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* [https://de.wikipedia.org/wiki/Katecholamine katecholaminpflichtiger] Blutdruckabfall auf Wert unter 80 mmHg [https://de.wikipedia.org/wiki/Systole systolisch]
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Katecholamine katecholaminpflichtiger] Blutdruckabfall auf Wert unter 80 mmHg [https://de.wikipedia.org/wiki/Systole systolisch]
* hirnelektrische Stille
* hirnelektrische Stille
Nachdem dies festgestellt wurde, entnahm Guy Alexandre die weltweit erste Niere auf der Grundlage einer Hirntodfeststellung.<ref>Dag Moskopp: Hirntod, 77.</ref>
Nachdem dies festgestellt wurde, entnahm [[Guy Alexandre]] die weltweit erste Niere auf der Grundlage einer Hirntodfeststellung.<ref>Dag Moskopp: Hirntod, 77.</ref>


[[Murray]] transplantierte 1954 weltweit erstmals eine Niere. Spender war der eineiige Zwilling. Murray´s Schüler, Guy Alexandre, transplantierte mit dem Team um [[Jean Morelle]] in Löwen (Belgien) 1963 weltweit erstmals Nieren von einem Spender, an dem zuvor der [[Hirntod]] (coma dépassé) festgestellt worden war.<ref>Dag Moskopp: Hirntod: Konzept und Kontext. In: Stephan M. Probst: Hirntod und Organspende aus interkultureller Sicht. Leipzig 2019, 18.</ref>
[[Murray]] transplantierte 1954 weltweit erstmals eine Niere. Spender war der eineiige Zwilling. Murray´s Schüler, [[Guy Alexandre]], transplantierte mit dem Team um [[Jean Morelle]] in Löwen (Belgien) 1963 weltweit erstmals Nieren von einem Spender, an dem zuvor der [[Hirntod]] (coma dépassé) festgestellt worden war.<ref>Dag Moskopp: Hirntod: Konzept und Kontext. In: Stephan M. Probst: Hirntod und Organspende aus interkultureller Sicht. Leipzig 2019, 18.</ref>


Einem 49-jährigen Mann mit chronischer Pyelonephritis und Urämie erhielt (1961?) von seinem eineiigen Zwillingsbruder eine Niere transplantiert. Obwohl das Vorhandensein einer doppelten Nierenarterie bei der zu transplantierenden Niere zu spät bemerkt wurde und eine Verzögerung von rund 85 Minuten auslöste, konnte das Transplantat erhalten werden. In den ersten 24 Stunden schied die transplantierte Niere nur 78 ccm Urin aus, aber ab dem 5. Tag an lag die Ausscheidung bei über 2 Liter. Nach 3 Monaten konnte der Patient wieder seine Arbeit aufnehmen. Auch der Spender überstand seinen Eingriff gut. Dies sollte die 4. Nieren-TX von eineiigen Zwillingen gewesen sein.<ref>Med. Welt 1961 (23.12.1961), 2715.</ref>
Einem 49-jährigen Mann mit chronischer Pyelonephritis und Urämie erhielt (1961?) von seinem eineiigen Zwillingsbruder eine Niere transplantiert. Obwohl das Vorhandensein einer doppelten Nierenarterie bei der zu transplantierenden Niere zu spät bemerkt wurde und eine Verzögerung von rund 85 Minuten auslöste, konnte das Transplantat erhalten werden. In den ersten 24 Stunden schied die transplantierte Niere nur 78 ccm Urin aus, aber ab dem 5. Tag an lag die Ausscheidung bei über 2 Liter. Nach 3 Monaten konnte der Patient wieder seine Arbeit aufnehmen. Auch der Spender überstand seinen Eingriff gut. Dies sollte die 4. Nieren-TX von eineiigen Zwillingen gewesen sein.<ref>Med. Welt 1961 (23.12.1961), 2715.</ref>


 
{{Zitat|Unter  den  Bedingungen  des  Coma  depasse  wurde  1964  in  Schweden eine  Organentnahme  zum  Zwecke  der  Nierentransplantation  durchgeführt. Bei  einem  Patienten  nach  massiver  intracerebraler  Blutung  und  den  klinischen  Zeichen  des  Coma  depass&,  also  einer  bestehenden  irreversiblen  Zerstörung  des  Gehirns,  was  wir  heute  mit  Hirntod  bezeichnen  würden,  entfernt  Ekestrom  eine  Niere  und  transplantierte  sie  einem  anderen  Patienten. Der  Chirurg  hatte  bei  den  Angehörigen  des  Coma  depasse-Patienten  die Einwilligung  zur  Entfernung  einer  Niere  erhalten.  Dies  muß  vor  dem Hintergrund  gesehen  werden,  daß  zum  damaligen  Zeitpunkt  dieser  Patient noch  als  lebend  galt  und  die  Entfernung  beider  Nieren  juristisch  einem Mord  gleichgekommen  wäre.  Es  handelte  sich  also  juristisch  um  die  Organspende  eines  lebenden  Menschen.  Mit  dem  Eintritt  des  Herzstillstandes zwei  Tage  nach  der  Nierenspende  wurde  der  Patient  für  tot  erklärt.”  Durch die  ungeklärte,  auch  juristisch  ungeklärte,  Situation  der  Coma  depasse-Patienten  kam  es  insbesondere  in  Schweden  zu  einer  ausgedehneten  Debatte.  Der  Leiter  der  neurochirurgischen  Klinik  in  Stockholm  unterbreitete im  Verlauf  der  Diskussion  der  schwedischen  Regierung  den  Vorschlag eines  neuen  Todeskonzeptes,  das  er  Cerebraltod  nannte.?'  Bei  Patienten  mit dem  klinischen  Bild  eines  Coma  depass&  hatte  er  mit  100%iger  Sicherheit die  Abwesenheit  eines  cerebralen  Blutflusses  und  die  Abwesenheit  von EEG-Aktivitäten  nachweisen  können.  Er  schlug  vor,  diese  „herzschlagenden Leichen“?  als  Organspender  zu  Transplantationszwecken  nutzen  zu  dürfen. Auch  in  Deutschland  hatte  schon  vor  der  geschichtemachenden  Publikation der  Harvard  Medical  School  eine  Kommission  der  Deutschen  Gesellschaft für  Chirurgie  auf  den  Gehimtod  als  Zeichen  des  Todes  des  Menschen hingewiesen.<ref>Ralf Bickeböller: Grundzüge einer Ethik der Nierentransplantation. Ärztliche  Praxis  im  Spannungsverhältnis von  pragmatischer  Wissenschaftstheorie, anthropologischen  Grundlagen und  gerechter  Mittelverteilung. (Habilitation) Münster 2000, 454.</ref>}}


