Nele Neuhaus

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Die Lebenden und die Toten

Allgemeine Basisinformationen:

  • Seit 1997 besitzt Deutschland ein Transplantationsgesetz (TPG).
  • Seit 1997 besitzt Deutschland die 3. Fortschreibung der "Richtlinien zur Feststellung des Hirntods" durch die BÄK[Anm. 1]
  • Die Handlung des Romans erfolgte ab 2002 und somit 5 Jahre seit Einführung des TPG[Anm. 2]

Korrekturen zum Kriminalroman "Die Lebenden und die Toten" von Nele Neuhaus:

Seite Zitat aus dem Buch Richtigstellung
168 Meine Frau hat Organtransplantation aus verschiedenen Gründen abgelehnt, sie hatte sogar eine Patientenverfügung, was damals noch ungewöhnlich war. Die Ärzte hätten warten müssen, bis ich zurück war, doch sie hatten es sehr eilig. So eilig, dass man nicht die vorgeschriebene Zeit zwischen den beiden Hirntoduntersuchungen eingehalten hatte. Im Protokoll der Klinik waren die Zeiten gefälscht worden. Außerdem hatten sie mehr Organe entnommen als vorher angegeben. Nicht nur das Herz und die Nieren, sondern jedes Organ wurde entnommen, sogar die Augen, Knochen, Haut und Gewebe. Aus diesem Grund habe ich später einen Rechtsstreit gegen die Klinik geführt. Nach Angabe des Romans auf Seite 167 soll sich das im September 2002 ereignet haben. Das war 5 Jahre nach Einführung des TPG im Jahre 1997.

Es ist daher unvorstellbar, dass Jahre nach Einführung des TPG in dieser Weise gegen das Recht verstoßen wurde: Wenn nur Herz und Nieren freigegeben wurde, dann haben alle anderen Organe im Körper zu verbleiben.
Bei Zustimmung zur Organspende ist Gewebespende automatisch mit eingeschlossen. Dabei hat nach § 9 TPG die Organspende Vorrang gegenüber der Gewebespende.
Derzeit transplantierbare Organe sind: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Dünndarm.
Gewebespende sind: Hornhaut des Auges (nicht das ganze Auge), Knochen, Haut und anderes Gewebe wie z.B. Venen.

168f Er war der festen Überzeugung, man habe ihn überrumpelt und betrogen, denn er hatte nie eine Einwilligung zur Explantation unterschrieben, lediglich eine Vollmacht zur Behandlung seiner Tochter. Auf Seite 168 heißt es hingegen: "Meinen Schwiegereltern ging es kaum besser. Unter dem starken Druck der Ärzte hatten sie einer Organentnahme bei ihrer hirntoten Tochter zugestimmt." Hier stimmt etwas nicht zusammen: Entweder oder!
198 Eine Frau wurde eingeliefert, nach einer Hirnblutung und mehreren Stunden ohne Sauerstoffversorgung war sie hirntot. Jede Hilfe kam zu spät. Die Angehörigen gestatteten die Organentnahme, die notwendigen Untersuchungen fanden statt, die Parameter wurden an Eurotransplant gemeldet, und man informierte von dort aus die Patienten, die auf Organe warteten und deren Werte passten. Die hirntote Frau wurde in der Nacht explantiert. Bei "mehreren Stunden ohne Sauerstoffversorgung" ist man nicht hirntot, sondern tot. Es setzt dann bereits die Totenstarre ein. Totenflecke sind dann sichtbar.[Anm. 3]

Wenn die Frau in den frühen Morgenstunden eingeliefert wurde, versuchten die Ärzte zunächst mal ihr Leben zu retten und ihre Gesundheit wieder herzustellen. Um bei bereits vorliegendem Hirntod (von dem noch niemand was weiß) festzustellen, dass hier nichts zu machen ist,[Anm. 4] vergehen etliche Stunden bis ein ganzer Tag. Dann erst wird mit der Hirntoddiagnostik begonnen. Bei primärer Hirnschädigung müssen zwischen 1. und 2. klinischer Diagnostik mind. 12 Stunden liegen, bei sekundärer Hirnschädigung mind. 72 Stunden. - Wenn mit der Angabe "mehreren Stunden ohne Sauerstoffversorgung" ein Ertrinken angenommen werden muss, ist dies eine sekundäre Hirnschädigung. Damit müssen mind. 72 Stunden (= 3 Tage) zwischen 1. und 2. klinischer Diagnostik vergehen.
Selbst bei primärer Hirnschädigung ist eine Organentnahme in der darauffolgenden Nacht faktisch nahezu unmöglich, da die Zeit der Organvermittlung weitere Stunden in Anspruch nimmt.[Anm. 5]
Fazit: Diese Darstellung des zeitlichen Rahmens ist bei allem Wohlwollen völlig an der Realität vorbei.

