Nächstenliebe

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Definition

Als Nächstenliebe wird ein helfendes Handeln für andere Menschen bezeichnet. "Liebe" beinhaltet hier jede dem Wohl des Mitmenschen zugewandte aktive, uneigennützige Gefühls-, Willens- und Tathandlung, nicht unbedingt eine emotionale Sympathie. Der "Nächste" kann jeder Mensch in einer konkreten Notlage sein, der einem begegnet. (Wikipedia, Zugriff am 15.12.2015)

Gebot der Nächstenliebe

Das wichtigste Gebot

Der Begriff "Nächstenliebe" hat verschiedene biblische Bezüge:

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
(Lev 19,18; Mt 19,19; Mt 22,39; Mk 12,31.33; Lk 10,27; Röm 13,9; Gal 5,14; Jak 2,8)
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Die Vielzahl dieser Bibelstellen lässt die große Bedeutung dieses Gebotes erahnen. Um sie jedoch noch tiefer zu begreifen, sei auf einige dieser Bibelstellen genauer hingewiesen. Sie sind selbstredend:

  • "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden." (Mk 12,31)
  • "Den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer." (Mk 12,33)
  • "Alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Röm 13,9)
  • "Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" (Gal 5,14)
  • "Wenn ihr jedoch das königliche Gesetz gemäß der Schrift erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!, dann handelt ihr recht." (Jak 2,8)

Wer ist mein Nächster?

Es stellt sich hierbei die Frage, wer mein Nächster ist.

  • Ist es der Kreis meiner Familie (Eltern, Kinder, Geschwister)?
  • Ist es der Kreis meiner Verwandten (Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Cousine, Cousin)?
  • Ist es der Kreis meiner Bekannten (Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, ...)?

Jesus wurde einmal die Frage gestellt, wer denn mein Nächster sei:

Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle; er sah ihn und ging vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm; er sah ihn und hatte Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle du genauso! (Lk 10,29-37)[1]

Die Samaritaner bilden eine Religionsgemeinschaft, die wie das Judentum aus dem Volk Israel hervorgegangen ist. Ihre Namensgebung bezieht sich auf die Landschaft Samarien. Zu der Trennung der 10 nördlichen Stämme Israels vom Stamm Juda kam es nach dem Tode Salamons im Jahre 926 v.C. Omri, der 885−874 v.C. König des Nordreiches war, baute die Stadt Samaria als Hauptstadt des Nordreiches aus. Dies gab dem ganzen Nordreich den Namen Samarien.

Seit dieser Reichstrennung war für die Menschen Judas (Juden) die Menschen des Nordreiches nicht nur politisch getrennte, sondern auch vom Glauben abgefallene Menschen. Das Nordreich Samarien und das Südreich Juda führten bis zum Niedergang des Nordreiches durch die Assyrer im Jahr 732 v.C. immer wieder blutige Kriege. Die feindliche Haltung der Juden gegenüber den Bürgern aus Samarien blieb jedoch bis zur Zeit Jesu erhalten. Die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen gibt hier einen deutlichen Hinweis:

Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. (Joh 4,6)

Juden waren noch zur Zeit Jesu auf Samariter nicht gut zu sprechen. Kein Jude grüßte einen Samariter, geschweige denn eine Samariterin. Für Juden gab es unter den Menschen grob eine Dreiteilung: Juden, Heiden, Samariter. Mit Letzteren wollte man nichts zu tun haben. Man mied sie und das zeigte man ihnen auch deutlich.

In dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter nennt Jesus einen Menschen, der niedergeschlagen, halbtot liegengelassen wurde. Halbtot, d.h. er schwebte zwischen Leben und Tod. Wenn er keine rettende Hilfe erfährt, wird er den Tod erleiden. In dieser Situation kamen nun verschiedene Personen:

  • Der Priester steht stellvertretend für die engsten Angehörigen des Volkes Juda. Er half nicht.
  • Leviten war ein Tempeldiener. Sie stehen für eine dienende Volksgruppe. Der Levit half nicht.
  • Der Samariter, der Mann, den der niedergeschlagene Jude noch nicht einmal gegrüßt hätte, half.

Damit zeigt Jesus deutlich auf, dass der Nächste der Mensch ist, der meine Hilfe braucht, ohne die er nicht weiterleben kann.

Ein Vergleich

In der Bibel ist Organspende nicht genannt, ebenso Handy, PC, Auto und andere Neuerungen. Genannt ist jedoch der Umgang mit Kranken. Sehr zutreffend ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37). Es kann als biblischer Beweis angesehen werden, dass Organspende ein Akt der Nächstenliebe ist. Auch andere Bibelstellen lehren: Der Nächste ist der in Not gekommene Mensch, dem ich helfen kann.

