KAO und die evangelische Kirche

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Einige Schriften der evangelischen Kirche geben Formulierungen von KAO wieder. Daher wurde zur genaueren Untersuchung diese Seite erstellt.

KAO auf dem Kirchentag

KAO war mindestens seit dem Jahr 2003 nachweislich auf allen evangelischen Kirchentagen:[Anm. 1]

  • 2003 in Berlin[1]
  • 2005 in Hannover[2]
  • 2007 in Köln[3]
  • 2009 in Bremen[4]
  • 2011 in Dresden[5]
  • 2013 in Hamburg[6]
  • 2015 in Stuttgart[7]
  • 2016 in Düsseldorf[8]
  • 2017 in Berlin[9]

Allein die Tatsache, dass man wiederholt auf einem Kirchentag auftreten darf, zeigt, dass die evangelische Kirche die Haltung von KAO nicht gänzlich ablehnt, z.T. sogar hinter deren Anliegen steht.

Im Gegensatz dazu: Auf Katholikentagen war nach vorliegender Recherche KAO nur im Jahr 2014 in Regensburg.[10] Offensichtlich distanziert sich die katholische Kirche von den Thesen von KAO und ließ sie daher für keine weitere Katholikentagen zu.

KAO in evangelischen Medien

Alle diese Seiten wurden am 07. und 08.12.2018 aufgerufen. Daher fehlen bei den einzelnen Links die Datumsangabe.

KAO in kirchlichen Veröffentlichungen

KAO und/oder ihre (ehemaligen) Vorstandsmitglieder werden in kichlichen Schreiben genannt:

  1. 2014 Baden "ORGANTRANSPLANTATION Fragen und Impulse für eine persönliche Entscheidung"[11]
  2. 2014 Bayern "leben und sterben im Herrn"[12]

KAO in den Gemeinden

Mitglieder - meist (ehemalige) Vorstandsmitglieder - von KAO wurden zu Vorträgen oder Diskussionen in die Gemeinden eingeladen:

  1. 2007 Tagungsbericht: Zehn Jahre Transplantationsgesetz - Erosion der Moral[13]
  2. 2015 Organspende? Informiert entscheiden![14]
  3. 2015 Tagung der Kreissynode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg.[15]

Artikel in evangelischen Schriften

In evangelischen Schriften wurden Interviews mit Mitgliedern von KAO geführt und auch deren Artikel veröffentlicht. Damit hatte KAO die evangelischen Medien als Multiplikatoren:

  1. 2006 Kritiker fordern umfassende und ehrliche Aufklaerung ueber Organspende[16]
  2. 2012 "Ich hätte meinen Sohn vor der Organspende schützen müssen"[17]
  3. 2017 "„Intime Fremde“: Organtransplantation im Kontext von Kultur und Gesellschaft"[18]
  4. 2018 Gustl[19]


Artikel mit KAO als Quelle

In diesen Artikeln wird KAO oder eines ihrer (ehemaliger) Vorstandsmitglieder genannt oder als Quelle angegeben:

  1. Entscheidungshilfe zu Organspende[20]
  2. Entscheidungshilfe zur Organtransplantation[21]
  3. Ich bin ein Gast auf Erden[22]
  4. Bischof Weber wirbt für Organspende aus Nächstenliebe[23]
  5. Organspende: Das Dilemma mit dem Tod[24]

Von KAO zur evangelischen Kirche

KAO nennt an einigen Stellen selbst ihre Verbindungen zur evangelischen Kirche:

  1. 2014 "Ende des letzten Jahres haben die „Evangelischen Frauen in Deutschland“ (EfiD) eine fundierte Stellungnahme zum Thema Organtransplantation verfasst. Dabei treten Sie wie KAO für die enge Zustimmungslösung ein:"[25]
  2. 2012 "Ich wusste, wie eine Mutter sich fühlte, die sich vor ihrem Kind in einer Intensivstation wiederfand und gefragt wurde, ob das Herz, die Lunge, die Leber aus diesem atmenden, schwitzenden Körper gerupft und in einen anderen verpflanzt werden dürfen.[26][Anm. 2]

Eine Sprachanalyse

Mit der Sprachanalyse sollen inhaltlich (Semantik) und formal (Syntaktik) die Texte von KAO mit denen der evangelischen Kirche verglichen werden.

