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Gruppe A

Frank Montgomery: "In Deutschland gibt es keine Organmafia" (2012)

Am 27.08.2012 veröffentlichte der Deutschlandfunk unter "In Deutschland gibt es keine Organmafia" das Interview mit Frank Montgomery.[1]

Wir haben in dem Zeitraum über 50.000 Transplantationen gehabt und haben in einem einzigen Fall ein schwerwiegendes kriminelles Verhalten eines Einzelnen. Daran scheitert kein System. Das gibt es in staatlichen Systemen, das gibt es in Selbstverwaltungssystemen.
In Deutschland gibt es keine Organmafia. Wir wissen aber, dass es in manchen asiatischen Ländern durchaus das Angebot gibt, gegen Geld Transplantationen zu erfahren, unter großen Risiken, gesundheitlichen wie ethischen Risiken, aber das gilt alles für Deutschland nicht. Das muss man ganz klar auseinanderhalten.
In Deutschland gibt es keine Organmafia. Wir wissen aber, dass es in manchen asiatischen Ländern durchaus das Angebot gibt, gegen Geld Transplantationen zu erfahren, unter großen Risiken, gesundheitlichen wie ethischen Risiken, aber das gilt alles für Deutschland nicht. Das muss man ganz klar auseinanderhalten.
Aber gestatten Sie mir dann doch eine andere Meinung, was die 87 Prozent der sogenannten High-Urgency-Verteilungen im Bereich des Herzens angeht. Gestatten Sie mir, als Arzt einfach zu sagen: Das ist für mich als Arzt sehr leicht nachvollziehbar, denn gerade beim Herzen kommt es dann sehr oft zu einer spontanen, sehr schnellen Dekompensation der Herzleistung, und da muss schnell transplantiert werden. Deswegen wundert es Ärzte überhaupt nicht, dass wir ein hohes Maß an High-Urgency-Transplantationen im Herzbereich haben.

Eckhard Nagel: "Nagel: Hirntod sicherstes Kriterium" (2012)

Am 11.10.2012 veröffentlichte der Deutschlandfunk unter "Nagel: Hirntod sicherstes Kriterium" das Interview mit Eckhard Nagel.[2] Darin heißt es:

Wenn wir vom Tod sprechen, dann sprechen wir immer ja von unserem materiellen, unseren körperlichen Tod, also von dem, was man naturwissenschaftlich beobachten und messen kann. Und von Alters her war es immer für die Menschen offensichtlich, dass, wenn der Kreislauf aufhört, das Herz aufhört zu schlagen, dann wird der Körper steif.
Also, die Fragen der Organentnahme und der Todesdefinition liegen zwar in einem bestimmten Verhältnis zusammen, aber sie haben natürlich vom Grundsatz her miteinander gar nichts zu tun.

Reinhard Daniel Pregla: Eine Frage von Leben und Tod (2011)

Am 18.07.2011 veröffentlichte der Deutschlandfunk das Interview "Eine Frage von Leben und Tod" mit Reinhard Daniel Pregla.[3] Darin heißt es:

Also, ich denke, die Krux liegt darin, dass es nicht darum geht, einen Menschen als tot zu definieren, sondern es geht um die Persönlichkeit. Und die Persönlichkeit hört auf zu existieren, wenn das Hirn irreversibel abgestorben ist.
Es werden keine lebendigen Organe aus einem toten Körper entnommen, es werden lebendige Organe aus einem hirntoten Menschen entnommen.
Und wenn ein solcher hirntoter Mensch nicht Organspender ist, dann werden seine Maschinen, an denen der Körper noch hängt, abgestellt. Und es handelt sich nicht um Sterbehilfe!
Das heißt, es ist ein grundsätzlicher Fehler, die Hirntotdiskussion in die Organspendendiskussion hineinzunehmen, weil viel mehr von den Fragen nach dem Hirntot Menschen betroffen sind, die gar keine Organspender sind.
Die Hirntotdiagnostik ist eine ganz erfahrene und sichere Diagnostik. Das sind Kriterien, die über viele Jahre praktiziert werden, und gerade kürzlich ist das noch einmal alles überdacht und revidiert worden, auch in internationalen Gremien. Und es gibt entgegen anders lautenden Behauptungen keine neuen Erkenntnisse zur Hirntotdiagnostik. Ein Hirn, was über Minuten oder Stunden nicht mehr durchblutet ist, kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Ein Hirn, was über lange Zeit eine Nulllinie im EEG hat, beziehungsweise ein Mensch, der als solcher hirntot diagnostiziert wurde nach Apnoe-Test et cetera, wird nie wieder als Persönlichkeit existieren.

Heinz Angstwurm: Der Hirntod aus ärztlicher Sicht (2003)

Heinz Angstwurm: Der Hirntod aus ärztlicher Sicht. In: Alberto Bondolfi, Ulrike Kostka, Kurt Seelmann (Hg.): Hirntod und Organspende. Basel 2003, 27-34.

{{Zitat|Es kommt entweder unmittelbar oder über eine Schwellung des Gehirns zu einem Druckanstieg in der knöchernen Hirnschädelhöhle, dadurch zu einer Störung der Hirndurchblutung mit der Folge einer weiteren Zunahme der drucksteigenden und die Durchblutung behindernden Schwellung. Dieser Teufelskreis läßt schließlich den Druck im Hirnschädel über den für die Hirndurchblutung erforderlichen Blutdruck ansteigen, dadurch den Hirnkreislauf stillstehen, den Hirnausfall unabänderlich endgültig werden und das Gehirn absterben. (28)

Dieser Befund der inneren Leichenschau beweist sowohl die letztlich einheitliche Entstehung als auch die Wirklichkeit des Hirntods als Tod des gesamten Gehirns vor dem endgültigen Herz- und Kreislaufstillstand. (28)
Zweifel an der Vollständigkeit des Hirnausfalls oder an der Sicherheit seiner Feststellung haben sich aus Befunden der Hirnanhangdrüse, aus der Rückenmarkstätigkeit und vereinzelt aus einer intensivmedizinisch aufrecht erhaltenen Schwangerschaft sowie aus grundsätzlichen Bedenken ergeben. Bei allem Verständnis für eine mißtrauliche Betrachtung medizinischer Befunde darf man doch klarstellen: Hirnbedingte und hirnunabhängige Befunde der Hirnanhangdrüse lassen sich unterscheiden, ebenso sicher rückenmarks- und hirnbedingte Bewegungen oder Äußerungen des Eingeweide-Nervensystems, freilich nur mit entsprechendem fachlichen Wissen. (29)
Die fehlende Erholungsmöglichkeit ergibt sich entweder aus der Beobachtung der Ausfallzeichen über die Zeit, innerhalb der das Gehirn nach weltweiter - nicht nur nach persönlicher und damit vereinzelter - Erfahrung sich wenigstens teilweise erholen könnte, der aus Befunden von Untersuchungen mit Geräten, die eine so schwere Hirnschädigung belegen, daß sie wiederum nach allgemeiner Erfahrung eine Erholung ausschließen lassen. (29)
Eine Schwangerschaft wird nach der Entwicklung des Mutterkuchens von Botenstoffen aufrechterhalten, nicht durch das Gehirn. Das dank der Intensivbehandlung der hirntoten Mutter über ihren Körper mit den erforderlichen Stoffen versorgte Kind entwickelt sich aus eigenem inneren Antrieb. (29)
Der grundsätzliche Einwand, bislang unbekannte Hirntätigkeiten könnten bei der Feststellung des Hirnausfallls nicht überprüft werden, übersieht den Gewebebefund des Hirntods: Ein abgestorbenes Organ kann weder bekannte noch unbekannte Tätigkeiten verrichten. (29)
Im einzelnen fehlen dem hirntoten Menschen für immer das gesamte körperlich begründete Verhalten, die Selbsttätigkeit und Selbständigkeit als Lebewesen (Spontaneität und Autonomie als Organismus), die Abstimmung und Auswahl von Einzelfunktionen aus der Funktionseinheit des Ganzen (Steuerung durch den Organismus), die Wechselbeziehung zwischen dem Ganzen als Funktionseinheit und seiner Umwelt (Anpassung und Abgrenzung als Ganzes sowie Abstimmung der Antworten auf Sinnesreize), die Zusammenfassung der einzelnen Funktionen und ihre Wechselbeziehung zum Ganzen als Funktionseinheit, als Lebewesen Mensch. ... Der hirntote Mensch kann nichts mehr denken, empfinden, wahrnehmen, planen, handeln, entscheiden, verantworten. (30)
Nicht übersehen werden darf auch, wie wenig bei der Todesfeststellung durch Hirntodnachweis die äußeren Erscheinung und die innere Wirklichkeit übereinstimmen, weil die intensivmedizinische Behandlung die seit Menschengedenken allgemein bekannten äußeren Todeszeichen verhindert. (31)
Sterben ist das Enden, der Tod das Ende des Lebens. (31)

{{Zitat|Medizinisch-naturwissenschaftlich unrichtig und nicht nur ärztlich unverantwortlich ist es, den hirntoten als sterbenden, damit aber als lebenden Menschen zu bezeichnen oder vom Hirntod als einem Zustand zwischen Leben und Tod zu sprechen: Die Unterscheidung zwischen dem Sterben, dem letzten Abschnitt des Lebens, und dem Tod, dem Ende des Lebens, ist medizinisch eindeutig und rechtlich wie ärztlich nötig. (32)

Fuat S. Oduncu: Hirntod - Tod des Menschen? (1997)

Am 01.10.1997 veröffentlichte Fuat S. Oduncu den Artikel "Hirntod - Tod des Menschen?".[4] Darin steht:

Der Mangel an sachkundigem Wissen spiegelt sich in der hierzulande zum Teil sehr emotional geführten Diskussion, in der unreflektierte ethische und weltanschauliche Einwände mit der Medizin vermischt werden.
Die Diagnose des Hirntods legitimiert das Abbrechen aller intensivmedizinischer Maßnahmen, die im weiteren Verlauf lediglich die folgenden Absterbeprozesse der einzelnen Organe unnötig verzögern würden. Damit markiert die Feststellung des Hirntods die entscheidende Zäsur im Sterbeprozeß. Eine Aufrechterhaltung des Kreislaufs durch das Weiterlaufen der Maschinen kann man nur im Fall einer Organentnahme zu Transplantationszwecken rechtfertigen. Das bedeutet jedoch nicht, daß der Hirntote rechtlos geworden ist. Ihm kommen die gleichen Rechte und Schutzansprüche zu wie anderen Toten, weshalb der Leichnam des Hirntoten nicht willkürlichen Zugriffen ausgeliefert ist: Es tritt das fortwirkende Persönlichkeitsrecht in Kraft.
Die stärkste Kritik des Hirntodkriteriums geht davon aus, daß der Hirntod nicht als der tatsächliche Tod des Menschen angesehen wird, sondern lediglich als eine Phase innerhalb des Sterbeprozesses. Das beruht im wesentlichen darauf, daß Hirntodkritiker die Unanschaulichkeit des Hirntods nicht hinnehmen können oder wollen. Sie lassen sich in ihrem Denken und Argumentieren vom äußerlichen Augenschein leiten und verweisen auf die in der Sensationspresse bekanntgewordenen Fallbeispiele. An erster Stelle wird der "Erlanger Fall" zitiert, ...
Daß es sich beim Hirntod nur um einen Zustand des Sterbens handle, suchen die Kritiker ferner damit zu belegen, daß Hirntote durchaus noch zu "menschen-typischen Lebensäußerungen" fähig sind: Hirntote seien Lebende, weil sie ihre Extremitäten bewegen7, Fieber entwickeln, schwitzen, ihren Blutdruck und ihre Pulsfrequenz steigern (was als Zeichen einer Schmerzempfindung gedeutet wird), ja sogar eine Erektion bekommen und erröten können.
Dabei wird übersehen, daß alle genannten "Leistungen" vollständig darauf zurückzuführen sind, daß hier eine Abkoppelung des Gehirns vom Rückenmark und dem übrigen Körper vorliegt. Diese Leistungen werden von hirntoten Leichen weder in irgendeiner Form wahrgenommen noch bewußt ausgeführt. Es handelt sich um rein spinale Phänomene, das heißt um reine Reflexautomatismen, die allein vom Rückenmark ausgehen und ohne zerebrale Regulation stattfinden. Mit anderen Worten: Gerade das Vorliegen solcher Phänomene belegt die Aufhebung einer zentralen Integration durch das Gehirn. Spinale Reflexautomatismen kommen dadurch zustande, daß der Ausfall des Gehirns mit dem Ausfall des aktivierenden und hemmenden Einflusses der Gehirnzellen auf das Rückenmark einhergeht. Im Ergebnis resultiert eine Enthemmung der Rückenmarksneurone, wodurch es zu den beobachteten Reflexbewegungen kommen kann.
Hirntodkritiker wenden sich aber gegen die Annahme einer "Zentralsteuerung" des körperlichen Organismus durch das Gehirn: Das Gehirn sei nur eines von vielen Steuerzentren des Organismus. Grundlage ihrer Vorwürfe ist die Bewertung des beim Hirntod noch vorhandenen Restlebens. Sie gehen davon aus, daß das Leben des Menschen, ganz gleich in welcher Form, heilig sei. Deshalb müsse der Mensch, solange auch noch das geringste Leben in ihm sei, als Lebender behandelt werden. Gegen diese Haltung sei daran erinnert, daß in Zellen auch noch nach dem Zeitpunkt, in dem nach einhelliger Meinung traditionell vom Tod des Menschen ausgegangen wird, biologische Prozesse ablaufen: Lebensvorgänge von Haut, Haaren, Spermien u. a. sind noch Tage und Wochen nach Herz-Kreislauf- Stillstand nachweisbar. Hierbei handelt es sich unbestritten um Lebensvorgänge von Subsystemen in unterster Form, aber doch nicht um die spezifisch menschliche Lebendigkeit.
Der Tod des Menschen schließt nicht aus, daß noch Lebensvorgänge auf anderen, untergeordneten Organisationsstufen vorhanden sein können. Diese Organisationsstufen bilden die Organe, die ihrerseits aus Gewebeverbänden bestehen, die wiederum aus einzelnen Zellen zusammengesetzt sind. Diese drei Stufen stellen selbständige Systeme dar, das heißt Organe, Gewebe und Zellen können auch außerhalb des menschlichen Körpers in entsprechenden Nährlösungen ihre Stoffwechselprozesse fortführen. Mit dem Tod des Organismus tritt sukzessiv der Tod der Organe, der Tod der Gewebe und der Tod der letzten Zelle ein, wobei solche Absterbeprozesse dem Tod des Menschen auch vorausgehen und ihn verursachen können.
Die Person ist demnach die Explizierung der biologischen Art "Mensch". Allerdings führt ein Nichtvorhandensein (Embryonen) oder ein Fehlen (Komatöse) dieser Eigenschaften nicht zum Verlust der eigenen Person, weil dies das Wesen des Menschen nicht ändert. Allein die reale Wesenheit Mensch begründet die Person: Person ist also wesenhaft mit dem Menschen verbunden.
Wenn man dagegen - nach John Locke und Peter Singer - ein "kognitivistisches Personverständnis" zugrunde legt und dadurch Mensch, Person und Organismus wesenhaft voneinander trennt, so müßte man bei einem Fehlen der Bewußtseinsleistungen Säuglingen, geistig Schwerstgeschädigten, dementen sowie komatösen Patienten konsequenterweise das Mensch- und Personsein absprechen. Die Unsachlichkeit dieser Position ist selbstredend.
Zur Aufrechterhaltung dieser Funktionen benötigt der Organismus Transportmechanismen, die Sauerstoff und Nährstoffe wie Glukose den Zellen als kleinster Grundeinheit des Lebens zuführen und deren Abbauprodukte wieder abführen. Mit dem Funktionsausfall der Kreislaufzentren im Zustand des Hirntods kann dieser Substrattransport durch künstliche Beatmung und andere Intensivmaßnahmen fortgeführt werden, so daß die Organe und Zellen weiterhin ihren Stoffwechsel betreiben können. Jedoch fehlt diesen Vorgängen jegliche Form einer ganzheitlichen Existenzweise des Lebewesens, wie sie oben beschrieben wurde. Bei der maschinellen Beatmung handelt es sich nicht um eine Kompensation der integrativen Gehirnfunktionen.
Wenn die Funktion des Gesamtgehirns unumkehrbar zerstört ist, fehlt dem Menschen die Integrationskraft für die Lebensfähigkeit des Organismus sowie die Zusammenfassung aller menschlichen Organfunktionen zu einer übergeordneten Einheit des selbständigen Lebewesens, das unbestritten mehr und etwas qualitativ anderes ist als die bloße Summe seiner Organe. Nach dem Tod des Menschen zu fragen, heißt nach dem Subjekt des Todes zu fragen: Wer oder was stirbt?
Ist der Mensch tot, so reden wir vom Toten oder vom Leichnam, aber nicht vom toten Körper. Es ist der Mensch in seiner Ganzheit, der lebt und stirbt. Ebenso reicht es auch nicht zu sagen, die "Person" im oder des Menschen sei gestorben.
Die vielen Todesbegriffe, die sich hierzulande eingebürgert haben, erwecken den Eindruck, als gebe es mehrere verschiedene Tode. In der Hauptsache sind dies neben dem Hirntod der klinische Tod, der Herz-Kreislauf-Tod und der biologische Tod. Diese Begriffe verwirren mehr, als daß sie Klarheit bringen. Die Wahl dieser Ausdrücke hängt ursprünglich mit der Todesursache zusammen. So wäre es verständlicher, vom Tod nach Herz-Kreislauf-Versagen oder vom Tod durch Ausfall des Gehirns zu sprechen. Die Begriffe beziehen sich alle auf denselben Sachverhalt: Tod des Menschen. Deshalb wird der Tod nicht neu- oder umdefiniert.

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Gruppe B

Konrad Lehmann: Organe - vom Geben und Nehmen (2019)

Am 17.02.2019 veröffentlichte Konrad Lehmann den Artikel "Organe - vom Geben und Nehmen".[5] Darin heißt es:

Das Bewusstsein ist erloschen; das, was man in vorwissenschaftlicher Sprache als "Seele" bezeichnen würde, hat den Körper endgültig und unwiederbringlich verlassen.
Tod ist ein Zustand, aber Sterben ist ein Prozess, der zum Tode hinführt. Wie auf einer abschüssigen Rampe gleiten wir am Ende aus dem Leben hinaus, manche schneller, manche langsamer. Der Hirntod ist nur eine Landmarke auf dieser Rampe.
Zwar befindet sich das Gehirn in Auflösung, aber der gesamte übrige Körper - alles, was sich außerhalb des Schädels befindet - funktioniert noch, oder wird am Funktionieren gehalten. Das Herz schlägt noch - was es allerdings auch außerhalb des Körpers tun würde, was ich bei Froschherzen jahrelang in Praktikumsversuchen selbst beobachtet habe. Die Haut ist warm (meist durch Wärmedecken), die Verdauung läuft weiter. Das Immunsystem tut seinen Dienst, Haare und Nägel wachsen, und in einigen spektakulären Fällen ernährten sogar Schwangere ihr ungeborenes Kind.
Zumal es küchenphilosophischer Unfug ist, wenn einer behauptet: "Ich bin mein Gehirn, und wenn das tot ist, bin ich auch tot." Solch ein Gehirn-Körper-Dualismus ist seit Jahrzehnten en vogue und wird schon ebenso lange kritisiert.

Siehe: Todesverständnis

Für mich wie für jeden, der mich sieht, gehört meine körperliche Gestalt dazu, auch meine Stimme, die so einzigartig ist wie meine Fingerabdrücke. Auch meine Art zu gehen, mein Eigengeruch, mein Immunsystem. Und nicht zuletzt tragen auch die Mikroben in meinem Darm und das Nervensystem in meinen Eingeweiden maßgeblich dazu bei, wer und wie ich bin.

Vieles von dem hier Genannten haben auch erkaltete Leichen: körperliche Gestalt, Fingerabdrücke und Eigengeruch. Meine Körperlichkeit - hier insbesondere meine körperliche Gesundheit - dazu auch das Nervensystem im Darm ENS nehmen als periphere Komponenten Einfluss auf meine Persönlichkeit. Alle diese Informationen laufen jedoch im Gehirn zusammen und bilden dort summarisch meine Persönlichkeit.

Das wäre also ein Einwand: Dass man die Würde des Sterbens achten sollte, indem man es ungestört bis zur völligen Auflösung des Ichs fortschreiten lässt.

Diese "völligen Auflösung des Ichs" ist mit dem Hirntod gegeben. Siehe: Todesverständnis

Ein anderer Einwand sorgt sich um das Menschenbild, das hinter der Transplantationsmedizin steht.

