Menschenbild

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Geschichtlicher Abriss des Menschenbildes

Die Geschichte des Menschenbildes ist ein zweigleisiger Weg, der bis in die prähistorische Zeit zurückreicht. Nur an einigen wenigen Stellen wurde ein offener Streit darüber ausgetragen, ob das Herz oder das Gehirn das für das Menschsein dominierende bzw. alleingültige Organ ist.

Herz-zentriertes Menschenbild Gehirn-zentriertes Menschenbild
Steinzeitliche Darstellung in einer spanischen Mammuthöhle deutet darauf hin, dass das Herz als verwundbarste Stelle unseres Körpers gegolten hat.[1] Ab ca. 5000 v.C. wurden an lebenden Menschen Schädelöffnungen durchgeführt.[2][3][4][Anm. 1]
Um 1500 v.C. bildete sich im Neuen Reich in Ägypten die Vorstellung, dass im Totengericht das Herz gewogen werden würde.[5]

Um 1500 v.C. beschreibt das Papyrus Edwin Smith die wohl älteste kardiologische Untersuchung, die Pulsmessung.[1]

Um 1500 v.C. beschreibt das Papyrus Edwin Smith das Gehirn, ohne Hinweis auf dessen Funktion.[2][3]
Um 500 v.C. vermutete Alkmaion von Kroton aufgrund anatomischer Untersuchungen des Auges und des Sehnervs das Gehirn das Organ der Sinneswahrnehmung.[2][4][3]
Um 400 v.C. erklärte Hippokrates von Kos (460-370 v.C.) das Gehirn für Empfindungen und Intelligenz verantwortlich.[2]
Im 4. Jh. v.C. lehrte Aristoteles, dass das Herz das Zentralorgan sei und das Zentrum für das menschliche Wesen.[6] Zeitgleich sahen auch die Stoiker das Herz als den Sitz der Seele an.[7] Um 380 v.C. lehrte Platon, dass mentale Vorgänge im Gehirn verankert seien.[2]
Um 300 v.C. konstruierte Herophilos von Chalkedon (330-255 v.C.) eine Taschenwasseruhr zur Pulsmessung.

[8]

Um 290 v.C. lehrte [Herophilos von Chalkedon]] (330-255 v.C.), dass das Gehirn der Sitz menschlicher Intelligenz sei.[2][4]

Um 280 v.C. beschreibt [Erasistratos von Keos]] (305-250 v.C.) Großhirn und Kleinhirn als Teile des Gehirns.[2]

Im 2. Jh. lehrte Galen, dass das Gehirn der Sitz der Seele sei.[5]
Um 900 beschrieb Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya ar-Razi (um 864-925) 7 Hirnnerven und 31 Spinalnerven.[2]
Um 1020 erklärte Alhazen Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham (Alhazen) (um 964-1039), dass das Sehen nicht im Auge erfolgt, sondern im Gehirn.[2]
Um 1200 erwog Moses Maimonides (1135–1204) anhand der Zuckungen von Enthaupteten erstmals, dass der Verlust von Hirnfunktionen mit dem Tod gleichzusetzen sei.[9]
Um 1222 lernte Albertus Magnus (um 1200-1280) die Schriften des Aristoteles kennen und begründete damit die christliche Aristotelik. Damit kam das Gedankengut des Aristoteles in das Christentum. Um 1250 beschrieb Albertus Magnus (um 1200-1280) 3 Hirnventrikel (Hohlräume im Gehirn): ein vorderer, ein mittlerer und ein hinterer. Der Prozess von Wahrnehmung über Denken zur Erinnerung erfolge über sie, so wie das Wasser im Römischen Brunnen fließt.[2]
Im 16. Jh. wurde der Anatom Andreas Vesalius (1514-1564) des Mordes beschuldigt, nachdem er bei einer Autopsie ein noch schlagendes Herz freigelegt hatte.

