Axel W. Bauer: Unterschied zwischen den Versionen

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(Hirntod und Transplantationsmedizin (2017))
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Juristisch wäre es möglich, den Hirntoten auch mit künstlicher Beatmung zu bestatten. Es ist nur sehr unpraktisch.  
 
Juristisch wäre es möglich, den Hirntoten auch mit künstlicher Beatmung zu bestatten. Es ist nur sehr unpraktisch.  
  
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{{Zitat2|Wie  die  Frankfurter Allgemeine  Sonntagszeitung  am  19.  August  2012  mitteilte,  fanden  inzwischen sogar einige Bundestagsabgeordnete, vorwiegend aus den Reihen der Grünen und der Linken, dass man im Parlament neu über den Hirntod diskutieren müsste. (22)}}
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Es sollen die Menschen über den Hirntod diskutieren, die den pathophysiologischen Zustand Hirntod und seine anthropologische Tragweite verstanden haben.
  
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{{Zitat2|Dies gelte  zum  Beispiel  für  das  Argument,  täglich  stürben  drei  Menschen,  weil  sie  keine  Organspende  erhielten.  „Diese  Menschen  sterben  aber  nicht  am  Fehlen  eines  Spenderorgans,  sondern  an  ihren Erkrankungen“, so Beckmann. (23)}}
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Siehe: [[unterlassene Hilfeleistung]]
  
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Siehe: [[Alan Shewmon]]
  
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Siehe: [[schwangere Hirntote]] und [[Leben der Hirntote]]
  
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{{Zitat2|Schon  2008  konzedierte  der  amerikanische  Anästhesiologe  und  Medizinethiker  Robert  D.  Truog  von  der  Harvard-Universität  gemeinsam mit seinem Kollegen Franklin Miller von den National Institutes of Health, die Praxis des Hirntod-Kriteriums habe tatsächlich die Tötung des Spenders zur Folge. Truog und Miller forderten aber gerade nicht als Konsequenz daraus, die derzeitige Praxis der Organentnahme  zu  beenden,  sondern  sie  kamen  zu  dem  ethisch  wohl kaum widerspruchslos akzeptablen Schluss, dass die Regel, wonach der Spender tot zu sein habe, aufgegeben werden müsse: (24)}}
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Siehe: [[Robert  D.  Truog]] und [[Franklin Miller]]
  
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{{Zitat2|Der  lebende  Mensch  ist  keine  Sache,  sondern eine Person. Daher ist auch das Verhältnis des Menschen zu  den  Organen  seines  Körpers  kein  sachenrechtliches,  sondern  ein  personenrechtliches.  Organe  dürfen  aus  diesem  Grund  nicht  wie  bewegliche  Gegenstände  behandelt  oder  im  Extremfall  gar  verkauft  werden. (26)}}
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Damit schließt der Verfasser die [[Lebendspende]] aus, die er auf Seite 22 noch in Betracht zieht.<ref>Dort heißt es: "Das wäre vermutlich das Ende eines Großteils der Transplantationsmedizin, da dann nur noch die sogenannte „Lebendspende“ einer Niere oder eines Teils der Leber in Betracht käme."</ref> Dann dürften bei schweren Erkrankungen auch keine Organe (z.B. Niere, Gallenblase) entfernt werden. Auch der Austausch eines Herzen durch ein [[Kunstherz]] wäre dann verboten.
  
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{{Zitat2|Deshalb  ist  die  Leiche  biologisch  betrachtet  zwar eine Sache, in rechtlicher Hinsicht werden auf sie jedoch persönlichkeitsrechtliche  Regelungen  angewendet.  Diese  rechtliche  Praxis muss umso mehr dann respektiert werden, wenn – wie im Falle  des  „hirntoten“  Organspenders  –  die  typischen  Merkmale  eines Leichnams gerade nicht vorliegen, sondern wenn vielmehr der juristisch für tot Erklärte biologisch noch lebt. (27)}}
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Siehe: [[Todesfeststellung]] und [[Todeserklärung]] - Wenn man juristisch argumentiert, sollte man beim Recht bleiben: Jurisitisch sind Hirntotoe Tote.
  
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Wegen eines Geisterfahres wird nicht gleich die ganze Autobahn gesperrt.
  