Es steckt nicht die Transplantationsmedizin hinter dem Hirntodkonzept, sondern die Intensivmedizin mit der von Björn Ibsen eingeführten Überdruckbeatmung.

Wer ein kaputtes Organ durch ein Ersatzteil aus einem Schrottkörper austauscht, behandelt den Menschen als Maschine.

Siehe: Diffamierung

Man kann sich fragen, ob nicht eine andere Medizin möglich und wünschenswert wäre. Eine, die den ganzen Menschen behandelt, und nicht bloß seine Teile.

Zahlreiche Krankheiten, die nur durch eine TX erfolgreich behandelt werden können, sind rein auf das Organ beschränkt. Hierzu gehören u.a. Herzmuskelschwäche, Lungenfibrose, Leberversagen und Nierenversagen.

Axel W. Bauer: „Man braucht also für die Organspende Lebende, die zugleich tot sein müssen." (2017)

Am 14.03.2017 veröffentlichte Axel W. Bauer in kath.net seinen am 15.12.2016 in Heidelberg gehaltenen Vortag „Man braucht also für die Organspende Lebende, die zugleich tot sein müssen."[6] Darin heiß es:

Diese ging und geht bis heute davon aus, dass in dieser Lage zwar nicht sämtliche Lebensfunktionen – insbesondere Herztätigkeit und Kreislauf – endgültig erloschen sind, dass aber wegen einer als irreversibel angesehenen Schädigung des Gehirns und des Ausfalls seiner gesamten integrativen Funktionen das Sterben und damit der Todeseintritt jedenfalls unumkehrbar sei.

Man geht nicht nur von dem baldigen Herzstillstand aus. Dieser tritt ein. Von den gut dokumentierten 56 Fällen der von Alan Shwemon durchgeführten Studie hat von den Hirntoten älter als 35 Jahren nur einer knapp länger als einen Monat einen funktionierenden Blutkreislauf.

Dort ist nur von „toten Spendern“ die Rede, ganz so, als ob es sich um bestattungsfähige Leichen handelte.

Hirntote sind "bestattungsfähige Leichen", denn nach Feststellung des Hirntodes wird immer - ob nun Therapieende oder Organentnahme oder Weiterbehandlung bis zur Geburt des Kindes erfolgt - der Totenschein ausgefüllt und unterschrieben. Damit sind auch Hirntote "bestattungsfähige Leichen".

vielmehr ist der juristisch für tot Erklärte im biologischen und phänomenologischen Sinne noch „am Leben“.

Siehe: Todeserklärung und Todesfeststellung

Die regelmäßige Abfrage durch die Krankenkassen und die Dokumentation der Antworten in der elektronischen Gesundheitskarte bedrängen und bevormunden die Bürger.

Worin liegt in einer Befragung die Bevormundung?

Die Erfassung aller Bürgerentscheidungen zur Organspende respektiert keinesfalls deren Freiwilligkeit, vielmehr übt der Staat moralischen Druck auf die Bürger durch deren lebenslänglich wiederholte Befragung aus.

Worin liegt in einer Befragung der moralische Druck?

Ferner, so lauteten 2012 weitere Vorwürfe, hätten Kliniken immer häufiger Spenderorgane in einem beschleunigten Verfahren an selbst ausgesuchte Patienten vergeben.

Siehe: beschleunigtes Vermittlungsverfahren

Es wurde offenkundig, dass die genannten Skandale in einem politisch äußerst ungünstigen Augenblick zutage traten, denn sie trugen nicht dazu bei, das Vertrauen der Bevölkerung in die Organspendepraxis zu erhöhen. Zwischen 2011 und 2015 fiel die Rate der „postmortalen“ Organspender denn auch deutlich ab, nämlich von knapp 16 pro eine Million Einwohner (1.296 Spender im Jahre 2011) auf 10,8 pro eine Million Einwohner (877 Spender im Jahre 2015).

Die Entscheidung zur Organspende ab dem Jahr 2002.[7] [Anm. 1]

Entscheidung 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Potenziell[8] 1.868 2.090 1.865 1.963 1.866 1.888 1.876 1.799 1.584 1.370 1.339 1.317 1.248 1.178 1.416
Ja: (Abs) 1.259 1.313 1.198 1.217 1.296 1.200 1.046 876 921 926 857 863 955
schriftlich 5,0 5,5 7,3 5,8 6,8 6,2 6,3 8,8 7,3 8,9 10,3 14,3 16,1 15,2 16,4 19,7 17,6
mündlich 11,6 11,8 13,0 11,1 16,1 18,4 19,9 21,9 21,8 25,8 23,2 25,8 24,8 27,9 26,7 26,7 25,4
vermutet 75,4 76,8 75,9 79,1 68,1 66,6 60,9 51,8 53,5 47,7 50,6 43,6 42,0 44,2 44,5 41,0 45.5
Hinterbliebene 8,1 5,8 3,7 3,9 8,9 8,8 12,9 17,4 17,4 17,7 15,9 16,3 17,2 12,7 12,3 12,6 11,6
Nein: (Abs) 485 537 551 565 482 486 434 402 381 358 297 282 340
schriftlich 1,3 1,0 2,3 2,2 1,4 0,4 0,9 1,4 1,7 1,1 1,8 2,0 2,9 3,1 4,4 4,6 4,1
mündlich 15,9 17,5 17,7 18,9 21,4 22,9 22,7 30,8 28,8 31,2 31,1 35,1 32,0 35,8 32,3 29,8 32,1
vermutet 68,3 66,1 68,7 70,8 52,4 47,5 43,6 29,4 28,8 27,1 27,6 24,6 26,0 29,3 28,3 24,8 31,2
Hinterbliebene 14,5 15,3 11,3 8,1 24,7 29,2 32,8 38,4 40,7 40,6 39,4 38,3 39,1 31,8 35,0 40,8 32,6
Nein-Anteil 26,0 27,4 29,5 29,9 25,7 27,0 27,4 29,3 28,5 27,2 23,8 23,9 24,0
Ja-Anteil 67,7 66,9 64,2 64,5 69,1 66,7 66,0 63,9 68,8 70,3 68,7 73,3 67,4
Ja OSA % 4,6 4,1 4,0 5,7 5,0 5,9 6,8 9,1 11,1 10,7 11,3 14,4 11,9
Nein OSA % 0,4 0,1 0,3 0,4 0,4 0,3 0,5 0,6 0,8 0,8 1,0 1,1 1,0
OSA % 5,0 4,3 4,3 6,1 5,5 6,2 7,3 9,7 11,9 11,5 12,3 15,5 12,9

Ja OSA % = von den Organspendern hatten n% schriftlich der Organentnahme zugestimmt
Nein OSA % = von den Nicht-Organspendern hatten n% schriftlich der Orgenentnahme widersprochen.
OSA % = von den potentiellen Organspendern (Summe aus Organspendern und Nicht-Organspendern hatten n% ihre Entscheidung zur Frage der Organspende selbst schriftlich festgehalten, d.h. einen Organspendeausweis ausgefüllt. Im Jahr 2013 gab nach Feststellung des Hirntodes 29,3% "Nein" zur Organspende, doch 2008 waren es 29,5% und 2009 sogar 29,9%. Von 2013 bis 2016 ging der Nein-Anteil von 29,3% auf 23,8% zurück. Seither stagniert der Widerspruch zur Organspende bei ca. 24%. Von einem "Vertrauensverlust" kann hier wirklich nicht gesprochen werden, der einen Rückgang der Organspender um rund 30% bewirkte.

In wissenschaftlicher und ethischer Hinsicht unseriös war und ist diese Argumentation aber gerade deshalb, weil sie zielorientiert vorgeht: Die Begründung des Hirntodkriteriums leitet sich nicht aus der Sache an sich, sondern aus den unerwünschten Folgen einer Zurückweisung dieses Kriteriums ab. Auf diese Weise wird aber einer funktionalen Indienstnahme des Hirntodkonzepts Vorschub geleistet, und es entsteht der Eindruck, der potenzielle Organspender solle dadurch, dass man ihn formal „für tot erklärt“, zu fremden Zwecken instrumentalisiert werden. Eine derartige Verzweckung wäre jedoch mit der Würde des Menschen nicht vereinbar.

Diese Verbindung zwischen Hirntod und Organentnahme nehmen vor allem Kritiker vor. Dabei ist die Feststellung des Hirntodes von der Organentnahme unabhängig. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass bei mehr als die Hälfte der Hirntoten ein Therapieende erfolgt, siehe: gemeinsame Erklärung (2015)

So entstand nicht ohne Grund der Eindruck, der Staat wolle schwer kranke und am Beginn des Sterbeprozesses stehende Menschen nur deshalb rechtlich für tot erklären, um ihnen Organe für Transplantationszwecke entnehmen zu können.

Siehe: Todesverständnis

Er atmet nämlich noch, wenngleich mithilfe von Maschinen.

Eigenatmung, wenn auch nur teilweise, und Hirntod schließen sich gegenseitig aus. Dies wird bei jeder HTD mit dem Apnoe-Test überprüft. Daher atmet der Hirntote nicht mithilfe von Maschinen, sondern wird von Maschinen zu 100% beatmet.

Diese Menschen sterben aber nicht am Fehlen eines Spenderorgans, sondern an ihren Erkrankungen.

Es stirbt auch kein Verunglückter wegen unterlassener Hilfeleistung, sondern an seinen Verletzungen.

Shewmon stellte fest, dass sogenannte Hirntote noch längere Zeit leben können.

Siehe: Alan Shewmon

So haben Frauen Monate nach Eintritt der mit Hirntod bezeichneten Situation Kinder geboren.

Siehe: schwangere Hirntote

Andrea von Wilmowsky: Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende (2013)

Am 20.09.2013 veröffentlichte Andrea von Wilmowsky in kath.net ihren "Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende".[9] Darin heißt es:

Seitdem ich selber hirntote Patienten versorgt habe, glaube ich weder an den Hirntod noch an seine Definition. Ich glaube meinen Augen, meinen Händen und meinem Gespür.

Da der Hirntod ein unsichtbarer Tod ist, kann man ihn nur auf dem Hintergrund der HTD verstehen, noch mehr mit dem pathopysiologischen Zustand Hirntod und seiner anthropologischen Tragweite.

Ihr seid nämlich noch gar nicht tot, wenn die Organe entnommen werden. Wusstet Ihr das? Ihr seid zu Tode definiert und das ist ein Riesenunterschied.

