TAH

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Ein Total Artificial Heart (TAH) ist ein echtes Kunstherz, da es das menschliche Herz ersetzt.

Geschichtliche Entwicklung

  • Am 4.4.1969 setzt am Texas Heart Institute in Houston (USA) Denton A. Cooley (*1920) dem 47-jährige Haskell Karp ein von Domingo Liotta entwickeltes Kunstherz ein. Es wurde 65 Stunden später durch ein natürliches Herz ersetzt. Kurz nach der Herz-TX verstarb Karp.[1]
  • Am 2.12.1982 setzte in der Universitätsklinik von Utah in Salt Lake City William DeVries, ein Sohn holländischer Einwanderer, dem pensionierten Zahnarzt Barney Clark (21.1.1921–23.3.1983) in einer siebenstündigen Operation das von Robert Jarvik entwickelte Jarvik-7 ein. Clark überlebte 112 Tage und erlitt mehrere Thrombosen, bevor er starb. Damit wurde Jarvik 7 das 1. dauerhafte Kunstherz.[1]
  • Am 25.11.1984 wurde dem US-Amerikaner William J. Schroeder ebenfalls Jarvik-7 implantiert, mit dem er 620 Tage überlebte und am 6.8.1986 an einem Schlaganfall verstarb.[1]
  • 1986 hat Felix Unger das erste Kunstherz in Europa implantiert.[2]
  • Oktober 1990 wurde am DHZB bei einem Kind die Wartezeit auf ein Transplantat erstmals erfolgreich mit einem TAH überbrückt.[1]
  • November 1993 wurde einem 38-jährigen Thüringers parallel zum eigenen Herzen ein Kunstherz (TAH oder VAD?) eingesetzt. Diese erholte sich dadurch so gut, dass das Kunstherz nach 160 Tagen am 10.4.1994 im DHZB explantiert werden konnte und dem Patienten eine Herz-TX somit erspart blieb. Dies war weltweit der erste Fall. - Bis 2010 wurden am DHZB über 100 Kunstherzen (TAH und [VAD]) wieder explantiert, weil sich der Herzmuskel während dieser Unterstützungszeit wieder erholt hatte.[1]
  • Am 18.12.2013 implantierte im Pariser Georges-Pompidou-Spital ein Operationsteam unter Christian Latrémouille ein Kunstherz mit biosynthetischer Haut. Damit wird das Risiko einer Abstoßung minimiert. Das Kunstherz ist eine Bioprothese und kann somit das biologische Herz ersetzen. Es ist etwa zwei Fäuste groß; eine kleinere Version befindet sich in der Entwicklung. Laut Entwickler Alain Carpentier soll damit eine Herz-TX dank eingebauter Batterie und Sensoren 5 Jahre überbrückt werden. Der Patient verstarb nach 75 Tagen.[1]
  • Juni 2014 wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover das weltweit erste HeartMate-III-Kunstherz durch Axel Haverich und Jan D. Schmitto implantiert.[1]
  • Am 12.11.2015 stellte der Patient Uwe S. der Medizinischen Hochschule Hannover den Europarekord von 10 Jahren Kunstherztherapie mit dem Gerät HeartMate II auf.[1]

Mit bisher über 2500 Implantationen betreibt das Deutsche Herzzentrum Berlin das größte Kunstherzprogramm weltweit.[1]


Interview mit Felix Unger

Katharina Knaust führte am 14.11.2016 mit Felix Unger über dessen Implantation eines Kunstherzens ein Interview:[2]

Auf die Frage nach dem Sitz der Seele antwortete Felix Unger:

Ich habe 1986 das erste Kunstherz in Europa implantiert. Das war die zweite Operation dieser Art weltweit. Sie fragen mich danach, ob ich dabei ethische Bedenken hatte. Ich muss Ihnen ehrlich sagen: In dem Moment, in welchem man die Indikation macht „wir ziehen das durch, wir machen das“, hatte ich keinerlei ethische Bedenken. Das hat man in seiner Persönlichkeit genug abgespeichert. Es geht in einem solchen Augenblick nämlich in erster Linie um das Helfen, darum, den Patienten weiterzubringen. Hier ist es die einzige Möglichkeit, konkret und richtig zu handeln. Ich bin in dem Zusammenhang so vorgegangen, dass ich vor der Implantation die Verwandten befragt und alle mitwirkenden Ärzte gefragt habe, ob sie dafür seien oder ob jemand aufgrund ethischer Bedenken dagegen sei. Anschließend habe ich noch den Spitalsdirektor hinzugezogen. Das heißt, dass ich die Indikation der Implantation auf sehr breite Schultern gestellt habe. Ich betone das deswegen, weil es viele gibt, die die Dinge nicht auf breite Schultern stellen. Dadurch aber habe ich einen allgemeinen Konsens in der Klinik erreicht, so dass alle voll dahinterstanden. Jeder, der ein solches Unterfangen mitträgt, trägt positiv zu dessen Gelingen bei.[2]

Auf den Unterschied zu anderen Organ-TX antwortete Felix Unger:

Ich würde sagen, dass das Herz in unserer Gesellschaft natürlich einen besonderen Stellenwert hat. Ist es aber so weit kaputt, dass es nicht mehr selber pumpen kann, dann handelt es sich hierbei um die Frage des „noch leben Könnens“ oder des Todes. Ich kann aus meiner Erfahrung in der Klinik sprechen, dass Personen, die ein Kunstherz implantiert bekommen haben, genauso weiterleben, als hätten sie ein natürliches Herz. Das gleiche gilt bei transplantierten Herzen. Es ist natürlich eine „besondere Delikatesse“ zu sagen, dass der Sitz der Seele in Form eines Kunstherzens ersetzt wurde.[2]

Ob sich die Medizin mit TX nicht gegen Gott stelle, antwortete Felix Unger:

Meiner Meinung nach stellt man sich nicht gegen den lieben Gott, geschweige denn entgegen der Gottesnatur. Im Gegenteil: Was man tut, geschieht in großer Demut vor der Natur und auch im Sinne der Barmherzigkeit. Wenn also jemand schwer leidet, muss man im Sinne der Barmherzigkeit etwas dagegen unternehmen.