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{{Zitat2|Es  wäre  aber  auch  geboten,  darüber  aufzuklären,  dass  ein  Sterbender,  dem  Organe  entnommen  werden sollen, aufgrund des Interesses an diesen seinen Organen in  der  Regel  durch  die  –  dann  fremdnützig  handelnde  –  Intensivmedizin  länger  am  Leben  erhalten  wird, ... (27)}}
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Es werden nicht aus Interesse der Intensivmedizin die Organe entnommen, sondern weil es Wunsch des Hirntoten bzw. seines gesetzlichen Vertreters ist. - Der Hirntote lebt nicht länger, sondern ihm wird nur länger der Blutkreislauf aufrecht erhalten.
  
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{{Zitat2|Bereits  1944  erklärte  Papst  Pius  XII. (1876-1958), dass die Macht des Menschen über seine Organe eine zwar beschränkte, aber doch direkte sei, und dass ein Organ geopfert werden dürfe, wenn der physische Organismus des einzelnen Menschen in Gefahr sei und dieser Gefahr auf andere Weise nicht begegnet werden könne. Prinzipiell gab es für Pius XII. auch keine Einwände gegen die Übertragung eines Organs von einem toten auf einen lebenden Menschen. Doch selbstverständlich ging der Papst damals nicht vom „Hirntod“ des Menschen aus, sondern vom  konventionellen  Herz-Kreislauf-Stillstand. Dies  belegt  seine  Aussage in der Ansprache vom 14. Mai 1956, es sei vom sittlich-religiösen Standpunkt aus nichts gegen die Ablösung der Hornhaut bei einem Toten einzuwenden. Die Hornhaut als ein sogenanntes bradytrophes, das heißt nur durch langsame Diffusion ernährtes Gewebe  konnte  aber  bereits  damals  dem  Leichnam  entnommen  werden, ohne dass der betreffende Mensch erst dadurch zu Tode gekommen wäre. (29)}}
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Hirntote gibt es erst seit der Einführung der [[künstlichen Beatmung]] mit Überdruck durch [[Björn Ibsen]] im Jahr 1952. Daher konnte Papst [[Pius XII.]] 1944 noch gar nicht von Hirntoten sprechen.
  
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{{Zitat2|Es darf aber  nicht  ausschließlich  der  Medizin  als  Profession  überlassen  werden,  welche  gerade  aktuellen,  vom  fachinternen  Mainstream  favorisierten  Kriterien  für  die  Bestimmung  des  Todes  herangezogen  werden.  Eine  derartige  Autonomie  der  Medizin  wäre  der  Bedeutung  des  Themas  nicht  angemessen. (31)}}
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Es ist Aufgabe der Mediziner, den Tod festzustellen. Daher brauchen die Mediziner für sie praktikable Kriterien des Todes. Die Todesdefinition der Theologen und Philosophen - die Trennung von Leib und Seele - ist für Mediziner undurchführbar.<ref group="Anm.">Streng genommen ist dieses Todeskriterium auch für die Theologen und Philosophen undurchführbar, denn noch nie konnte die Existenz einer Seele naturwissenschaftlich bewiesen werden. Daher kann auch naturwissenschaftlich auch die Trennung von Leib und Seele nicht bewiesen werden.</ref> Der Hirntod ist in Deutschland die erste Todesdefinition der Juristen.
  
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{{Zitat2|Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen, sondern er markiert das vorzeitige Ende des seinen Bürgern vom Staat garantierten Rechts auf Leben. (31)}}
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Siehe: [[Todesverständnis]]
  
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{{Zitat2|Man  kann  daher  die  Prognose  wagen:  Je  erfolgreicher  die  Transplan-tationsmedizin in qualitativer und quantitativer Hinsicht künftig sein wird, desto größer wird ihr Bedarf an Organen und damit der relative Organmangel werden. (35)}}
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Der Erfolg der Transplantationsmedizin wird nicht nur quantitativ in der Anzahl der [[TX]] gemessen, sondern auch qualitativ in der Dauer der Funktion der Organe. Je erfolgreicher die Transplantationsmedizin in qualitativer Hinsicht wird, desto weniger Organe braucht sie für nachfolgende [[TX]].
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Version vom 5. Oktober 2019, 07:54 Uhr

Axel W. Bauer (*1955) ist ein deutscher Medizinhistoriker, Wissenschaftstheoretiker und Medizinethiker. Er studierte von 1974 bis 1980 Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Schriften

Tod des Gehirns nicht mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen (2018)

Im 2. Quartal 2018 wurde unter dem Titel "Tod des Gehirns nicht mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen" das Interview mit Axel W. Bauer veröffentlicht.[1] Darin heißt es:

Die Transplantationsmedizin benötigt zur Organspende Lebende, die zugleich tot sein sollen.

