Karl Dienst

Aus Organspende-Wiki
Version vom 27. Juli 2019, 06:39 Uhr von Klaus (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „ === Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz? (2012) === Karl Dienst veröffentlichte 2012 die Schrift "Das Ende des Protestantismus: Moral al…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz? (2012)

Karl Dienst veröffentlichte 2012 die Schrift "Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz?"[1] Darin heißt es:

or der Erfindung der Herz-Lungen-Maschine 1952 galt der irreversible Kreislaufstillstand als Kriterium des Todes. Inzwischen hat die Bundesärz-tekammer die Deutungshoheit an sich gezogen und konstatiert, daß „mit dem Hirntod naturwissen-schaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt“ sei.

Der Bundestag hat dies beschlossen, wenngleich aufgrund der Vorarbeit der BÄK. Siehe: Todesverständnis

De facto gilt seitdem der Hirntod (definiert als Ausfall von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm) als Kriterium für eine legale Organ-entnahme, was nicht nur bei Hans Jonas3 den Verdacht erweckt hat, daß das Hirntodkriterium in den Dienst der Organbeschaffung gestellt werde, es sich bei dieser Neudefinition des Todes vor allem um ein Zugeständnis an die Transplantationsmedizin, mithin um eine interessengeleitete Ethik handele, stünden doch sonst die „besten Organe“ nicht mehr für Transplantationen zur Verfügung, insbesondere keine Herzen.

Das Therapieende ging der Organspende geschichtlich voraus. Siehe: Chronik/Hirntod und Pierre Wertheimer

Selbst von Befürwortern der Tansplantationsmedizin ist zu hören, daß es nicht ganz falsch sei, im Zusammenhang der Organgewinnung von einem „justified killing“ zu sprechen, um ein aus therapeutischen Gründen gerechtfertigtes Töten.

Die Zahl der Befürworter der Transplantationsmedizin, die das sagen, dürfte im einstelligen Bereich liegen.

Der Appell zur aktiven Beteiligung an der Verringe-rung dieses tödlichen Dilemmas durch einen Organspendeausweis beruft sich auch auf das religiöse Gewissen. Nicht nur die Deutsche Bischofskonferenz nimmt diesen moralischen Knüppel auf: „Aus christlicher Sicht ist die Bereitschaft zur Organspende ein Zeichen der Nächstenliebe.“

Schließlich soll Organspende freiwillig bleiben, auch in der Widerspruchsregelung.

Demgegenüber betont die Professorin an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Frank-furt/O. Anna Bergmann: „Unsere ethischen Normen im Umgang mit Sterbenden und Toten, die Prä-missen der medizinischen Ethik und schließlich das Tötungsverbot werden durch das Prozedere der Organgewinnung über Bord geworfen. Eine ethische Verpflichtung zur Organspende kann es daher nicht geben.“

Es lässt sich alles schlecht machen.



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Karl Dienst: Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz?. In: Edmund Weber (Hg.): Journal of Religious Culture. Journal für Religionskultur. Nr. 162 (2012). Nach: http://web.uni-frankfurt.de/irenik/relkultur162.pdf Zugriff am 22.07.2019.