Egaz Moniz

Aus Organspende-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

António Egaz Moniz 1874-1955) wuchs als Sohn einer Familie von Landadligen auf, wurde im Jesuiteninternat São Fiel erzogen und studierte später Medizin an der Universität von Coimbra. Seine Doktorarbeit schrieb er über das damals ungewöhnliche und provokante Thema der "Physiologie des Sexuallebens". Wegen des als skandalös empfundenen Inhalts - ein Kapitel behandelte beispielsweise die Homosexualität - fand die Abhandlung reißenden Absatz. Insgesamt wurden davon 19 Auflagen gedruckt. Schließlich wurde es behördlich verboten. Die Schrift blieb jedoch im Handel, da sie mit medizinischer Begründung vom Arzt wie ein Medikament auf Rezept verordnet werden konnte. Nach dem Studium ließ sich Moniz zum Neurologen ausbilden. Ab 1911 war ein Lehrstuhlinhaber für das Fach Neurologie an der Universität Lissabon.[1]

Moniz interessierte sich auch für das turbulente politische Geschehen zu Beginn des 20. Jh. Als exzellenter und überzeugender Redner konnte er Menschen faszinieren. So wurde er schon bald nach seinem Studium als Abgeordneter in das nationale Parlament gewählt. 1910 wurde der portugiesische König Emmanuel II. gestürzt. 1917 wurde Moniz der erste Botschafter der jungen portugiesischen Republik in Spanien, 1918 bis 1919 portugiesischer Außenminister, der die portugiesische Delegation bei der Pariser Friedenskonferenz nach Beendigung des Ersten Weltkriegs leitete.[2]

In der Neurologie gilt Moniz als Vater der zerebralen Angiographie: Er punktierte mit einer Kanüle die Halsschlagader und spritzte ein Kontrastmittel ein. Während dieses Vorgangs wurden parallel Serien von Röntgenaufnahmen des Kopfes angefertigt, um die Verteilung des Kontrastmittels in den Hirnarterien zu dokumentieren. Nach erfolgreichen Tierversuchen an Hunden wagte er sich schließlich an lebende Menschen. So erstellte er am 28.06.1927 die erste Arteriographie des Gehirns eines lebenden Menschen. Hierbei wurde eine 25-prozentige Natriumjodidlösung in die Halsschlagader eines 20-jährigen Patienten mit Tumor an der Hirnanhangdrüse gespritzt. 1949 erhielt Moniz jedoch den Nobelpreis nicht für diese Pionierleistung, sondern "für die Entdeckung des therapeutischen Wertes der präfontalen Lobotomie bei gewissen Psychosen".[3]



[4]

"Nichtsdestotroz werden sein Wirken und sein medizinisches Erbe zutiefst wiedersprüchlich beurteilt. Als Vater der Psychochirurgie wird er bis heute gleichsam verehrt wie verachtet - bis hin zu der Forderung, ihm posthum den Nobelpreis abzuerkennen."[5]



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 204.
  2. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 204f.
  3. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 205f.
  4. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 204.
  5. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 204.