Siehe: Todesverständnis

Und zum Spender können alle werden, die einen Organspendeausweis ausgefüllt haben.

Auf dem OSA kann auch "Nein" angekreuzt werden. Damit ist man zwar Besitzer eines OSA, aber man wird kein Organspender.

Ich habe eine enge Verbindung zu den Themen Hirntod und Organspende, weil ich sehr lange in der Intensivmedizin gearbeitet habe. In dieser Welt zwischen Leben und Tod, Mensch und Maschine habe ich vieles gesehen, auch sogenannte „Hirntote“. Später war ich in der Transplantationschirurgie tätig und weiß daher auch, was manche Menschen mit ihrem neuen Organ erleben und welche Phänomene es bei der Organentnahme geben kann.

Da sollte man echtes Fachwissen erwarten können.

Der Tod eines Menschen ist ein sehr schwer zu fassender und nicht ganz eingrenzbarer Vorgang.
Biochemisch gesehen ist der Tod kein punktuelles Ereignis, sondern eher ein Prozess.

Sterben ist ein Vorgang, ein Prozess, Tod ist ein Schnitt, eine Definition. Siehe: Sterbeprozess

Früher war er ein komplexes Phänomen: Ein medizinisches, ein theologisches, ein philosophisches, ein juristisches.

Bis heute gibt es in Deutschland kein Gesetz, das den Tod explizit definiert.

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Definition des Todes mehr.

Das gab es in Deutschland noch nie. Seit Ende des 19. Jh. war es Aufgabe der Medizin, den Tod des Menschen festzustellen.

Man unterscheidet zwischen dem klinischen und dem biologischen Tod.

Der "klinische Tod" ist kein Tod, weil man den Menschen aus diesem Zustand des Atemstillstandes und Herzstillstandes u.U. wieder herausholen kann. Tod aber ist per Definition immer irreversibel.

In diesem Zeitraum lassen sich u.U. sogar noch bestimmte Körperreaktionen auslösen. Hierher gehören übrigens die berüchtigten Scheintodesfälle, weswegen viele Kulturen ihre Toten 3 Tage lang bewachen.

Scheintod ist eine irrige Todesfeststellung.

Was das für ein Zustand ist, in dem die Patienten zwischen Leben und Tod schweben, weiß man nicht.

Es gibt medizinisch und juristisch keinen Zustand zwischen Leben und Tod. Leben und Tod sind zwei dualistische Zustände, die keinen Zwischenzustand besitzen, keinen Übergang.

Aber dennoch werden in ihm heutzutage Menschen für tot erklärt.

Siehe: Todeserklärung und Todesfeststellung

Man kann funktionsfähige Organe also nur einem lebenden Menschen entnehmen.

Siehe: Todesverständnis

1968 gab es noch ein weiteres Problem, das ganz gut dazu passte: Die noch relativ junge, aber sich rasant entwickelnde Intensivtherapie hinterließ immer mehr Patienten in einem Zwischenzustand zwischen Leben und Tod. Die betroffenen Menschen vegetierten z.T. jahrelang ohne Bewusstsein dahin und ihre Versorgung kostete viel Geld.

Im August 1987 erschien in "J Nucl-Med 28:1279-1283,1987" ein Artikel, der beschreibt, dass zwischen Februar 1983 und Juli 1986 es in der Klinik 53 Hirntote gab. Sie alle erlitten trotz fortgesetzter intensivmedizinischer Behandlung innerhalb von 8 Tage nach der Feststellung des Hirntodes einen irreversiblen Herzstillstand, nur einer erst nach 17 Tagen.ref>http://jnm.snmjournals.org/content/28/8/1279.full.pdf Zugriff am 19.5.2017.<7ref>

1968 schloss die Definition des Hirntodes den Verlust aller Reflexe noch mit ein. Das heißt, die Hirntoten der damaligen Zeit waren nicht in der Lage, sich zu bewegen oder mit Irgendwelchen Reflexen zu reagieren. Aber das veränderte sich langsam im Laufe der Jahre.

Mit dieser Definition machte die Ad-Hoc-Kommission einen Fehler, den sie bereits 1969 selbst korrigierte. Hirntote haben noch spinale Reflexe, d.h. vom Rückenmark ausgehende Reflexe.

Heutzutage gilt ein Patient auch dann als hirntot, wenn er seine Arme und Beine bewegt und Laute von sich gibt.

Bei normalen Toten kann man noch bis zu 8 Stunden nach dem letzten Herzschlag durch mechanische oder elektrische Schläge Muskelkontraktrionen (= Bewegungen) auslösen. Siehe: inermediäres Leben

Die Bundesärztekammer (übrigens keine echte Kammer, sondern ein nicht eingetragener Verein ohne Rechtsfähigkeit, der eigentlich die Ärzte berufspolitisch vertritt) definierte den Hirntod als Zustand der unumkehrbar erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.

Von 1982 bis 1997 gab der WB-BÄK "Entscheidungshilfen zur Feststellung des Hirntodes" heraus. 1997 wurde in Deutschland das TPG verabschiedet, das den Hirntod gesetzlich definierte. Damit gab der WB-BÄK 1998 die "Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes". Die Gesetzgebung hat somit 1997 die Definition des WB-BÄK übernommen, weil sie diese für angemessen hielt.

Stellt man die Maschinen ab, müsste der Patient demzufolge sehr schnell sterben. Das ist die Regel, von der es allerdings auch einige Ausnahmen gibt.

Ausnahmslos kommt es bei Hirntoten nach Abschalten der künstlichen Beatmung binnen weniger Minuten zum irreversiblen Herzstillstand.

Selbst wenn ein EEG geschrieben wurde und das eine Nulllinie zeigt, heißt das noch lange nicht, dass auch das Bewusstsein nicht mehr existiert. Wir vermuten es zwar, wissen es aber nicht mit 100%iger Sicherheit. Warum? Weil die Wissenschaft Bewusstsein nicht messen oder nachweisen kann und wir demzufolge den Moment nicht erkennen können, wann das Bewusstsein stirbt oder den Körper verlässt!

Richtig, Bewusstsein kann man nicht messen. Jedoch arbeitet unser Gehirn elektro-chemisch, d.h. es kann ein EEG abgeleitet werden, wenn das Gehirn arbeitet. Daher kann vom Menschen Tag und Nacht ein EEG abgeleitet werden, auch wenn er nachts schläft, wenn er träumt. Ein Null-Linien-EEG ist somit ein sicherer Hinweis, dass keine Bewusstsein vorhanden ist.

Es gibt manchmal Zeichen von „Hirntoten“, die vermuten lassen, dass sie durchaus einiges von dem mitbekommen, was man ihnen antut: Abwehrbewegungen, Reaktionen wie Blutdruck- und Pulsanstieg oder Schwitzen, Hautrötungen usw. sind da zu sehen.

Das sind Reaktionen des Rückenmarks und de peripheren Nervensystem (PNS).

Oder das sichtbare Anspannen von einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen, wenn man ankündigt. „Ich drehe Sie jetzt mal auf die Seite oder ich mache …“

Hirntoten sind alle Formen von Wahrnehmug und Bewusstsein erloschen. Daher kann dies an Hirntoten nicht beobachtet werden.

Vielleicht können sie sich nur nicht bemerkbar machen?

Das trifft bei Locked-in-Syndrom zu, aber nicht bei Hirntod.

ch selbst habe erlebt, dass es manchmal bei Besuchen Anzeichen dafür gab, dass der Patient unter starkem Stress stand. Das kann auch mal die ach so liebende Gattin sein, in deren Anwesenheit der Körper angespannt ist wie ein Bogen, bei der Mutter hingegen ruhig und entspannt.
Aber es gab bei derartigen Erlebnissen leider ein Problem: Die Reaktionen der Patienten waren nicht wiederholbar und deshalb wurden sie zumeist schnell abgetan.

Da Hirntoten alle Wahrnehmung erloschen sind, können solche Zustände nur rein zufällig sein, ausgelöst vom Rückenmark. Das erklärt auch, warum dies nicht wiederholbar ist.

Zum ersten Male sah ich so etwas Mitte der achtziger Jahre bei einem Patienten, der hirntot auf unserer Station lag. Als ich ihn im Beisein einer Schwesternschülerin versorgte, tat der Patient etwas, was er eigentlich nach medizinischem und menschlichem Ermessen gar nicht mehr hätte tun können: Er nahm langsam seine Arme hoch und legte mir beide Hände auf meine Schultern! Dort blieben sie eine kurze Zeit liegen, dann rutschten sie langsam seitlich wieder herunter. Ich war so erschrocken, dass ich laut losgeschrien habe. Wäre nicht die Schülerin Zeugin diese Vorgangs gewesen - ich hätte ihn mir selbst nicht geglaubt! Als Ursache vermutete man später irgendwelche Reflexe. Das konnte nicht stimmen, denn langsame und gezielte Bewegungen beider Arme können keine Reflexe sein. Immerhin, wegen meines Erlebnisses sah man damals von einer Organentnahme ab. Der Patient starb wenige Tage später friedlich im Kreise seiner Familie.

Besonders dieses Erlebnis legt den Schluss nahe, dass von der Autorin einige Komapatienten als Hirntote angesehen wird, dass nicht sauber zwischen Koma und Hirntod getrennt wird.

Ich glaube meinen Augen, meinen Händen und meinem Gespür.

Damit lässt sich leicht jeder Hirntote zu einem Komapatienten machen.

Hirntote Patienten sind für mich bewusstlose Menschen wie andere Komapatienten auch.

Hier fehlt das pathophysiologische Verständnis von Hirntod und damit die Trennschärfe. So lässt sich leicht jeder Hirntote zum Komapatienten machen.

Wenn der Hirntod wirklich der Tod eines Menschen wäre, dann wäre der Mensch ja nichts anderes als sein Gehirn.

Siehe: Todesverständis und Mensch

Wenn es am Hirntod keinerlei Zweifel gäbe, würde es auch die Diskussion über eine Narkose bei der Organentnahme nicht geben. Hierzulande wird sie nicht für nötig erachtet. Die Schweizer hingegen schreiben sie vor.
Könnte es nicht möglich sein, dass wir durch die Explantation den Sterbeprozess stören und den Patienten unnötig quälen?

Siehe: Schmerz und Schmerz#Schweiz

Auch Hirntod- Fehldiagnosen sind schon vorgekommen, 2008 berichteten zwei Wissenschaftler aus den USA davon.