254 Im Krankenhaus teilte man uns mit, Kirsten haben eine Hirnblutung erlitten und sei zu lange ohne ausreichende Sauerstoffversorgung gewesen. Durch eine massive, zum Hirntod führende Hirnblutung wird das Gehirn nicht "zu lange ohne ausreichenden" Sauerstoff versorgt, sondern nie wieder mit ausreichendem Sauerstoff versorgt.[Anm. 6]
255 Man sagte uns klipp und klar, bei Kirsten seien durch die Blutung große Teile des Hirnstamms und des Großhirns irreparabel geschädigt, und begann uns zu bedrängen. Wir sollten die Entscheidung treffen und Kerstins Organs zur Spende freigeben. Es ... es erschien uns wie Mord, sie aufschneiden und ihre Organe herausnehmen zu lassen, denn sie ... sie wirkte so lebendig. Kenner der Materie erkennen hierin Worte von Renate Greinert. - Wenn Organspende Mord ist, dann ist es auch das Abschalten der künstlichen Beatmung nach Feststellung des Todes. Dies erfolgt jahrlich bei rund 4.000 der 5.000 Hirntoten in Deutschland. Nur bei rund 1.000 erfolgt die Organentnahme. - Außerdem wäre jedes Verfahren nach Patientenverfügung auch Mord.[Anm. 7]
255 Wir baten, auf Dirk zu warten, aber die Ärzte drängten immer mehr. Sie setzten uns moralisch unter Druck, erzählten uns von Patienten, denen geholfen werden könnte. Sie scheuten vor nichts zurück.[Anm. 8] Der Hinweis[Anm. 9] im gleichen Absatz macht deutlich, dass der Hirntod bereits festgestellt wurde. Damit zahlt die Krankenkasse keine Weiterbehandlung, da für einen Toten jede Behandlung unnötig ist. Daher kann durchaus bei den Hinterbliebenen der Eindruck entstehen, dass gedrängt wird. - Den Ärzten geht es um den Erhalt der Organe, damit anderes Menschenleben gerettet werden kann, wenn dieses Menschenleben in den Hirntod verstorben ist.
256 Noch in der Nacht hatten sie unserem Kind alles entnommen, was möglich war, sogar ... sogar die Augen und Knochen! Sie war regelrecht ausgeweidet worden. Auch hier schimmern die Worte von Renate Greinert durch, deren 15-jähriger Sohn Christian 1985 nach einem Verkehrsunfall in den Hirntod starb und dieses erlebte.[1]
265 Man hatte ihr die leeren Augenhöhlen zugeklebt ... Und sie sah aus, als hätte sie furchtbare Schmerzen erlitten. Wir hätten uns für sie einen friedvollen Tod gewünscht, ein Einschlafen im Kreis der Familie nach dem Abschalten der lebenserhaltenden Maßnahmen, aber das war ihr nicht vergönnt gewesen." Hier Worte von Renate Focke. Ihr 28-jähriger Sohn Arnd durch einen Verkehrsunfall in den Hirntod starb.[2] - In § 6 Abs. 2 TPG steht: "Der Leichnam des Organ- oder Gewebespenders muss in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben werden. Zuvor ist dem nächsten Angehörigen Gelegenheit zu geben, den Leichnam zu sehen."
257 Mitzuerleben, wie der geliebte Mensch von den Ärzten plötzlich nicht mehr als Mensch, als Sterbender betrachtet wird, sondern nur noch als ... als Material, als ein Ersatzteillager, das ist das Schlimmste, was man erleben kann. Auch hier schimmern die Worte von Renate Greinert durch: "Der Mensch ist kein Ersatzteillager"[3]
267 Sie landete auf der Webseite von HAMO, das ist die Abkürzung für Hilfe für Angehörige von Mordopfer der Organmafia war. ...

HAMO war 1998 von mehreren Leuten gegründet worden, die ihre Kinder im Schock und unter Druck zur Organspende freigegeben und erst später realisiert hatten, dass diese von den Ärzten zwar für hirntot erklärt worden, aber keine Toten, sondern Sterbende waren.

