Konrad Lehmann

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Schriften

Konrad Lehmann: Ich verdaue, also bin ich (2016)

Am 12.01.2016 veröffentlichte Konrad Lehmann den Artikel "Ich verdaue, also bin ich".[1] Darin heißt es:

Ich verdaue, also bin ich

Dies ist eine Anspielung auf René Descartes "cogito ergo sum" (Ich denke, also bin ich). - Der Autor ist somit erst tot, wenn seine Verdauung nicht mehr funktioniert. Dies ist etwa 24 Stunden nach dem letzten Herzschlag.

Trotzdem verbreitete sich in den letzten Jahrzehnten eine Sicht, die als "Gehirn-Körper-Dualismus" kritisiert worden ist und die schlicht konstatiert: Ich bin mein Gehirn.

Ohne Gehirn ist es per Definition kein Mensch.

Ich nehme meinen ganzen Körper als "Ich" wahr, und meine Körpergröße, Leistungsfähigkeit und Sexualität bestimmen mein Selbstbild mit. Das Gehirn mag das alles bündeln und verarbeiten - aber mit einem anderen Körper würde es andere Daten verarbeiten, und ich wäre ein anderer.
Das Gehirn ist keine vom Körper unabhängige Denkzentrale, die in einem Nährmedium genauso gut funktionieren würde. Vielmehr beeinflussen zahlreiche körperliche Vorgänge maßgebliche Funktionen des Gehirns, wie Entscheidungsfindung, geistige Gesundheit und Temperament.

Wir wären mit einem anderen Körper ein anderer Mensch, aber die zentrale Verarbeitung und Speicherung der Daten erfolgt ausschließlich im Gehirn. Ohne Gehirn sind nur ein Körper mit intermediären Leben.

Die sichtbaren Symptome der Parkinsonerkrankung entstehen zwar durch den massiven Verlust Dopamin-ausschüttender Zellen in der Substantia nigra. Dies ist aber, wie der Neurologe Heiko Braak schon vor Jahren beschrieb, nur der Endpunkt einer langen Kaskade von Schädigungen, die ganz woanders im Nervensystem beginnen. Zum Beispiel im Bauchnervensystem, von wo schädliche Proteine wie α-Synuclein von Neuron zu Neuron bis ins Gehirn weitergegeben werden können. Ob einen weiteren Schritt davor die Darmbakterien daran beteiligt sind, die Erzeugung von α-Synuclein anzuregen - das ist bislang noch Spekulation.
Aber die Forscher gingen noch einen Schritt weiter. Zum Vergleich zogen sie einen zweiten Albinostamm heran - NIH Swiss-Mäuse -, der mutiger ist als BALB/c. Keimfrei aufgezogenen Tiere beider Stämme wurden Kotproben vom selben oder vom jeweils anderen Stamm in den Darm verabreicht. Und ihr Verhalten kehrte sich um: NIH Swiss-Mäuse mit BALB/c-Mikrobiom wurden ängstlich, BALB/c-Mäuse mit NIH Swiss-Mikrobiom wurden mutig. In beiden Teilstudien war zudem der Gehalt des Wachstumsfaktors BDNF im Hippokampus, wo er anxiolytisch wirkt, bei den mutig gewordenen Mäusen erhöht.


Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Konrad Lehmann: Ich verdaue, also bin ich. Nach: https://www.heise.de/tp/features/Ich-verdaue-also-bin-ich-3377545.html Zugriff am 22.08.2019.