Hypothermie

Aus Organspende-Wiki
Version vom 2. September 2019, 04:04 Uhr von Klaus (Diskussion | Beiträge) (→‎Geschichtlicher Hintergrund)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Geschichtlicher Hintergrund

Im Jahr 1960 veröffentlichte der russische Reanimationsforscher Vladimir Negovsky einen Artikel, der die große Bedeutung der Hypothermie nach erfolgreicher Reanimation nach Herzstillstand beschrieb.[1]

Während des Falklandkrieges im Jahre 1982 stellte man fest, dass die schwerverwundeten Soldaten, die nachts verwundet wurden, eine größere Überlebenschance hatten als ihre am Tag verwundeten Soldaten mit ähnlichen Verletzungen. Man ging dem Phänomen nach und stellte fest, dass dies mit der Temperatur zusammenhängt: Je niederer die Temperatur war, desto größer war bei gleicher Verletzung die Überlebenschance. Dies hängt damit zusammen, dass der Stoffwechsel bei niederer Temperatur langsamer erfolgt als bei höherer Temperatur.

Hierzu durchgeführte Studien haben gezeigt, dass eine künstliche Abkühlung des Körpers auf 33°C für eine Zeit von 24 Stunden die optimale Voraussetzung ist, damit das Gehirn keine größeren Schäden nimmt. Stärker abzukühlen bringt keine Vorteile, ebenso wenig eine längere Zeit. - Weitere Studien haben gezeigt, dass es auf die Abkühlung des Blutes auf 33°C ankommt.

Wirkungsweise

Hypothermie ist seit den 90er Jahren auf der Intensivstation Standard, das Blut von reanimierte Patienten ohne Eigenatmung für mind. 24 Stunden auf 33°C abzukühlen. Dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel im Gehirn und die noch im Sterbeprozess befindlichen Gehirnzellen können sich erholen und sich wieder regenerieren.[Anm. 1] Ist der Sterbeprozess der Gehirnzellen jedoch so weit fortgeschritten, dass diese Abkühlung auf 33°C zu spät kommt, ist der Hirntod trotz dieser künstlichen Unterkühlung nicht mehr aufzuhalten.

Durchführung

Sowie der "erfolgreich reanimierte", komatöse Patient ohne Eigenatmung auf die Intensivstation kommt, wird versucht, ihn so schnell als möglich auf 33°C herunterzukühlen, bei gewichtigen Personen dauert dies länger, bei leichten Personen geht dies schneller. Dieser Prozess dauert mehrere Stunden. Die erreichten 33°C werden dann 24 Stunden gehalten. Anschließend wird mit 0,1°C pro Stunde der Patient wieder langsam erwärmt. Von der Einlieferung bis zum Erreichen der 37°C vergehen somit drei Tage. In dieser Zeit ist Hirntod kein Thema, weil man zunächst das Ergebnis der Hypothermie abwartet.
Gibt es nach Durchführung der Hypothermie sichere Hinweise auf Hirntod, wird zur Abklärung des Zustandes eine HTD durchgeführt. Da es sich hierbei (Stillstand des Blutkreislaufes) um eine sekundäre Hirnschädigung handelt, ist in Deutschland zwischen der 1. und 2. klinischen Diagnostik eine Beobachtungszeit von mind. 72 Stunden vorgeschrieben, also weitere 3 Tage.

Sonstiges

"Bei einer Körperkerntemperatur von 18 °C kann das Gehirn einen Kreislaufstillstand bis zu 10-mal länger tolerieren als bei 37 °C."[2]


Siehe auch: Pam Reynolds und Anna Bågenholm

Anhang

Anmerkungen

  1. Manchmal wird hierbei von einer Reanimation des Gehirns gesprochen. Dies erweckt den Eindruck, dass Hirntote reanimiert werden könnten. Dies ist falsch. - Diese "Reanimation" ist durchaus mit der Reanimation des Herzens vergleichbar. Wenn die Schädigung (des Herzens // des Gehirns) noch nicht schwer genug ist, kann diese Reanimation erfolgreich werden. Ist jedoch die Schädigung (des Herzens // des Gehirns) zu schwer, so nützen alle Maßnahmen nichts mehr. Der Mensch ist tot (Herz-Lungen-Tod // Gehirntod). Aus diesem Zustand holt ihn nichts und niemand mehr.

Einzelnachweise

  1. http://www.reanimatology.com/rmt/article/download/615/371 Zugriff am 2.2.2017.
  2. Jan-Christoph Lewejohann: Tauchunfälle, Ertrinken, Unterkühlung. In: G. Marx et al. (Hg.): Die Intensivmedizin. Heidelberg 2015, 1110. Nach: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-642-54953-3_83.pdf Zugriff am 03.08.2019.