  1. KAO:

EFiD: "Eine Organentnahme war für mich „Ausweidung“ eines Menschenkörpers."[26]

  1. KAO:

LK Hessen: "... und der moralischen Vertretbarkeit der Werbung für Organspenden."[27]

  1. KAO:

ACB: "Kann mich eine Organgabe an EUROTRANSPLANT wirklich von der Verantwortung für meinen Nächsten im Sterbeprozess befreien oder kann diese Organgabe das Bedürfnis der Nächsten, dem Sterbenden „bis zum letzten Atemzug“ Beistand zu gewähren, ersetzen?"[28]

  1. KAO:

ACB: "Wir halten es aber für nicht gerechtfertigt, dass der Fokus in der Diskussion ganz auf die Empfänger von Organen gerichtet ist und die Bedürfnisse der Spender außer Acht bleiben."[29]

  1. KAO:

ACB: "Es geht uns nicht nur um deren Angehörige, die an der Sterbebegleitung gehindert werden und die, wie die Praxis zeigt, sich mit dieser Situation überfordert fühlen, sondern es geht um die „Spender“ selbst und das, was sie in der letzten Phase ihres Lebens brauchen."[29]

  1. KAO:

ACB: "Sobald er als Organspender in den Blick kommt, gelten ärztliche Behandlung und Pflege nicht mehr ihm selbst, sondern dem Optimieren seiner Organe für die Empfänger."[29]

  1. KAO:

ACB: "Was man jedem schwerkranken Menschen zubilligen würde, wird ihm verwehrt, obgleich niemand weiß, was wirklich in ihm vorgeht."[29]

  1. KAO:

ACB: "Was man jedem schwerkranken Menschen zubilligen würde, wird ihm verwehrt, obgleich niemand weiß, was wirklich in ihm vorgeht. Hat er nicht ein Recht, um seiner selbst willen gepflegt zu werden, menschliche Zuwendung zu erfahren und liebevoll umsorgt und begleitet zu werden bis zu seinem letzten Atemzug?"[29]

  1. KAO:

ACB: "Hat ein Sterbender nicht das Recht, seinen Lebensweg im Vertrauen auf Gottes gnädige Gegenwart in Frieden zu Ende zu gehen – ungestört durch Eingriffe anderer – und möglichst begleitet von Menschen, die ihm nahestehen und auf deren ungeteilte Liebe er sich verlassen kann?"[29]

  1. KAO:

ACB: "Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie mit unmissverständlichen Worten die Menschen darüber aufklärt, in welchem Stadium ihres Lebens die Entnahme ihrer Organe erfolgt, und dass sie sich allen Gemeindegliedern in gleicher Weise verpflichtet weiß – gerade auch den Schwächsten, die sich nicht wehren können."[29]

  1. KAO:

ACB: "Die medizinische Versorgung von Organspender/innen gilt nicht mehr ihnen selbst, sondern der Vorbereitung der Explantation."[30]

  1. KAO:

ACB: "Sie sind “hirntot”, nicht tot, sie sterben durch die Organentnahme."[30]

  1. KAO:

ACB: "Sie können nicht friedlich aus dem Leben scheiden, begleitet von lieben Angehörigen, sondern ihr Sterbeprozess wird abgebrochen durch einen Eingriff, der nicht ihrem Wohl, sondern dem Interesse Anderer dient."[30]

  1. KAO:

ACB: "Viele Angehörigen leiden ihr Leben lang darunter, dass sie ihren lieben “Nächsten” in der letzten Phase seines Lebens nicht begleiten konnten oder sogar ihre Zustimmung zur Organentnahme gegeben haben, wenn ein Ausweis nicht vorlag. ... Im Nachhinein leiden sie unter Selbstvorwürfen; die Schuld, dem Sterbenden nicht beigestanden zu haben, erschwert ihnen die Trauer um seinen Verlust."[30]

  1. KAO: Der Verein heißt "Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.".

ACB: "Es wäre sehr verdienstvoll, wenn Sie zur kritischen Aufklärung der Bevölkerung über die Organtransplantation beitragen würden!"[30] - Deutlicher geht es wohl nicht mehr: Die Kirche soll der verängerte Arm von KAO werden, soll sich von KAO instrumentalisieren lassen.