Anfang des 17. Jh. entdeckte William Harvey (1578–1657) den Blutkreislauf. Bislang wurde angenommen, dass Blut ständig produziert und in den Organen verbraucht würde.[3]

Andreas Vesalius (1514-1564) konnte in den Grundstrukturen der Gehirne von Mensch und Tier keine Auffälligkeiten feststellen, weswegen er den Sitz der Seele in den Ventrikeln strikt ablehnte.[4]

Franciscus Sylvius 1614 –1672) verlegte den "Spiritus animales" in die graue Hirnrinde des Groß- und Kleinhirns.[4]

1628 entdeckte William Harvey (1578-1657) den Blutkreislauf.[8]

Die Entdeckung des Blutkreislaufes regte René Descartes (1596–1650) zu der Behauptung an, dass der Mensch wie eine Maschine sei, das Herz eine mechanische Pumpe. Lediglich lediglich Gefühle, bewusste Wahrnehmungen, Nachdenken und willentliche Handlungen seien das Resultat einer unsterblichen und immateriellen Seele, die er in der Zirbeldrüse vermutete.[3]

Um 1600 begann William Gilbert (1544–1603) mit der wissenschaftlichen Erforschung der Elektrizität mit Zitteraale und Zitterrochen.[3]

1664 veröffentlichte Thomas Willis (1621-1675) seine "Cerebri anatome" und erklärte die Großhirnrinde als Sitz des Gedächtnisses.[2][3]

1733 maß Stephen Hales (1677-1761) erstmals "blutig", d. h. invasiv, den Blutdruck, indem er eine Kanüle in die Halsschlagader eines Pferdes einführte und mit einem Glaszylinder verband. [8]

1753 kam Georg Wilhelm Richmann (1711-1753) bei der Erforschung der Elektrizität durch einen Blitzschlag zu Tode.[10] 1785 beschrieb William Withering (1741-1799) das älteste herzwirksame Medikament, Digitalis (Fingerhut), das gegen die "Wassersucht" eingesetzt wurde.[8]
1774 berichtete die Royal Humane Society (London) von einer Wiederbelebung des Herzens durch einen Stromstoß.[10]
1789 wurde an Guillotinierten durch elektrische Schläge das Herz zum Schlagen angeregt. ###

1740 argumentierte Emanuel Swedenborg (1688–1772) als Erster klar dafür, dass verschiedene Hirnareale unterschiedliche Funktionen haben.[3]

Albrecht von Haller (1707–1777) widersprach mit den Ergebnissen seiner Vivisektionen das Lokalistationsprinzip, insbesondere auch gegen die Annahme, dass der Balken der Sitz der Seele sei.[4]
Giovanni Aldini (1762–1834) legte an Köpfen von frisch geschlachteten Tieren und enthaupteten Menschen elektrische Spannung an. Insbesondere durch Reizung im Bereich des Kleinhirns konnte er Muskelzuckungen im Gesicht hervorrufen.[4]
1796 veröffentlichte Samuel T. Soemmerring (1755-1830) sein Buch "Über das Organ der Seele", er sah das Gehirn als solches an.[2]

1816 erfand René Théophile Hyacinthe Laënnec 1781-1826) das Stethoskop. Es war zunächst nur ein hölzernes Rohr.[8] 1800 veröffentlichte Marie François Xavier Bichat (1771-1802) die Ergebnisse einer anatomischen Forschungen zum Sterpeprozess und prägte dabei die Begriffe "Herztod", "Lungentod" und "Gehirntod".
1811 entdeckte Julien Jean Legallois (1770-1814) das Atemzentrum im Hirnstamm.[2]
1823 erklärte Marie-Jean-Pierre Flourens (1794-1867) das Kleinhirn reguliere motorische Aktivität.[2] Das Großhirn sei der Sitz für Empfindungen, des Willens, des Gedächtnisses und des Intellekts. Das Kleinhirn sei zuständig für die Koordination der Bewegung. Das verlängerte Rückenmark sei für die vitalen Funktionen wie die Steuerung der Atmung zuständig.[4]

1824 liefert Francois Magendie (1783-1855) erste Hinweise auf die Rolle des Kleinhirns für den Gleichgewichtssinn.[2]
1825 präsentierte Jean-Baptiste Bouillaud Patienten, denen nach Frontalhirnverletzungen die Sprache verloren ging.[2]
Rudolf Wagner(1805-1864) widerlegte durch vielfältige Untersuchungen den Zusammenhang zwischen Gehirnmasse und Intelligenz.[4]

1854 schuf Karl von Vierordt (1818–1884) den ersten Sphygmograph. 1860 brachte Étienne-Jules Marey (1830-1904) ein verbessertes Modell heraus.[8] Louis-Pierre Gratiolet (1815–1865) teilte das Großhirn in die heute noch gültige Lappeneinteilung.[4]

1861 wies Paul Broca (1824–1880) anhand einer Gehirnverletzung den Sitz des Sprachzentrums nach.[3]
1863 veröffentliche Iwan Michailowitsch Setschenow (1829-1905) das Buch "Reflexes of the Brain" (Reflexe des Gehirns).[2]
1864 schrieb John Hughlings Jackson (1835-1911) über den Verlust von Sprache nach Hirnverletzungen.[2]