Jedoch ist das oberste Gebot des Lebens das Leben selbst, ist die Schöpfung. Alles, das wir tun, ist in Demut zu tun.[2]

Auf den Hirntod angesprochen, antwortete Felix Unger:

Die Hirntodkriterien sind völlig klar: Nulllinien-EEG, das Sinken der Körpertemperatur, der so genannte Diabetes insipidus (eine riesige Harnflut). Wenn all diese Dinge eingetreten sind, dann spricht man vom „Coma egressum“ (egressum bedeutet hinausgegangen). Und damit ist ein Punkt erreicht, an dem der Mensch nicht mehr zurückkehrt. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Arzt dann berechtigt, ein Organ zu entnehmen, oder die Therapie einzustellen.[3]

Ob er den Menschen durch seinen Geist definiert, sagte Felix Unger:

in Organspender ist ein Subjekt des Lebens, der gerade aus dem Leben geht

und als Subjekt einem anderen Subjekt, dem Kranken, ein Organ spendet. Ich sehe das als einen Stafettenlauf des Lebens.[4]

Zum Dualismus von Körper und Geist sagte Felix Unger:

ch sehe das folgendermaßen: Der Mensch, das darf man nicht vergessen, ist eine Einheit aus Körper, Geist und Seele. Diese Trias muss man beleuchten. Ein Teil des Menschen ist sein Körper. Beim Körper ist es aber auch wichtig, dass wir ihn pflegen und gesund erhalten, so lange als möglich.

Es gibt ununterbrochen Weiterentwicklungen, dafür ist die Medizin da. Entwicklungen, wie man Herzinfarkte vermeidet, Entwicklungen über die schonende Behandlung von Herzversagen usw. Die Organtransplantation ist eine Sache, die der Medizin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entspricht. Die Fragen die sich stellen, sind die nach dem Nutzen. Die Frage ist folgendermaßen brisant: Ich habe während meiner Tätigkeit als Arzt oft auf assistierter Zirkulation gearbeitet, die das Herz unterstützt. Jetzt auf einmal hat man gemerkt, dass man das Herz mithilfe von nur ganz kleinen Pumpen unterstützen kann. Diese ersetzen eine Transplantation. An diesem Beispiel will ich sagen, wie toll die gesamte Entwicklung, egal in welchem Bereich, ist und innerhalb kurzer Zeit einen völlig neuen Rahmen bildet. [5]

Über die TX sagte Felix Unger:

Jede Zeit hat ihre eigenen Methoden. Die Organtransplantation ist eine wunderbare Methode,um bei total versagenden Organen zu helfen. Man darf aber nicht vergessen, dass auch die Organtransplantation limitiert ist. Das heißt, wenn jemand erst herzkrank ist, ist er danach transplantationskrank, wenn er nierenkrank war, wird er transplantationskrank. Nichts was man im Leben macht, ist ohne Folge. Am allerwenigsten in der Medizin. Folgendes kann man zur Organtransplantation aber sagen: Mithilfe der Transplantation gewinnt man für einen Patienten viele, viele Jahre, in denen er glücklich mit seiner Familie lebt.[6]

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstherz#Geschichtliche_Aspekte Zugriff am 29.9.2016.
  2. a b c d e Katharina Knaust: Die Organspende aus Sicht der katholischen und der evangelischen Kirche. Salzburg 2017, 39. Nach: https://www.malteserorden.at/wp-content/uploads/2018/03/Organspende_Katharina-Knaust.pdf Zugriff am 12.12.2018.
  3. Katharina Knaust: Die Organspende aus Sicht der katholischen und der evangelischen Kirche. Salzburg 2017, 39f. Nach: https://www.malteserorden.at/wp-content/uploads/2018/03/Organspende_Katharina-Knaust.pdf Zugriff am 12.12.2018.
  4. Katharina Knaust: Die Organspende aus Sicht der katholischen und der evangelischen Kirche. Salzburg 2017, 40. Nach: https://www.malteserorden.at/wp-content/uploads/2018/03/Organspende_Katharina-Knaust.pdf Zugriff am 12.12.2018.
  5. Katharina Knaust: Die Organspende aus Sicht der katholischen und der evangelischen Kirche. Salzburg 2017, 40f. Nach: https://www.malteserorden.at/wp-content/uploads/2018/03/Organspende_Katharina-Knaust.pdf Zugriff am 12.12.2018.
  6. Katharina Knaust: Die Organspende aus Sicht der katholischen und der evangelischen Kirche. Salzburg 2017, 41. Nach: https://www.malteserorden.at/wp-content/uploads/2018/03/Organspende_Katharina-Knaust.pdf Zugriff am 12.12.2018.