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Weitere Verbindungen zu KAO

Auf diesen Seiten bestehen weitere Kontakte zu KAO:[Anm. 3]

  1. DER: Stellungnahme. Hirntod und Entscheidung zur Organspende[31]
  2. AOK: Entscheidungshilfe Organspende.[32]
  3. Palästina neu erfinden: Das Friedenskino von Jenin[33]

KAO und die katholische Kirche

Zwischen KAO und der katholischen Kirche gibt es wenig Berührungspunkte:

  1. 2014 Katholikentag in Regensburg.[34]
  2. 2013 Hirntod. Was geschieht bei einer Organtransplantation?[35]
  3. Zeit für eine Entscheidung: Organspende[36]

Die katholische Kirche distanziert sich von den Inhalten von KAO. Daher ist es auch verständlich, dass KAO die von der DBK herausgegebenen Handreichung "Hirntod und Organspende" scharf kritisierte.[37]

Dazu ein Beispiel, wie die katholische Kirche mit dem Gedankengut vom KAO umgeht:
Herbst 2009 schrieb ein Pfarrer der Diözese Augsburg in seinem Pfarrbrief, dass Ärzte Hirntote durch die Organentnahme töten würden. Weil dieser Pfarrer beharrlich bei seiner Meinung blieb, wurde er aus dem Dienst der Diözese entlassen.[38]

Sonstiges

Kritisierte Aussagen

Nikolaus Schneider (2012)

Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, veröffentlichte am 27.11.2012 das Geistliches Wort zur Organspende: "Christlich verantwortbar und ethisch zu respektieren".[39] Darin schrieb er:

... Nach christlichem Verständnis sind das Leben und damit der Körper des Menschen ein Geschenk Gottes. Diesen kann und darf er aus Liebe zum Nächsten und aus Solidarität mit Kranken einsetzen. Eine Entnahme von Organen verletzt nicht die Würde des Menschen und stört nicht die Ruhe der Toten. Unsere Hoffnung auf die Auferstehung bleibt davon unberührt.

Der Arbeitskreis Christen und Bioethik (ACB) schrieb am 04.02.2013 einen öffentlichen Brief an Nikolaus Schneider.[40] Darin heißt es:

Es ist uns bewusst, dass viele schwerkranke Menschen große Hoffnungen auf die Transplantation eines fremden Organs setzen. Wir halten es aber für nicht gerechtfertigt, dass der Fokus in der Diskussion ganz auf die Empfänger von Organen gerichtet ist und die Bedürfnisse der Spender außer Acht bleiben. Es geht uns nicht nur um deren Angehörige, die an der Sterbebegleitung gehindert werden und die, wie die Praxis zeigt, sich mit dieser Situation überfordert fühlen, sondern es geht um die „Spender“ selbst und das, was sie in der letzten Phase ihres Lebens brauchen.

Sie schreiben: „Eine Entnahme von Organen verletzt nicht die Würde des Menschen und stört nicht die Ruhe der Toten.“ Beide Aussagen können wir so nicht stehen lassen:

  • Die Würde des Organspenders wird verletzt, weil er nicht mehr als Subjekt angesehen und behandelt wird, sondern als Objekt: Sobald er als Organspender in den Blick kommt, gelten ärztliche Behandlung und Pflege nicht mehr ihm selbst, sondern dem Optimieren seiner Organe für die Empfänger. Es geht nicht mehr um ihn als Menschen, sondern nur um seine Organe. Seine Bedürfnisse spielen keine Rolle mehr. Was man jedem schwerkranken Menschen zubilligen würde, wird ihm verwehrt, obgleich niemand weiß, was wirklich in ihm vorgeht. Hat er nicht ein Recht, um seiner selbst willen gepflegt zu werden, menschliche Zuwendung zu erfahren und liebevoll umsorgt und begleitet zu werden bis zu seinem letzten Atemzug?
  • Bei der Explantation der Organe wird nicht nur „die Ruhe der Toten“ gestört (denn es ist üblich,einen Leichnam respektvoll, ohne ihn zu beschädigen, zu waschen, zu kleiden und aufzubahren),sondern die Ruhe eines Sterbenden wird gestört, sein ruhiges Hinübergehen in Gottes Zukunft wird abrupt beendet, weil seine lebenden Organe gebraucht werden. Hat ein Sterbender nicht das Recht, seinen Lebensweg im Vertrauen auf Gottes gnädige Gegenwart in Frieden zu Ende zu gehen – ungestört durch Eingriffe anderer – und möglichst begleitet von Menschen, die ihm nahestehen und auf deren ungeteilte Liebe er sich verlassen kann?

