Sabine Müller

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Zur Person

Zu den Aussagen

Die hier wiedergegebenen Zitate stammen nicht von der Presse, sondern aus der Hand von Sabine Müller. Daher sind Missverständnisse auf Seiten der Leser ausgeschlossen.

Wie tot sind Hirntote? Alte Frage - neue Antworten

In ihrem Artikel "Wie tot sind Hirntote? Alte Frage - neue Antworten"[1]

Am 09.05.2011 veröffentlichte Sabine Müller in der APuZ 20–21/2011 (16.05.2011) den Artikel "Wie tot sind Hirntote?". Matthias Mindach korrigiert fachkundig in der Zeitschrift Aufklärung & Kritik (Nr. 1/2013) die sachlichen Falschaussagen. Es gibt auch eine Kurzfassung dieser Korrektur.

Vor der Erfindung der Herz-Lungen-Maschine im Jahr 1952 galt der irreversible Kreislaufstillstand als Kriterium des Todes. ... mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine kann der Kreislauf auch langfristig stabilisiert werden. ... Der Begriff des Hirntods ist aufgrund der Möglichkeit des zeitlichen Auseinanderfallens von Herzversagen und Gehirnversagen durch die Herz-Lungen-Maschine geprägt worden. (3)

Hirntote brauchen keine Herz-Lungen-Maschine, sondern eine künstliche Beatmung.

Nach einem Hirnstamminfarkt oder -trauma sind meist neben dem Atemzentrum auch weitere Funktionen des Hirnstamms betroffen (3)

Von einem Hirnstamminfarkt oder -trauma ist das Atemzentrum meist nicht direkt betroffen.

Kritiker der Gleichsetzung von Tod und Hirntod wie der Philosoph und Nobelpreisträger Hans Jonas ... (4)

Hans Jonas erhielt keinen Nobelpreis.

Auch Gehirnforscher und andere Wissenschaftler stellten fest, dass die Gleichsetzung von Hirntod und Tod aus physiologischer Sicht unhaltbar sei und veröffentlichten 1995 eine Erklärung (4)

Das war im Jahr 1995! Mindach: "Die Erkenntnis der Naturwissenschaft, dass die Individualität des Menschen an ein funktionsfähiges Gehirn gebunden ist, dürfte weithin konsensfähig sein." (80)

Dagegen vertreten einige Bioethiker eine Kortextod-Definition, bei der sie zwischen der Person und dem Organismus unterscheiden. (4)

Mindach: "Diese Kortextod-Definition wird hoffentlich den Elfenbeinturm akademischer Kreise nie verlassen." (80)

Hirntote Kinder wachsen und können sogar ihre Geschlechtsentwicklung fortsetzen. (4)

Mindach: "Shewmon berichtet von drei langzeit-'überlebenden' Kindern, eines am Beatmungsgerät 'sui generis gedeihend'. Dieser Fall wurde später von Repertinger et al. ausführlich dokumentiert. Er war mit 4 Jahren erkrankt, der Kreislauf versagte mit 24 Jahren. Das Gehirn war bei der Obduktion mumifiziert, der Kopf mikrozephal, die sexuelle Reifung war nicht eingetreten, und seine Körpergröße war 104 cm. Damit liegt er genau auf der 50%-Perzentile für Vierjährige." (81)

In Zweifelsfällen kann zusätzlich apparative Diagnostik eingesetzt werden (5)

In der Richtlinie 1997 heißt es: "Im Zweifelsfall muß innerhalb der Hirntoddiagnostik ein zerebraler Zirkulationsstillstand nachgewiesen werden."
Im Zweifelsfall kann nicht apprarative Diagnostik eingesetzt werden, sie muss eingesetzt werden, so die Richtlinie.

Die American Academy of Neurology hat 2010 der von ihr selbst 1995 vorgeschriebenen Hirntoddiagnostik eine fehlende wissenschaftliche Fundierung bescheinigt: Es gebe weder ausreichende wissenschaftliche Nachweise für die richtige Beobachtungszeit, um die Unumkehrbarkeit des Hirntodes festzustellen, noch für die Zuverlässigkeit der verschiedenen Atemstillstandstests und der verschiedenen apparativen Verfahren. Weitere Forschung sei notwendig. (5f)

Mindach: "Die vorangestellte Schlussfolgerung ist so in der Stellungnahme der American Academy of Neurology nicht enthalten und lässt sich aus ihr auch nicht ableiten." (83)

Ob es sich dabei um Rückenmarksreflexaktivität handelte, wie die Autoren vermuten, oder um Schmerzreaktionen, ist unklar. (6)

Schließlich müsste die Organentnahme so durchgeführt werden, dass dem Patienten mit Sicherheit kein Leid zugefügt wird. Dies impliziert Vollnarkose. (9)

Mindach: "Unklar ist vielmehr, was hier mit 'Schmerzreaktion', die die Autoren nicht in Betracht gezogen hätten, gemeint sein könnte. Die Prüfung auf Abwesenheit von zerebralen motorischen Reaktionen auf Schmerzreize ist Bestandteil des Hirntodprotokolls." (84)

