Intoxikation

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Intoxikation ist eine Vergiftung.
Im Zusammenhang mit Hirntod ist zwischen zwei Formen der Intoxikation zu unterscheiden:

  • nicht tödliche Intoxikation als Ausschlusskriterium bei der HTD
  • tödliche Intoxikation als Ursache des Hirntodes

Intoxikation als Ausschlusskriterium bei der HTD

Im Untersuchungszeitraum dürfen die klinischen Symptome des Hirnfunktionsausfalls nicht durch reversible Einflüsse überlagert sein. Dazu gehören u. a. Intoxikationen, dämpfende Medikamente, neuromuskuläre lockade, reversible Erkrankungen des Hirnstamms oder des peripheren Nervensystems, primäre oder therapeutische Hypothermie, Kreislaufschock, Koma bei endokriner, metabolischer oder entzündlicher Erkrankung.[1]

Bei der HTD gehört die Intoxikation bei den Voraussetzungen zu den Ausschlusskritierien, d.h. sie muss ausgeschlossen sein, bevor mit der HTD begonnen wird.

Beispiel:

Im Jahr 2009 wurde die 41jährige Colleen S. Burns in eine New Yorker Klinik eingeliefert. Sie hatte eine Überdosis Beruhigungsmittel bzw. Drogen[Anm. 1] genommen. Es wurde an ihr trotz dieser Überdosis eine HTD durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass sie hirntot sei. Da eine Zustimmung zur Organspende vorlag, wurde sie bereits auf die Organentnahme vorbereitet, doch dann waren an Colleen S. Burns Lebenszeichen erkennbar. Die Organentnahme wurde nicht begonnen. Colleen S. Burns erwachte wieder ins Leben.
Die Überdosis hatte bei Colleen S. Burns sogar die Hirnstammreflexe gelähmt und damit Hirntod vorgetäuscht. Auch bestimmte Vergiftungen - insbesondere bei Nervengiften (z.B. das Gift des Kugelfisches) - können zu einer Lähmung der Hirnstammreflexe führen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, die Voraussetzungen genau zu prüfen, bevor man mit der HTD beginnt.
Insgesamt sollen bei Colleen S. Burns in der Klinik vier Behandlungsfehler begangen worden sein. Daher kam es zu einem Gerichtsverfahren, das im September 2012 mit einer Geldstrafe von 22.000 Dollar - umgerechnet 17.000 Euro - für die Klinik endete.
Colleen S. Burns nahm sich 2011 das Leben.[2]

Intoxikation als Ursache des Hirntodes

Intoxikation (z.B. vom Kugelfisch, von Medikamenten oder Gase) kann über einen Sauerstoffmangel zur Hirnschwellung führen, die in der Folge so stark ansteigt, dass der Hirndruck den mittleren arteriellen Druck übertrifft. Damit stoppt die Durchblutung des Gehirns und der Hirntod tritt ein. Damit gehört die tödliche Intoxikation zur sekundären Hirnschädigung.

Wenn als irreversible Langzeitfolge der Intoxikation eine schwere hypoxische Hirnschädigung auftritt und aufgrund der vorliegenden Befunde klar ist, dass es sich um eine in den Richtlinien der BÄK benannte schwere und irreversible "sekundäre Hirnschädigung" handelt, kann nach Abklingen der Intoxikation eine HTD durchgeführt werden.

Anhang

Anmerkungen

  1. Hier sind sich die Zeitungsberichte nicht einig. Es scheint jedoch so gewesen zu sein, dass sie sich mit der Überdosis das Leben nehmen wollte. 16 Monate später erreichte sie dieses Ziel.

Einzelnachweise

  1. BÄK: Richtlinie für die Regeln zur Feststellung des Todes. (2015), Seite 3.
  2. https://de.nachrichten.yahoo.com/-tote--erwacht-im-krankenhaus-zum-leben-084024615.html Zugriff allesamt am 12.8.2015.