Siehe: lebende Hirntote

Der Bostoner Medizinethiker Robert Truog spricht von einer „gesetzlichen Fiktion, die Individuen behandelt, als wären sie tot, obwohl sie lebendig sind oder man jedenfalls nicht weiß, ob sie tot sind.“ In den USA gibt man mittlerweile sogar unumwunden zu, dass der Spender lebt und dass er erst durch die Organentnahme stirbt. „Justifying killing“ - „gerechtfertigte Tötung“ heißt das dann.

Siehe: Robert Truog und Justifying killing

Shewmon, dem als Arzt vielfältigste Phänomene bei seinen Patienten begegneten, untersuchte viele Fälle von Hirntoten. Er dokumentierte 175 Patienten mit langen Überlebenszeiten, die längste währte 14 Jahre.

Siehe: Alan Shewmon

Hirntote sind schwerkranke, wahrscheinlich Sterbende.

Hirntote sind Tote, deren Herz trotz fortgesetzter intensivmedizinischer Behandlung sicherlich in den nächsten Tagen oder Wochen, manchmal auch in wenigen Monaten zum Stillstand kommt.

Da sie starke Nebenwirkungen haben, werden weitere Medikamente nötig. Weil die normale Körperabwehr gegenüber Infektionen und Krebs durch diese Medikamente ebenfalls herabgesetzt wird, gibt es viele Infektionen und das Krebsrisiko steigt um ein Vielfaches. Durch die Menge der Medikamente können später auch Leber oder Niere Schaden nehmen, was durchaus zu weiteren Organverpflanzungen führen kann.

Siehe: Krokodilstränen

Das kann durchaus sein. man muss sich darüber im Klaren sein: Einer stirbt immer - Spender oder Empfänger.

Einer stirbt immer, der Spender. Der Empfänger kann auch sterben, aber er hat eine deutlich größer Chance (zwischen 60% und 85% auf 5 Jahre gesehen, je nach Organ), zu überleben.

Diese Menschen sterben an ihrer Grunderkrankung wie z.B. Herz-, Krebs- und andere Kranke auch!!!

Siehe: unterlassene Hilfeleistung

Wer seine Einwilligung zur Entnahme seiner Organe gibt, muss wissen, dass er einen anderen Tod haben wird als sonst. Nicht friedlich und ruhig im Kreise seiner Familie, nicht in einem Bett, sondern in der technischen und sterilen Atmosphäre eines Operationssaals inmitten mehrerer Ärzteteams.

Kein Patient wird auf die Intensivstation gelegt, damit man ihm später die Organe entnehmen kann, sondern in der Hoffnung, dass man sein Leben retten und seine Gesundheit wieder herstellen kann. Dies konnte aufgrund der Schwere der Erkrankung leider nicht erreicht werden. Statt dessen musste am Ende leider der Hirntod festgestellt werden.

Ob dabei Schmerzen gefühlt werden können, weiß keiner. Auf jeden Fall wird Schmerzlosigkeit zwar angenommen, ist aber nicht bewiesen. Aufgrund der gelegentlichen Anzeichen, die dagegen sprechen, empfiehlt es sich, eine Narkose zwingend vorzuschreiben.

Siehe: Schmerz

Mir drängt sich der Gedanke auf, dass wir schon lange andere Möglichkeiten des Organersatzes hätten finden können, wenn man alle Kräfte wirklich darauf konzentriert hätte. Wir fliegen zum Mond, sind durch das Internet weltweit miteinander verbunden und sollen nicht in der Lage sein, Organfunktionen kompensieren zu können? Es ist wohl einfacher, Sterbende dafür zu verwenden.

An künstlichen Organen und Organersatz wird weltweit mit großem Aufwand geforscht, da mit dem ausstehenden Erfolg sehr viel Geld zu machen wäre. Doch es ist gar nicht so einfach, allein die Grundfunktionen eines Organs technisch zu ersetzen, geschweige denn das Gerät so klein zu machen, dass es in den menschlichen Körper passt. Beim Kunstherz ist dies gelungen, aber da gibt es ein anderes Problem, die Energieversorgung. Das nach außen geführte Kabel stellt eine große Infektionsgefahr dar.

Der Tod ist mehr als der Tod eines Organs.

Beim irreversiblen Herzstillstand wird es so gesehen, warum nicht auch beim irreversiblen Hirnfunktionsausfall?

Paolo Bavastro: Kardiologe: Der Hirntod ist "biologisch nicht der Tod des Menschen" (2012)

Am 15.10.2012 veröffentlichte der Deutschlandfunk unter der Überschrift "Kardiologe: Der Hirntod ist 'biologisch nicht der Tod des Menschen'" das Interview mit Paolo Bavastro.[10] Darin heißt es:

Es sind die Gehirnfunktionen ausgefallen. Aber alle anderen Funktionen des Körpers sind ja noch da, sprich, die innere Atmung, also der Sauerstofftransport, der Stoffwechsel, es sind alle Reflexe, die ans Rückenmark gebunden sind, noch da, die Immunologie funktioniert, diese Menschen können sie impfen, wenn diese Menschen eine Verletzung haben, heilt diese, diese Menschen können schwanger werden oder schwanger sein, sie können eine Erektion haben, sie haben Ausscheidung, also Stuhlgang und Urin – also das sind alles Erscheinungen, die zum Leben gehören.

Siehe: Leben der Hirntoten

Warum in der Transplantationsmedizin diese Aufklärungspflicht aufgehoben sein soll, das ist mir rätselhaft.

Seit Ende 2012 klären die Krankenkassen jeden Versicherten über Hirntod und Organspende auf. Wenn die Versicherten diese Unterlagen nicht lesen, ist das deren Sache. Die Aufklärung ist jedoch erfolgt.

Roberto Rotondo : 'Die Untoten' - Hirntodlüge aus Pflegesicht (SB) (2011)

2011 fand die Tagung "'Die Untoten' - Hirntodlüge aus Pflegesicht (SB)" statt, auf der Roberto Rotondo interviewt wurde.[11] Darin heißt es:

Schon im Sprachgebrauch der in der Betreuung "hirntoter" Patienten tätigen PflegerInnen läßt sich - auf der Basis vieler weiterer Veröffentlichungen zum Thema - ablesen, wie wenig diese davon überzeugt sein können, tatsächlich Tote zu pflegen ("Restmensch", "belebte Materie", "Nicht-zu-Ende-Gestorbene"). Der Zugriff, um nicht zu sagen Raubgriff, auf diese Menschen bzw. ihre Organe, die Objekte der transplantationsmedizinischen Begierden, spiegelt sich noch deutlicher im Sprachgebrauch der Pflegekräfte: "Ganzkörper-Lagerstätten", "natürlicher Brutkasten" (in Hinsicht auf eine als "hirntot" geltende schwangere Frau), "menschliches Gemüse" und dergleichen mehr. Zugleich legen die sprachlichen Ausdrücke Zeugnis ab über den Versuch der beteiligten Berufsgruppen, wie zu vermuten steht, die eigenen Zweifel und widerstreitenden Empfindungen zu übertönen durch Begriffe, die das angebliche Totsein "hirntoter" Menschen besonders betonen; so werden beispielsweise in der englischen Fachsprache entnommene Organe als "Cadaveric organ donation" (Kadaverspende) bezeichnet oder mit einem "Stück Holz" verglichen.

Ein falscher Begriff beweist nichts. Siehe: Todesverständnis, Diffamierung und korrekte Sprache

Diese Einschätzung eines Philosophen (!) wurde in Deutschland, wie Rotondo ausführte, von vier wissenschaftlichen Gesellschaften, dem Bundestag, der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche zur Basis eigener Erklärungen gemacht, mit denen der vermeintliche Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichgesetzt wurde.

Die DBK und der Rat der EKD haben bereits 1990 ihre Stellungnahmme zu Hirntod und Organspende abgegeben, mit gleichem Inhalt wie das vorausgegangene Zitat von 1998.

Das ist schon eine sehr prekäre Frage, die an Brisanz noch erheblich gewinnt, sobald man berücksichtigt, daß hier gänzlich andere Interessen im Spiel sind, nämlich die Begehrlichkeiten der Transplantationsmedizin an der aus ihrer Sicht verwertbaren Substanz des Menschen.

Siehe: Pierre Wertheimer

Roberto Rotondo kontrastierte in seinem Vortrag die Praxis der Intensivpflege "hirntoter" Menschen mit den Idealen sowie dem Menschenbild in der Krankenpflege, so wie er sie selbst in der Ausbildung erfahren hat und wie sie noch heute in einschlägigen Lehrbüchern nachzulesen sind.

Die von mir bis 2015 untersuchten Lehrbücher der Krankenpflege unterscheiden sich zum Hirntod signifikant von den Lehrbüchern der Ärzte und allgemeinen Aussagen über den Hirntod.

Ganz unabhängig davon, ob Pflegende heute noch diesen weltanschaulichen Vorstellungen anhängen oder nicht, mögen sie doch dazu geführt haben, daß Berufsorganisationen aus dem Bereich der Krankenpflege, so beispielsweise der Deutsche Berufsverband für Krankenpflege (DBfK), dem Hirntod-Konzept widersprechen.
Kurz gesagt werden durch die Hirntod-Kriterien Lebende zu Toten, von einer Sekunde zur nächsten, allein kraft der administrativen Entscheidung und ohne daß sich unmittelbar an ihrem Zustand irgendetwas verändert hätte.

Siehe: Todesverständnis

Seiner Meinung nach können Menschen durch Organtransplantationen nicht geheilt werden. Sie müssen mit negativen körperlichen, seelischen und sozialen Folgen rechnen.

Wenn sie an ihrer Krankheit gestorben wären, hätten sie dieses Problem nicht. Da sie aber durch die TX weiterleben, haben sie diese Probleme, dazu noch meist eine bessere Lebensqualität als vor der TX.