1870 entdeckten Eduard Hitzig (1838-1907) und Gustav Fritsch (1838-1927) den motorischen Kortex durch elektrische Stimulation der Hirnrinde von Hunden und Katzen.[2]

1872 definierte Guillaume-Benjamin-Amand Duchenne (1806-1875) 13 primäre Emotionen des Menschen anhand elektrischer Stimulationen von Gesichtsmuskeln.[2]
1874 führte Roberts Bartholow elektrische Reizungen an der menschlichen Hirnrinde durch.[2]
1875 registrierte Richard Caton (1842-1926) elektrische Ströme von der Hirnrinde.[2]
Carl Wernicke (1848–1904) entdeckte das sensorische Sprachzentrum.[4][3]
David Ferrier (1848-1928) beschäftigte sich mit den Reflexen. Für ihr gab es kein "Rückenmarkbewusstsein" und kein Bewusstsein in den Reflexzentren. Er sah das Großhirn als Sitz des Geistes an.[4]

1874 gaben Gustav Fritsch (1838–1927) und Eduard Hitzig (1838–1907) die Ergebnisse ihrer Studien bekannt. Mittels elektrischer Stimulation den Motorkortex von Hunden und fanden heraus, dass bestimmte Hirnregionen für die Steuerung bestimmter Körperteile zuständig sind.[3]
1887 zeichnete Augustus Desiré Waller (1856-1922) das erste EKG vom Herzen eines Menschen auf. ### 1881 demonstrierte David Ferrier (1843–1928) an Affen, dass mit operativer Entfernung bestimmter Hirnregionen sich gezielt spezifische Funktionsausfälle hervorrufen lassen.[3]

1885 unterschied Hermann Ebbinghaus (1850-1909) in seinem Buch "Über das Gedächtnis" zwischen Lang- und Kurzzeitgedächtnis.[2]
John Hughlings Jackson (1835–1911) wies auf die Rolle der rechten Hemisphäre etwa bei der räumlichen Orientierung und beim Wiedererkennen von Menschen hin.[3]

1889 erstellte Victor Horsley (1857-1916) bei Affen eine Karte der Hirnrinde für motorischen Handlungen.[2]
1896 beschrieb Scipione Riva-Rocci (1863-1937) ein einfaches Gerät zur Blutdruckmessung mit einer Armmanschette, das von Harvey Williams Cushing (1869-1939) verbessert wurde, und dessen Messmethode 1905 von Nikolai Sergejewitsch Korotkow (1874-1920) abgewandelt wurde. Heutzutage wird nur noch selten nach der Methode von Riva-Rocci gemessen. Dann wird der so gemessene Blutdruck mit (RR) benannt.[8]

1896 führte Ludwig Rehn (1848-1930) die erste Herzoperation durch.[8]

1894 publizierte Victor Horsley (1857-1916) seinen Artikel "Über den Tod durch cerebrale Kompression und seine Prävention". Darin beschreibt er erstmals Patienten, die man heute als hirntot bezeichnen würde. ###
1903 entwickelt Willem Einthoven (1860-1927) den Elektrokardiografen (EKG). Hände und Füße der Patienten wurden damals zur Ableitung der Herzströme in Salzlösung getaucht.[8] Um 1900 gründete Oskar Vogt (1870-1959) in Berlin in einem Mietshaus seine privat betriebene "Neurologische Zentralstation", die 1902 der Universität angegliedert und 1915 zum Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung wurde.[3]

1903 prägte Ivan Pavlov (1848-1936) den Ausdruck "konditionierter Reflex".[2]
1905 entwickelten Alfred Binet (1857-1911) und Theodore Simon (1872-1961) den ersten Intelligenztest.[2]

1909 stimulierte Harvey Cushing (1869-1939) erstmals die menschliche sensorische Hirnrinde elektrisch.[2]

1909 beschrieb Korbinian Brodmann (1868-1918) 47 zytoarchitektonisch unterscheidbare Areale der menschlichen Großhirnrinde (Brodmann Areae).[2][3]

