Organspender

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Voraussetzungen

Nach § 3 TPG kann Organspender werden, wer alle diese Bedingungen erfüllt:

  • wer der Organspende zugestimmt hat (siehe unten)
  • bei wem der Tod festgestellt wurde (siehe Hirntod
  • wenn der Eingriff durch einen Arzt vorgenommen wird.

Zustimmung

Zustimmung bei Erwachsenen

Nach § 2 TPG kann man sich ab dem vollendeten 14. Lebensjahr gegen eine Organspende aussprechen, ab dem vollendeten 16. Lebensjahr soll man sich selbst zur Frage der Organspende erklären.[Anm. 1]

Nachdem der Hirntod festgestellt ist, stellt sich die Frage um Organspende. Hierzu gibt es 4 Möglichkeiten:

  • Schriftliche Willenserklärung
    Liegt vom Hirntoten eine schriftliche Willenerklärung vor, ist dies für die Hinterbliebene eine große Erleichterung. Sie müssen sich nicht mit dieser Fragestellung auseinandersetzen.[Anm. 2]
    Im Jahr 2014 lag bei 16,1% der Hirntoten eine schriftliche Zustimmung zur Organentnahme vor und bei 2,9% eine schriftliche Ablehnung.[1][Anm. 3]
  • Mündliche Willenserklärung
    Liegt vom Hirntoten eine mündliche Willenserklärung vor, ist dies auch eine Erleichterung für die Hinterbliebenen.
    Im Jahr 2014 lag bei 24,8% der Hirntoten eine mündliche Zustimmung zur Organentnahme vor und bei 32,9% eine mündliche Ablehnung.[1]
  • Mutmaßlicher Wille
    Liegt weder eine schriftliche noch eine mündliche Willenserklärung des Hirntoten vor, ist es Aufgabe der Hinterbliebenen, den mutmaßlichen Willen des Hirntoten festzustellen. Sie können sich dabei vom Klinikpersonal (Arzt, Pflegekraft, Seelsorger) und/oder dem DSO-Koordinator helfen lassen. Es geht dabei darum, dass man mutmaßlichen Willen des Hirntoten ermittelt. Die eigene Haltung sollte hierbei zurückstehen, was nicht immer leicht ist, insbesondere wenn sich der mutmaßliche Wille des Hirntoten vom eigenen Willen unterscheidet.
    Im Jahr 2014 konnte bei 42,0% der Hirntoten ein vermutete Zustimmung zur Organentnahme ermittelt werden und bei 26,0% eine vermutete Ablehnung.[1]
  • Entscheidung der Hinterbliebenen
    Kann von den Hinterbliebenen kein mutmaßlicher Wille ermittelt werden, kommt es den Hinterbliebenen zu, die Entscheidung zu fällen. Dies ist die schwierigste Möglichkeit, insbesondere wenn es innerhalb der Familie ein pro- und contra-Lager zur Frage der Organspende gibt. Damit ist der nächste Familienkrach bereits vorprogrammiert. Mit dem Ausfüllen des Organspendeausweises hätte der Hirntote diesem Familienkrach vorbeugen können.
    Im Jahr 2014 haben bei 24,8% der Hirntoten die Hinterbliebenen die Zustimmung zur Organentnahme gegeben und bei 39,1% der Hirntoten die Hinterbliebene eine Ablehnung.[1]

Zustimmung bei Kindern

Für ihre unmündigen Kinder stehen immer die Eltern bzw. andere Erziehungsberechtigte in der Entscheidung, ob im Falle des Hirntods der Frage um Organspende zugestimmt werden soll. Diese Entscheidung muss jedoch erst gefällt werden, wenn Hirntod vorliegt.

Erwachsene hirntote Kinder

Mit Vollendung des 18. Lebensjahres ist man volljährig. Damit endet die Zuständigkeit der Eltern für ihre Kinder. Sie sind mit Erlangung der Volljährigkeit selbständig. Die Tochter bleibt lebenslang die Tochter, der Sohn bleibt lebenslang der Sohn, aber die Volljährigkeit entbindet die Eltern von der Verantwortung.

Hat das hirntote Kind das 18. Lebensjahr vollendet, besitzen die Eltern keine Entscheidungsbefugnis. Es ist dann der Wille des volljährigen Kindes gültig. Liegt dieser weder in schriftlicher noch in mündlicher Weise vor, ist der mutmaßliche Wille des volljährigen Kindes gültig.

Bei hirntoten volljährigen Kindern fühlen sich die Eltern meist in der ihnen vertrauten Verantwortung um ihr Kind. Weil ihr Kind nun völlig hilflos daliegt, fallen viele Eltern in die ihnen gewohnte Beschützerrolle zurück und entmündigen damit oft ihr volljähriges Kind. Die Eltern-Kind-Beziehung besteht lebenslang. Doch die meisten Eltern von hirntoten erwachsenen Kindern vergessen, dass ihr Kind jetzt erwachsen ist. Trotz des mit dem Hirntod verbundener völligen Hilflosigkeit bleibt es dabei, dass die Eltern für ihr Kind nicht mehr zuständig sind.

Hat dieses hirntote Kind zu Lebzeiten sich schriftlich oder mündlich zur Organspende erklärt, ist von den Eltern dieser Wunsch zu achten. Dies fällt um so schwerer, wenn die eigene Haltung der des Kindes entgegen steht. Jedes Entgegenwirken käme einer Entmündigung des volljährigen Kindes gleich.

Würde des Organspenders

Anhang

Anmerkungen

  1. Diese Erklärung muss zu Lebzeiten erfolgen, denn wenn das zum Hirntod führende Ereignis eintritt, ist man ab diesem Ereignis handlungsunfähig. Man verliert ohne jede vorherige Anzeichen das Bewusstsein und stirbt in den Hirntod. Ein eigenes Handeln ab diesem Ereignis ist nicht mehr möglich. Daher ist es so wichtig, bereits jetzt einen ausgefüllten Organspendeausweis (ob Ja oder Nein angekreuzt) bei sich zu tragen.
  2. Daher ist das Ausfüllen eines Organspendeausweises so wichtig. Man kann dort "Ja" wie auch "Nein" ankreuzen und damit der Organentnahme zustimmen oder ihr widersprechen. Wichtig ist, dass der eigene Wille schriftlich festgehalten ist.
    Wer sich um diese Entscheidung drückt und im Familienkreis nie sagt, ob er/sie zur Organspende bereit ist oder nicht, überlässt die Beantwortung dieser Frage den Hinterbliebenen. Wenn sich diese einig sind, stellt es kein großes Problem dar. Schwierig wird es nur, wenn Uneinigkeit besteht und diese nicht aufgelöst werden kann. Dann kann es zu einem Familienkrach kommen - und das Angesichts des Todes. Mit dem Ausfüllen des Organspendeausweises kann dem vorgebeugt werden.
  3. Die Prozentzahlen innerhalb der Zustimmung und innerhalb der Ablehnung ergeben jeweils 100%.

Einzelnachweise

  1. a b c d DSO: Jahresbericht 2014, Seite 42.