Dies ist eine deutliche Parallele zu KAO: xyzp://www.initiative-kao.de, der Internetseite "Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.". Sie stellen sich vor als: "Wir sind eine Initiative von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien."[4] - Der Hirntod wird von Ärzten immer festgestellt. (siehe: Todeserklärung)
270 Möglicherweise hat er jemanden bestochen, damit sein Sohn schneller ein neues Herz bekommt. ... Gerade tobt dort mal wieder ein fetter Skandal, weil an den Kliniken gemauschelt wurde und Patienten, die eigentlich gar keine neue Leber hätten bekommen dürfen, trotzdem eine bekamen. So wird es dem Arzt von Regensburg und Göttingen unterstellt. In den Gerichtsverhandlungen konnte kein Geldfluss von einem dieser begünstigten Patienten zu diesem Arzt nachgewiesen werden, auch keine Bevorteilung von Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten.

Siehe: Skandale

273 "... die von der Deutschen Stiftung Organspende streng überwacht wurden, ..." - Dieser Fehler zieht sich durch das ganze Buch, so auf den Seiten 283, Die DSO heißt korrekt "Deutsche Stiftung Organtransplantation". - Zumindest den Namen der entsprechenden Organisationen sollte man korrekt kennen, wenn man so einen Krimi schreibt.
282 Der Patient, bis dahin noch gepflegt und intensivmedizinisch betreut, verwandelt sich von einem Moment zum anderen in ein Ersatzteillager. Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Teile des Darms, der Knochen, des Gewebes, die Augen - alles wird gebraucht. Und es muss schnell gehen. Bei einer Multiorganexplantation kommen Ärzteteams aus ganz Deutschland und fallen über den Körper her. Organentnahmen finden immer nachts statt, da stören sie den Klinikablauf nicht. Der Patient kommt herein, wird aufgeschnitten, Eiswasser wird in die Körperöffnung gekippt, um die Organe zu kühlen, dann wird er ausgeblutet. Es herrscht totale Hektik, Leute laufen laut telefonierend im OP herum. Man steht knöcheltief im Blut. Für alle Fälle ist ein Anästhesist dabei, denn Hirntote reagieren noch - ihr Blutdruck steigt, sie zucken, sie schwitzen, wie lebendige Menschen im Schlaf. Was sind die Organspender, Patienten (am Anfang des Zitats) oder Hirntote (am Ende des Zitats)? - Organspender sind Hirntote. Hirntote können wie beschrieben reagieren, da ihr Rückenmark noch funktioniert.

Bei Organentnahmen ist immer ein Anästhesist mit dabei. Seine Aufgabe ist nicht nur, dass die Muskeln des Organspenders schlaff sind, sondern dass sein Blutkreislauf bis zur Organentnahme funktioniert.
Wenn der OP-Raum eine Grundfläche von 10 m2 hat (z.B. 3,0 x 3,3 m, das ist ein sehr kleiner OP-Raum) und dieser Raum mit nur 1 cm Blut gefüllt werden soll ("knöcheltief im Blut"), werden 100 Liter benötigt. Der Mensch hat aber im Durchschnitt nur 7 Liter Blut. Woher kommen die übrigen 93 Liter her?
Organentnahmen erfolgen meistens nachts, aber auch am Tage.

282 Alle waren plötzlich weg, ich stand allein da mit dieser leeren Hülle des Menschen, der eine Stunde vorher noch geatmet hatte. "... der eine Stunde vorher noch beatmet wurde" wäre korrekt, denn ein Kennzeichen von Hirntoten ist, dass die Eigenatmung erloschen ist.
283 ..., und ich bin durch die Klinik gelaufen, um jemanden zu finden, der die ausgeblutete, kalte Leiche wenigstens noch zunäht. In § 6 TPG heißt es: "Der Leichnam des Organ- oder Gewebespenders muss in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben werden. Zuvor ist dem nächsten Angehörigen Gelegenheit zu geben, den Leichnam zu sehen." Es gehört somit seit 1997 zum Pflichtprogramm jeder Entnahmeklinik, dass der Organspender wieder zugenäht wird.
284 Erst wenn dabei zweimal festgestellt wird, dass irreversible Hirnschäden vorliegen und der Patient nicht mehr selbständig atmen kann, wird er endgültig für hirntot erklärt. Die §§ 3, 9 und 16 des TPG besagen klar, dass keine "irreversible Hirnschäden vorliegen" müssen, sondern dass "der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms" vorliegen muss, das ist ein Tottalschaden des Gehirns, nicht nur ein Schaden.[Anm. 10]

Niemand wird für Hirntod erklärt (siehe: Todeserklärung). Der Hirntod wird immer festgestellt.