1919 beschrieb Cecile Vogt (1875-1962) über 200 verschiedene Regionen der menschlichen Großhirnrinde.[2]
1924 entwickelte der Jenenser Psychiater Hans Berger (1873-1941) eine Methodik der Ableitung von Hirnströmen und legte damit den Grundstein für das EEG. ###
1929 erprobte Werner Forßmann (1904-1979) in einem Selbstversuch die Methode der Herzkatheterisierung.[1][8] 1929 leitete Hans Berger in Jena das 1. EEG am Menschen ab.[2]

1930 beobachtete Viktor Hamburger (1900-2001) als erster den planmäßigen Zelltod (Apoptose) während der Ontogenese.[2]

1937 stellte Wilder Penfield (1891–1976) fest, dass man an der Zentralfurche durch elektrische Stimulation einerseits Muskelkontraktionen auslösen kann, andererseits auch Sinneswahrnehmungen derselben Körperpartien.[4]
1947 führten Sweet () und Beck () die erste erfolgreiche Defibrillation am offenen Herzen eines Menschen durch. ### 1943 zeigten Warren S. McCulloch (1898-1969) und Walter Pitts in theoretischen Arbeiten, dass ein Verband von Neuronen in der Lage wäre, wie eine Rechenmaschine logische Operationen auszuführen und begründen damit den Computer als Modell für die Hirnfunktion.[2]
1950 führte Wolf-Dieter Keidel (1917-2011) die erste Echokardiographie am menschlichen Herzen durch.[8] In den 1950er Jahren entwickelte Vladimir A. Negovsky, der sich auf dem Gebiet der Reanimationsforschung verdient gemacht hatte, das Konzept des "biologischen Todes", wie er ihn nannte. Dabei ging er davon aus, dass der Mensch als tot anzusehen ist, wenn sein Gehirn nicht mehr arbeitet.[11]
1953 stellte John Heysham Gibbon (1903-1973) in Philadelphia die erste Herz-Lungen-Maschine vor und schuf damit die Basis, das stillstehende Herz zu öffnen und zu operieren.[1][8] 1953 wurde dem Patienten H.M. wegen lebensgefährlicher [[Epilepsie}] Hippocampi und Amygdala Mandelkerne beidseitig entfernt (bilateral mediale Lobektomie des Temporallappens seine Epilepsie wurde dadurch weitgehend geheilt, er litt für den Rest seines Lebens jedoch an einer totalen anterograden Amnesie.[2]
1956 wies Roger Wolcott Sperry (1913-1994) durch Experimente am Frosch nach, dass Verhaltensleistungen unmittelbar auf korrekten Mustern neuronaler Kontakte beruhen.[2]
1958 wurde der erste Herzschrittmacher implantiert.[1][8] 1959 beschrieben Pierre Mollaret (1898-1987) und Maurice Goulon (1919-2008) erstmals unter dem Begriff "Coma depassé" (jenseits/unterhalb des Komas, überschrittenes Koma) einen Zustand, welcher bei künstlicher Beatmung keinerlei Lebenszeichen des Gehirns erkennen ließ, der nicht umkehrbar war und irgendwann zum Herz-Lungen-Tod führte.
1961 wurde die erste künstliche Herzklappe implantiert.[8] 1960 veröffentlichten Pierre Wertheimer, Rougement, Jouvet und Descotes in einem Artikel, dass sie eine intensivmedizinische Behandlung durch Abschalten der künstlichen Beatmung beendet haben. Als Kriterien für ihr Handeln nannten sie: Nachweis der völligen Areflexie, keine Eigenatmung, das EEG weist eine Nulllinie auf und eine angiographische Darstellung der Hirndurchblutung.
1962 übernahmen Judith Hockaday und ihre Forschergruppe das Konzept von Vladimir A. Negovsky und präsentierten 1962 auf einem Kongress der EEG-Gesellschaft ein begrifflich ausgereiftes Todeskonzept, bei dem das Erlöschen der Hirnfunktionen als Zeichen des Todes zu verstehen ist.[12]
1964 wurde auf dem Deutschen Chirurgenkongress eine erste einfache HTD verabschiedet.[13]
1966 führten Fred Plum (1924-2010) und Jerome Posner () den Begriff "Locked-in-Syndrom" für Patienten ein, die zwar (fast) alles wahrnehmen können, aber (fast) vollständig gelähmt sind, unfähig sich mitzuteilen.
1967 wurde von [René Favaloro]] (1923-2000) der erste Koronararterien-Bypass gelegt.[8]

Am 3.12.1967 führte Christiaan Barnard (1922-2001) die erste Herztransplantation am Menschen durch.[8] Das hätte das Ende des Herz-zentrierten Menschenbildes sein müssen, denn damit war bewiesen, dass das Herz nicht der Sitz der Seele ist.

