Reanimation

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Reanimation, Wiederbelebung, "wieder ins Leben zurückholen" sind im Rettungswesen gebräuchliche Formulierungen. Damit wird ausgedrückt, dass sich der Mensch in einem höchst lebensgefährlichen Zustand befand, meist Stillstand von Blutkreislauf und/oder Atmung. Wenn hierbei nicht unverzüglich entsprechend gehandelt wird, droht für diesen Menschen der Tod.

Reanimation ist nie ein Zurückholen aus dem Tod,

sondern immer aus einem höchst lebensgefährlichen Zustand.

Der Tod ist medizinisch und juristisch definiert als ein unumkehrbarer Zustand. Aus dem Tod gibt es somit kein Zurück ins Leben.

Ursachen

Für den Stillstand des Blutkreislaufs gibt es zwei Ursachen:

  • Herzstillstand
    Das Herz hört plötzlich auf zu schlagen. Damit fließt kein Blut durch die Adern. Das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff. Wir werden nach ca. 10 Sekunden ohnmächtig. Nach etwa 30 Sekunden lässt sich kein EEG ableiten. Ab 10 Minuten besteht die Gefahr, dass der Mensch in den Hirntod stirbt.
    Durch Herz-Druck-Massage kann man einen Erwachsenen bis zu 30 Minuten Herzstillstand aus diesem Zustand zurückholen. Zwar schlägt dann das Herz wieder, doch das Gehirn ist nach 10 Minuten irreparabel3 geschädigt oder gar so schwer geschädigt, dass der Hirntod unausweichlich ist.
  • Herzkammerflimmern
    Das Herz schlägt nicht mehr effektiv, sondern zittert im Grunde nur noch mit sehr hoher Frequenz, meist über 200 Herzschläge pro Minute. Damit wird jedoch kein Blut durch den Körper gepumpt. Die Auswirkungen für den Körper – insbesondere für das Gehirn - sind ähnlich wie beim Herzstillstand.
    Durch elektrische Stimulation mit einem Defibrillator (gibt dosierte elektrische Stromstöße ab), kurz auch "Defi2 genannt, kann das Herz wieder in den üblichen Rhythmus von etwa 60 Schläge pro Minute gebracht werden. Auch hier gelten die gleichen Zeiten wie beim Herzstillstand.

Durch diese Reanimations-Maßnahmen kann ein Erwachsener bis zu 30 Minuten[Anm. 1] nach Stillstand des Blutkreislaufs "wiederbelebt" werden, wie der Volksmund sagt. Rettungskräfte sagen hier meist, sie haben ihn wieder "zurückgeholt". Dies ist eine zutreffendere Formulierung, denn der Mensch befindet sich in einem Sterbeprozess, aus dem man ihn noch erfolgreich herausholen kann, wenn früh genug mit den richtigen Maßnahmen begonnen wird.

Burkhard Dirks, Anästhesist und Vorstandsmitglied im Deutschen Rat für Wiederbelebung sagt über den Wirkungsgrad der Reanimation: "Solange reanimiert wird, wird Sauerstoff ins Gehirn geleitet. Man kann dabei mit etwa 20 bis 30 Prozent der normalen Gehirndurchblutung rechnen. Das reicht, um zu überleben."[1]

Angaben zur Reanimation

Ertrinken

Die eigentliche Todesursache beim Ertrinken ist ein Erstickungstod: Das CO2 reichert sich im Blut an. Gehirnzellen sterben ab. Das Herz hört auf zu schlagen. Der Körper stirbt an einer Kohlensaurevergiftung der Zellen. "Diese sind zunächst noch lebend. Sie werden jedoch mit großer Beschleunigung, das heißt innerhalb von 180 bis 300 Sekunden endgültig, das heißt tödlich vergiftet und sterben unwiderruflich ab.
Den Zustand des Sauerstoff (O2)-Mangels und der gleichzeitigen Kohlensäure(CO2)-Vergiftung bezeichnet am als Asphyxie."[2] Bei der künstlichen Beatmung von Ertrunkenen ist der lebenswichtige Sauerstoff durch die in die oberen Atmungswege eingedrungenes Wasser blockiert.

Atmosphärische Luft setzt sich aus 79,3% Stickstoff und 20,9% Sauerstoff zusammen, die vom Menschen ausgeatmete Luft zu 79,0% Stickstoff und 16,4% Sauerstoff. Die sogenannte Mischluft in den Lungenbläschen setzt sich aus 79,0% Stickstoff, 15,0% Sauerstoff und 5,6% Kohlensäure zusammen.[3] In einer Höhe von über 2.000 m beträgt der Sauerstoffgehalt noch ca. 15,0%.[4]

Rudolf Bucher nennt für die unterschiedlichen Lungengrößen (Vitalkapazität) die Effektivität verschiedener Beatmungssysteme:[5]

6.500 6.000 5.500 5.000 4.500 4.000 3.500 3.000 2.500 2.000
A 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
B 31,6% 34,2% 37,1% 40,5% 44,8% 50,2% 57,0% 66,4% 79,7% 99,9%
C 29,4% 32,9% 34,9% 38,5% 42,9% 48,5% 55,5% 65,2% 78,9% 99,9%
D 21,7% 23,5% 25,7% 28,3% 31,6% 35,9% 40,9% 48,0% 54,3% 54,3%
E 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9% 23,9%
F 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9% 22,9%
G 15,2% 16,5% 18,1% 19,9% 22,2% 25,1% 28,1% 28,1% 28,1% 28,1%

A = Ideale Ausnützung
B = Respirogerät mit primärer Absauge bis auf Restluft
C = Respirogerät ohne primärer Absauge bis auf Restluft
D = Atmungsbeutel ohne Absauge, Nur-Druck
E = Silvester und Thomsen
F = Holger-Nielsen
G = Mund-zu-Mund-Atemspende ohne Absauge, Nur-Druck mit 3,87 Vol.-% CO2 in 1.880 ccm Atemvolumen
Auch wenn diese Zahlen aus dem Jahr 1964 sind, drücken sie doch deutlich aus, welchen Einfluss verschiedene Beatmungstechniken auf die Effektivität besitzen.


Anhang

Anmerkungen

  1. In New York wurde Joe Tiralosi 47 Minuten lang reanimiert und verließ drei Wochen später "vollständig genesen" das Krankenhaus. Dies war möglich, weil sie seinen Kopf auf 32°C heruntergekühlt und nicht nach 30 Minuten mit der Reanimation aufgehört hatten. Siehe: http://www.weltderwunder.de/artikel/die-wissenschaft-der-letzten-minuten-was-wirklich-passiert-wenn-wir-sterben Zugriff am 9.4.2015

Einzelnachweise

  1. http://www.weltderwunder.de/artikel/die-wissenschaft-der-letzten-minuten-was-wirklich-passiert-wenn-wir-sterben Zugriff am 9.4.2015
  2. Rudolf Bucher: Fragen des Ertrinkungstodes und der Wiederbelebung. Für Ärzte, Studierende und gebildete Laienhelfer. Winterthur 1964, 15.
  3. Rudolf Bucher: Fragen des Ertrinkungstodes und der Wiederbelebung. Für Ärzte, Studierende und gebildete Laienhelfer. Winterthur 1964, 17.
  4. Rudolf Bucher: Fragen des Ertrinkungstodes und der Wiederbelebung. Für Ärzte, Studierende und gebildete Laienhelfer. Winterthur 1964, 36.
  5. Rudolf Bucher: Fragen des Ertrinkungstodes und der Wiederbelebung. Für Ärzte, Studierende und gebildete Laienhelfer. Winterthur 1964, 98.