Hypophyse: Unterschied zwischen den Versionen

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(Absterben des HVL)
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Da die Hypophyse außerhalb der eigentlichen knöcherner Schädelhöhle liegt, ist sie beim Anstieg des [[Hirndruck]]s zunächst geschützt. Zudem wird die Hypophyse direkt aus der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) versorgt, dem Grenzgebiet des Perfusionsstillstandes. Dadurch erleidet die Hypophyse zeitverzögert und ein unvollständiges Erliegen der Blutversorgung. "Dabei ist ... festzustellen, dass die Hypophyse als räumlich separiertes, entwicklungsgeschichtlich eigenständiges und feingeweblich völlig andersartig aufgebautes Ortan keinen eigentlichen Teil des Gehirns darstellt."<ref>Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 23.</ref>
 
Da die Hypophyse außerhalb der eigentlichen knöcherner Schädelhöhle liegt, ist sie beim Anstieg des [[Hirndruck]]s zunächst geschützt. Zudem wird die Hypophyse direkt aus der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) versorgt, dem Grenzgebiet des Perfusionsstillstandes. Dadurch erleidet die Hypophyse zeitverzögert und ein unvollständiges Erliegen der Blutversorgung. "Dabei ist ... festzustellen, dass die Hypophyse als räumlich separiertes, entwicklungsgeschichtlich eigenständiges und feingeweblich völlig andersartig aufgebautes Ortan keinen eigentlichen Teil des Gehirns darstellt."<ref>Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 23.</ref>
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=== Anatomische Befunde nach Hirntod ===
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F. Unterharnscheidt schrieb zum anatomischen Befund des [[HVL]]:
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{{Zitat| Der Hypophysenvorderlappen zeigt eine subtotale Nekrose des Parenchyms (vgl. Abb. 137); dabei bleiben subkapsulär gelegene Randpartien und eine schmale Zone, die an den Zwischen- bzw. Hinterlappen angrenzt, verschont. Im Zentrum der [[Nekrose]] sind auch mesenchymale Bestandteilte untergegangen. Die unterschiedliche Intensität der Gewebsveränderungen läßt sich in einzelnen Fällen an der schubweise Infarzierung des Vorderlappens denken (HARTMUT SCHNEIDER et al. 1969). ... Der Hinterlappen der Hypophyse kann in einzelnen Fällen nekrotisch sein.<ref>F. Unterharnscheidt: Traumatologie von Hirn und Rückenmark. Traumatische Schäden des Gehirns (forensische Pathologie). In: Wilhelm Doerr, Erwin Uehlinger (Hg.): Spezielle pathologische Anatomie. Band 13. Pathologie des Nervensystems VI.B. Berlin 1993, 485.</ref>}}
  
 
== Anhang ==
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2020, 18:25 Uhr

Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ist eine Hormondrüse, der eine zentrale übergeordnete Rolle bei der Regulation des Hormonsystems im Körper zukommt. Sie ist eine Art Schnittstelle, mit der das Gehirn über die Freisetzung von Hormonen Vorgänge wie Wachstum, Fortpflanzung und Stoffwechsel reguliert.

Aufbau und Geschichte

Die Hypophyse ist mit dem Hypothalamus über den Hypophysenstiel (Infundibulum) verbunden und wird in

  • Hypophysenvorderlappen (HVL oder Adenohypophyse)
  • Hypophysenzwischenlappen (HZL)
  • Hypophysenhinterlappen (HHL oder Neurohypophyse)

eingeteilt. Entwicklungsgeschichtlich und funktionell unterscheiden sich die Hypophysenlappen voneinander. Während der HVL aus einer Ausstülpung des Rachendaches hervorgeht und sich der Neurohypophyse anlagert, ist der HHL eine Ausstülpung des Zwischenhirns. Dieser Unterschied ist histologisch zu erkennen, denn während im HVL verschiedene in Ballen angeordnete endokrine Drüsenzellen vorkommen, dominieren im HHL vor allem Nervenzellfortsätze, sogenannte Axone, deren Zellkörper im Hypothalamus liegen. Somit vermag der HVL Hormone unter Kontrolle des Hypothalamus selbst zu bilden, der HHL ist hingegen als Speicher- und Sekretionsorgan für die im Hypothalamus gebildeten Hormone zuständig.[1]

Die Hypophyse ist ein gut kirschkerngroßes Organ, das unterhalb der Bindegewebsplattte (Diaphragma) in einer knöchernen Aussparung des Keilbeins liegt. Vom Gehirn ist sie nicht nur räumlich separiert, auch ihr Zellaufbau ist völlig unterschiedlich. Zudem ist sie in zwei histologisch, entwicklungsgeschichtlich und funktionell verschiedene Anteile gegliedert:[2]

Hypophysenfunktion bei Hirntod

McCormick et al. untersuchten 1970 de Entwicklung der Hormone im Serum von Hirntoten. 1980 verwendete Schrader et al. bereits Stimulationstests, um die Funktion der Hypophyse zu beurteilen. 1993 untersuchte Arita et al. zusätzlich die Histologie, um das Ausmaß der Nekrose beurteilen zu können. "Die vorliegende Arbeit untersucht die Hypophysenfunktion im Bezug auf die einzelnen Hormone und deren Stiumulierbarkeit in Abhängigkeit von der elektroneurophysiologisch untersuchten Hirnfunktion in tiefer Bewusstlosigkeit und im Hirntod."[4]

