Reanimation von Hirntoten

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Auch wenn immer wieder von einer Reanimation von Hirntoten gesprochen und geschrieben wird, so muss nüchtern festgehalten werden, dass es diese nicht gibt. Die Selbstauflösung des Gehirns bei Hirntod macht dies schlichtweg unmöglich.

Darstellung von Dick Swaab

Dick Swaab beschreibt den physiologischen Vorgang beim Absterben des Gehirns wie folgt:

Nach vier bis fünf Minuten ohne Sauerstoff soll es zu einem irreparablen Hirnschaden kommen. Das stimmt auch, aber offenbar sind es nicht die Nervenzellen, die so empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Durch den Sauerstoffmangel schwellen die Zellen der Kapillargefäße so stark an, dass die roten Blutkörperchen die Kapillargefäße im Gehirn auch dann nicht mehr passieren und das Gehirn mit Sauerstoff versorgen können, wenn das Herz nach vier oder fünf Minuten wieder schlägt und die Atmung erneut einsetzt. Außerdem werden in der Phase danach toxische Substanzen freigesetzt, so dass die Hirnzellen schließlich absterben.[1]

Rote Blutkörperchen besitzen einen Durchmesser von 7,5 μm (0,0075 mm). Blutblättchen und weiße Blutkörperchen sind kleiner.[2] Blutkapillare besitzen einen Durchmesser von 5 bis 10 μm. Damit passt gerade ein rotes Blutkörperchen durch die Kapillare. Wenn diese nun anschwellen, blockieren sie die Versorgung der nachfolgenden Nervenzellen.

Dick Swaab schreibt über Gehirnzellen in der Pathologie (Supravitalität):

... wenn wir Obduktionsmaterial von der Niederländischen Hirnbank nicht später als zehn Stunden nach dem Tod des Spenders erhalten, können wir heute Neuronen (Nervenzellen) in dünnen Hirngewebescheiben wochenlang kultivieren. Ronald Verwer hat 2002 als Erster publiziert, dass solche Zellscheibchen noch dazu in der Lage sind, Eiweiße zu produzieren und Stoffe zu transportieren. Sie können auch elektrisch aktiv sein. Gliazellen (Stützzellen) lassen sich sogar noch 18 Stundennach dem Tod aus Hirngewebe züchten.

Das Kultivieren kleiner Scheiben von post mortem untersuchtem Hirngewebe zeigt, dass Hirnzellen einen Sauerstoffmangel von zehn Stunden überstehen können und der Tod des Patienten nicht mit dem Tod seiner Nervenzellen gleichzusetzen ist.[1]

Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 441.
  2. https://www.erythrozyten.net Zugriff am 11.01.2019.