Am 10.5.1966 stellte die Kommission der frz. "Académie Nationale de Médicine" das Ergebnis ihrer Arbeit vor: Der irreversible Funktionsverlust des Gehirns wurde als neues Todeskriterium eingeführt.[14]
April 1968 stellte diese Kommission der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie das Ergebnis ihrer Arbeit unter dem Titel "Todeszeichen und Todeszeitbestimmung" vor. Nach der frz. medizinischen Akademie bejaht auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie das Hirntodkonzept. Menschen mit irreversiblen Funktionsverlust des Gehirns werden als Tote angesehen.[15]
Eine aus Medizinern, Juristen und Theologen gebildete Ad-Hoc-Kommission der Harvard University schuf am 5.8.1968 das sogenannte Hirntod-Konzept.
1969 wurde das erste Kunstherz implantiert. Der Patient starb kurz nach der Transplantation.[16] 1969 wurde der Begriff "irreversibles Koma" durch verschiedene Kriterien (z.B. EEG-Nullinie, 24 Stunden später keine Verbesserung) erweitert und dies als "Hirntod" definiert. ###

1969 wiesen Gerald Schneider und G. Raismann nach, dass nicht nur die Funktion, sondern auch die Struktur des Gehirns von Säugetieren durch Erfahrung veränderbar ist.[2]

1977 führte Andreas Grüntzig (1939-1985) die erste Ballon-Dilatation durch.[8]

1980 wurde der erste interne Defibrillator eingesetzt, um lebensbedrohliche Tachykardien und Herzkammerflimmern zu beenden.[8][1]

1979 begann eine durch den Wissenschaftlichen Beirat der BÄK gebildete Kommission mit der Ausarbeitung einer "Entscheidungshilfe zur Feststellung des Hirntodes". Das Ergebnis wurde 1982 veröffentlicht und 1986, 1991, 1997 und 2015 aktualisiert. ###

1980 brachten Arthur P. Arnold und [Fernando Nottebohm]] Zebrafinkenweibchen durch Hormongaben zum Singen; nach der Hormonbehandlung zeigten sie eine Hirnstruktur, die denen der Männchen entspricht.[2]

1982 wurde das erste künstliche Herz (Modell Jarvik-7) eingesetzt. Es funktionierte 4 Monate.[1][16]

1984 wurde ebenfalls das Modell Jarvik-7 einem Patienten implantiert. Er lebte damit 620 Tage, bis er an einem Schlaganfall verstarb.[16]

1982 gab die BÄK die "Entscheidungshilfe zur Feststellung des Hirntodes" heraus. [13]
1982 wurde das Modell Jarvik-7 einem Patienten implantiert. Er überlebte 112 Tage und erlitt mehrere Thrombosen, bevor er starb.[16] 1983 gab der Weltärztebund eine Deklaration zur Definition des Todes heraus. ###

1983 begann Benjamin Libet seine Serie von Experimenten am menschlichen Gehirn, die die Frage nach der Willensfreiheit betreffen.[2]

1991 gab die BÄK die 2. Fortschreibung der Entscheidungshilfe zur HTD heraus.[13]
1995 bekam im Deutschen Herzzentrum Berlin erstmals ein Patient sein eigenes Herz wieder eingesetzt, nachdem es sich außerhalb des Patienten erholt hatte und ein Kunstherz die Arbeit übernommen hatte.[1] 1997 gab die BÄK die 3. Fortschreibung der Entscheidungshilfe zur HTD heraus.[13]
2011 brachte die "Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften" (SAMW) die Schrift "Es gibt nur einen Tod" heraus.
2015 brachte der DER am 24.2.2015 seine Stellungnahme zu "Hirntod und Organspende" heraus. Für 7 Mitglieder ist der Hirntod nicht der Tod des Menschen, für 18 Mitglieder ist der Hirntod der Tod des Menschen.
2015 übergab die BÄK die 4. Fortschreibung der Entscheidungshilfe zur HTD an das Bundesministerium für Gesundheit, das diese Richtlinie am 30.3.2015 in Kraft setzte.[13]
2015 brachte die Deutsche Bischofskonferenz die Arbeitshilfe "Hirntod und Organspende" heraus. Darin heißt es auf Seite 6: "Nach jetzigem Stand der Wissenschaft stellt das Hirntod-Kriterium im Sinne des Ganzhirntodes – sofern es in der Praxis ordnungsgemäß angewandt wird – das beste und sicherste Kriterium für die Feststellung des Todes eines Menschen dar, so dass potentielle Organspender zu Recht davon ausgehen können, dass sie zum Zeitpunkt der Organentnahme wirklich tot und nicht nur sterbend sind."

