Assoziationskortex

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Evolution und Anatomie

Der Assoziationskortex ist das Resultat der letzten Stunden der Evolution. Er ist "strukturelle Formation und Artanlage der polysensorichen Informationsverarbeitung. Ihre Ausdehnung umfasst mutmaßlich 60/80% der Hirnrinde. Der Rest 20/40% des Neokortex ist in das sensorische und motorische System integriert."[1]

In diesem großen assoziativen Speicher sind unsere geistigen Fähigkeiten, unsere Gedächtnisinhalte, sprachliches und nicht-sprachliches Wissen, das Denken, ein Austausch von Erregungsmustern zwischen den [[Pyramidenzellen] und ihren Dentriten festgelegt. Lernen und Denken läuft in den Dornfortsätzen der Pyramidenzellen ab.[1]

Pyramidenzellen sind mit Tausenden anderer Pyramidenzellen verbunden, vielfach über weite Strecken. Die aus dem Thalamus stammenden sensorischen Informationen münden in der IV. Schicht, die Axone der Pyramidenbahnen enden in der 1. und 2. Schicht der Hirnrinde. Aus den Assoziationsfeldern ziehen Axone in die Basalganglien, den Hippocampus und den Mandelkern (limbisches System), welches im basalen Bereich der Großhirnrinde liegen.[1]

Die Hirnrinde ist in bestimmten Regionen auf bestimmte Denkprozesse spezialisiert. So ist das Broca-Sprachzentrum und die Steuerung der regelhaften zeitlichen Abläufe in der linken Hemisphäre, die Planungs- und Selbstkontrollfähigkeit im präfontalen Kortex.[1]

"Es ist ein noch ungelöstes Geheimnis, auf welche Weise die Assoziationsareale in allen Teilen das Ganze repräsentieren. So führt der Verlust ausgedehnte Flächen der Hirnrinde in Assoziationsarealen nicht zu punktuellen Defiziten, auch nicht zu wesentlichen Verlusten der geisten Leistungen. Es gibt aber gewisse Schwerpunkte in dem einen oder anderen Areal.[2]

Funktionen

Kognitive Funktionen sind die bewussten oder unbewussten Vorgänge, die bei der Verarbeitung von Organismus-externer oder -interner Informationen ablaufen, z.B. Verschlüsselung, Vergleich mit gespeicherten Informationen, Verteilung der Informationen, Entschlüsselung und sprachlich begriffliche Äußerungen. Als psychische Funktionen wird Denken, Gedächtnis und Wahrnehmung von den Trieben und Gefühlen als psychische Kräfte abgegrenzt.[1]

Bewusstsein

Bewusstsein ist definiert als durch die menschliche Selbstbeobachtung der Psyche erkennbare Instanz, durch die das Individuum sich und die Außenwelt erkennt. Vor dem Bewusstsein zieht die Außenwelt und die Erkenntnisse aus dem Innern wie auf einer Bühne mit immer wiederkehrenden und neuen Inhalten vorbei.[1]

In das Bewusstsein dringen Eindrücke vor, für welche es keine oder noch keine gespeicherten Musterabläufe gibt. Damit ist nur ein kleiner Teil unserer Wahrnehmung, Gefühle und Phantasien dem Bewusstsein zugänglich. Ein großer Teil bleibt unbemerkt.[1]

Kontrollierte Aufmerksamkeit erfolgt bei neuen Eindrücken oder Situationen, für die noch kein Reiz-Reaktionsmuster vorliegt. Die Form des bewussten Erlebens und der Aufmerksamkeit läuft in einem kortikosubkortikalen System ab, dem "limitieren Kapazitätskontrollsystem" (LCCS). Limitiert bedeutet, dass die Verarbeitungskapazität bewusster Aufmerksamkeit begrenzt ist. Man kann nicht hören, lesen und zugleich sprechen.[3]

Dem bewussten Erleben und der Aufmerksamkeit liegt eine synchrone Depolarisation der apikalen Dentriten des Neokortex zugrunde. diese kann heute mit bildgebenden Verfahren (MRT) dargestellt werden. Diesen Aktivitäten der Hirnrinde liegen subkortikale Aktivierungssysteme zugrunde, insbesondere aus dem Thalamus. Dieses Steuersystem hat die Bezeichnung ARAS (aufsteigendes, retikuläres Aktivierungssystem). Ohne diese Aktivitäten aus der Tiefe verfällt der Organismus in einen Dauer-Tiefschlaf.

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Unterbewusstsein

Die meisten Aktivitäten des Großhirns laufen überwiegend außerhalb des Bewusstseins ab.[1] Dabei analysiert unser Unterbewusstsein die sensorischen Wahrnehmung (Mustererkennung) und handelt nach einem gespeicherten Reiz-Reaktionsmuster. Dabei laufen die - meistens motorische - Reaktionen automatisch ab, so z.B. die Grundlagen des Autofahrens.[3]

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Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 1551.
  2. Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 1556.
  3. a b c d e f g h i j Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 1552.