Die Begriffsverwirrung rührt von der „Hirntod“-Regelung her, einer juristische Definition, die die straffreie Entnahme lebender Organe von „hirntoten“ Patienten ermöglichen soll. Diese Definition wird heute nicht einmal mehr von der Harvard-Kommission aufrecht erhalten, die das Hirntod-Konzept 1968 entwickelt hat. Wir halten es für unabdingbar, dass sich die Gesellschaft – und insbesondere die Kirche – der wissenschaftlichen Erkenntnis stellt, dass hirntote Menschen keine Leichen, sondern Sterbende sind. Solange man den möglichen Organspendern die Aufklärung vorenthält, dass sie bei ihrer Organentnahme nicht tot sind, sondern im Sterben liegen, ist es nicht zu verantworten, sie zu einer Entscheidung zur Organspende aufzufordern. Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie mit unmissverständlichen Worten die Menschen darüber aufklärt, in welchem Stadium ihres Lebens die Entnahme ihrer Organe erfolgt, und dass sie sich allen Gemeindegliedern in gleicher Weise verpflichtet weiß – gerade auch den Schwächsten, die sich nicht wehren können. Sie schreiben: „Nach christlichem Verständnis sind das Leben und damit der Körper des Menschen ein Geschenk Gottes. Diesen kann und darf er aus Liebe zum Nächsten und aus Solidarität mit Kranken einsetzen.“ Diese Aussagen werfen Fragen auf, die wir nicht beantwortet finden:

  • Die Verwendung des Begriffs „Geschenk“ kann implizieren, dass ich frei bin, mit dem Geschenk nach meinem Willen umzugehen. Wähle ich stattdessen den Begriff „Leihgabe Gottes“, wird deutlicher, dass Anfang und Ende des Lebens nicht in Menschenhand liegen. Darauf beruhen doch wohl die christlichen Vorbehalte gegen den Suizid, die Todesstrafe, aber auch die Abtreibung.Erfordert dieser Grundkonsens über die Unverfügbarkeit des Lebens nicht auch andere Antworten zur Organtransplantation? Was heißt dann „Organspende“, wenn ich nicht verfügungsberechtigt bin?
  • Wenn der Begriff der „Liebe zum Nächsten“ von der Kirche als Argument verwendet wird, stellen wir uns die Frage: Wem gegenüber übe ich Nächstenliebe mit einer „Organspende“? Kann wirklich eine Organgabe an EUROTRANSPLANT mich von meiner Verantwortung für meine Nächsten entbinden, wenn sie mich am nötigsten brauchen: in Zeiten schwerster Krankheit und bei ihrem Sterben?

Wir beabsichtigen, diesen Brief in der Öffentlichkeitsarbeit unseres Arbeitskreises zu verwenden.

In seiner Antwort vom 06.03.2013 schreibt Nikolaus Schneider: "... Ich darf ihnen versichern, dass wir Ihre Gesichtspunkte und Überlegungen bei unserer weiteren Arbeit gerne berücksichtigen wollen."[41]

Hans-Peter Großhans schrieb in "Denkströme" Heft 14 (2015) den Artikel "Organspende - in theologischer Sicht".[42] Darin bezieht er sich u.a. auf das o.g. Geistige Wort zur Organspende. Großhans schreibt:

Eine Konsequenz daraus ist die Einsicht, dass möglicherweise Gespräche über die Zustimmung zu einer Organentnahme bei einem verunglückten und sterbenden nahen Angehörigen wohl besser von einer Seelsorgerin als von einem Arzt geführt werden. Der Arzt muss natürlich garantieren, dass Organe erst entnommen werden, wenn ein Mensch wirklich tot ist. Er hat dafür ein Kriterium, das aus medizinischer Sicht allgemein anerkannt ist und als verlässlich gilt: den Hirntod. Doch dieses Kriterium ist häufig nur eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für eine Zustimmung zu einer Organentnahme oder für eine Bereitschaft zu einer Organspende.
 ...

Aus theologischer Sicht ist der Tod eines Menschen nie nur durch das Ende der biologischen Funktionen des menschlichen Körpers definiert worden. ... Leben ist theologisch gesehen immer Zusammen-Leben: mit anderen Menschen und Geschöpfen, aber auch mit Gott. Mit einem solchen Verständnis des Lebens ist der Tod dann definiert als das Ende des Zusammenlebens, als das Ende aller Beziehungen; der Tod ist die Beziehungslosigkeit eines Menschen.

Wolfgang Huber (2011)

Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, schrieb in der SZ am 24.05.2011 den Artikel "Pflicht zur Entscheidung" und am 29.06.2011 eine "Schriftliche Stellungnahme zur Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema ‘Organspende’".

