Mimische Muskulatur: Unterschied zwischen den Versionen
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=== Bei Hirntod === | |||
Bei vorliegendem [[Hirntod]] sind mitunter Zuckungen der Gesichtsmuskulatur zu beobachten. Dies wird auch in der Literatur beschrieben: | Bei vorliegendem [[Hirntod]] sind mitunter Zuckungen der Gesichtsmuskulatur zu beobachten. Dies wird auch in der Literatur beschrieben: | ||
* Gerhard Pendl: Der Hirntod.<ref>Gerhard Pendl: Der Hirntod. Eine Einführung in seine Diagnostik und Problematik. Wien 1986, 76.</ref> <br> "Da eine Willktirinnervation zum Zeitpunkt des Hirntodes nicht mehr zu erwarten ist, wird die Spontanaktivitat hier an der von den Hirnnerven versorgten Muskulatur (vor allem M. masseter, M. temporalis, mimische Muskulatur) beobachtet. Die Beurteilung ist unsicher, und es kommt ihr nach den oben angefUhrten Autoren keine entscheidende Bedeutung im Rahmen der Hirntoddiagnostik zu." | * Gerhard Pendl: Der Hirntod.<ref>Gerhard Pendl: Der Hirntod. Eine Einführung in seine Diagnostik und Problematik. Wien 1986, 76.</ref> <br> "Da eine Willktirinnervation zum Zeitpunkt des Hirntodes nicht mehr zu erwarten ist, wird die Spontanaktivitat hier an der von den Hirnnerven versorgten Muskulatur (vor allem M. masseter, M. temporalis, mimische Muskulatur) beobachtet. Die Beurteilung ist unsicher, und es kommt ihr nach den oben angefUhrten Autoren keine entscheidende Bedeutung im Rahmen der Hirntoddiagnostik zu." | ||
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=== schmerzhafte Gesichter? === | |||
Zuweilen wird behauptet, dass die Organspender bei der [[Organentnahme]] schreckliche Schmerzen erlitten hätten, was noch an ihrem Gesicht abzulesen sei. Dies ist eine Fehlinterpretation:<ref>Christian Jackowski (Hg.): Skriptum Rechtsmedizin. 15. Auflage. Bern 2023, 7. Nach: https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/fak_medizin/ber_vkhum/inst_remed/content/e40010/e40011/e1037311/section1037390/files1037393/online-SkriptumRechtsmedizin2023-25.04.2023_ger.pdf Zugriff am 05.02.2026.</ref> | Zuweilen wird behauptet, dass die Organspender bei der [[Organentnahme]] schreckliche Schmerzen erlitten hätten, was noch an ihrem Gesicht abzulesen sei. Dies ist eine Fehlinterpretation:<ref>Christian Jackowski (Hg.): Skriptum Rechtsmedizin. 15. Auflage. Bern 2023, 7. Nach: https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/fak_medizin/ber_vkhum/inst_remed/content/e40010/e40011/e1037311/section1037390/files1037393/online-SkriptumRechtsmedizin2023-25.04.2023_ger.pdf Zugriff am 05.02.2026.</ref> | ||
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mimische Muskulatur.}} | |||
Aktuelle Version vom 6. Februar 2026, 21:28 Uhr
Allgemeines
Die mimische Muskulatur (lateinisch Musculi faciei ‚Muskeln des Gesichts‘) ist eine Gruppe quergestreifter Muskeln, die für die Mimik und damit für den Ausdruck von Emotionen sowie den individuellen Gesichtsausdruck verantwortlich ist. Zudem besitzen sie Schutzfunktion, indem sie Kopföffnungen wie Augen und Mund verschließen. Darüber hinaus beteiligt sich die mimische Muskulatur an der Sprachbildung und Nahrungsaufnahme. Mit den 43 Gesichtsmuskeln des Menschen lassen sich mehr als 10.000 verschiedene Gesichtsausdrücke erzeugen.
Bei Hirntod
Bei vorliegendem Hirntod sind mitunter Zuckungen der Gesichtsmuskulatur zu beobachten. Dies wird auch in der Literatur beschrieben:
- Gerhard Pendl: Der Hirntod.[1]
"Da eine Willktirinnervation zum Zeitpunkt des Hirntodes nicht mehr zu erwarten ist, wird die Spontanaktivitat hier an der von den Hirnnerven versorgten Muskulatur (vor allem M. masseter, M. temporalis, mimische Muskulatur) beobachtet. Die Beurteilung ist unsicher, und es kommt ihr nach den oben angefUhrten Autoren keine entscheidende Bedeutung im Rahmen der Hirntoddiagnostik zu."
schmerzhafte Gesichter?
Zuweilen wird behauptet, dass die Organspender bei der Organentnahme schreckliche Schmerzen erlitten hätten, was noch an ihrem Gesicht abzulesen sei. Dies ist eine Fehlinterpretation:[2]
| Die Vorstellung, dass man dem Gesicht des Verstorbenen ansehen könnte, ob der Tod
besonders schmerzvoll oder nicht gewesen sein würde, ist so falsch wie verbreitet. Auch die mimische Muskulatur erschlafft zunächst und erstarrt dann den erschlafften Zustand fixierend. |
Vor über 100 Jahren widersprach der Prager Gerichtsmediziner Josef Maschka dieser laienhaften Auffassung:[3]
| In Berichten über den Deutsch Französischen Krieg von 1870/71 ist zu lesen, dass tote Soldaten mit finsteren, von Schmerz verzerrten Gesichtern und andere mit einem »lustig lachenden Gesicht« aufgefunden wurden. Daraus resultierte die Annahme, dass die einen im Gefecht, die anderen »während eines heiteren Gespräches« gefallen seien. Eine derartige Schlussfolgerung, so schrieb der Prager Gerichtsmediziner Josef Maschka bereits vor mehr als einem Jahrhundert, »ist jedoch gänzlich werthlos und entbehrt eines jeden begründeten Anhaltspunktes«. Mit dem Tod erschlaffen sämtliche Muskeln des Körpers, demzufolge auch die mimische Muskulatur. |
Anhang
Anmerkungen
Einzelnachweise
- ↑ Gerhard Pendl: Der Hirntod. Eine Einführung in seine Diagnostik und Problematik. Wien 1986, 76.
- ↑ Christian Jackowski (Hg.): Skriptum Rechtsmedizin. 15. Auflage. Bern 2023, 7. Nach: https://www.irm.unibe.ch/unibe/portal/fak_medizin/ber_vkhum/inst_remed/content/e40010/e40011/e1037311/section1037390/files1037393/online-SkriptumRechtsmedizin2023-25.04.2023_ger.pdf Zugriff am 05.02.2026.
- ↑ Ingo Wirth: Protokolle des Todes. Authentische Fälle der Rechtsmedizin. Leipzig 2015, 16. Nach: https://content.e-bookshelf.de/media/reading/L-3942541-3e01af3896.pdf Zugriff am 06.02.2026.