Siehe: Todesverständnis

Dabei handelt es sich aber um keine gewöhnliche medizinische Diagnose, sondern um eine auf die Zukunft bezogene Prognose, die nur deshalb nicht falsifizierbar ist, weil der für »hirntot« erklärte Patient in der unmittelbaren Folge entweder durch die Organentnahme stirbt oder weil andernfalls die lebenserhaltende Intensivtherapie beendet wird.

Siehe: Todesverständnis, Todesfeststellung und Todeserklärung

Ich wüsste nämlich ansonsten keinen Lebenssachverhalt zu benennen, bei dem ein Spender seine Spende grundsätzlich nicht überleben kann.

Die Spende erfolgt nach seinem Tod. Siehe: Todesverständnis

Schon 2008 konzedierte der amerikanische Anästhesiologe, Kinderarzt und Medizinethiker Robert D. Truog von der Harvard-Universität gemeinsam mit seinem Kollegen Franklin Miller von den National Institutes of Health, die Praxis des Hirntod-Kriteriums habe tatsächlich die Tötung des Spenders zur Folge. Truog und Miller forderten aber gerade nicht als Konsequenz daraus, die derzeitige Praxis der Organentnahme zu beenden, sondern sie kamen zu dem wohl kaum widerspruchslos hinnehmbaren Schluss, dass die Regel, wonach der Spender tot zu sein habe, aufgegeben werden müsse: Die Tötung des Patienten durch Organentnahme solle künftig einfach durch den guten Zweck der Organspende als »gerechtfertigt« angesehen werden!

Siehe: Robert D. Truog und Franklin Miller

Diese müssten darüber informiert werden, dass die Organe eines »Hirntoten« in Wahrheit die vitalen Organe eines Sterbenden sind, die durch eine den Spender zum Tode führende Operation entnommen werden. Es wäre aber auch geboten, darüber aufzuklären, dass ein Sterbender, dem Organe entnommen werden sollen, aufgrund des Interesses an diesen seinen Organen in der Regel durch die dann ausschließlich nur noch fremdnützig handelnde Intensivmedizin länger am Leben erhalten wird, als dies sonst der Fall wäre.

Siehe: Spende

Wenn jemand sehr, sehr krank ist, sodass eines seiner lebenswichtigen Organe endgültig den Dienst versagt, dann kann man doch nicht einfach einen anderen Menschen, der seinerseits gerade infolge einer schweren Schädigung seines Gehirns im Sterben liegt, dafür verantwortlich machen! Das ist doch eine zynische Argumentation mit dem einzigen Ziel einer ethisch nicht gerechtfertigten moralischen Erpressung der Bürgerinnen und Bürger. Die technischen Erfolge der Transplantationsmedizin haben leider dazu geführt, dass die ethischen Debatten in diesem Themenfeld inzwischen nahezu exklusiv unter dem Aspekt des Organmangels geführt werden.

Siehe: unterlassene Hilfeleistung

Hirntod und Transplantationsmedizin (2017)

2017 brachte Axel W. Bauer in der "Schriftenreihe der Aktion Leben e.V." das Heft "Hirntod und Transplantationsmedizin: Sterben als soziales Konstrukt?" heraus.[2] Darin heißt es:

Um das aus diesem Paradoxon resultierende ethische und rechtliche Dilemma normativ zu entschärfen, wurde im Jahre 1968 an der Universität Harvard eine neuartige Definition des Todes entwickelt. Man war damals bestrebt, einen Zeitpunkt vor dem bis dahin allgemein akzeptierten Todeszeitpunkt, also dem vollständigen, medizinisch irreversiblen Erlöschen der Herztätigkeit und dem dauerhaften Stillstand des Blutkreislaufs zu finden, der künftig für die Zwecke der Intensivmedizin und der Organspende als der „Tod des Menschen“ bezeichnet werden konnte. Das Ergebnis dieser Bemühungen war die sogenannte „Hirntoddefinition“. (8)

Siehe: Pierre Wertheimer

Eine Entscheidung des Einzelnen über eine derart höchstpersönliche Frage sollte den Bürgern nicht gesetzlich durch den Staat notorisch aufgedrängt werden, schon gar nicht ohne eine vorherige detaillierte Aufklärung über die ethischen und rechtlichen Probleme des „Hirntodes“, (10)

Dieses "aufgedrängt" muss relativiert werden, denn bis zum Jahr 2018 hatten nach der Feststellung des Hirntodes nur ca. 15% der Hirntoten sich schriftlich zur Frage der Organspende geäußert. Die meisten Bürger ließen sich gar nicht auf diese Frage ein, obwohl von den Krankenkassen eine entsprechende Aufklärung über den Hirntod erfolgte.