Der Arbeitskreis Christen und Bioethik (ACB) schrieb am 12.09.2011 zu beiden Schreiben einen öffentlichen Brief an Wolfgang Huber.[43] Er lautet:

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Huber,

wir haben uns intensiv mit Ihrer Stellungnahme zur “Organspende” auseinandergesetzt und möchten Ihnen hierauf antworten:

Wir begrüßen Ihre Ablehnung einer “Widerspruchslösung”, wonach Jede/r grundsätzlich als Spender/in gilt, solange kein ausdrücklicher Widerspruch schriftlich vorliegt.
Die ethisch am wenigsten anfechtbare Lösung wäre die “enge Zustimmungslösung” – nach umfassender Aufklärung, freiwillig und ohne moralischen Druck.
Sie halten jedoch an der “erweiterten” Zustimmungslösung fest, obgleich hierbei die“freiwillige” Entscheidung des Spenders fehlt und Dritte an seiner Statt über ihn entscheiden– aufgrund eines angenommenen “mutmaßlichen Willens”, der bei Sachen (im Erbrecht)juristisch nicht anerkannt wird, aber bei Fragen nach Leben und Tod gelten soll.

Sie wenden sich gegen eine rechtliche “Pflicht zur Organspende” (“Denn Pflicht und Spende schließen einander aus”), sprechen aber von einer “moralischen Pflicht zur Entscheidung”, um die Zahl der Spenden zu erhöhen, und wollen diese Entscheidung mit einem offiziellen Dokument wie dem Führerschein koppeln. Sicherlich wissen Sie, dass junge Menschen, die den Führerschein beantragen, sich mit allem möglichen beschäftigen, aber nicht mit ihrem eigenen Tod. Außerdem bekäme durch die Koppelung mit dem Führerschein (oder dem Personalausweis ...) die persönliche Entscheidung einen offiziellen (staatlichen) Charakter. Und was hat ein staatliches Dokument, das zum Autofahren berechtigt, mit der Bereitschaft zur Organspende zu tun? Schließlich: Wie soll die “Aufklärung” darüber, was Organspende bedeutet, in den Ablauf der Führerscheinprüfung integriert werden?

Es irritiert uns, dass Sie von “postmortaler” Organspende sprechen, obgleich inzwischen nach jahrelanger Diskussion die Gleichsetzung des “Hirntodes” mit dem Tod des Menschen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann und die Organentnahme von einem “lebenden menschlichen Individuum” (Birnbacher) den juristischen Tatbestand des Totschlags erfüllt.Diese Veränderung des Todeskriteriums scheint auch der Grund zu sein, warum zurzeit mit solchem Nachdruck die Entscheidungslösung jedes Einzelnen gefordert wird. Dabei wird übersehen, dass die Legalisierung der Tötung durch Organentnahme, wenn der “Spender” zugestimmt hat, auch das Verbot der aktiven Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) kippen würde.

Die Kirchen haben sich gleich am Anfang auf die Interpretation der Organspende als “Liebe über den Tod hinaus” verständigt. Dabei geht es jedoch nur um die Liebe zu den Kranken, denen vielleicht mittels einer Organspende geholfen werden könnte. Die “Spenderinnnen und Spender” sind gar nicht im Blick. In Ihrer Stellungnahme ist das nicht anders.
Das aber, was mit den Spender/innen geschieht, hat mit “Nächstenliebe” nichts zu tun:

  • Die medizinische Versorgung von Organspender/innen gilt nicht mehr ihnen selbst,sondern der Vorbereitung der Explantation.
  • Sie sind “hirntot”, nicht tot, sie sterben durch die Organentnahme.
  • Sie können nicht friedlich aus dem Leben scheiden, begleitet von lieben Angehörigen, sondern ihr Sterbeprozess wird abgebrochen durch einen Eingriff, der nicht ihrem Wohl, sondern dem Interesse Anderer dient.
  • Viele Angehörigen leiden ihr Leben lang darunter, dass sie ihren lieben “Nächsten” in der letzten Phase seines Lebens nicht begleiten konnten oder sogar ihre Zustimmung zur Organentnahme gegeben haben, wenn ein Ausweis nicht vorlag. Oft wurde ihre Einwilligung erbeten im Zustand eines Schocks angesichts der lebensbedrohlichen Situation ihres “Nächsten”; sie waren nicht imstande, sorgfältig zu überlegen, was sie da unterschrieben. Im Nachhinein leiden sie unter Selbstvorwürfen; die Schuld, dem Sterbenden nicht beigestanden zu haben, erschwert ihnen die Trauer um seinen Verlust.

Menschen mit solchen Erfahrungen, deren Zahl zunimmt, werden von einer “Nächstenliebe”, die allein auf das Wohl der Organempfänger/innen fokussiert, nicht erreicht. Aber auch für sie gilt doch, was Sie über die wartenden Empfänger schreiben: “Von ihrem Schicksal sollte sich jeder anrühren lassen”.

