Limbisches System

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Das limbische System ist eine Funktionseinheit des Gehirns, die der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient. Die Sichtweise, bestimmte Funktionen (wie die Triebe) nur auf das limbische System zu beziehen und als vom Rest des Gehirns funktionell abgegrenzt zu betrachten, gilt heute als veraltet. Andere kortikale und nicht-kortikale Strukturen des Gehirns üben einen enormen Einfluss auf das limbische System aus. Die Entstehung von Emotion und Triebverhalten muss also immer als Zusammenspiel vieler Gehirnanteile gesehen werden und darf nicht dem limbischen System allein zugesprochen werden.

Das limbische System ist daran beteiligt, Emotionen mit Handlungen zu verknüpfen und die Konsequenzen von Handlungen vorauszusehen.[1]

Das limbische System ist an der Ausbildung unserer Gedächtnisinhalte und unseren Gefühlen beteiligt. Dabei fungiert es wie eine Schaltzentrale und steht bei diesen Aufgaben mit anderen Gehirnregionen in Verbindung.[2]


Das limbische System ist auch für die Ausschüttung von Endorphinen verantwortlich.


Anatomie

Die Strukturen des limbischen Systems bilden einen doppelten Ring um die [Basalganglien]] und den Thalamus. Es wird gebildet aus phylogenetisch alten Anteilen der Großhirnrinde und subkortikalen Strukturen. Zum limbische System gehören u.a. folgende anatomische Strukturen:[3]

Jeder dieser Bestandteile besitzt wichtige funktionelle Verbindungen zu Steuerungszentren in anderen Hirnregionen. Die Verbindungen mit dem Mittelhirn werden auch als Mesolimbisches System bezeichnet.

Nach Martin Tepel gehören zum limbischen System:[4]

Ferner werden meist dazugezählt:

Wichtige Strukturen des limbischen Systems sind:[5]

Wichtige Strukturen und Verbindungen des limbischen Systems sind:[5]

Limbischer Cortex * Gyrus parterminalis
Limbische Kerngebiete im Großhirn * Area septalis mit Nxll. septales
Limbische Kerngebiete im Zwischenhirn * Corpus mammillare
Limbische Kerngebiete im Mittelhirn * Ncl. interpprduncularis
Limbische Verbindungen * Fornix

Aufgabe

Das limbische System reguliert die für die soziale Natur der Säugetiere typischen Empfindungen wie Sorge um den Nachwuchs, Angst, Nahrungsaufnahme, Liebe, Lust, Spieltrieb und das Lernen durch Nachahmen. Da es sich kaum von unserem Willen beeinflussen lässt, macht es unser Liebesleben häufig so kompliziert. Es schert sich nicht um unsere Lebensqualität, ob wir glücklich sind, sondern stellt drei evolutionäre Ziel in den Vordergrund:[6]

  • unser eigenes Überleben
  • das Überleben der Spezies durch genetische Vielfalt
  • die Gewährleistung der Aufzucht unseres Nachwuchses.

Das limbische System ist an Instinktverhalten, grundlegenden Emotionen und Impulsen wie Sexualtrieb, Zorn, Vergnügen und Überlebensdrang beteiligt. Zudem verknüpft es übergeordnete Bewusstseinszentren im Cortex mit dem Hirnstamm, der die körperlichen Systeme steuert.

Entwicklung

Das limbische System (paläomammalisches System) steht "in der Hierarchie zwischen der Großhirnrinde und den Hirnstammkernen. Das limbische System war seit seiner Entstehung wichtigstes Zentrum für die Steuerung der Anpassungsvorgänge der eigenen evolutionsbedingten Verändungen der Körpersturkturen und -funktionen und der Umwelt.
Es ist somit das zentrale Organ, welches durch die Steuerung des nutritiven Verhaltens (Ernährung), der Emotion, der Selektion die Höherentwicklung der Lebenswesen auf dieser Erde maßgeblich begünstigt hat."[7]

Sonstiges

Welt der Gefühle

Als Katzenfreund weiß man "um die ausgeprägte Fähigkeit der Stubentiger, sich zu entspannen und das Leben zu genießen. Der Grund dafür liegt in ihrem Gehirn: Bei Katzen ist das limbische System eines der am weitesten entwickelten Hirnareale. Eigentlich sind sie ausschließlich mit Fressen, Schlafen und Sex beschäftigt."[8] Doch unser Gehirn hat sich weiterentwickelt. Die Vernunft sagt uns, dass wir nicht jedem Trieb nachgeben sollten.



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 20.
  2. Henning Beck, Sofia Anastasiadou, Christopher Meyer zu Reckendorf: Faszinierendes Gehirn. Eine bebilderte Reise in die Welt der Nervenzellen. Heidelberg 2016, 43.
  3. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 67.
  4. Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 7. Auflage. München 2017, 210.
  5. a b Natalie Garzorz-Stark: Neuroanatomie. 2. Auflage. München 2018, 46.
  6. Ralf Lieder, Anke Felice Pospiech: Warum orgasmusfixierter Sex zur emotionalen Entfremdung führt. Nach: http://www.himmlisch-lieben.de/warum-orgasmusfixierter-sex-zur-emotionalen-entfremdung-fuehrt.html Zugriff am 9.9.2017.
  7. Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 623.
  8. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 66.