Gleichnis vom Barmherzigen Samariter Moderne Geschichte von der Organspende
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wieder komme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (Lk 10,25-37) Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann wurde schwer vom Schicksal getroffen. Sein Organ versagte und lag nun halbtot in der Klinik. Zufällig starb ein Priester in den Hirntod, aber er sagte Nein zur Organspende. Auch ein Geschäftsmann starb in den Hirntod; doch auch er lehnte die Organspende ab Dann starb ein Muslime in den Hirntod, der Ja zur Organspende sagte und dessen Organ wunderbar zu dem Kranken passte. Man entnahm ihm sein Organ und setzte es dem schwer Kranken ein. Der fand daraufhin zum Leben zurück. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, dem sein Organ versagte? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (nach Lk 10,29-37)

Samariter

Das Wort oder der Wortteil "Samariter" hat verschiedene Bedeutungen. Meist hat es einen Bezug zum barmherzigen Samariter:

  • Samariter ist eine in Samarien lebende Person.
  • Samariter waren im 19.Jh. Ersthelfer. Anfang des 20.Jh. hießen daher die Erste-Hilfe-Kurse "Samariterkurse".[2]
  • Samariterkirchen] sind Kirchen, die das Patrozinium des barmherzigen Samariters tragen.
  • Samariteranstalten sind eine 1892 gegründete gemeinnützige Stiftung im Osten Brandenburgs. Sie steht der ev. Kirche nahe. Sie hat den Zweck der "Übung der Barmherzigkeit an Unmündigen und Elenden aller Art ohne Unterschied der Konfession, ferner die Ausbildung von Arbeitern und Arbeiterinnen für den Barmherzigkeitsdienst".
  • Samariterhaus ist ein zentrales Gebäude am ehemaligen Standort des Universitätsklinikums Heidelberg.
  • Samariterstiftung betreibt als Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg 60 Häuser und Einrichtungen in der Altenhilfe, Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie.

Mit "Samariter" wird seit dem 19.Jh. das selbstlose Helfen verstanden.

Weitere Zitate

Christentum

In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen. (Apg 20,35)[3]
Aus christlicher Sicht ist die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten. (EKD und DBK, 1990)[4]

Islam

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Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist. Und was immer ihr ausgebt, so weiß Allah darüber Bescheid. (Sure 3,92)[5]
Wenn jemand einen Menschen tötet, ... es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. (Sure 5,32)[6]

Judentum

Und wer ein einziges Leben (aus Israel) gerettet hat, die Schrift rechnet es ihm an, als ob er eine ganze Welt gerettet hätte. (Talmud)[7]


Sonstige Verfasser

Heiner Geißler, Karten Vilmar und Marita Blüm veröffentlichten am 21.10.1983 im Dtsch Ärztebl den Artikel „Erneuter Appell zur freiwilligen Organspende“. Darin wird Bundesminister Heiner Geißler von der Bundespressekonferenz am 07.10.1983 mit den Worten zitiert: Organspende sei "sowohl ein Stück praktizierter Nächstenliebe im christlichen Sinne als auch praktizierter sozialer Verantwortung".[8]

Der mit gb gekennzeichnete Autor schrieb am 06.02.1985 im Dtsch Ärztebl "Manchem, der heute noch zögert, mag dieses Bild helfen: Organspende als Werk christlicher Nächstenliebe; über den eigenen Tod hinaus noch einem bedürftigen Mitmenschen helfen. Unserer Gesellschaft stünde es wohl an, wenn die jährlich nötigen 1700 Nierentransplantationen aus solchen Motiven erreicht werden und nicht mit Hilfe von Geschäftemachern."[9]

Klaus-Peter Jörns schrieb im Jahr 1989 im Deutschen Ärzteblatt: "Und nur so können diejenigen, die ihre Organe aus Nächstenliebe leidenden Menschen spenden wollen, dies freiwillig tun."[10]

Peter Hahne, "Botschafter fürs Leben", schreibt: "Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe" und weiter "Ich kann durch meinen Tod an andere das Geschenk des Lebens weitergeben! Und wer weiß, ob ich nicht zuerst auf ein Spenderorgan angewiesen bin und froh sein kann über jeden, der sich nicht verweigert?!"[11]

Anhang

Siehe:

Siehe: Religion

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. https://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas10%2C29 Zugriff am 02.12.2018.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Samariter Zugriff am 12.12.2018.
  3. https://www.bibleserver.com/search/EU/geben%20ist%20seliger/1 Zugriff am 08.12.2018.
  4. Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD "Organtransplantationen" (1990 Schlusssatz. Nach: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/gem-texte/GT_01.pdf Zugriff am 07.12.2018.
  5. http://islam.de/13827.php?sura=3 Zugriff am 08.12.2018.
    Mit diesem Zitat aus dem Koran wirbt in Spanien der Islam für die Organspende, siehe: http://www.ont.es/publicaciones/Documents/donacion_organos_islam.pdf Zugriff am 08.12.2018. Wie: Apg 20,35.
  6. http://islam.de/1410.php Zugriff am 07.12.2018.
  7. https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/annaherungen-bilder-judentum/autor/hartmut-berlinicke Zugriff am 07.12.2018.
  8. Heiner Geißler. Zitiert nach: Heiner Geißler, Karten Vilmar, Marita Blüm: Erneuter Appell zur freiwilligen Organspende. In: Dtsch Ärztebl 80(42) A 19. (21.10.1983). Zitiert nach: http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=136046 Zugriff am 28.01.2017.
  9. gb: Klare Worte. Zitiert nach: Dtsch Ärztebl 82(6) A 289. (06.02.1985) Zitiert nach:http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=122894 Zugriff am 28.01.2017.
  10. Klaus-Peter Jörns: Organentnahme. Eingriff ins Sterbegeschehen. Ein Diskussionsbeitrag aus theologischer Sicht. In: Dtsch Ärztebl 89(28/29). A 2444 (13.07.1992. Zitiert nach: http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=95749 Zugriff am 28.01.2017.
  11. ÄrzteZeitung (05.06.2009). Zitiert nach: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/551151/organspende-heisst-zweites-leben-schenken.html?sh=7&h=1087885283 Zugriff am 28.01.2017.