285 Das Anästhesieprotokoll löste sich in Luft auf. Angeblich hatte es keins gegeben, weil es offiziell keine Anästhesie gibt, schließlich gilt ein hirntoter Patient als tot. Auch wenn ein Hirntoter ein Toter ist, so ist bei jeder Organentnahme ein Anästhesist mit dabei; nicht wegen angeblichen Schmerzen, sondern um die Muskeln völlig zu entspannen und den Blutkreislauf (Puls und Blutdruck) zu überwachen.
285 Ich beschloss, mich für diese Menschen zu engagieren. ... Nein, nicht per se gegen Organspende ... Sondern gegen die Vorgänge in den Kliniken. Gegen dieses moralische Unter-Druck-Setzen von Angehörigen, die überfordert sind mit dieser Entscheidung ... Aus genau diesem Grunde wurde im Herbst 2012 die Erklärungsregelung eingeführt. Jeder Bürger soll sich erklären, ob er im Falle seines Hirntods als Organspender zur Verfügung steht, um die Hinterbliebenen in dieser schwierigen Situation nicht zu belasten.[5]
335 Transplantationsärzte sind die reinsten Geier. Wenn die irgendwo die Möglichkeit wittern, an ein Organ zu kommen, dann ist denen nichts mehr heilig. Und was geschieht, wenn Organe entnommen werden, ist nichts anderes als Mord. Georg Meinecke schreibt in seinem 2013 erschienen Buch "ORGANTRANSPLANTATION GOTTES oder SATANS WERK. Die Wahrheit. Was Christen wissen sollten" auf Seite 46 von einer "Initiative gegen Mordärzte".[Anm. 11] Auch andere Kritiker bezeichnen Organspende als Mord, so Norbert Knobloch in seinem am 28.9.2013 veröffentlichte Artikel "Organ-Entnahme ist Mord".[6] Siehe auch: Patientenverfügung und Organspende
335f Es war vor fünfzehn Jahren. Mein Sohn verunglückte mit seinem Fahrrad. Im Krankenhaus wurde der Hirntod festgestellt. ... Sie haben mich massiv unter Druck gesetzt, damit ich zustimme, dass die Organe meines Sohnes entnommen werden. ... Ich wollte das nicht. Benni sah für mich nicht tot aus, ich wollte nicht wahrhaben, dass er nicht mehr aufwacht. Aber sie haben mich nach allen Regeln der Kunst weichgekocht. Der Tod von Benni sei schrecklich, sagten sie, doch es sei leider absolut nichts mehr zu machen. Er könne mit seinen Organen aber anderen kranken Menschen helfen. Ich wollte darüber nachdenken, das in Ruhe mit meiner Frau besprechen, aber sie drängten und drängten. Lange könnten sie Benni nicht mehr stabil halten, und es wäre Eile geboten. Irgendwann konnte ich nicht mehr, ich war mit den Nerven am Ende und habe eingewilligt. Und das bereue ich bis heute. ... Ich konnte mein Kind nicht beim Sterben begleiten. ... Mein Kind ist würdelos gestorben, auf einem Operationstisch. Mit fünfzehn Jahren." Bei Renate Greinert liest es sich bei ihrem 1985 in den Hirntod verstorbenen Sohn Christian sehr ähnlich: "Ich bin Renate Greinert und das ist mein Sohn Christian im Alter von 15 Jahren, kurz vor seinem Tod. Er verunglückte auf dem Schulweg so schwer, dass er schon an der Unfallstelle versuchte zu sterben. Sein Herzschlag setzte aus, der Notarzt belebte ihn wieder mit Elektroschocks. ... Die ganze Zeit war die Sorge der Mediziner, dass er doch noch vor der Organentnahme verstarb. Der Arzt drängte, da säßen andere Mütter genauso verzweifelt wie wir an den Betten ihrer Kinder, aber wir könnten helfen! Ich wollte überhaupt keinen Tod, weder den meines Kindes, noch den von anderen Kindern. Ich war nicht fähig zu antworten. Mein Mann gab schließlich den Ausschlag: Wenn man helfen könnte... 'Was würden sie nehmen?' fragten wir. 'Entweder Herz oder Leber oder Nieren, eventuell Knorpelmasse' Ich konnte nicht mehr in Zusammenhängen denken, habe nicht mehr realisiert, dass Organe nur in einer Operation entnommen werden können. ... Wir begleiten Sterbende nicht mehr auf der letzten Strecke ihres Lebens."[7] Christian war mit seinem Fahrrad verunglückt.[8]