Wie häufig Fehldiagnosen des Todes sind, ist unbekannt; sie werden selbstverständlich nicht in Fachzeitschriften publiziert. (6)

Mindach: "Beiläufig und wie selbstverständlich wird hier eine ausgereifte Verschwörungstheorie präsentiert. - Es ist kein Fall bekannt, in dem eine lege artis durchgeführte klinische Hirntoddiagnostik durch eine Rückkehr von Hirnfunktionen wider- legt worden wäre. Menschen können irren. Wenn ein Lokführer ein Haltesignal überfährt, wird man nicht als Konsequenz aus dem Zugunglück die Signaleinrichtungen abbauen, sondern allenfalls überlegen, ob ihre Effektivität verbessert werden kann." (85)
Siehe: Lebende Hirntote

Patienten mit der Diagnose Hirntod würden entweder Organspender oder ihre künstliche Beatmung würde abgestellt. (7)

Mindach: "Die Vorstellung, der Sterbende würde von organ-explantierenden Haien umschwärmt, hat mit der Realität nichts gemein." (85)

Auch andere Bioethiker wie Seema Shah bezeichnen die Gleichsetzung von Tod und Hirntod als 'legale Fiktion': Es sei unwahrscheinlich, dass die heftige Kontroverse über die Todesbestimmung in der medizinischen und wissenschaftlichen Literatur lange geheim gehalten werden kann. (7f)

Mindach: "Auch das ist eine Verschwörungstheorie". (86)


Durch den Einsatz von Herzlungenmaschinen können das Absterben des Gehirns und das Herzversagen zeitlich auseinanderfallen:[2]


Der Tod als Ansichtssache

Zur einfachen Verdeutlichung, was der Zustand Hirntod bedeutet: Hirntote im Vergleich mit Patienten, bei denen nach Patientenverfügung das Therapieende gewünscht wird.

Fähigkeit Patientenverfügung Hirntod
Kommunikation sich mitteilen können unmöglich unmöglich
Können gehen, sprechen, singen, musizieren, balancieren unmöglich unmöglich
Wahrnehmung sehen, hören, riechen, schmecken, tasten möglich unmöglich
Bewusstsein denken, planen, erfinden, kreativ etwas erschaffen möglich unmöglich
Erinnerung was man erlebt hat (DuL) möglich unmöglich
Wissen was wir gelernt haben (DuL) möglich unmöglich
Gefühle Liebe, Hass, Vertrauen, Angst, Hoffnung, Sorge möglich unmöglich
Eigenatmung atmet selbstständig, wenn auch schwer möglich unmöglich
Hirnstammreflexe Licht-, Lidschluss-, ... Atem-Reflex vorhanden nicht vorhanden
Homöostase Körpertemperatur, Wasserhaushalt gestört sehr gestört
Herzschlag vorhanden vorhanden
Verbesserung des Zustandes? sehr unwahrscheinlich völlig unmöglich
gewünscht Mord?
Das "unmöglich" ist beim Hirntod deswegen dauerhaft, weil die Gehirnzellen im Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm seit Eintritt des Hirntodes so schwer geschädigt sind, dass sie nicht nur nie wieder funktionieren werden (irreversibel). Sie befinden sich in einem so weit fortgeschritten Sterbeprozess, dass dieser unaufhaltsamen geworden ist und der nach Tagen des Hirntodes mit der Auflösung des Gehirns (Autolyse) endet.

Erfahrungen mit Sabine Müller

Dag Moskopp lud Sabine Müller am 10.3.2014 zu einem persönlichen Gespräch ein. Dabei stellte sich heraus, "dass sie gar keine persönliche Anschauung von einem Hirntoten hatte, nie auf einer Intensivstation und auch nie bei einer Hirntodfeststellung anwesend gewesen war (und all dies auf ein persönliches Angebot des Autos hin auch gar nicht wollte). Sie betonte, sie sei vielfach in der Presse mit - aus dem Zusammenhang gerissenen - Aussagen zitiert worden. Im Wesentlichen störe sie aber eben dieser eine Satz: 'Der Hirntod ist der Tod des Menschen' und dagegen habe sie sich Gehör verschaffen wollen."[3]

Umgangssprachlich wird solches Verhalten als beratungsresistent bezeichnet.

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. http://www.bpb.de/apuz/33311/wie-tot-sind-hirntote-alte-frage-neue-antworten?p=all Zugriff am 18.6.2016.
  2. Sabine Müller: Revival der Hirntod-Debatte: Funktionelle Bildgebung für die Hirntod-Diagnostik. In: Ethik Med (2010) 22.5–17. Nach: xyz://www.krankenhausseelsorge-muenchen.de/fileadmin/documents/ethikdok_Revival_der_Hirntod-Debatte.pdf Zugriff am 22.4.2017.
  3. Dag Moskopp: Hirntod. Stuttgart 2015, 52.