Dort ist nur von „toten Spendern“ die Rede, ganz so, als ob es sich um bestattungsfähige Leichen handelte. Doch die typischen Merkmale eines Leichnams wie Atemstillstand, Leichenstarre oder Totenflecken liegen bei einem hirntoten Organspender gerade nicht vor; vielmehr ist der juristisch für tot Erklärte im biologischen und phänomenologischen Sinne noch „am Leben“. (11)

Der Atemstillstand wird bei jeder HTD durch den Apnoe-Test überprüft. Siehe auch: Todesfeststellung, Todeserklärung, Todesverständnis und Phänomen-Ebene

{{Zitat2|Die regelmäßige Abfrage durch die Krankenkassen und die Dokumentation der Antworten in der elektronischen Gesundheitskarte bedrängen und bevormunden die Bürger. (11)]] Von "Bevormundung" kann hierbei nicht gesprochen werden, weil jedem Bürger die freie Entscheidung überlassen wird, die er nicht begründen muss. - Die elektronische Gesundheitskarte war Oktober 2019 noch immer nicht eingeführt.

Sie werden durch den Staat, und dies immer wieder, zu einer für sie höchstpersönlichen, intimen Entscheidung auf Leben und Tod aufgefordert. (11)

Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit Tod, sie betrifft nicht Leben und Tod. Wenn man sich gegen die Organentnahme ausspricht, erfolgt nach Feststellung des Hirntodes das Therapieende.

Die Erfassung aller Bürgerentscheidungen zur Organspende respektiert keinesfalls deren Freiwilligkeit, vielmehr übt der Staat moralischen Druck auf die Bürger durch deren lebenslänglich wiederholte Befragung aus. (11)

Auf eine Frage darf jeder auch "Nein" sagen, ohne jede Begründung. Daher kann hier nicht von einem "moralischem Druck" gesprochen werden. Siehe: Frage - Bitte - Um die "lebenslänglich wiederholte Befragung" überflüssig zu machen, ist die Widerspruchsregelung sinnvoll.

42 Prozent der Befragten wünschten sich aber noch mehr Informationen über das Thema. (12)

Die BZgA und die Krankenkassen informieren umfassend über Hirntod und Organspende, ebenso auch dieses Wiki.

Ferner vergaben Kliniken immer häufiger Spenderorgane in einem beschleunigten Verfahren an selbst ausgesuchte Patienten. So wurde 2012 jedes vierte Herz, jede dritte Leber und jede zweite Bauchspeicheldrüse an der offiziellen Warteliste vorbei verteilt. (13)

Siehe: Beschleunigtes Vermittlungsverfahren

Es wurde offenkundig, dass die genannten Skandale in einem politisch äußerst ungünstigen Augenblick zutage traten, denn sie trugen nicht dazu bei, das Vertrauen der Bevölkerung in die Or-ganspendepraxis zu erhöhen. Zwischen 2011 und 2015 fiel die Rate der „postmortalen“ Organspender denn auch deutlich ab, nämlich von knapp 16 pro eine Million Einwohner (1.296 Spender im Jahre 152011) auf 10,8 pro eine Million Einwohner (877 Spender im Jahre 2015). Unter rein medizinischen Aspekten wären die Organe von zirka dreimal mehr Spendern transplantierbar. (14f)
Der irreversible Ausfall der Gehirnfunktionen sollte als der Todeszeitpunkt des Menschen im anthropologischen und rechtlichen Sinne vor allem deshalb im Transplantationsgesetz festgeschrieben werden, damit die Ärzte im Fall einer Organentnahme nicht ihrerseits den Tod des Patienten verursachen müssten. (19)

Man überließ 1997 den Ärzten die Definition des Todes, da sie allein die Expertise hierfür aufweisen. Dies zeigt die Diskussion um den Hirntod.

Die Begründung des Hirntodkriteriums leitet sich nicht aus der Sache an sich, sondern aus den unerwünschten Folgen einer Zurückweisung dieses Kriteriums ab. (21)

Siehe: Pierre Wertheimer

Eigentlich wäre der Hirntote nun also rechtlich eine Leiche. Aber noch niemand ist auf die Idee gekommen, einen solchen Menschen zu bestatten. Denn für ein Begräbnis ist der Hirntote längst nicht „tot genug“. (21)

Wenn der Hirntod festgestellt ist, darf der Hirntote bestattet werden.