370 Mein Informant wird nicht als Zeuge aussagen und bestreiten, dass er jemals mit mir über dieses Thema gesprochen hat ... aber er beschwört, dass man damals die Patientin hat sterben lassen, obwohl man ihr noch hätte helfen können. Und er wusste auch, dass die Familie der Frau eine erhebliche Summe Geld erhalten hat. Hier wird unterstellt, dass in Deutschland gegen Geld Patienten sterben gelassen werden, um ihnen die Organe entnehmen zu können. Dies geht aus verschiedenen Gründen gar nicht.[9] - Selbst bei der Manipulation der Patientenliste konnte kein Geldfluss von auch nur einem der Patienten zum Arzt nachgewiesen werden. (Siehe: Skandale) Da wird man es erst recht nicht bei einem derartig unterstelltem Mord erwarten.
425 Der war damals der Oberarzt von der Transplantationschirurgie und ganz verrückt, wie ein Geier. Der hat mich richtig zur Sau gemacht, weil die Angehörigen der Patientin die Einwilligungserklärung nicht unterschreiben wollten. Ich legte denen dann ein Formular vor und behauptete, das sei nur die Krankenhauseinweisung. Dies ist aus drei Gründen reine Fiktion:
  • Transplantationen werden in großen Kliniken durchgeführt, meist in Uni-Kliniken. Transplantationschirurgen besuchen die Patienten, die auf ein Organ warten oder bereits transplantiert wurden. Diese Patienten liegen nicht auf der Neurochirurgischen Intensivstation. Daher kommt ein Transplantatioschirurg gar nicht mit Hirntoten zusammen. Würde er dort auftauchen, würde man ihn freundlich, aber bestimmt bitten, diese Intensivstation zu verlassen, weil er hier nichts zu suchen hat.
  • Das TPG legt seit 1997 großen Wert darauf, dass Feststellung des Hirntods, Zuweisung der Organe und Organtransplantation in drei völlig verschiedenen Zuständigkeiten liegt, damit eben nicht das vorkommen kann, was hier für das Jahr 2002 unterstellt wird.
  • Ein Papier unter falschem Vorwand zur Unterschrift vorzulegen ist erfüllt den Tatbestand der arglistigen Täuschung und ist nach [xyz://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__123.html § 123 BGB] ein Anfechtungsgrund und eine Straftat.
436 Sie haben das Leben von Frau Stadler verkürzt, indem Sie sie vorzeitig für hirntot erklärt haben. Die HTD ist "jeweils durch zwei dafür qualifizierte Ärzte zu treffen, die den Organ- oder Gewebespender unabhängig voneinander untersucht haben. ... Die an den Untersuchungen ... beteiligten Ärzte dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe oder Gewebe des Spenders beteiligt sein. Sie dürfen auch nicht Weisungen eines Arztes unterstehen, der an diesen Maßnahmen beteiligt ist." So steht es in § 3 TPG.
Ein Arzt allein darf keine HTD durchführen. Es müssen zwei gleichberechtigte, dafür qualifizierte Ärzte sein. - Der Hirntod wird von Ärzten immer festgestellt. Nur von einigen Kritikern und einigen Journalisten werden Patienten für hirntot erklärt. (siehe: Todeserklärung)
492 Zu einer Hirntoddiagnostik gehört unter anderem der sogenannte Apnoe-Test, bei dem der Patient auf eigenständige Atmungsfähigkeit getestet wird. Er wird vom Respirator getrennt, und wenn er nicht innerhalb von fünf Minuten selbständig atmet, gilt dies als eines der Indizien für den Hirntod. In der "Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes" (1997) steht zum Apnoe-Test: "Der Apnoe-Test ist für die Feststellung des Hirntodes obligatorisch. ... Ein zentraler Atemstillstand liegt vor, wenn bei bisher gesunden Menschen bei einem pa CO2 ≥ 60 mmHg keine Eigenatmung einsetzt." Da ist keine Rede von 5 Minuten. - Diese Regelung gilt in D/A/CH#Vergleich der HTD.

