Björn Ibsen

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Björn Ibsen (1915-2007) war ein dänischer Anästhesist und ein Mitbegründer der Intensivmedizin. Bereits als Medizinstudent gewann er erste Narkoseerfahrungen. Nach erfolgreichem Abschluss seines Medizinstudiums 1940 an der Universität Kopenhagen erhielt er im Massachusetts General Hospital unter der Leitung von Henry K. Beecher eine Ausbildung zum Anästhesisten.

Im März 1952 behandelte Mogens Bjørneboe ein neugeborenes Kind mit angeborenem Tetanus. Es wusste von Ibsens Fähigkeiten und bot ihm eine Zusammenarbeit an. Ibsen curarisierte und beatmete das Kind manuell mit einem Beatmungsbeutel. Das Kind erholt sich schnell. Ibsen zögerte jedoch, eine Langzeit-Curarisierung durchzuführen. Das Kind begann schnell wieder zu verkrampfen und starb kurz danach. Dies war für Ibsen ein Schlüsselerlebnis. Er begann, die in den USA erlernten Methoden und Theorien teilweise in Frage zu stellen.

Am 26.08.1952 wurde ein schwerkrankes 12-jähriges Mädchen eingeliefert, welches an schwerer Poliomyelitis litt. Ihre Beine, Arme sowie die Atemmuskulatur waren bereits teilweise gelähmt. Das Mädchen hatte eine fast vollständig zugeschleimte Lunge und drohte kurzfristig am eigenen Speichel zu ersticken. Am 27.08.1952 unternahm Ibsen unter den Augen des Ärzteteams die Behandlung der Patientin. Zunächst führt der HNO-Arzt Falbe-Hansen mittels örtlicher Betäubung eine Tracheotomie durch. Dabei geriet das Kind in Atemnot und Panik und konnte von Ibsen zunächst nicht intubiert werden. Ibsen entschloss daher, das Kind in ein künstliches Koma zu versetzen. Ibsen’s Kollegen nahmen daraufhin an, dass die Behandlung gescheitert war und verließen den Saal. Ibsen saugte zunächst den Lungenschleim ab und unternahm anschließend die manuelle Beatmung der Patientin mittels eines mit Sauerstoff gefüllten Blasebalgs. Die zurückgekehrten Kollegen stellten fest, dass Ibsen die Patientin beatmen konnte und die Lungen fast schleimfrei waren.

Das Experiment demonstrierte, dass die bisherige Standardbehandlung mit Unterdruckbeatmung zu hohen CO2-Werte in der Ausatmungsluft führte, auch wenn die Sauerstoffsättigung im Blut zufriedenstellend war. Außerdem wurden die Symptome einer CO2-Erhöhung erkennbar gemacht: Bluthochdruck und eine nasskalte und schwitzende Haut. Obwohl die Symptome bereits bekannt waren, wurde der Zusammenhang mit dem CO2-Gehalt im Blut nicht erkannt.

Nach Ibsens Demonstration veranlasste Henry Lassen binnen 3 Tagen alle Poliopatienten mit Atembeschwerden manuell zu beatmen. Dies stellte eine enorme logistische Herausforderung dar: es wurden zur Behandlung Überwachungsstationen eingerichtet, auf dem Höhepunkt der Epidemie wurden 250 Medizinstudenten und 260 Krankenschwestern eingesetzt, um die kontinuierliche Überdrucksbeatmung der Patienten sicherzustellen, Die Mortalitätsrate der Patienten mit Atembeschwerde am Bledgdamshospital sank daraufhin von 87% auf 25%, ein echter Erfolg.

Im Juni 1953 wurde ein Kind mit Tetanus eingeliefert. Ibsen beschloss, seine bereits an Poliopatienten durchgeführte Behandlung ohne vorzeitigem Abbruch durchzuführen. Er beatmete das Kind mit einem Beatmungsbeutel manuell. Die Behandlung hielt 17 Tage an (mit abwechselnder Mannschaft) bis der kleine Patienten wieder aufwachte. Als externer Mitarbeiter des Blegdam-Hospitals, stellte Ibsen 17 Tage in Rechnung. Aufgeschreckt durch die hohen Kosten, beschloss die Stadt Kopenhagen, Ibsen als Arzt intern einzustellen und ihm die Aufgaben zu übertragen, eine Anästhesieabteilung zu gründen. Damit schuf Ibsen weltweit die erste Intensivstation.



Anhang

Quellen

Louise Reisner-Sénélar: Der dänische Anästhesist Björn Ibsen – ein Pionier der Langzeitbeatmung über die oberen Luftwege. (med. Diss.) Frankfurt 2009. Nach: https://core.ac.uk/download/pdf/14507276.pdf Zugriff am 20.04.2019.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Bj%C3%B6rn_Ibsen

Anmerkungen


Einzelnachweise