“Von ihrem Schicksal anrühren lassen” kann man sich aber nur, wenn man von diesem Schicksal weiß. Wir beklagen, dass es eine umfassende und objektive Aufklärung über alle Aspekte der Organtransplantation in der Öffentlichkeit nicht gibt, – eine Aufklärung, die auch das “Schicksal” der “Spendenden” und ihrer Angehörigen nicht ausklammert und die offen zugibt, dass “hirntote” Menschen Sterbende sind, keine Toten.

Wir bitten Sie deshalb, zu dem beigefügten Beitrag von Sabine Müller “Wie tot sind Hirntote? Alte Frage – neue Antworten” in Das Parlament Nr. 20 / 16.5.2011, Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte „Organspende und Selbstbestimmung“ Stellung zu nehmen!

Wir erwarten von Vertretern der Kirche, dass sie nicht einseitig die Interessen der Organempfänger/innen vertreten, sondern dass sie öffentlich machen, was in der Werbung der DSO nicht vorkommt: was mit den “Spender/innen” konkret geschieht und welches Leid vielen Angehörigen aufgeladen wird. Es wäre sehr verdienstvoll, wenn Sie zur kritischen Aufklärung der Bevölkerung über die Organtransplantation beitragen würden!

Mit freundlichen Grüßen,

im Auftrag des Arbeitskreises

Fazit

Zwei Vorsitzende des Rates der EKD wurden für ihre Äußerungen zu Hirntod und Organspende vom ACB öffentlich gemaßregelt. Die Wortwahl gleicht dabei dem Sprachgebrauch von KAO.

Nach dem Jahr 2012 lässt sich keine Äußerung eines Vorsitzenden des Rates der [[EKD] finden, der von "postmortaler" Organspende sprach, der Hirntote als Tote ansah und/oder sich für die Zustimmung zur Organspende aussprach.

Die Formulierung, dass Organspende "ein Akt der Nächstenliebe" ist, verschwand immer mehr.

Zum 25. Jubiläum der ersten gemeinsamen Schrift von EKD und DBK (1990) erschien nur von der DBK im Jahr 2015 eine Schrift. Die EKD hielt sich zurück.[Anm. 4]

Entwicklung in der ev. Kirche

Wilfried Härle sagte 2006 in einem Interview: "1990 haben sich die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland angesichts des akuten Mangels an Organen für eine erweiterte Widerspruchslösung ausgesprochen: Es sei eine »Liebespflicht«  gegenüber dem Nächsten, zur Organspende bereit zu sein. Dies löste damals eine heftige Diskussion aus. Fünf Jahre später hat die evangelische Kirche Buße getan, denn sie hatte inzwischen erkannt: Eine Spendepflicht darf es nicht geben. Deshalb ist sie zur Zustimmungslösung zurückgekehrt. (38)"[44]

Fazit

In der Summe dieser Fakten muss in berechtigter Weise von einer Einflussnahme von KAO auf die evangelischen Kirchen gesprochen werden. Dabei reicht die Einflussnahme bis in die höchsten Gremien in der evangelischen Kirche, wie u.a. die regelmäßige Teilnahme auf dem Kirchentag seit dem Jahr 2003 zeigt.
Wie groß diese Einflussnahme auf die evangelische Kirche ist, mag jeder für sich auf der Grundlage der hier dargelegten Fakten selbst entscheiden.

Anhang

Anmerkungen

  1. Diese Rechercher wurde am 21.01.2017 durchgeführt. Daher tragen keine der nachfolgenden Links dieses Datum. Am 23.06.2018 war keiner der Links bei KAO erreichbar, da die Internetseite überarbeitet wurde.
  2. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte es sich hierbei um eine Mutter aus dem Verein KAO gehandelt haben. Wie anders ist auch dieses "gerupft" zu erklären?
  3. Nicht mit aufgenommen wurden die Seiten von Kritikern.
  4. Die EKD und die DBK wurde von mir im Jahr 2014 auf dieses Jubiläum im folgenden Jahr hingewiesen. Es wurde von mir angeregt, zu diesem Jubiläum wieder eine gemeinsame Schrift zum Thema Organspende herauszugeben.

