Amygdala

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Die Amygdala (Mandelkern) ist ein paariges Kerngebiet im jeweiligen Temporallappens. Sie ist Teil des Limbischen Systems. Als "Angstzentrum" spiel sie eine wichtige Rolle bei der Furchtkonditionierung, der emotionellen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse von Gefahren.

Wenn wir Dinge anzustreben oder zu vermeiden lernen, ist die Amygdala daran beteiligt, damit auch unsere Emotionen.[1]

Die Amygdala analysiert die Signale anderer Bereiche, um angemessene emotionale Reaktionen zu erzeugen. Ihre einzelnen Areale generieren unterschiedliche Angstreaktionen. So ist der Nucleus centralis für das Erstarren zuständig, der Nucleus basalis hingegen für den Fluchtreflex. Die Nuclei werden von den Sexualhormonen beeinflusst, daher sind sie bei Männern und Frauen unterschiedlich. Die Aktivierung der Amygdala wird vom Hypothalamus moduliert.[2]

Die Amygdala wirkt als Speicher für gute und schlechte Erinnerungen, vor allem für emotionale Traumata. Sie ist auch fest auf Angstreaktionen bei bestimmten Reizen programmiert, etwa auf niedrig fliegende Vögel, Spinnen oder Schlagen. Damit sich daraus eine Phobie entwickelt, benötigt es jedoch noch einen äußerlichen Auslöser, wie z.B. eine unschöne Begegnung mit einem dieser Reize. Es kann ziemlich schwer sein, eine solche Phobie wieder loszuwerden, da die Amygdala nicht bewusst gesteuert wird.[2]

Das autonome Nervensystem (ANS) , das die automatischen Vorgänge im Körper steuert, ist auch für die körperlichen Reaktionen bei Angst zuständig:[2]

  • Augen - Die Pupillen erweitern sich.
  • Herz - Es schlägt schneller und kräftiger.
  • Lunge - Hyperventilation (schnelle, tiefe Atmung) setzt ein.
  • Magen - Durch Reduktion von Verdauungsenzymen entsteht Übelkeit.
  • Darm - Darmbewegungen verlangsamen sich.
  • Blase - Der Schließmuskel zieht sich zusammen.
  • Blutgefäße - Die Hautgefäße erweitern sich, Blutdurck steigt.

Wie die Corpora mamillara ist auch die Amygdala paarig vorhanden, in beiden Schläfenlappen. Ihre Neuronen bewerten beständig die Umwelt danach, ob bei dem, was wir wahrnehmen, für uns etwas Gefährliches dabei ist. Unsere fernen Vorfahren mussten schon vor vielen Mio. Jahren zwischen echter Gefahr und sonstigen Wahrnehmungen blitzschnell unterscheiden. Von dieser Unterscheidung war unser Überleben abhängig und ist dies z.T. noch heute. Die Amygdala ist jedoch nicht nur unser "Angstzentrum", sondern auch unser "Ekelzentrum", weil es auch den empfundenen Ekel bewertet. "Doch die Mandelkerne sind genauso stark an unserem Empfinden für Freude und Glück beteiligt. 'Das ist schön, genieß es' lautet ihre Aussage, wenn wir in einen heimeligen Raum treten oder einem sympathischen Menschen begegnen. Außerdem sind die Mandelkerne wichtig für unsere Fähigkeit, Lust zu empfinden, weil sie am Sexualtrieb beteiligt sind."[3]

Es wurde festgestellt, dass Epilepsie-Patienten, denen eine Amygdala entfernt wurde, einen geringeren Sexualtrieb hatten als Patienten nach einer ähnlichen Operation, jedoch bei Erhalt beider Mandelkerne. Y. Salu stellte dazu fest, dass die Mandelkerne bei der Auswahl der Sexualpartner eine entscheidende Rolle spielen. - Menschen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom fallen die Mandelkerne durch Verkalkung in ihrer Funktion aus. "Menschen mit dieser Krankheit verspüren keine Angst und können auch die Emotionen anderer Menschen nicht deuten. Wenn sie Fotografien von Menschen betrachten, können sie nicht beurteilen, ob der abgebildete Mensch traurig, fröhlich oder böse schaut."[4]


Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 24.
  2. a b c Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 125.
  3. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 77f.
  4. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 78.