== Anhang ==
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Aktuelle Version vom 18. März 2023, 07:40 Uhr

Die 1. Nieren-TX nach HTD

In Löwen (Belgien) wurde am 3.6.1963 ein Patient mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma eingeliefert. Man überprüfte diesen nach den von Mollaret und Goulon 1959 angegebenen Kriterien. Außerdem wurde überprüft, ob die folgenden Kriterien mind. eine Stunde lang bestanden:

Nachdem dies festgestellt wurde, entnahm Guy Alexandre die weltweit erste Niere auf der Grundlage einer Hirntodfeststellung.[1]

Murray transplantierte 1954 weltweit erstmals eine Niere. Spender war der eineiige Zwilling. Murray´s Schüler, Guy Alexandre, transplantierte mit dem Team um Jean Morelle in Löwen (Belgien) 1963 weltweit erstmals Nieren von einem Spender, an dem zuvor der Hirntod (coma dépassé) festgestellt worden war.[2]

Einem 49-jährigen Mann mit chronischer Pyelonephritis und Urämie erhielt (1961?) von seinem eineiigen Zwillingsbruder eine Niere transplantiert. Obwohl das Vorhandensein einer doppelten Nierenarterie bei der zu transplantierenden Niere zu spät bemerkt wurde und eine Verzögerung von rund 85 Minuten auslöste, konnte das Transplantat erhalten werden. In den ersten 24 Stunden schied die transplantierte Niere nur 78 ccm Urin aus, aber ab dem 5. Tag an lag die Ausscheidung bei über 2 Liter. Nach 3 Monaten konnte der Patient wieder seine Arbeit aufnehmen. Auch der Spender überstand seinen Eingriff gut. Dies sollte die 4. Nieren-TX von eineiigen Zwillingen gewesen sein.[3]

Unter den Bedingungen des Coma depasse wurde 1964 in Schweden eine Organentnahme zum Zwecke der Nierentransplantation durchgeführt. Bei einem Patienten nach massiver intracerebraler Blutung und den klinischen Zeichen des Coma depass&, also einer bestehenden irreversiblen Zerstörung des Gehirns, was wir heute mit Hirntod bezeichnen würden, entfernt Ekestrom eine Niere und transplantierte sie einem anderen Patienten. Der Chirurg hatte bei den Angehörigen des Coma depasse-Patienten die Einwilligung zur Entfernung einer Niere erhalten. Dies muß vor dem Hintergrund gesehen werden, daß zum damaligen Zeitpunkt dieser Patient noch als lebend galt und die Entfernung beider Nieren juristisch einem Mord gleichgekommen wäre. Es handelte sich also juristisch um die Organspende eines lebenden Menschen. Mit dem Eintritt des Herzstillstandes zwei Tage nach der Nierenspende wurde der Patient für tot erklärt.” Durch die ungeklärte, auch juristisch ungeklärte, Situation der Coma depasse-Patienten kam es insbesondere in Schweden zu einer ausgedehneten Debatte. Der Leiter der neurochirurgischen Klinik in Stockholm unterbreitete im Verlauf der Diskussion der schwedischen Regierung den Vorschlag eines neuen Todeskonzeptes, das er Cerebraltod nannte.?' Bei Patienten mit dem klinischen Bild eines Coma depass& hatte er mit 100%iger Sicherheit die Abwesenheit eines cerebralen Blutflusses und die Abwesenheit von EEG-Aktivitäten nachweisen können. Er schlug vor, diese „herzschlagenden Leichen“? als Organspender zu Transplantationszwecken nutzen zu dürfen. Auch in Deutschland hatte schon vor der geschichtemachenden Publikation der Harvard Medical School eine Kommission der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie auf den Gehimtod als Zeichen des Todes des Menschen hingewiesen.[4]

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Dag Moskopp: Hirntod, 77.
  2. Dag Moskopp: Hirntod: Konzept und Kontext. In: Stephan M. Probst: Hirntod und Organspende aus interkultureller Sicht. Leipzig 2019, 18.
  3. Med. Welt 1961 (23.12.1961), 2715.
  4. Ralf Bickeböller: Grundzüge einer Ethik der Nierentransplantation. Ärztliche Praxis im Spannungsverhältnis von pragmatischer Wissenschaftstheorie, anthropologischen Grundlagen und gerechter Mittelverteilung. (Habilitation) Münster 2000, 454.