Definitionen

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Hirntod

Lexika

Pschyrembel:

Tod des Individuums durch Organtod des Gehirns: irreversibler Ausfall aller Hirnfunktionen bei eventl. noch aufrechterhaltener Kreislauffunktion u. Atmung.

Fachbücher

Dag Moskopp: Hirntod (2015), Seite 26:

Unter der Bezeichnung "Hirntod" versteht man begrifflich eine früher nicht bekannte Form des Endzustands menschlichen Lebens, bei dem zuallererst die Auswirkungen von dämpfenden Medikamenten, niedriger Körpertemperatur, Stoffwechselentgleisungen oder Entzündungen auf das Gehirn ausgeschlossen wurden.

Der Betroffene, dessen Krankengeschichte und Befunde bekannt sind, liegt bewusstlos und beatmet auf einer Intensivstation. Das Herz schlägt noch. Sowohl der Blutdruck als auch die Sauerstoffsättigung im Blut sind im Normbereich, die Körpertemperatur beträgt weniger als 35°C. Nach dem Anheben der Lider erkennt der Arzt weite und auf Lichteinfall starre Pupillen, alle weiteren Hirnstammreflexe und Eigenatmung sind ebenfalls erloschen.

Eigene

Der Hirntod kennzeichnet den Tod des Menschen.
Der Herzstillstand kennzeichnet den Tod des Körpers.
Definitionen sind schwer zu erstellen, da sie alles Wichtige beinhalten sollten. Daher unternahm ich verschiedene Versuche, den Hirntod zu definieren. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, sich die für Sie zutreffendste Definition auszusuchen.

In meinen Augen gehört in eine Definition des Hirntods zwingend mit hinein, warum der Hirntote von Medizin und Justiz als Toter angesehen wird, obwohl sein Herz noch schlägt. Ohne diesem Teil beschreibt es den Zustand eines Körpers, nicht aber den Hirntod als den Tod des Menschen. Das ist die besondere Herausforderung einer Definition des Hirntods.

  1. Ein Hirntoter ist ein menschlicher Organismus, der durch Maßnahmen der Intensivmedizin noch einen funktionierenden Blutkreislauf[1] besitzt, dessen geistige Fähigkeiten[2] jedoch durch den Tod des Gehirns für immer erloschen sind.
  2. Ein Hirntoter ist ein menschlicher Körper, der durch Maßnahmen der Intensivmedizin noch ein schlagendes Herz[1] besitzt, dessen Ich[3] jedoch gestorben ist.
  3. Ein Hirntoter ist der Körper eines Menschen, der durch Maßnahmen der Intensivmedizin noch einen funktionierenden Blutkreislauf[1] besitzt, dem jedoch durch den nachgewiesenen Tod des Gehirns (Hirntoddiagnostik) alle geistigen Fähigkeiten[2] für immer erloschen sind.

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise und Unterdefinitionen

"Unterdefinitionen" werden hier die Definitionen eines Begriffs innerhalb einer Definition genannt, so z.B. das "Ich". Dies ermöglicht bei einem solch komplexen Thema kurze und inhaltlich verständliche Definitionen.

  1. a b c Weil das Herz schlägt, liegen Puls und Blutdruck vor (Es gibt keinen Zustand Puls ohne Blutdruck oder Blutdruck ohne Puls). Weil mit Puls und Blutdruck das Blut durch den Körper gepumpt wird, werden alle Zellen des Körpers weiterhin mit Sauerstoff und Nährstoff versorgt. Damit haben alle Körperzellen ganz normalen Stoffwechsel, mit Ausnahme des Gehirns. Weil sie Stoffwechsel haben, ist der Körper warm, verdaut und scheidet aus.
  2. a b Wahrnehmung, Bewusstsein, Wissen, Können, Fähigkeit sich zu Erinnern, selbst die lebenschützenden (z.B. Lidschlussreflex) und lebenerhaltenden (Eigenatmung) Reflexe.
  3. Das Ich ist mit dem Tod des Gehirns gestorben. Ich als wahrnehmender und denkender Mensch, der etwas erlebt und erlernt hat und sich daher erinnern kann, bin daher tot. Wollte man den Hirntod medizinisch "reparieren/heilen", so bedürfte es eines anderen Gehirn, entweder das Gehirn eines anderen Menschen und damit ein anderes Ich (Gehirntransplantation) oder ein neues Gehirn (gezüchtetes Gehirn). Bei der Gehirntransplantation ist ein anderes Ich in meinem Körper. Beim neuen Gehirn müsste dieses Gehirn zuerst lernen. Es ist wie ein neues, noch unbeschriebenes Blatt Papier, das zuerst beschrieben werden muss. Damit ist es ein anderes Ich in meinem Körper. Das Ich, das jetzt diese Zeilen schreibt, ist mit meinem Hirntod unrettbar tot.