Ich

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Über das Ich

Alles, was wir denken, tun und lassen, geschieht durch unser Gehirn. Der Bau dieser phantastischen Maschine entscheidet über unsere Fähigkeiten, unsere Grenzen und unseren Charakter; wir sind unser Gehirn. Hirnforschung ist nicht mehr allein die Suche nach den Ursachen von Hirnerkrankungen, sondern auch die Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum wir sind, wie wir sind - eine Suche nach uns selbst.[1]
Es ist immer wieder beeindruckend, bei einer Obduktion das Gehirn eines Menschen in den Händen zu halten. Man begreift in einem solchen Augenblick, dass man ein ganzes Leben in den Händen hält, spürt aber zugleich, wie ausgesprochen 'soft' die 'Hardware' unseres Gehirns ist. In dieser fast gallertartigen Masse ist alles, was dieser Mensch gedacht und erlebt hat, in strukturellen und molekularen Veränderungen der Synapsen codiert enthalten.[2]

"Das Produkt der Interaktion dieser Milliarden von Nervenzellen ist unser 'Geist'. So wie die Niere den Urin produziert, produziert das Gehirn den Geist."[3]

Über das Gehirn

Die Nervenzellen bzw. Neuronen sind die Bausteine unseres Gehirns. Das Gehirn wiegt anderthalb Kilo und enthält 100 Milliarden Neuronen (eine Zahl, die dem Fünfzehnfachen der Erdbevölkerung entspricht). Zudem gibt es in unserem Gehirn zehnmal so viele Gliazellen wie Neuronen.[4]

Die Nervenzellen sind über mehr als 100.000 km Nervenfasern miteinander verbunden.[5]

Der Energieverbrauch unseres Gehirns beträgt ca. 15 Watt.[6]

Gehirn und Geburt

Kees Boeer am AMC (Academisch Medisch Centrum, Universitätsklinikum Amsterdam) verfasste eine Doktorarbeit über seine Kernthese, dass ein gutes Zusammenspiel zwischen dem Gehirn von Mutter und Kind für eine zügig verlaufende Entbindung notwendig ist. "Sowohl das Gehirn der Mutter als auch das Gehirn des Kindes beschleunigen den Geburtsverlauf, indem beide durch die Ausschüttung des Hormonns Oxytocin in den Blutkreislauf Kontraktionen der Gebärmutter auslösen. Die biologische Uhr der Mutter regelt während des Geburtsprozesses den Tag-Nacht-Rhythmus. Daher finden die meisten Entbindungen nachts und in den frühen Morgenstunden, während einer Ruhephase, statt. Eine Zeit, in der Geburten übrigens auch am schnellsten verlaufen und Eingriffe von Geburtshelfern am wenigsten erforderlich sind."[7]

Ein sinkender Blutzuckerspiegel des Kindes zeigt an, dass die Mutter das Kind nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgen kann. Zu diesem Zeitpunkt verbraucht das Kind ca. 15% des mütterlichen Stoffwechsels. Dieser Zeitpunkt tritt bei Mehrlingen früher ein, weswegen sie auch früher geboren werden. Diese Unterversorgung bewirkt in der kindlichen Hypophyse eine erhöhte Ausschüttung von ACTH, was in der kindlichen Nebenniere zu einer erhöhten Ausschüttung von Cortisol führt. Auch wird in der keindlichen Hypophyse das wehenfördernde Oxytocin ausgeschüttet. Diese drücken das Kind gegen den Gebärmutterausgang. Dies löst bei der Mutter einen Reflex aus, der über das Rückenmark zum Gehirn der Mutter geleitet wird und ebenfalls eine Ausschüttung von Oxytocin bewirkt. Dadurch werden die Wehen verstärkt. "Diesem Regelkreis kann das Kind nur durch seine Geburt ein Ende setzen."[8]

"Wenn die Nahrung für das Junge aus dem Ei ausgeht und wenn es nicht mehr genug Nahrung hat, wovon es leben kann, so bewegt es sich heftig in dem Ei, es sucht mehr Nahrung, und die Haut wird ringsum abgelöst ... Ebenso verhält es sich mit dem Kind. Wenn es ausgewachsen ist, kann ihm die Mutter nicht mehr genügend Nahrung geben. Bei seinem Suchen nach mehr Nahrung als vorhanden zerreißt das Kind zappelnd die Haut und geht gleichzeitig, seiner Fessel ledig, nach außen ab."[9]

Während der Schwangerschaft löst das Hormon Prolaktin Nestverhalten aus. Das Haus muss geputzt und das Kinderzimmer gerichtet werden. Dass diese Wirkung nicht nur auf Frauen beschränkt bleibt, zeigt dieser Versuch: Rattenmännchen hatte man Prolaktin verabreicht. Bereits am nächsten Tag bauten sie kräftig Nester. Ein Patient, dem durch einen Hypophysentumor viel Prolaktin produziert wurde, war die Lieblingsbeschäftigung, dem Pflegepersonal beim Saubermachen zu helfen.
Nach der Geburt regt Oxytocin für den Milchfluss beim Stillen. Wenn das Kind an den Brustwarzen saugt, regt es im Gehirn der Mutter zur Bildung von noch mehr Oxytocin an. Irgendwann genügt das Schreien des Kindes, dass Oxytocin ausgeschüttet wird.[10]

Der in der Spätphase der Schwangerschaft steigende Spiegel von Oxytocin stärkt die Mutter-Kind-Bindung, was bei der spontanen Geburt noch einen kräftigen Schub von Oxytocin erfährt. Beim Kaiserschnitt fehlt diese zusätzliche Ausschüttung von Oxytocin. Dadurch reagieren Mütter mit Kaiserschnitt nicht so stark auf das Weinen ihrer Kinder und das mütterliche Verhalten entwickelt sich verzögert. Daher wird Oxytocin auch als "Bindungshormon" bezeichnet.[11]



Neuroprothesen

Im Jahr 2010 trugen über 100.000 Patienten ein Cochleaimplantat, mit dem sie oft überraschend gut hören können. Bei blinden Patienten experimentiert man mit der Übertragung von Informationen einer elektronischen Kamera an die visuelle Hirnrinde. Einem 25-Jährigen, der durch einen Messerstich ins Genick völlig querschnittsgelähmt war, wurde eine 4x4 mm großes Plättchen mit 96 Elektroden in die Hirnrinde implantiert. Damit kann er durch reine Vorstellungskraft eine Computermaus bedienen, seine E-Mails lesen und ein Computerspiel spielen. Mit mentaler Kraft lässt sich sogar eine Armprothese steuern.[12]


Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 25.
  2. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 31.
  3. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 27.
  4. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 25.
  5. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 31.
  6. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 31.
  7. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 35.
  8. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 36.
  9. Hippokrates. Zitiert nach: Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 39.
  10. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 43.
  11. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 44.
  12. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben. München 2010, 29.