"Schon aus religiösen Gründen", war der Vater gegen eine Organentnahme.[10] "Als Christin lehne ich die Organspende ab", liest der Ehemann aus den Papieren seiner Frau vor. In den Papieren steht: "Als Christin lehne ich die Organspende ab, da sie den Eintritt des Todes vor den von Gott gegebenen Zeitpunkt beschleunigt."[11]

Die offiziellen [christlichen Aussagen] betonen über die Jahre hinweg bis in die Gegenwart, dass Organspende ein "Akt der Nächstenliebe" ist. Mit dieser Aussage im Krimi wird dies verleugnet und ins Gegenteil gekehrt.

Fazit:
Nele Neuhaus hat sich höchst unzureichend mit den medizinischen Fakten um Hirntod und den Ablauf der Organtransplantation beschäftigt bzw. sich dabei offensichtlich einseitig von den Kritikern der Organspende beraten lassen. Die Folge ist, dass die Leserschaft dieses Romans ein Zerrbild zum Thema Hirntod und Organtransplantation erhalten. Daher kann dieser Roman nicht empfohlen werden.

Nele Neuhaus scheint sich bei der Recherche zu diesem Roman nur von den Gruppe [xyz://www.initiative-kao.de KAO] informiert zu haben. Zu zahlreich und zu groß stimmt der Inhalte mit den Schriften von KAO überein, z.B. bis hinein in den Wortlaut. Es entsteht damit der Eindruck, dass Nele Neuhaus der Gruppe KAO sehr nahe steht.