Einzelnachweise

  1. xyz://docplayer.org/25553183-Organspende-im-spannungsfeld-verschiedener-interessen-und-die-notwendigkeit-einer-unabhaengigen-und-ergebnisoffenen-beratung.html
  2. xyz://initiative-kao.de/kao-presse.html
  3. xyz://www.initiative-kao.de/kao-aktivitaeten.html
  4. xyz://www.initiative-kao.de/kao-bericht-kirchentag-2009-bremen-komplett.pdf
  5. xyz://initiative-kao.de/kao-themen-kirchliche-texte-organspende-hirntod.html
  6. xyz://www.initiative-kao.de/kao-aktuell-archiv.html
  7. xyz://www.initiative-kao.de/kao-aktuell.html
  8. xyz://www.initiative-kao.de/kao-aktuell.html
  9. xyzs://initiative-kao.de/aktuell
  10. xyzs://charismatismus.wordpress.com/2014/06/04/regensburg-kontroverse-debatte-zur-organspende-auf-dem-katholikentag Zugriff am 21.01.2017.
  11. Evangelische Landeskirche in Baden: ORGANTRANSPLANTATION Fragen und Impulse für eine persönliche Entscheidung (06/2014). Nach: xyzs://www.ev-akademie-baden.de/html/media/dl.html?i=31738
    • xyzs://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=17440
  12. Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: leben und sterben im Herrn (2014). Nach: xyzs://www.bayern-evangelisch.de/downloads/elkb_Handreichung_Organspende.pdf
  13. o.V.: Tagungsbericht: Zehn Jahre Transplantationsgesetz - Erosion der Moral (07.12.2007). Nach: xyzs://www.ead.de/nachrichten-ead/2007/dezember/07122007-tagungsbericht-zehn-jahre-transplantationsgesetz-erosion-der-moral
  14. Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen. Organspende? Informiert entscheiden! (2015). Nach: xyz://www.eaf-sachsen.de/fileadmin/user_upload/doc/ankuendigungen/flyer_organspende_web.pdf
  15. Tagung der Kreissynode des Ev. Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg. (2015). Nach: xyzs://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=71&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwj9wMSkhJDfAhUJbVAKHWVRAWU4PBAWMAp6BAgKEAI&url=xyz%3A%2F%2Fwww.evangelisch-im-sauerland.de%2Fmstream.ashx%3Fg%3D111327%26a%3D5%26ts%3D635683298306827733%26s%3D%26r%3D-1%26id%3D132147%26lp%3D635683223573530000&usg=AOvVaw2VDmsx60t92lv59YsvGe6c
  16. EAD: Kritiker fordern umfassende und ehrliche Aufklaerung ueber Organspende. (02.06.2006) Nach: xyzs://www.ead.de/nachrichten-ead/2006/juni/02062006-kritiker-fordern-umfassende-und-ehrliche-aufklaerung-ueber-organspende Zugriff am 08.12.2018.
  17. Lena Högemann: "Ich hätte meinen Sohn vor der Organspende schützen müssen". (19.01.2012). Nach: xyzs://www.evangelisch.de/inhalte/107498/19-01-2012/ich-haette-meinen-sohn-vor-der-organspende-schuetzen-muessen
  18. Vera Kalitzkus: „Intime Fremde“: Organtransplantation im Kontext von Kultur und Gesellschaft. (11.03.2017). Nach: xyzs://www.akademie-nordkirche.de/assets/Akademie/2017/Organspende/2017-Intime-Fremde-Kalitzkus.pdf
  19. Werner Tiki Küstenmacher: Gustl Nach: xyzs://www.gustl-magazin.de/magazin/2018/11/21/warum-ich-kein-organspender-bin
  20. o.V.: Entscheidungshilfe zu Organspende. Nach: xyzs://www.theology.de/themen/entscheidungshilfe-zu-organspende.php
  21. Elisabeth Hartlieb, Fabian Kliesch: Entscheidungshilfe zur Organtransplantation. Nach: xyzs://www.ekiba.de/html/aktuell/aktuell_u.html?&m=31&artikel=4468&cataktuell=106
    • xyzs://www.ekir.de/krankenhausseelsorge/Downloads/organspendepapier_ekiba_2013_.pdf
  22. Heidrun Höck: Ich bin ein Gast auf Erden. In: Gemeindebrief (September bis November 2015). Nach: xyzs://www.evangelisch-in-bad-nauheim.de/img/SchwRoe_Gemeindebrief/Gemeindebrief_2014-15_4.pdf
  23. o.V.: Bischof Weber wirbt für Organspende aus Nächstenliebe (2012). Nach: xyzs://www.ekd.de/news-2012-02-11-weber-organspende-2874.htm
