Stephanie Kaiser, Dominik Groß

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Werbung' und Aufklärung zum Themenfeld Organspende (2017)

Stephanie Kaiser und Dominik Groß verfassten in dem Buch "Transmortalität" den Beitrag "'Werbung' und Aufklärung zum Themenfled Organspende. Die Anfänge massenmedialer Kampagnen in historisch-kritischer Sicht".[1] Darin heißt es:

Als Auslöser gilt vornehmlich das zutage Treten von Unregelmäßigkeiten in Transplantationskliniken in Göttingen, München, Regensburg und Leipzig - ein Sachverhalt, der in den Medien gelegentlich verkürzt als 'Transplantationsskandal' (u.a. Küpper 2014, o.S.)[Anm. 1] (106)
Auffangen lässt sich dieser Vertrauensverlust nicht mit den millionenschweren Kampagnen von Krankenkasse undn Bundesregierung. (107)
Zusammengefasst dienen diese Studien, mehrheitlich initiiert von den Verantwortlichen für die Kampagnen, der Ergründung der Ursachen des Organspendemangels und der Entwicklung neuer Strategien zur Erhöhung der Spendebereitschaft. (107)

Die Entscheidung zur Organspende ab dem Jahr 2002.[2] [Anm. 2]

Entscheidung 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Potenziell[3] 1.868 2.090 1.865 1.963 1.866 1.888 1.876 1.799 1.584 1.370 1.339 1.317 1.248 1.178 1.416 1.371
Ja: (Abs) 1.259 1.313 1.198 1.217 1.296 1.200 1.046 876 921 926 857 863 955 1.040
schriftlich 5,0 5,5 7,3 5,8 6,8 6,2 6,3 8,8 7,3 8,9 10,3 14,3 16,1 15,2 16,4 19,7 17,6 18,8
mündlich 11,6 11,8 13,0 11,1 16,1 18,4 19,9 21,9 21,8 25,8 23,2 25,8 24,8 27,9 26,7 26,7 25,4 24,8
vermutet 75,4 76,8 75,9 79,1 68,1 66,6 60,9 51,8 53,5 47,7 50,6 43,6 42,0 44,2 44,5 41,0 45.5 44,2
Hinterbliebene 8,1 5,8 3,7 3,9 8,9 8,8 12,9 17,4 17,4 17,7 15,9 16,3 17,2 12,7 12,3 12,6 11,6 12,2
Nein: (Abs) 485 537 551 565 482 486 434 402 381 358 297 282 340 293
schriftlich 1,3 1,0 2,3 2,2 1,4 0,4 0,9 1,4 1,7 1,1 1,8 2,0 2,9 3,1 4,4 4,6 4,1 3,1
mündlich 15,9 17,5 17,7 18,9 21,4 22,9 22,7 30,8 28,8 31,2 31,1 35,1 32,0 35,8 32,3 29,8 32,1 28,7
vermutet 68,3 66,1 68,7 70,8 52,4 47,5 43,6 29,4 28,8 27,1 27,6 24,6 26,0 29,3 28,3 24,8 31,2 26,6
Hinterbliebene 14,5 15,3 11,3 8,1 24,7 29,2 32,8 38,4 40,7 40,6 39,4 38,3 39,1 31,8 35,0 40,8 32,6 41,6
Nein-Anteil 26,0 27,4 29,5 29,9 25,7 27,0 27,4 29,3 28,5 27,2 23,8 23,9 24,0 21,4
Ja-Anteil 67,7 66,9 64,2 64,5 69,1 66,7 66,0 63,9 68,8 70,3 68,7 73,3 67,4 75,9
Ja OSA % 4,6 4,1 4,0 5,7 5,0 5,9 6,8 9,1 11,1 10,7 11,3 14,4 11,9 14,3
Nein OSA % 0,4 0,1 0,3 0,4 0,4 0,3 0,5 0,6 0,8 0,8 1,0 1,1 1,0 0,7
OSA % 5,0 4,3 4,3 6,1 5,5 6,2 7,3 9,7 11,9 11,5 12,3 15,5 12,9 14,9

Nein-Anteil = nach Feststellung des Hirntodes der Anteil in %, der der Organentnahme widersprochen hat
Ja-Anteil = nach Feststellung des Hirntodes der Anteil in %, der der Organentnahme zugestimmt hat
Ja OSA % = von den Organspendern hatten n% schriftlich der Organentnahme zugestimmt
Nein OSA % = von den Nicht-Organspendern hatten n% schriftlich der Orgenentnahme widersprochen.
OSA % = von den potentiellen Organspendern (Summe aus Organspendern und Nicht-Organspendern hatten n% ihre Entscheidung zur Frage der Organspende selbst schriftlich festgehalten, d.h. einen Organspendeausweis ausgefüllt. Im Jahr 2013 gab nach Feststellung des Hirntodes 29,3% "Nein" zur Organspende, doch 2008 waren es 29,5% und 2009 sogar 29,9%. Von 2013 bis 2016 ging der Nein-Anteil von 29,3% auf 23,8% zurück. Seither stagniert der Widerspruch zur Organspende bei ca. 24%. Von einem "Vertrauensverlust" kann hier wirklich nicht gesprochen werden, der einen Rückgang der Organspender um rund 30% bewirkte.