Anhang

Anmerkungen

  1. 1997 erfolgte die 3. Fortschreibung der "Richtlinie zur Feststellung des Hirntodes", 1991 erfolgte die 2. Fortschreibung, 1982 wurde erstmals von der BÄK die "Kriterien des Hirntodes" von der BÄK herausgegeben.
  2. An einigen Stellen des Romans gewinnt man den Eindruck, als hätte Nele Neuhaus ausschließlich bei Hinterbliebenen von Organspendern - insbesondere bei Mitgliedern von KAO - recherchiert. Die beschriebenen Darstellungen sind mitunter bis in die Wortwahl hinein identisch mit den Formulierungen der Mitglieder von KAO. Den Vorstandsmitgliedern der letzten Jahre starben die Kinder zwischen 1985 und 1997 in den Hirntod. In dieser Zeit ist so manches geschehen, was seit Verabschiedung des TPG im Jahre 1997 so nicht mehr möglich sein sollte, denn in § 6 TPG heißt es: "Der Leichnam des Organ- oder Gewebespenders muss in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben werden. Zuvor ist dem nächsten Angehörigen Gelegenheit zu geben, den Leichnam zu sehen."
  3. 10 Sekunden ohne Sauerstoff im Gehirn wird man ohnmächtig. 30 Sekunden ohne Sauerstoff im Gehirn ist kein EEG ableitbar. Über 10 Minuten ohne Sauerstoff im Gehirn droht der Hirntod. Das sind medizinische Fakten.
    Leider ist an dieser Stelle nicht näher bezeichnet, wie diese "ohne Sauerstoffversorgung" zustande kam. Angenommen, es wäre der für die Frau günstigste Situation. Dies wäre das Ertrinken, die hier angegebenen Zeiten gelten für ca. 20°C Wassertemperatur: Als geübte Taucherin hätte sie den Atem noch 20 Minuten anhalten können. Dann wäre das Ertrinken erfolgt. Das Herz hätte dann noch höchstens 5 Minuten geschlagen. Damit wäre nach spätesten 25 Minuten das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt worden. Nach insgesamt 35 Minuten hätte der Hirntod gedroht. Nach insgesamt 40 Minuten wäre das Gehirn so schwer geschädigt gewesen, dass trotz sofortiger Reanimation und Hypothermie nur noch der Hirntod festgestellt werden könnte. Nach insgesamt 60 Minuten wäre die Frau nicht mehr reanimierbar gewesen. Nach insgesamt 2 Stunden hätten sich bereits erste Anzeichen von Totenflecken und Totenstarre abgezeichnet. Damit ist der früheste Zeitpunkt von "mehrere Stunden ohne Sauerstoffversorgung" erreicht. - Hier zeigt sich die sachliche Inkompetenz der Autorin zum Sterbeprozess.
  4. Es müssen erst mal entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden, um zu wissen, was denn Sache ist. Meist werden Patienten eingeliefert mit den Angaben, unter denen sie aufgefunden wurde, in dem hier angenommenen Beispiel als Ertrunkene. Wie lange sie bereits im Wasser lag, vermag man oft nicht sagen. Erst wenn die Ärzte erkennen, der Patient reagiert nicht wie erwartet und er hat Anzeichen, die auf Hirntod hindeuten, beginnt man mit der Hirntoddiagnostik.
  5. Im Jahresbericht 2012 der DSO sind auf Seite 19 die Zeiten zwischen Feststellung des Hirntods (= Abschluss der 2. klinischen Diagnostik) und dem Beginn der Organentnahme angegeben: 2,7% kleiner 7 Stunden, 24,8% benötigten 7 bis 12 Stunden, 42,6% benötigten 12 bis 18 Stunden, 15,4% benötigten 18 bis 24 Stunden, 14,5% benötigten mehr als 24 Stunden.
  6. Die massive Hirnblutung lässt den Hirndruck auf den sytolischen Wert (oberer Wert des Blutdrucks) ansteigen. Dadurch gibt es keinen Druckunterschied, der das Blut durch das Gehirn pumpen könnte. Die Gehirnzellen sterben ab.
  7. Patientenverfügungen (PV) werden meist erstellt, damit die Ärzte nicht durch (intensiv-)medizinische Maßnahmen unnötig einen Sterbeprozess hinauszögern. Manchmal ist auch die Beendigung der Therapie bei zu erwartetem (schweren) Pflegefall gewünscht. Dies alles ist - im Vergleich zu einem Hirntoten - weitaus mehr "Leben", mitunter sogar mit Bewusstsein, was damit beendet wird. - Warum soll dann es beim Hirntod Mordsein und bei der PV nicht?
  8. Auch hier scheinen Worte von Renate Greinert durch.
  9. "Die intensivmedizinischen Maßnahmen zielten nur noch darauf ab, ihre Organe funktionsfähig zu erhalten." Damit ist klar, dass der Hirntod bereits mit der 2. klinischen Diagnostik festgestellt wurde. Nach Feststellung des Hirntods erfolgt das Abschalten der künstlichen Beatmung (dies führt binnen weniger Minuten zum Herzstillstand) oder zur etwa 16 Stunden später erfolgende Organentnahme.
  10. Es gibt viele Patienten mit irreversiblen Hirnschäden, die nicht selbständig atmen, die jedoch nicht hirntot sind. Die verbringen den Rest ihres Lebens in Pflegeeinrichtungen mit Beatmungsplatz, meist ohne Möglichkeit der Kommunikation.
  11. Wörtlich: "Die Strafanzeige der 'Initiative gegen Mordärzte' vom 18. Mai 2012 wegen Mordes und Bildung einer kriminellen Vereinigung bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin, der ich mich in der Sache – nicht in allen Formulierungen – angeschlossen hatte, hatte bekanntlich zur Einstellung des Verfahrens geführt mit der Begründung, dass die Politik den Gehirntod als Tod anerkannt habe und ein Toter nicht mehr getötet werden könne."

