Papez-Kreis

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James W. Papez beschrieb 1937 in einem berühmten Artikel, dass Sinneseindrücke nicht nur auf direktem Weg zum Großhirn gelangen, um dort bewusst verarbeitet zu werden, sondern auch in die Sphären des Unbewussten und der Emotoionen gelangen. Seine Annahme, dass dies zum Zweck der emotionalen Aufladung der empfangenen Sinneseindrücke geschieht, war nicht ganz richtig. "Es hat sich gezeigt, dass die wichtigste Aufgabe des Papez-Kreises die Speicherung aktueller Gedächtnisinhalte ist. Oder anders gesagt: die Überführung von Erlebtem aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis."[1]

Die Speicherung unserer Erlebnisse aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis beschreibt Christof Kessler so: Der aus einer Neuronenkette bestehende Ring (Papez-Kreis) verbindet die Bestandteile des limbischen Systems. Er startet im Hippocampus und zieht sich zu den Mamillarkörpern, zwei kleine, brustwarzenförmige Erhebungen. Sie sind eine Umschaltstation für alles, was ins Langzeitgedächtnis soll. Wie in einem Karussell landet die Erregung des Reizes über eine schleifenförmige Hirnwindung (Gyrus cinguli) wieder im Hippocampus. Der Papez-Kreis wird zusätzlich vom Cortex, aus dem alte Erfahrungen und Gedächtnisinhalte abgerufen werden, gesteuert. Somit werden alle aktuellen Erlebnisse mit alten Erlebnissen ständig gegengecheckt. Ausfälle an dieser Stelle des Papez-Kreises führen zu Störungen des Kurzzeitgedächtnises (Amnesie). Ein klassisches Beispiel ist eine Gehirnerschütterung nach einem Schlag auf den Kopf. Wenn der Schlag heftig genug ist, erlischt die Erinnerung an den Unfall und die unmittelbare Zeit davor (retrograde Amnesie). Die Dauer der Amnesie hängt von der Kraft der Gewalteinwirkung ab. Sie kann Sekunden aber auch längere Zeiträume betreffen. Bei längeren Zeiträumen wird es Schädel-Hirn-Trauma genannt.[2]



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 69.
  2. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 69-71.