Siehe auch:
Kardiozentriertes Menschenbild (Herz-zentrieres Menschenbild)
Enzephalozentrisches Menschenbild (Gehirn-zentriertes Menschenbild)

Psychosomatische Einheit

Der Mensch ist eine psychosomatische Einheit, denn die Psyche beeinflusst die Soma und die Soma die Psyche. Dies wird darin deutlich, dass großer örperliche Schmerz uns jede Lebensfreude nehmen kann. Umgekehrt kann großes seelische Leid (z.B. Trauer) zu körperlichen Reaktionen führen.

Babette Hladik schreibt hierzu: "Ein Paradigma der Pflege besteht darin, den Menschen als Körper-Geist-Seele Einheit zu sehen. Der/die Kranke wird nicht auf die anatomisch-physiologischen Teile hin betrachtet wie im biomedizinischen Modell. Das psychische Befinden beeinflusst die Physis und umgekehrt."

Bereiche der Psyche und der Soma

Die Psyche

„Die Psyche ist Gegenstand der Geisteswissenschaft (Psychologie), und der Medizin (Psychologie, Psychotherapie), welche sich mit der Gesundheit und den Erkrankungen der Psyche befasst.“ (Wikipedia) Das Gehirn ist die physiologische Grundlage für die Psyche. Das Gehirn selbst ist zwar körperlich, aber es bringt die Psyche hervor. Ohne Gehirn gibt es keine Psyche.

Die Psyche wird unterteilt in Denken und Gefühlsleben. Zum Denken gehört die Aufbereitung der Sinneswahrnehmungen, um es ins Bewusstsein zu bringen. Dabei werden zuvor die Wahrnehmungen vom Unterbewusstsein mit den gemachten Erfahrungen verglichen und nur die relevanten Wahrnehmungen ins Bewusstsein gelassen. Mit unserem erlernten Wissen und gemachten Erfahrungen können wir geistig jonglieren. Wir können kreativ etwas Neues schaffen, Erfindungen und Entdeckungen kommen so zustande. Wir können uns auf etwas Schönes freuen, uns vor Unbekanntem ängstigen, vor Unangenehmen fürchten. Damit sind wir im Bereich der Gefühle.

Soma

„Somatogen bedeutet demgegenüber 'das, was sich vom Körper herleitet', von ihm kommt oder aus ihm heraus... entsteht und somit auch meist körperlich bedingt ist. Somatogenese ist daher der Gegenbegriff von Psychogenese.“ (Wikipedia) Die Soma benötigt keine Psyche für sein Leben, sondern nur eine gesunde Homöostase. Dies belegen gehirnlose Tiere, wie z.B. die Nesseltiere.

Zur gesunden Homöostase gehören die Unversehrtheit des Körpers und entsprechende Nahrungsaufnahme. Schlaf benötigt nicht unser Körper, nur unser Gehirn. Dies beweisen die Alpensegler, der es schafft, 6 Monate lang non-stop zu fliegen. Wie der Mauersegler schläft er im Flug. Dies schafft er dadurch, dass ihm eine Hirnhälfte immer wach bleibt.[17] Das Herz schlägt autonom, d.h. aus sich heraus. Dies wird an den Herzen der Meerschweinchen deutlich, denen für die Erforschung neuer Herz-Medikamente unter Vollnarkose das Herz aus dem Körper entnommen und in eine Nährlösung gehängt wird. Dort schlägt es vom übrigen Körper isoliert weiter, solange es ausreichen Sauerstoff und Glukose hat; siehe: [autonom]]. Der Körper verdaut und scheidet aus. Sein Immunsystem reagiert auf Infektionen. Bei Fieber oder großen Hitze schwitzt der Körper. Wunden heilen, weil dieser Vorgang vor hunderten Millionen Jahren entstand und inzwischen zu einem festen Bestandteil unseres Körpers wurde. Der Körper reagiert hierbei selbständig, ohne Gehirn.