Von den später in den Hirntod verstorbenen Patienten konnte vor der Durchführung der HTD bei 12 von 18 Patienten ein evoziertes Potential nach elektrischer Stimulation nachgewiesen werden. Ein isolierter Hormonausfall war nicht erkennbar. Nach Stimulation mit Releasinghomonen kam es bei 11 von 18 Patienten zu einem deutlichen Anstieg von LH, bei TSH waren es 7 von 18 Patienten, bei Prolaktin bei 14 von 18 Patienten.
Nach der HTD war die Konzentration der Hormone uneinheitlich verändert. Die Hälfte der Patienten hatten ein Defizit an Prolaktin und Cortisol. Die Stimulation brachte bei 3 von 12 eine Erhöhung von LH um den Faktor 2. Die Stimulation von TRH ergab keinen Konzentrationsanstieg. Bei Prolaktin reagierten 7 der 12 Patienten auf Stimulation.[5]


Absterben des HVL

Ein Absterben des HVL (Hypophysenvorderlappen) - wie es beim Hirntod in der Regel vorkommt - kommt einer totalen Hypophyseninsuffizienz (ICD 10: E14.90) gleich. Die Symptome sind:[6]

  • Störungen des Menstruationszyklus (Amenorrhoe, Polymenorrhoe)
  • Störungen des Wachstums (Minderwuchs)
  • Diabetes insipidus
  • Fettsucht durch Verlangsamung des Fettstoffwechsels
  • Störung der natürlichen Bildung der primären Geschlechtsorgane
  • allgemein ein Ausbleiben der Pubertät

Wie sehr der Hirntod Einfluss auf den Hormonhaushalt hat, zeigt diese Feststellung auf: "Gewöhnlich besteht auch eine Nekrose des Hypophysenvorderlappens."[7]

Da die Hypophyse außerhalb der eigentlichen knöcherner Schädelhöhle liegt, ist sie beim Anstieg des Hirndrucks zunächst geschützt. Zudem wird die Hypophyse direkt aus der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) versorgt, dem Grenzgebiet des Perfusionsstillstandes. Dadurch erleidet die Hypophyse zeitverzögert und ein unvollständiges Erliegen der Blutversorgung. "Dabei ist ... festzustellen, dass die Hypophyse als räumlich separiertes, entwicklungsgeschichtlich eigenständiges und feingeweblich völlig andersartig aufgebautes Ortan keinen eigentlichen Teil des Gehirns darstellt."[8]

Anatomische Befunde nach Hirntod

F. Unterharnscheidt schrieb zum anatomischen Befund des HVL:

Der Hypophysenvorderlappen zeigt eine subtotale Nekrose des Parenchyms (vgl. Abb. 137); dabei bleiben subkapsulär gelegene Randpartien und eine schmale Zone, die an den Zwischen- bzw. Hinterlappen angrenzt, verschont. Im Zentrum der Nekrose sind auch mesenchymale Bestandteilte untergegangen. Die unterschiedliche Intensität der Gewebsveränderungen läßt sich in einzelnen Fällen an der schubweise Infarzierung des Vorderlappens denken (HARTMUT SCHNEIDER et al. 1969). ... Der Hinterlappen der Hypophyse kann in einzelnen Fällen nekrotisch sein.[9]

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Hypophyse Zugriff am 22.7.2017.
  2. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 22.
    • Rita Carter: Das Gehirn. Anatomie, Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein, Störungen. München 2010, 61.
  3. Gerhard Klingelhöffer: Funktionsdynamische Untersuchungen des Hypothalaisch-Hypophysären System bei klinischem Hirntod. (med. Diss.) Würzburg 1981, 14.
  4. Martin Engelhardt: Hypophysenfunktion bei Bewußlosigkeit und Hirntod. (med. Diss.) Bochum 1999, 5.
  5. Martin Engelhardt: Hypophysenfunktion bei Bewußlosigkeit und Hirntod. (med. Diss.) Bochum 1999, 38.
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Hypophyseninsuffizienz Zugriff am 22.7.2017.
  7. J. Pfeiffer, J.M. Schröder, W. Paulus (Hg.): Neuropathologie. Morphologische Diagnostik der Krankheiten des Nervensystems und der Skelettmuskulatur. Heidelberg 2002, 128.
    Die gleiche Aussage ist auch zu finden in:
    • W. Remmele, J. Pfeiffer, J.M. Schröder (Hg.): Pathologie. Band 6. Neuropathologie, Muskularur, Sinnesorgane. 2. Auflage. Heidelberg 1995, 73.
  8. Hans-Peter Schlake, Klaus Roosen: Der Hirntod als der Tod des Menschen. 2. Auflage. Neu-Isenburg 2001, 23.
  9. F. Unterharnscheidt: Traumatologie von Hirn und Rückenmark. Traumatische Schäden des Gehirns (forensische Pathologie). In: Wilhelm Doerr, Erwin Uehlinger (Hg.): Spezielle pathologische Anatomie. Band 13. Pathologie des Nervensystems VI.B. Berlin 1993, 485.