Er atmet nämlich noch, wenngleich mithilfe von Maschinen. (21)

Eigenatmung und Hirntod schließen sich gegenseitig aus, siehe: Apone-Test

Zunächst müssen also die intensivmedizinischen Maßnahmen abgebrochen und die künstliche Beatmung beendet werden, damit der Hirntote nach einer Weile tatsächlich im konventionellen Sinne „sterben kann“. Und erst wenn der Tod des gesamten Organismus nach dem irreversiblen Herz- und Kreislaufstillstand eingetreten ist, kann die Bestattung des dann wirklich Verstorbenen erfolgen. (21)

Juristisch wäre es möglich, den Hirntoten auch mit künstlicher Beatmung zu bestatten. Es ist nur sehr unpraktisch.

Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 19. August 2012 mitteilte, fanden inzwischen sogar einige Bundestagsabgeordnete, vorwiegend aus den Reihen der Grünen und der Linken, dass man im Parlament neu über den Hirntod diskutieren müsste. (22)

Es sollen die Menschen über den Hirntod diskutieren, die den pathophysiologischen Zustand Hirntod und seine anthropologische Tragweite verstanden haben.

Dies gelte zum Beispiel für das Argument, täglich stürben drei Menschen, weil sie keine Organspende erhielten. „Diese Menschen sterben aber nicht am Fehlen eines Spenderorgans, sondern an ihren Erkrankungen“, so Beckmann. (23)

Siehe: unterlassene Hilfeleistung

Shewmon stellte fest, dass sogenannte Hirntote noch längere Zeit leben können. (24)

Siehe: Alan Shewmon

So haben Frauen Monate nach Eintritt der mit Hirntod bezeichneten Situation Kinder geboren, Männer sind noch zeugungsfähig. (24)

Siehe: schwangere Hirntote und Leben der Hirntote

Schon 2008 konzedierte der amerikanische Anästhesiologe und Medizinethiker Robert D. Truog von der Harvard-Universität gemeinsam mit seinem Kollegen Franklin Miller von den National Institutes of Health, die Praxis des Hirntod-Kriteriums habe tatsächlich die Tötung des Spenders zur Folge. Truog und Miller forderten aber gerade nicht als Konsequenz daraus, die derzeitige Praxis der Organentnahme zu beenden, sondern sie kamen zu dem ethisch wohl kaum widerspruchslos akzeptablen Schluss, dass die Regel, wonach der Spender tot zu sein habe, aufgegeben werden müsse: (24)

Siehe: Robert D. Truog und Franklin Miller

Der lebende Mensch ist keine Sache, sondern eine Person. Daher ist auch das Verhältnis des Menschen zu den Organen seines Körpers kein sachenrechtliches, sondern ein personenrechtliches. Organe dürfen aus diesem Grund nicht wie bewegliche Gegenstände behandelt oder im Extremfall gar verkauft werden. (26)

Damit schließt der Verfasser die Lebendspende aus, die er auf Seite 22 noch in Betracht zieht.[3] Dann dürften bei schweren Erkrankungen auch keine Organe (z.B. Niere, Gallenblase) entfernt werden. Auch der Austausch eines Herzen durch ein Kunstherz wäre dann verboten.

Deshalb ist die Leiche biologisch betrachtet zwar eine Sache, in rechtlicher Hinsicht werden auf sie jedoch persönlichkeitsrechtliche Regelungen angewendet. Diese rechtliche Praxis muss umso mehr dann respektiert werden, wenn – wie im Falle des „hirntoten“ Organspenders – die typischen Merkmale eines Leichnams gerade nicht vorliegen, sondern wenn vielmehr der juristisch für tot Erklärte biologisch noch lebt. (27)

Siehe: Todesfeststellung und Todeserklärung - Wenn man juristisch argumentiert, sollte man beim Recht bleiben: Jurisitisch sind Hirntotoe Tote.

Die begründeten Zweifel daran, dass der „Hirntod“ gerade nicht der Tod des ganzen Menschen ist, führen zu der Notwendigkeit einer umfassenden und nicht interessengeleiteten Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger. (27)

Wegen eines Geisterfahres wird nicht gleich die ganze Autobahn gesperrt.