Psychosomatische Einheit am Beispiel der Wahrnehmung

Die psychosomatische Einheit des Menschen kommt am deutlichsten in den kognitiven Fähigkeiten des Menschen zum Ausdruck. Augen, Ohren, Haut und alle anderen Sinnesorgane nehmen sich und die Umwelt wahr. Über Nervenbahnen werden die Signale zum Gehirn geleitet. Dort werden sie zu sinnhaften Informationen] verarbeitet. Unser Gehirn ist somit die Schnittstelle] zwischen physiologischen Signalen und bewusster Wahrnehmung. Ohne unser Gehirn ist kein Bewusstsein möglich. Die Stärke unseres Gehirns ist daneben die Speicherung uns wichtiger Informationen (Wissen und Können). Ohne diese könnten wir in dieser Welt nicht existieren. In Sekundenbruchteilen werden von unserem Unterbewusstsein die aktuellen Informationen mit dem Inhalt der Datensammlung unserer Erlebnisse verglichen und bewertet. Wichtiges kommt in unser , ggf. auch in die Datenspeicherung, damit wir uns daran erinnern können. Mit dem Hirntod ist die physiologische Grundlage für unser Unterbewusstsein und unser zerstört. Wahrnehmung, , erlerntes Wissen und Können sind damit für immer erloschen.

Psychosomatische Einheit des Menschen

Psychosomatisch Somapsychisch
Psyche ↓ Bewegungsdrang, Trauer, Freude ↑ lähmende Gedanken, freudige Gedanken
Soma Bewegung, Trägheit, Aktivität ↑ körperlicher Schmerz, körperliches Wohlbehagen

Der Bewegungsdrang der Psyche führt zur Bewegung der Soma, die Trauer zur Trägheit der Soma, die Freude zur Aktivität der Soma. Umgekehrt lähmt der körperliche Schmerz alles Denken, wohingegen das körperliche Wohlbehagen freudige Gedanken erzeugen. Das Zusammenspiel der psychosomatischen wie auch somapsychischen Einheit des Menschen funktioniert in beiden Richtungen.

Psychosomatische Einheit des Hirntoten

Psychosomatisch Somapsychisch
Psyche ↓- ↑ -
Soma ↓- ↑ körperlicher Schmerz, körperliches Wohlbehagen

Mit dem Hirntod sterben zunächst die Gehirnzellen ab und lösen sich schließlich auf. Damit ist die physiologische Grundlage der Psyche nicht mehr vorhanden. Alle vom Gehirn ausgehenden Aktivitäten wie Erinnern, Denken, ... Trauer und Freude sind mit dem Hirntod für immer erloschen. Damit kann nie wieder eine Aktion der Psyche die Soma erreichen. Die Soma bleibt damit tatenlos. Bei Hirntod können keine der zum Kopf geleiteten Reize der Sinneswahrnehmung verarbeitet werden. Sie gelangen nicht ins Bewusstsein, können nicht mit Erfahrungen verglichen werden und können nicht mehr als Erfahrung abgespeichert werden. Es ist, als läge zum Briefschreiben ein Stift vor, aber Papier und Schreiber fehlen. So wird nie ein Brief geschrieben werden. Bei Hirntod funktioniert weder der psychosomatische noch der somapsychische Weg. Folglich ist mit dem Hirntod die psychosomatische wie auch somapsychische Einheit des Menschen zerbrochen.

Diskussion

"Der Mensch ist mehr als sein Gehirn"[18] ... aber ohne Gehirn ist es kein Mensch mehr, sondern ein menschlicher Körper.

Zitate

Wegweisend für fast alle Kulturen und Religionen der nachfolgenden Jahrtausende, war das Menschenbild der alten Ägypter kardiozentrisch, d.h. auf das Herz als Zentralorgan des Körpers ausgerichtet; es repräsentierte die 'Seele' des Verstorbenen. Als einziges Organ verblieb es im Leichnam, während das Gehirn mittels Haken durch die Nasenlöcher entfernt und weggeworfen oder mit anderen Eingeweiden in separaten Behältnissen bestattet wurde. Nach den Vorstellungen der alten Ägypter entschied an der Schwelle zum Totenreich das Ergebnis der Herzwiegung, welcher Platz dem Verstorbenen im Jenseits gebührte.[19]

Franz Seitelberger (1997): "Daher erschien es sinnlos, die Herztätigkeit - für Stunden oder bestenfalls wenige Tage - artefiziell aufrechtzuerhalten, um mit hohem Kosten- und Arbeitsaufwand die tratitionelle kardiozentrische Lebensform zu demonstrieren."[20]