Einzelnachweise

  1. Renate Greinert: Unversehrt sterben!. Darin heißt es: "Aber das erkannte ich erst, als ich meinen Sohn dort tot und ausgeweidet liegen sah. Wir hatten nicht ein Organ gespendet, nein, wir hatten Christian geopfert."
  2. Renate Focke: Operation Explantation: ein unbarmherziger Tod. In: KAO (Hg.): Organspende - die verschwiegene Seite (Quelle: xyz://www.initiative-kao.de/kao-organspende-die-verschwiegene-seite-2011.pdf Zugriff am 27.12.2014.): "Ich sehe ihn wieder vor mir, aufgebahrt im Sarg, sein Mund klein und verkrampft. Er hatte keinen friedvollen, gelösten oder ernsten Gesichtsausdruck wie andere Tote, die ich gesehen habe, sondern sah aus, als wäre er unter Schmerzen gestorben." Dies ist subjektives Empfinden. Objektiv kann kein Hirntoter in D/A/CH Schmerzen empfinden. Hinzu kommt, dass bei jeder HTD der Trigeminus-Nerv gereizt wird. Damit wird ein größtmöglicher Schmerzreiz ausgelöst, bei dem Hirntote keine Regung zeigen. Zeigt sich hierbei auch nur ein leichtes Zucken, ist damit Hirntod widerlegt. Warum sollen dann Organspender bei der Organentnahme ein schmerzverzerrtes Gesicht haben? Siehe: Schmerzwahrnehmung.
  3. xyz://www.initiative-kao.de/renate-greinert-buchvorschau.pdf
    • xyz://www.initiative-kao.de/bericht-r-greinert--naechstenliebe-kannibalismus.html Zugriff 27.12.2014.
  4. xyz://www.initiative-kao.de/kao-ueber-uns.html Zugriff am 27.12.2014.
  5. Es gibt 4 hauptsächliche Todesursachen, die zum Hirntod führen. Zusammen sind sie über 98%. Diese alle ereignen sich ohne Vorwarnung aus dem heiteren Himmel und machen den Menschen binnen Sekunden völlig handlungsunfähig. Diese Menschen werden somit mitten aus dem aktiven Leben gerissen. Dass sie nun hirntot sein sollen, ist für die Hinterbliebene schwer zu begreifen, zumal bis zur Feststellung des Hirntods alles getan wird, um das Leben zu retten und die Gesundheit wieder herzustellen. - Die Hoffnung beginnt zu bröckeln, wenn mit der HTD begonnen wurde und diese gut an die Hinterbliebenen kommuniziert wurde. Doch auch wenn man es ihnen in aller Deutlichkeit sagt, so gibt es Hinterbliebene, die noch weiter hoffen. Sie blenden diese schreckliche Nachricht einfach aus.
    In meiner 15-jährigen Tätigkeit habe ich einmal erlebt, wie die Ehefrau auf der Intensivstation mit dabei war, als das Herz aufhörte zu schlagen. Der Arzt erklärte es ihr anhand des Monitors und sagte, dass ihr Mann nun tot sei. Er, der Arzt, schalte daher nun die künstliche Beatmung aus. Der Tote lag nun völlig bewegungslos da. Über 10 Minuten fragte die Ehefrau mich immer wieder, ob ihr Mann nun wirklich tot sei.
  6. xyz://www.mmnews.de/index.php/i-news/15126-organ-entnahme-ist-mord Zugriff am 29.12.2014.
    • xyz://www.lokalkompass.de/moers/politik/organspende-ist-mord-d215495.html
    • xyz://groups.google.com/d/topic/de.sci.medizin.misc/FrBKD6lYwok
    • xyz://www.youtube.com/all_comments?lc=2tDwAnhfBY5Iahl-Ed359AULR_e68Ypi1QgTCpXTEX0&v=Qo7fOf6CILQ
    • xyz://de.alt.dummschwatz.narkive.com/94FIPWCX/organspende-ist-mord
    • xyz://www.expertenaustausch.com/gesundheitsminister-groehewirbt-um-organspender-kannibalismusopfer-t1226913
    • xyz://weltverschwoerungen.wordpress.com/tag/leiche-container
    • xyz://peoplecheck.de/s/manfred+blobner
    • xyz://www.yasni.de/gerd+hell/person+information
    • xyz://de.meinungsrun.de/index.php/mv/msg/615925/4418532
    • xyz://versicherung-angebote-vergleichen.de/organspende-einfach-erklaert-by-explainity
  7. xyz://www.transplantation-information.de/hirntod_transplantation/hirntod_kritik_dateien/kirche_organspende_kritik/renate_greinert_kao_kirchentag_2005.htm Zugriff am 29.12.2014.
  8. xyz://www.randomhouse.de/ebook/Unversehrt-sterben/Renate-Greinert/e338622.rhd?mid=8 Zugriff am 29.12.2014.
  9. Die Gründe, die dagegen sprechen sind:
    • Der Organspender muss hirntot sein. Man kann aber durch einfache Untätigkeit keinen Patienten gezielt in den Hirntod sterben lassen.
    • Auf der Intensivstation arbeiten täglich drei Schichten - Ärzte und Pflegepersonal. Untätigkeit würde bei den Pflegekräften auffallen.
    • Der Hirntod ist ein Sonderfall des Todes, auch wenn man durch Untätigkeit "nachhelfen" will. Man müsste bei vielen Patienten untätig sein, um dann mit viel Glück einen Hirntoten zu haben. Daran hat niemand Interesse.
  10. https://www.zdf.de/filme/taunuskrimi/die-lebenden-und-die-toten-1---ein-taunuskrimi-100.html 59:22 Zugriff am 4.1.2017.
  11. https://www.zdf.de/filme/taunuskrimi/die-lebenden-und-die-toten-1---ein-taunuskrimi-100.html 1:09:54 Zugriff am 4.1.2017.