Es wäre aber auch geboten, darüber aufzuklären, dass ein Sterbender, dem Organe entnommen werden sollen, aufgrund des Interesses an diesen seinen Organen in der Regel durch die – dann fremdnützig handelnde – Intensivmedizin länger am Leben erhalten wird, ... (27)

Es werden nicht aus Interesse der Intensivmedizin die Organe entnommen, sondern weil es Wunsch des Hirntoten bzw. seines gesetzlichen Vertreters ist. - Der Hirntote lebt nicht länger, sondern ihm wird nur länger der Blutkreislauf aufrecht erhalten.

Bereits 1944 erklärte Papst Pius XII. (1876-1958), dass die Macht des Menschen über seine Organe eine zwar beschränkte, aber doch direkte sei, und dass ein Organ geopfert werden dürfe, wenn der physische Organismus des einzelnen Menschen in Gefahr sei und dieser Gefahr auf andere Weise nicht begegnet werden könne. Prinzipiell gab es für Pius XII. auch keine Einwände gegen die Übertragung eines Organs von einem toten auf einen lebenden Menschen. Doch selbstverständlich ging der Papst damals nicht vom „Hirntod“ des Menschen aus, sondern vom konventionellen Herz-Kreislauf-Stillstand. Dies belegt seine Aussage in der Ansprache vom 14. Mai 1956, es sei vom sittlich-religiösen Standpunkt aus nichts gegen die Ablösung der Hornhaut bei einem Toten einzuwenden. Die Hornhaut als ein sogenanntes bradytrophes, das heißt nur durch langsame Diffusion ernährtes Gewebe konnte aber bereits damals dem Leichnam entnommen werden, ohne dass der betreffende Mensch erst dadurch zu Tode gekommen wäre. (29)

Hirntote gibt es erst seit der Einführung der künstlichen Beatmung mit Überdruck durch Björn Ibsen im Jahr 1952. Daher konnte Papst Pius XII. 1944 noch gar nicht von Hirntoten sprechen.

Es darf aber nicht ausschließlich der Medizin als Profession überlassen werden, welche gerade aktuellen, vom fachinternen Mainstream favorisierten Kriterien für die Bestimmung des Todes herangezogen werden. Eine derartige Autonomie der Medizin wäre der Bedeutung des Themas nicht angemessen. (31)

Es ist Aufgabe der Mediziner, den Tod festzustellen. Daher brauchen die Mediziner für sie praktikable Kriterien des Todes. Die Todesdefinition der Theologen und Philosophen - die Trennung von Leib und Seele - ist für Mediziner undurchführbar.[Anm. 1] Der Hirntod ist in Deutschland die erste Todesdefinition der Juristen.

Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen, sondern er markiert das vorzeitige Ende des seinen Bürgern vom Staat garantierten Rechts auf Leben. (31)

Siehe: Todesverständnis

Man kann daher die Prognose wagen: Je erfolgreicher die Transplan-tationsmedizin in qualitativer und quantitativer Hinsicht künftig sein wird, desto größer wird ihr Bedarf an Organen und damit der relative Organmangel werden. (35)

Der Erfolg der Transplantationsmedizin wird nicht nur quantitativ in der Anzahl der TX gemessen, sondern auch qualitativ in der Dauer der Funktion der Organe. Je erfolgreicher die Transplantationsmedizin in qualitativer Hinsicht wird, desto weniger Organe braucht sie für nachfolgende TX.

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Anhang

Anmerkungen

  1. Streng genommen ist dieses Todeskriterium auch für die Theologen und Philosophen undurchführbar, denn noch nie konnte die Existenz einer Seele naturwissenschaftlich bewiesen werden. Daher kann auch naturwissenschaftlich auch die Trennung von Leib und Seele nicht bewiesen werden.

Einzelnachweise

  1. Axel W. Bauer: Tod des Gehirns nicht mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen. In: ALfA LebensForum Nr. 126 - 2. Quartal 2018. Nach: http://www.schattenblick.de/infopool/medizin/fakten/m2et1268.html Zugriff am 02.09.2019.
  2. Axell W. Bauer: Hirntod und Transplantationsmedizin: Sterben als soziales Konstrukt? In: Schriftenreihe der Aktion Leben e.V. (Nr. 38). Nach: https://www.umm.uni-heidelberg.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1570136102&hash=fa9c2e12857c16f5d0c976f6cb5fa609064803c6&file=fileadmin/medma/Lehrstuehle/Bauer/Transplantationsmedizin.pdf Zugriff am 02.10.2019.
  3. Dort heißt es: "Das wäre vermutlich das Ende eines Großteils der Transplantationsmedizin, da dann nur noch die sogenannte „Lebendspende“ einer Niere oder eines Teils der Leber in Betracht käme."