arch Ital Biol. 148(3), 2010 Sep, S. 299–322. Zitiert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Giulio_Tononi Zugriff am 18.05.2019.
  53. Katrin Stoy: Prospektive unkontrollierte klinische Studie zur Wirksamkeit von ambulantem Heilfasten nach Otto Buchinger auf Schmerz, Befindlichkeit, Gelenkfunktion und paraklinische Entzündungsparameter bei Patienten mit Arthrose. (med. Diss.) Jena 2012, 7f. Nach: https://d-nb.info/104804713X/34 Zugriff am 18.05.2019.
  54. Thomas Sontowski: Analyse der intra- und postoperativen Schmerztherapie bei Kindern mit leichten bis mittelstarken postoperativen Schmerzen an der Universität Leipzig im Zeitraum von 2005 bis 2007. (med. Diss.) Leipzig 2011, 7. Nach: http://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A11240/attachment/ATT-0 Zugriff am 18.05.2019.
  55. Maire Brasseler: Etablierung einer nicht-invasiven Methode der Schmerzmessung durch Analyse des Prostaglandin-E-Metaboliten, von Leukotrien-B4, Glutamat und 17-α-Hydroxy-Progesteron im Urin von Frühgeborenen und reifen Neugeborenen. (med. Diss.) Düsseldorf 2018, 8. Nach: https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-50921/Dissertation%20Maire%20Brasseler-1.pdf Zugriff am 18.05.2019.
  56. Petra Ehling, Stefan Bittner, Sven G. Meuth, Thomas Budde: TASK, TREK & Co.: Eine wandelbare Kalium-Kanalfamilie für diverse Aufgaben im Gehirn. In: Neuroforum (21) 2015, 46. Nach: https://nwg-info.de/sites/nwg-info.de/files/media/pdf/neuroforum/2015-2.pdf Zugriff am 18.05.2019.
  57. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 80.
  58. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 81.
  59. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 436f.
  60. Wade et al. In: Andrea Borghardt: Emotionale Modulation des Schmerzes: neuronale Korrelate. (med. Diss.) Gießen 2009, 6. Nach: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/6818/pdf/BorghardtAndrea-2009-02-02.pdf Zugriff am 22.02.2019.
  61. Andrea Borghardt: Emotionale Modulation des Schmerzes: neuronale Korrelate. (med. Diss.) Gießen 2009, 7. Nach: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/6818/pdf/BorghardtAndrea-2009-02-02.pdf Zugriff am 22.02.2019.
  62. Wermer Pennekamp, Arne May: Bildgebende Verfahren. In: Hans-Christoph Diener, Christoph Maier (Hg.): Die Schmerztherapie. Interdiesziplinäre Diagnose- und Behandlungsstrategien. 4. Aufl. München 2011, 35.
  63. Amber Dance: Männlicher Schmerz, weiblicher Schmerz. Spektrum (19.07.2019). Nach: https://www.spektrum.de/news/warum-maenner-und-frauen-schmerzen-unterschiedlich-wahrnehmen/1660144?utm_source=pocket-newtab Zugriff am 22.07.2019.
  64. Hans-Georg Schaible: Nozizeption und Schmerz, Berlin 2011, 303.
  65. WB-BÄK zitiert nach: B. Sinner, B.M. Graf: Anaesthesie zur Organentnahme. In: Der Anaesthesist. 6/2002, 506. Nach: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Anaesthesie/fortbildung/pdf/20510493.pdf Zugriff am 18.05.2019.
  66. B. Sinner, B.M. Graf: Anaesthesie zur Organentnahme. In: Der Anaesthesist. 6/2002, 507. Nach: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Anaesthesie/fortbildung/pdf/20510493.pdf Zugriff am 18.05.2019.