Das Sterberisiko sei nach Angaben des Internisten und Nephrologen Dr. Beige bis zu drei Monate nach der Transplantation höher als das von Dialysepatienten. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schwächegefühle träten häufig auf, Krebserkrankungen, insbesondere Hautkrebs, seien ein großes Problem. Psychische Probleme seien auch sehr häufig. Viele Organempfänger haben Schwierigkeiten, das "fremde" Organ sozusagen psychisch zu integrieren; sie spüren es wie ein externes Organ und haben Identitätsprobleme, haben Angst, sich zu verlieren oder nicht mehr zu wissen, wer sie sind.
Zufriedenheit der Transplantierten
Frage: Wie sehen Sie heute Ihre TX an?[12]

A = stimmt / B = stimmt eher / C = eher falsch / D = falsch (n = 203)

Aussage (in %) A B C D o.A.
Die TX war für Sie ein wahres Geschenk. 89,7 3,9 0,5 0,5 5,4
Die TX verbesserte Ihre Lebensqualität. 82,8 8,4 1,0 1,0 6,9
Die TX bewahrte sie vor drohendem Tode. 72,9 10,3 6,9 4,4 5,4
Die TX würden Sie jederzeit wiederholen. 70,0 13,8 4,4 3,4 8,4
Die TX ist eine Zumutung, von der Sie abraten. 3,9 3,4 5,9 78,8 7,9
Die TX hat Ihr Leben eindeutig positiv beeinflusst. 77,8 12,3 2,0 1,0 6,9

Im Winterhalbjahr 2014/2015 wurde von Klaus Schäfer unter Transplantierten eine Online-Umfrage durchgeführt. Dachverbände der Transplantierten gaben den Link zum Online-Fragebogen an ihre Mitglieder weiter. Insgesamt nahmen 203 Transplantierte an dieser Umfrage teil. Hiervon hatten 28,6% ein Herz transplantiert, 24,1% eine Niere, 21,7% eine Lunge und 17,2% eine Leber.

Zu ihrer Zufriedenheit über die durchgeführte TX antworteten die 203 Transplantierten:
Für 89,7% der Transplantierten war die TX ein wahres Geschenk, die bei 82,8% der Transplantierten die Lebensqualität verbesserte und bei 77,8% der Transplantierten das Leben eindeutig positiv beeinflusst hat.
72,9% der Transplantierten hat die TX vor dem drohenden Tode bewahrt. 70,0% der Transplantierten würde die TX jederzeit wiederholen.
Der Aussage von Werner Hanne, dass TX eine Zumutung sei, von der abzuraten sei, stimmten 3,9% zu und lehnten 78,8% ab.

Es gibt bei der TX auch "Verlierer", d.h. ihnen geht es nach der TX schlechter als vor der TX. Dies soll nicht verschwiegen werden. Ihr Anteil ist jedoch kleiner 5%.

Über 70% - politisch ist das mehr als eine 2/3-Mehrheit; damit bekommt man sogar eine Grundgesetzänderung durch - der Transplantierten bewerten ihre TX positiv, weniger als 5% negativ.

TX ist damit eindeutig ein medizinischer Erfolg.

Damit sind die Mitleidsbekundungen einiger Kritiker reine Fehlinformationen oder gar geheuchelte Krokodilstränen.

Martin Stahnke auf dem Kirchentag Dresden (01.-05.06.2011)

Martin Stahnke hielt auf dem Kirchentag in Dresden einen Vortrag.[13] Dort sagte er:

Sie würden dann sehen, dass die sogenannten Organspender auf einer Intensivstation nicht von anderen Schwerkranken zu unterscheiden sind. Sie sind warm, durchblutet, ihr Herz schlägt selbstständig, sie produzieren Urin, Wunden schließen sich.

Siehe: Leben der Hirntoten

Ihr Gehirn ist allerdings irreversibel geschädigt, sie liegen im Sterben.
Insbesondere die Angehörigen müssen wissen, dass ihr Einverständnis zur Organentnahme für Sterbende, nicht Tote gilt.
Wir sollten nur davon Abschied nehmen, den Menschen einzureden, dass sie tot wären, wenn sie explantiert werden.

Siehe: Todesverständnis

Glauben Sie, dass Schwangere, die gesunde Kinder gebären können – es gibt mindestens 10 solcher Fälle weltweit – tot sind?
Da erklärt man sogenannte Hirntote kurzerhand für tot, und das führt dann zu Entgleisungen wie der, dass man Schwangere, die lebende Kinder gebären können, als Leichen bezeichnet.

Siehe: schwangere Hirntote

Was hinter dieser Haltung steht, ist der Wunsch, der Diskussion aus dem Weg zu gehen, inwieweit wir Sterbenden Organe entnehmen dürfen.
Es gibt keine wissenschaftliche Haltung, gegen die ich sein könnte.
Aber statt zu diskutieren, inwieweit es ethisch vertretbar ist, sterbenskranken Menschen Organe zu entnehmen und damit letztendlich vom Leben zum Tode zu befördern, ist man dieser Diskussion ausgewichen und hat diese Menschen für tot erklärt.

Siehe: Pierre Wertheimer

Mit der Aufstellung eines Kriteriums haben wir noch lange keine Definition des Todes. Ein Kriterium muss mit einer Definition des Todes korrespondieren können, damit es als Merkmal gelten kann.

Siehe: Todesdefinition

Eine Medizin, die darauf angewiesen ist, dass relativ gesunde Menschen sterben, damit anderen Menschen geholfen werden kann, ist für mich nicht weiterverfolgenswert.

Siehe: Alan Shewmon und Todesverständnis

Ich sagte eingangs, dass ich auch Palliativmediziner bin. Und so meine ich, dass es auch unbedingt akzeptiert werden muss, dass es ein zutiefst menschliches, vielleicht sogar das wichtigste Bedürfnis eines Menschen ist, in Würde und begleitet sterben zu dürfen und diese Begleitung gewähren zu dürfen.

Siehe: Sterbebegleitung

Sabine Müller: Revival der Hirntod-Debatte (2010)

2010 veröffentlichte Sabine Müller den Artikel "Revival der Hirntod-Debatte: Funktionelle Bildgebung für die Hirntod-Diagnostik".[14] Darin heißt es:

neue empirische Erkenntnisse erfordern eine erneute Auseinandersetzung mit dem Hirntod, denn zum einen haben zahlreiche Studien ein längeres Überleben und die Integration von Körperfunktionen von hirntoten Patienten nachgewiesen. (6)

Siehe: Alan Shewmon

Bekanntlich wurde vor Erfindung der Herzlungenmaschine im Jahr 1952 der irreversible Herzstillstand als Kriterium des Todes betrachtet. (6)
Durch den Einsatz von Herzlungenmaschinen können das absterben des Gehirns und das Herzversagen zeitlich auseinander fallen: (6)

Björn Ibsen erfand 1952 nicht die Herz-Lungen-Maschine, sondern die künstliche Beatmung mit Überdruck. Hirntote brauchen zudem keine Herz-Lungen-Maschine, sondern nur eine künstliche Beatmung.

Der Begriff des Hirntodes ist aufgrund dieses Auseinanderfallens geprägt worden. (6)

Den Begriff "Hirntod" prägte bereis Xavier Bichat im Jahr 1800.

nach Belkins historischer Analyse des Reports des Ad Hoc Committee hatten dessen führende Mitglieder unterschiedliche Motive für die Forcierung der neurologischen Todes-Definition: Der Initiator und Vorsitzende des Komitees, der Anästhesie-Chefarzt Henry Beecher, wollte sinnlose künstliche Beatmungen bei nicht zu rettenden Patienten verhindern. Dem Neurologen und EEG-Pionier Robert Schwab ging es vor allem um die Etablierung der EEG-Diagnostik zur Feststellung des Todeszeitpunkts. Beecher und Schwab wollten den Hirntod als Zeitpunkt des legitimen Behandlungsabbruchs festschreiben, aber nicht als neue Definition des Todes. Genau dies wollten dagegen der Transplantationschirurg Joseph Murray und der Neurochirurg William Sweet; Letzterer vertrat die Notwendigkeit der Hirntod-Definition, um die Beschaffung von Transplantationsorganen zu erleichtern. Das Problem der Rechtssicherheit in der Organbeschaffung war drängend geworden, nachdem der Arzt Wada, der einem hirntoten Patienten Organe zur transplantation entnommen hatte, in Japan wegen Mordes verurteilt worden war. (7)
Einige künstlich beatmete Hirntote haben noch etliche somatische Funktionen, die auf eine körperliche Integration hinweisen: Sie halten ihre Homöostase durch zahlreiche endokrine und kardiovaskuläre Funktionen aufrecht, regulieren selbständig ihre Körpertemperatur, bekämpfen Infektionen (u. a. durch Fieber) und Verletzungen, reagieren mit Katecholamin- und Blutdruckanstieg auf Schmerzreize, produzieren Exkremente und scheiden diese aus. Hirntote Kinder wachsen und setzen ggf. ihre Geschlechtsentwicklung fort [29]. Hirntote Schwangere können die Schwangerschaft über Monate aufrecht erhalten und von gesunden Kindern entbunden werden. (9)

Die Homöostase ist bei Hirntoten ausgefallen. Daher benötigen sie neben der künstlichen Beatmung und künstlichen Ernährung vor allem medikamentöse Behandlung.

Der President's Council on Bioethics hält also am Hirntod-Kriterium fest, auch wenn er das Hauptargument, mit dem dieses bisher gerechtfertigt wurde, als empirisch widerlegt anerkennt; stattdessen bietet er eine neue Begründung dafür an, die auf einer „philosophischen Konzeption der biologischen realität organismischenlebens“ basiere. (10)
sie ist so eng gefasst, dass danach auch Embryonen keine Lebewesen sind. (10)

Siehe: Irreversibilität

Pet-Untersuchungen von Steven laureys haben bei PVS-Patienten eine immerhin ungefähr halb so große Hirnstoffwechselaktivität wie bei gesunden Personen nachgewiesen. Auch in Cortexarealen war Aktivität als Reaktion auf schmerzhafte Stimuli nachweisbar. Komapatienten als „cortextot“ zu bezeichnen, ist demnach falsch. (11)
Owen et al. haben bei einer PVS-Patientin mit fMRT gezeigt, dass sie sich auf Anweisung hin vorstellen konnte, Tennis zu spielen oder die Räume ihrer Wohnung zu durchqueren; dabei waren ihre neuronalen Reaktionen ununterscheidbar von denen gesunder Probanden. (11)

PVS-Patienten sind keine Hirntoten. Daher ist dieser Vergleich unlauter.

Eine fMRT-Studie von Schiff et al. an Patienten im minimalen Bewusstseinszustand zeigt, dass deren kortikale Antworten auf gesprochene Sprache und Berührungen sich kaum von denen gesunder Kontrollpersonen unterscheiden. (12)

Auch Patienten im minimalen Bewusstseinszustand sind keine Hirntoten.