Franz Seitelberger (1997): Das Hirntodkonzept "ist also nicht Resultat eines rein theoretischen Forschungsprogrammes, sondern das Nebenprodukt des medizinischen Vorhabens, kranken Mitmenschen mittels einer Transplantation das Leben zu erhalten."[21] Diese Aussage gibt die zum Hirntod führende Entwicklung nicht korrekt wieder. siehe: Chronik/Hirntod

Christof Kessler (2017): "Ein Mensch ist ein Mensch, wenn er einen gut entwickelten DLPFC hat."[22]

Anhang

Siehe auch:

Kardiozentriertes Menschenbild und Enzephalozentrisches Menschenbild

Quellen

Diese Seiten wurden mit als Quellen verwendet:

Anmerkungen

  1. In der Quelle der TU-Dresden heißt es hierzu: "Sowohl bei Lebenden als auch bei Toten wurde dabei ein scheibenförmiges Knochenstück aus dem Schädel entfernt, um Bereiche des Gehirns aus medizinischen Gründen zur Behandlung von Geisteskrankheiten und Verletzungen freizulegen, aber auch religiös motiviert, um die Seele entweichen zu lassen." Diese Aussagen sind Interpretation aus heutiger Sicht. Ohne schriftliche Zeugnisse, die aus dieser Zeit fehlen, haben wir heute nur Vermutungen.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h http://www.madeasy.de/4/herzhist.htm Zugriff am 27.5.2016.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak Robert-Benjamin Illing: Stationen der Gehirnforschung durch die Jahrtausende. Zugriff im Internet unter: http://www.uniklinik-freiburg.de/neurobiologie/live/geschichte.html Zugriff am 15.3.2014.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Hirnforschung Zugriff am 12.8.2016.
  4. a b c d e f g h i j k l m o.V.: Zur Geschichte der Hirnforschung. In: https://tu-dresden.de/gsw/phil/forschung/forschungseinrichtungen/zit/ressourcen/dateien/zit/lehre/archiv/ws_2011_2012/geschichte_hirnforschung?lang=de Zugriff 12.8.2016.
  5. a b https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Zugriff am 8.7.2016.
  6. Dag Moskopp: Hirntod, 44.
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Seele 8.7.2016.
  8. a b c d e f g h i j k l m n o p q r https://de.wikipedia.org/wiki/Kardiologie Zugriff am 18.8.2016.
  9. Siehe: Steven Laureys: Hirntod und Wachkoma. In: Spektrum der Wissenschaft 2/2006, 62. http://www.coma.ulg.ac.be/papers/german/05_spektrum_hirntod.pdf Zugriff am 12.8.2016.
  10. a b Christa Möhring: Eine Geschichte des Blitzableiters. Die Ableitung des Blitzes und die Neuordnung des Wissens um 1800. Weimar 2005 (Diss.) Im Internet unter: http://e-pub.uni-weimar.de/opus4/files/1374/Dissertation_Moehring.pdf Zugriff am 18.8.2016.
  11. Gesa Lindemann: Beunruhigende Sicherheiten, 55.
  12. Gesa Lindemann: Beunruhigende Sicherheiten, 55.
  13. a b c d e http://www.aerzteblatt.de/archiv/6339/Bekanntmachungen-Stellungnahme-des-Wissenschaftlichen-Beirates-der-Bundesaerztekammer-Kriterien-des-Hirntodes-Entscheidungshilfen-zur-Feststellung-des-Hirntodes Zugriff am 3.2.2015.
  14. Siehe: Gesa Lindemann: Beunruhigende Sicherheiten, 99.
  15. Gesa Lindemann: Beunruhigende Sicherheiten, 113f.
  16. a b c d https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstherz Zugriff am 18.8.2016.
  17. http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/biologie/-/journal_content/56/12054/2290019/Sieben-Monate-nonstop-in-der-Luft Zugriff am 2.12.2016.
  18. https://organspende-entscheide-ich.de/positionen
  19. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Aufl. Neu-Isenburg 2001, 10.
  20. Franz Seitelberger: Das Hirntod-Konzept. In: Imago Hominis (1997) 4(4), 245. Nach: https://www.imabe.org/fileadmin/imago_hominis/pdf/IH_1997-4.pdf Zugriff am 4.4.2017.
  21. Franz Seitelberger: Das Hirntod-Konzept. In: Imago Hominis (1997) 4(4), 245. Nach: https://www.imabe.org/fileadmin/imago_hominis/pdf/IH_1997-4.pdf Zugriff am 4.4.2017.
  22. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht. München 2017, 159.