  24. Karin Vorländer: Organspende: Das Dilemma mit dem Tod. Nach: xyzs://www.evangelisch.de/inhalte/92262/17-02-2014/organspende-das-dilemma-mit-dem-tod
  25. https://charismatismus.wordpress.com/category/organspende-hirntod-kritik/page/2/ Zugriff am 22.12.2018.
  26. a b Susanne Krahe: Mein angeknüpftes Leben. In: EFiD-mitteilungen 450 (August 2012). Nach: https://www.evangelischefrauen-deutschland.de/images/stories/efid/mitteilungen/2012/450_Mein%20angeknuepftes%20Leben_Krahe.pdf Zugriff am 22.12.2018.
  27. Evangelische Kirche in Hessen und Nassau: Stellungnahme. „Hirntod“ und Organspende (04.02.2017). Frankfurt 2017, 4. Nach: https://zsb.ekhn.de/fileadmin/content/zentrum_seelsorge/zsb-redaktion/dokumente/Broschuere_Stellungnahme_Hirntod_Organspende.pdf Zugriff am 22.12.2018.
  28. http://www.bioethik-nrw.de/acb-antwort-organspende-rhein-landessynode-18-04-13.pdf#page=1&zoom=auto,0,849 Zugriff am 02.01.2019.
  29. a b c d e f g http://www.bioethik-nrw.de/acb-schreiben-praeses-schneider-04-02-13.pdf Zugriff am 02.01.2019.
  30. a b c d e http://www.bioethik-nrw.de/acb-brief-huber-zur-organspende-12-09-11.pdf Zugriff 02.01.2019.
  31. DER: Stellungnahme. Hirntod und Entscheidung zur Organspende (2015). Nach: xyzs://www.medstra-online.de/pdf/20150225_Stellungnahme_Ethikrat.pdf
  32. Entscheidungshilfe Organspende. Nach: xyzs://www.aok.de/pk/fileadmin/user_upload/Universell/05-Content-PDF/entscheidungshilfe_organspende.pdf
  33. Irit Neidhardt: Palästina neu erfinden: Das Friedenskino von Jenin. Nach: xyz://www.blackbox-filminfo.de/downloads/Palaestina_neu_erfinden.pdf
  34. xyzs://charismatismus.wordpress.com/2014/06/04/regensburg-kontroverse-debatte-zur-organspende-auf-dem-katholikentag Zugriff am 21.01.2017.
    Offensichtlich distanziert sich die katholische Kirche von den Thesen von KAO und ließ sie daher für keine weitere Katholikentagen zu.
  35. Hirntod. Was geschieht bei einer Organtransplantation? Nach: xyzs://cms.bistum-trier.de/bistum-trier/Integrale?SID=CRAWLER&MODULE=Frontend.Media&ACTION=ViewMediaObject&Media.PK=38769&Media.Object.ObjectType=full
  36. o.V.: Zeit für eine Entscheidung: Organspende xyzs://www.pfarrbriefservice.de/topicpage/zeit-fuer-eine-entscheidung-organspende
  37. Diese "Scharfe Kritik an DBK-Handreichung „Hirntod und Organspende“" steht im Internet auf zahlreichen Seiten, u.a.: Alle diese Seiten wurde aufgerufen am 08.12.2018.
  38. Georg Meinecke: Organtransplantation, 41. Nach: xyzs://wissenschaft3000.files.wordpress.com/2013/06/organtransplantationen-gottes-oder-satanswerk.pdf Zugriff am 08.12.2018.
  39. Nikolaus Schneider: Christlich verantwortbar und ethisch zu respektieren. (27.11.2012) Nach: https://www.ekd.de/pm258_2012_schneider_geistliches_wort_zur_organspende.htm Zugriff am 22.02.2019.
  40. xyz://www.bioethik-nrw.de/acb-schreiben-praeses-schneider-04-02-13.pdf Zugriff am 22.02.2019.
  41. http://www.bioethik-nrw.de/acb-schreiben-praeses-schneider-04-02-13.pdf Zugriff am 01.03.2019.
  42. Hans-Peter Großhans: Organspende - in theologischer Sicht. In: Denkströme. Heft 14 (2015). Nach: http://www.denkstroeme.de/heft-14/s_211-214_grosshans Zugriff am 22.02.2019.
  43. http://www.bioethik-nrw.de/acb-brief-huber-zur-organspende-12-09-11.pdf Zugriff am 01.03.2019.
  44. Sterben gehört zum Leben. In: Gehirn&Geist 12/2006, 36-39. Nach: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&ved=2ahUKEwiggMfv__njAhWMpIsKHXGnDXQQFjADegQIAhAC&url=https%3A%2F%2Fwww.spektrum.de%2Fpdf%2Fgug-06-12-s036-pdf%2F856712%3Ffile&usg=AOvVaw33jYTuVW29ORIbYhKqmEw- Zugriff am 09.08.2019.