Komapatienten könnte in Zukunft durch tiefe Hirnstimulation geholfen werden. (12)
Doch die Erfahrungen von Patienten, die ein Koma überstanden haben, sind Anlass genug, sie nicht vorschnell aufzugeben oder zur Organentnahme zu bestimmen. (12

Komapatienten sind keine Hirntoten.

Ein Beispiel für ein Leben in der terra incognita zwischen Locked-in-Zustand, Koma und Hirntod ist Julia tavalaro, die als junge Frau zwei Schlaganfälle erlitt und sechs Jahre lang für hirntot gehalten wurde, obwohl sie nach einigen Monaten im Koma bei vollem Bewusstsein, aber „locked-in“ war. (12)

An ihr wurde nie Hirntod festgestellt.

nach einer aktuellen begutachtung von allen Hirntod-diagnosen innerhalb von vier Jahren an der Universitätsklinik Newark stellten Zuckier und Kolano fest, dass bei 21 von 188 Fällen (11%) eine permanente gehirndurchblutung trotz klinisch festgestelltem Hirntod nachgewiesen wurde. (14)

Wird das Gehirn mit weniger als 20% der erforderlichen Menge durchblutet, verhungert es. Daher wäre es redlich, mit anzugeben, wie groß diese Durchblutung war.

Eine Untersuchung von Gramm et al. [11] hat gezeigt, dass bei 6,7% (2 von 30) der als hirntot diagnostizierten Organspender die Konzentrationen von Noradrenalin, Dopamin und Adrenalin sowie Blutdruck und Herzfrequenz bei der Organentnahme sprunghaft anstiegen. Sie nehmen an, dass diese Effekte nur auf Rückenmarksreflexaktivität beruhten, da der Hirntod auch angiographisch festgestellt worden war; für diese Hypothese führen sie allerdings keine wissenschaftliche Studie an. Eine andere mögliche Ursache ist, dass eine angiographische Methode verwendet wurde, die die Durchblutung des Hirnstamms nicht angemessen darstellen kann; dazu sind allerdings keine Angaben zu finden. (14)

()

Britische Anästhesisten haben im Jahr 2000 in der Zeitschrift Anaesthesia Vollnarkose für hirntote Organspender gefordert, um mögliche Schmerzen auszuschalten. (14)

Auf Seite 8 gibt die Autorin an, dass in Großbritannien "die Hirntod-Definiton als Hirnstammtod-Definition (Brainstem death) interpretiert wird". Es ist verwunderlich, dass die Autorin, eine Medizinerin, die Tragweite dieser Definition nicht erkennen kann (oder nicht erkennen will?), dass damit das Großhirn durchaus noch teilweise funktionieren kann und damit Schmerzempfinden möglich sein kann.

Weil das Herz des Patienten nicht mehr selbständig schlug und die Ärzte entschieden, dass sie seine Herzkranzgefäße nicht erweitern konnten, sollte nach 90 Minuten die Entnahme seiner Organe beginnen. als die Chirurgen damit beginnen wollten, atmete der Mann wieder und seine Pupillen reagierten auf licht. Wenige Monate später konnte er wieder sprechen und laufen [17]. Die Non-Heart-Beating-Donation ist in den USA, Kanada, Australien, den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Spanien, Österreich, der Schweiz, Norwegen und der Türkei erlaubt [3]. in Deutschland lehnt die Bundesärztekammer diese Regelung derzeit ab. (15)

Es lehnt nicht nur die BÄK, sondern auch andere med. Gesellschaften die DCD ab:

  • 1998 lehnte die BÄK, die DGN, die DTG und einer weitere med. Gesellschaft dir DCD ab, weil sie ist kein sicheres Äquivalent zum Hirntod ist.[15]
  • 2009 lehnte das BMG die DCD als "problematisches Verfahren" ab.[16]
  • 2014[17] und 2015[18] lehnten die DGN, die DGNC und DGNI in gemeinsamen Erklärungen DCD ab, "da es ein höheres Risiko von Fehldiagnosen in sich birgt."

Warum die Autorin im Jahr 2011 Beispiele von aufgewachten Patienten nennt, an denen DCD vorgesehen war, ist unverständlich.

Daher sollte die zerebrale Angiographie für die Hirntoddiagnostik zwingend vorgeschrieben werden, in Zweifelsfällen auch fMRT, PET oder SPECT. (16)

Wie die Autorin selbst schreibt, wurden die von ihr genannten Studien nicht an Hirntoten durchgeführt. Warum sollten daher diese Geräte für die HTD eingesetzt werden?

Die Non-Heart-Beating-Donation, bei der auf Hirntoddiagnostik verzichtet wird, sollte grundsätzlich verboten bleiben bzw. werden. (16)

In Deutschland besteht ein großer Konsens, DCD nicht zuzulassen. Für andere Nationen, in denen DCD Praxis ist, möge sich die Autorin an diese Länder wenden.

Da die Schere zwischen Angebot und Nachfrage nicht nur durch Maßnahmen zur Erhöhung des Organangebots verkleinert werden kann, sondern auch durch Maßnahmen zur Verringerung der nachfrage (insbesondere durch Prävention von Krankheiten, die zum Organversagen führen), sind ethisch bedenkliche Methoden zur Steigerung des Angebots nicht gerechtfertigt. (16)

Es geht hierbei nicht um irgendwelche Statistik (Statistiken haben keine Ethik), sondern um das Leben von Menschen, das gerettet werden kann. Je mehr Organe zur Verfügung stehen, desto mehr Menschen kann deren Leben gerettet bzw. deren Lebensqualität gesteigert werden, völlig unabhängig von jeder Statistik.

Daraus folgt, dass für potentielle Organspender sicher ausgeschlossen werden muss, dass sie (gegen ihren Willen) durch die Organentnahme getötet werden und dabei unter Angst, Stress oder Schmerzen leiden. (16)

In D/A/CH leidet kein Organspender an "Angst, Stress oder Schmerzen". Siehe: Todesverständnis, Wahrnehmung und Schmerz

Daher sollten funktionelle Bildgebung zur Sicherung der Hirntod-Diagnose sowie Vollnarkose für die Entnahme gesetzlich vorgeschrieben werden, um bei nicht messbarer Hirnaktivität oder im Fall von Messfehlern Angst und Schmerzen auszuschließen. (16)

Der Gesetzgeber überlässt es dem WB-BÄK und dem BMG, die Richtlinie zur Feststellung des Hirntodes auszuarbeiten. Daher ist der Gesetzgeber hier der falsche Ansprechpartner. Messfehler schließt die Richtlinie zur HTD selbst aus. Das sollte die Autorin zu diesem Thema eigentlich wissen.

Linus S. Geisler: Die Zukunft des Todes - Überlegungen zum "Hirntod" (2006)

2006 veröffentlichte Linus S. Geisler den Artikel "Die Zukunft des Todes - Überlegungen zum 'Hirntod'".[19] Darin heißt es:

... der Expertenstreit zwischen Theologen, Anthropologen, Philosophen, Juristen und Medizinern über jenen Zeitpunkt, ab dem der Mensch rechtlich angeblich zum herrenlosen, verfügbaren Gut geworden ist.

Kein Hirntoter ist herrenloses, verfügbares Gut. Entweder er selbst hat zu seinen Lebzeiten verfügt, dass ihm im Falle seines Hirntodes die Organe entnommen werden dürfen, oder seine Hinterbliebenen haben es entschieden.

Fortschreitende medizinische Technologien haben die Grauzone zwischen Leben und Tod immer weiter ausgedehnt.
Die Technik hat diese Grauzone nicht erschaffen, sondern sie nur so weit überdehnt, daß sie unserer Wahrnehmung zugänglich wurde. Es zeigte sich, daß Leben und Tod nicht einander ausschließende, sondern sich gewissermaßen überlappende Zustände darstellen.

Es gibt keinen Grauzone zwischen Leben und Tod. Es gibt nur unterschiedliche Auffassungen, wo diese Grenze verlaufen soll.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte noch niemand einen "Hirntoten" gesehen.

Björn Ibsen führte erst 1952 die künstliche Beatmung mit Überdruck ein, was die Hirntoten hervorbrachte.

Der Tod war schon immer ein Prozeß und Leben und Tod keine binären Zustände.

Sterben ist ein Prozess. Leben und Tod sind per Definitionen klar abgegrenzte Bereiche. - Bereits im nächsten Absatz schreibt der Autor selbst richtigerweise vom "Prozeß des Sterbens".

Es besteht die Gefahr, daß der Prozeß des Sterbens bereits mit dessen Endpunkt verwechselt oder absichtlich umgedeutet wird.

Siehe: Verschwörungstheorie und Todesverständnis

Ist also die Gleichsetzung von Hirntod mit dem Tod des Menschen letztlich nichts anderes als die (absichtliche) Verwechslung von Prognose und Diagnose?
Das unumkehrbare Versagen des Gehirns ist - so viel wir heute zu wissen glauben - die zum Tode führende Erkrankung. Das gilt für den Spender wie den Nicht-Spender. Die unmittelbare Todesursache ist im Falle des Nichtspenders das Abschalten der Apparate auf der Intensivstation, im Falle des Spenders die Entnahme seiner Organe.

Siehe: Todesverständnis

Wie kann man den Hirntod aufgeben, wenn er deckungsgleich mit dem Tod des Menschen sein soll?

Hier wird auf Truog Bezug genommen, der die Tod-Regel für Organspender aufgehoben wissen will, da es den Menschen schwer zu vermitteln sei, dass Hirntote Tote sind.

Selbst der Begriff der Irreversibilität des Hirntodes ist nicht gegen Neudefinitionen gefeit. Wird zukünftig zwischen irreversibler und reversibler Irreversibilität zu unterscheiden sein? Die Neurobiologie setzt auf bislang unterschätzte reparative Fähigkeiten des ZNS. Die Stammzellforschung hat gezeigt, daß das Gehirn die Fähigkeit besitzt, neue pluripotente Zellen zu entwickeln, die in der Lage sind, in geschädigten Hirnarealen das Nervenwachstum zu stimulieren.

Eine apparative Untersuchung der HTD ist der Nachweis, dass das Gehirn nicht mehr durchblutet wird. Gehirnzellen, die nicht mehr durchblutet werden, sterben ab. Da die Nicht-Durchblutung das ganze Gehirn betrifft, sterben die Gehirnzellen des ganzen Gehirns ab. Da ist keine Möglichkeit der "reparativen Fähigkeiten".