Mittels Unterrichtshilfen wurden zudem erhebliche Anstrengungen unternommen, Aufklärung über Organspende und Werbung für Organspende in die Schulen zu tragen. (111)

"Werbung" ist hierbei wertend. Was unter "Werbung" verstanden wird, müsste zunächst definiert bzw. beschrieben werden. Dies fehlt jedoch in diesem Buchbeitrag.

Der Ausweis erfüllt dabei aus heutiger Sicht drei Funktionen: (1) Beweisfunktion: der Beweis der rechtmäßigen Einwilligung liegt mit eigenhändiger Unterschrift vor, (2) Warnfunktion: Hinweis auf die Tragweite der Entscheidung, (3) Informationsfunktion: behandelnde Ärzte erkennen sofort Organspender und können die notwendigen medizinischen Maßnahmen einleiten. (113)

Es kann auf jedem offiziellen OSA auch "Nein" angekreuzt und damit der Organspende widersprochen werden. Der OSA ist damit kein Papier für die Zustimmung zur Organspende, wie er meist - so auch hier - dargestellt wird, sondern ein Papier, wie ich mich zur Frage der Organspende entschieden habe, ob "Ja" (mit differenzierten Ausführungen) oder "Nein". - Die "notwendigen medizinischen Maßnahmen" werden nicht "sofort" eingeleitet, sondern frühestens erst, wenn Hirntod zu erwarten ist.

Der heute gebräuchliche Organspendeausweis ist kein amtliches Formular. (113)

Dieses ist auch nicht notwendig. Für die Wirksamkeit eines Testamentes oder einer Patientenverfügung bedarf es auch keines amtlichen Papiers, obwohl hier die Tragweite noch weitaus größer ist.


Die 1. Fußnote dieses Buchbeitrags lautet:

Der Beitrag wurde im Rahmen des von der VolkswagenStiftung geförderten Forschungsprojektes "Tod und tote Körper - Transmortalität" im Teilprojekt III Medizingeschichte und Mediziinethik unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Uniklinik RWTH Aachen University, verfasst.


Anhang

Anmerkungen

  1. "Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen Verteilungsskandal." Dies steht an dieser Stelle in der Fußnote. Dies ist sachlich richtig. Falsch ist jedoch, dass der Verteilungsskandal der "Auslöser" für den Rückgang der Organspender war.
  2. Die Zahlen der Jahre 2002 bis 2005 wurden aus dem Jahrbuch der DSO entnommen. Die Zahlen der Jahre 2006 bis 2013 wurden nach den absoluten Zahlen der Jahrbücher der DSO berechnet. Dabei wurden nur die realisierten Organspenden mit den Ablehnungen nach Feststellung des Hirntods ins Verhältnis gesetzt. D.h. nicht berücksichtigt wurden dabei nicht erfolgte Organtransplantationen, z.B. durch Kreislaufversagen oder med. Gründen.

Einzelnachweise

  1. Stephanie Kaiser, Dominik Groß: '“Werbung' und Aufklärung zum Themenfeld Organspende. In: Antje Kahl et al. (Hg.): Transmortalität. Organspende, Tod und tote Körper in der heutigen Gesellschaft. Weinheim 2017, 106-131.
  2. DSO: Jahrbuch 2002ff.
  3. Die Anzahl der potenzieller Organspender umfasst alle Hirntoten, die mit für eine TX brauchbare Organe auf der Intensivstation liegen. Die meisten von werden tatsächlich Organspender. Bei einigen wird die die Organspende verweigert. Daneben gibt es noch eine Reihe von Hirntoten, bei denen zwar eine Zustimmung zur Organspende vorgelegen hat, bei denen es jedoch aus verschiedenen Gründen zu keiner Organspende gekommen ist. Die DSO unterscheidet hierbei unter:
    • Abbruch vor oder während der Organentnahme (z.B. Tumorfeststellung)
    • Medizinische Gründe (inkl. Herz-Kreislaufstillstand, ICD-10 I46.9)
    • Sonstiges (Keine Einwilligungsberechtigten, Gespräch nicht zumutbar, keine Freigabe durch den Staatsanwalt)