Was, wenn der Hirntod durch passagere Externalisierung der Hirnfunktionen auf Chipebene Zeit gewinnen läßt für restaurative therapeutische Maßnahmen und dadurch überwunden werden könnte? Der Tod als grundsätzlich widerrufbares Ereignis? Wird dann zwischen endgültigem und vorübergehendem Tod unterschieden werden müssen?

Alle Behandlungsmethoden, wie derzeit die Hypothermie, und auch alle zukünftigen Behandlungsmöglichkeiten können nur vor dem Eintritt des Hirntodes wirken. Tod ist immer irreversibel oder es war nie Tod. Dies gilt auch beim Hirntod.

Die Richtlinien der Harvard-Kommission zur Hirntoddiagnostik von 1968, sozusagen der Ur-Kodex der Transplantationsmedizin, setzten - im Gegensatz zu den heute bei uns gültigen Kriterien - völlige Reflexlosigkeit für den Nachweis des Hirntodes voraus.

Dies wurde in unvollständigem Wissen über den Hirntod so formuliert. Bereits 1969 besserte hier die Ad-Hoc-Kommmission nach und ließ für das Hirntodkonzept Reflexe des Rückenmarks zu.

In England reicht der endgültige Ausfall des Hirnstamms zur Todesdiagnose. Dies bedeutet, daß das Vorliegen vereinzelter Teilfunktionen der Großhirnrinde und damit Reste von Wahrnehmung nicht ausgeschlossen werden können. Dies war auch der Grund, warum zwei englische Anästhesisten 2000 in einem Editorial der Zeitschrift Anaesthesia vorschlugen, Organspendern Organe nur in Vollnarkose zu entnehmen.
Alan Shewmon, Neurologe und Hirntodspezialist an der UCLA, hat in einer Metaanalyse 56 Patienten mit "chronischem Hirntod" (Hirntodkriterien noch mindestens eine Woche nach der Hirntoddiagnose nachweisbar) beschrieben.
Aus biologisch-systemtheoretischer Sicht entsteht Leben durch die Fähigkeit zur Selbstherstellung (Autopoiese) und Selbsterhaltung. Sie sind das Resultat der Interaktion physikalisch-chemischer Komponenten in einem autopoietischen Netzwerk ohne ein lokalisierbares zentrales Steuerungsorgan. Das Leben hört auf, wenn dieses Netzwerk der gegenseitigen Herstellung und Erhaltung zusammenbricht. Dies ist der Fall, wenn konstitutive Organe wie Herz, Gehirn, Nieren oder Leber ersatzlos ausfallen.

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Die These von der übergeordneten integrativen Funktion des Gehirns wird im Falle einer hirntoten Schwangeren völlig in Frage gestellt. Die hirntote schwangere Frau, die als ,Tote' imstande ist, in ihrem Leib einen Fetus zu ernähren, ihn gedeihen und sogar bis zu ungestörter Lebensfähigkeit heranreifen zu lassen, ist begreiflicherweise für die Verfechter des Hirntodkonzepts ein Dorn im Auge. Die längste bekannt gewordene Schwangerschaft einer hirntoten Frau betrug 107 Tage. Sie wurde durch Kaiserschnitt von einem gesunden Jungen entbunden (Conley Hilliker), der sich normal entwickelte.

Siehe: schwangere Hirntote, Plazenta und künstliche Gebärmutter

Lange Zeit war es in jüdischen Gemeinden in Osteuropa üblich, für einen mit dem Tode ringenden jungen Menschen virtuell "Jahre zu sammeln", in dem Gemeindemitglieder sich bereit erklärten auf Wochen, Monate oder Jahre ihres eigenen Lebens zu verzichten - sozusagen das Gegenszenario des hirntoten jungen Menschen, der als Quelle zusätzlicher Lebenszeit für die Mitglieder einer Gesellschaft dient.

Und, hat er dadurch Wochen, Monate oder Jahre weitergelebt?

Schon Hans Jonas schrieb, die Kernfrage sei nicht: "Ist der Patient gestorben?, sondern: Was soll mit ihm - immer noch ein Patient - geschehen?"

Siehe: Todesverständnis

Erfüllt sich jedoch die Vision, daß die Organtransplantation als einzige Therapieform, die immer an Eingriffe in die Leiblichkeit des Anderen gebunden ist, durch wirkliche Fortschritte der Medizin überholt sein wird, dann könnten sich die Sichtweisen auf den Tod grundlegend ändern.

Wohl kaum, da in den meisten Fällen nach Feststellung des Hirntodes Therapieende erfolgt.

Denkbar aber wäre, daß in Zukunft jene symbolische "Minute" einer scheinbaren Tatenlosigkeit nach dem Tode wieder Eingang in die Sterbekulturen findet.

Das kann man gerne nach Feststellung des Hirntodes tun.

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Anhang

Anmerkungen

  1. Die Zahlen der Jahre 2002 bis 2005 wurden aus dem Jahrbuch der DSO entnommen. Die Zahlen der Jahre 2006 bis 2013 wurden nach den absoluten Zahlen der Jahrbücher der DSO berechnet. Dabei wurden nur die realisierten Organspenden mit den Ablehnungen nach Feststellung des Hirntods ins Verhältnis gesetzt. D.h. nicht berücksichtigt wurden dabei nicht erfolgte Organtransplantationen, z.B. durch Kreislaufversagen oder med. Gründen.

Einzelnachweise

  1. Frank Montgomery: "In Deutschland gibt es keine Organmafia". In: Deutschlandfunk (27.08.2012). Nach: https://www.deutschlandfunk.de/in-deutschland-gibt-es-keine-organmafia.694.de.html?dram:article_id=218505 Zugriff am 22.08.2019.
  2. Eckhard Nagel: Nagel: Hirntod sicherstes Kriterium. In: Deutschlandfunk Kultur (11.12.2012). Nach: https://www.deutschlandfunkkultur.de/nagel-hirntod-sicherstes-kriterium.1008.de.html?dram:article_id=224028 Zugriff am 22.08.2019.
  3. Reinhard Daniel Pregla: Eine Frage von Leben und Tod. In: Deutschlandfunk Kultur (18.07.2011). Nach: https://www.deutschlandfunkkultur.de/eine-frage-von-leben-und-tod.954.de.html?dram:article_id=146447 Zugriff am 22.08.2019.
  4. Fuat S. Oduncu: Hirntod - Tod des Menschen? In: Stimmen der Zeit (1997) 678-690. Nach: https://www.herder.de/stz/wiedergelesen/hirntod-tod-des-menschen Zugriff am 20.08.2019.
  5. Konrad Lehmann: Organe - vom Geben und Nehmen. In: Telepolis (17.02.2019). Nach: https://www.heise.de/tp/features/Organe-vom-Geben-und-Nehmen-4301830.html Zugriff am 20.08.2019.
  6. Axel W. Bauer: „Man braucht also für die Organspende Lebende, die zugleich tot sein müssen." Vortrag vom 15.12.2016 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Veröffentlicht in: kath.net (14.03.2017) Nach: http://kath.net/news/58762 Zugriff am 09.08.2019.
  7. DSO: Jahrbuch 2002ff.
  8. Die Anzahl der potenzieller Organspender umfasst alle Hirntoten, die mit für eine TX brauchbare Organe auf der Intensivstation liegen. Die meisten von werden tatsächlich Organspender. Bei einigen wird die die Organspende verweigert. Daneben gibt es noch eine Reihe von Hirntoten, bei denen zwar eine Zustimmung zur Organspende vorgelegen hat, bei denen es jedoch aus verschiedenen Gründen zu keiner Organspende gekommen ist. Die DSO unterscheidet hierbei unter:
    • Abbruch vor oder während der Organentnahme (z.B. Tumorfeststellung)
    • Medizinische Gründe (inkl. Herz-Kreislaufstillstand, ICD-10 I46.9)
    • Sonstiges (Keine Einwilligungsberechtigten, Gespräch nicht zumutbar, keine Freigabe durch den Staatsanwalt)
  9. Andrea von Wilmowsky: Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende. In: kath.net (20.09.2013). Nach: http://www.kath.net/news/42914 Zugriff am 29.08.2019.
  10. Paolo Bavastro: Kardiologe: Der Hirntod ist "biologisch nicht der Tod des Menschen". In: Deutschlandfunk Kultur (15.10.2012). Nach: https://www.deutschlandfunkkultur.de/kardiologe-der-hirntod-ist-biologisch-nicht-der-tod-des.954.de.html?dram:article_id=224426 Zugriff am 22.08.2019.
  11. Roberto Rotondo. Zitiert nach: Schattenblick: 'Die Untoten' - Hirntodlüge aus Pflegesicht (SB). Nach: http://www.schattenblick.de/infopool/bildkult/report/bkrb0013.html Zugriff am 13.08.2019.
  12. Klaus Schäfer: Leben - dank dem Spender. Ergebnisse aus Umfragen unter 203 Transplantierten. Karlsruhe 2013.
  13. Martin Stahnke: Vortrag auf dem kleinen Podium Kirchentag Dresden (01.-05.06.2011) Nach: https://archiv.initiative-kao.de/kao-vortraege-ev-kirchentag-dresden-2011.pdf Zugriff am 29.09.2019.
  14. Sabine Müller: Revival der Hirntod-Debatte: Funktionelle Bildgebung für die Hirntod-Diagnostik. In: Ethik Med (2010) 22:5–17. Nach: http://www.krankenhausseelsorge-muenchen.de/fileadmin/documents/ethikdok_Revival_der_Hirntod-Debatte.pdf Zugriff am 13.08.2019.
  15. http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Herzstillstand.pdf Zugriff am 24.3.2012.
  16. http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/137/1613740.pdf Zugriff am 24.3.2012.
  17. https://www.dgn.org/images/red_pressemitteilungen/2015/150224_Stellungnahme_Hirntod_DGN_DGNC_DGNI_final.pdf Zugriff am 13.08.2019.
  18. http://www2.dgni.de/aerzte/stellungnahmen-intensivmedizin/476-gemeinsame-stellungnahme-der-dgn-dgnc-und-dgni-zur-feststellung-des-hirntodes.html Zugriff am 13.08.2019.
  19. Linus S. Geisler: Die Zukunft des Todes - Überlegungen zum "Hirntod". In: CHIRURGISCHE ALLGEMEINE, 7. Jahrgang, Mai 2006, S. 238-242. Nach: http://www.linus-geisler.de/art2006/200605chaz-hirntod.html Zugriff am 22.08.2019.