Cingulum

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Der Gyrus cinguli (lat. gyrus = Windung; cingulum = Gürtel) ist ein Teil des Gehirns und gehört funktionell zum limbischen System. Es handelt sich um eine Struktur des Telencephalons (Endhirn), oberhalb des Corpus callosum (Balken), die die medial liegenden Teile der Hemisphären miteinander verbindet.

Der Gyrus cinguli besteht aus 4 Abschnitten:

  • Pars anterior = Brodmann-Areal 24
  • Pars posterior = Brodmann-Areal 23
  • Area subcallosa = Brodmann-Areal 25
  • cinguläre Motor-Areale = Brodmann-Areal 32

Im Marklager des Gyrus cinguli verläuft eine lange Assoziationsbahn, das Cingulum. Er endet in der Rinde des Subiculums der Hippocampusformation.

Eine operative Durchtrennung des Gyrus cinguli wird als Zingulotomie bezeichnet.

Funktion

Als Teil des limbischen Systems ist der Gyrus cinguli bei der Entstehung und Verarbeitung von Emotionen sowie bei Lern- und Gedächtnisprozessen beteiligt. Er scheint eine entscheidende Rolle bei der emotionalen Bewertung der äußeren Umwelt und deren Verknüpfung mit der inneren Gefühlslage zu spielen. Mitgefühl und emotionale Bindungen sind hier lokalisiert. Bei Störungen des allgemeinen Lebensgefühls und einer negativen Stimmungslage wie beispielsweise bei Depressionen lassen sich hier häufig Veränderungen in der neuronalen Aktivität nachweisen. Auch Fähigkeiten wie die Aufmerksamkeit zu verlagern, sich Veränderungen anzupassen und Optionen zu erkennen sind hier lokalisiert.

Entscheidungen werden überwiegend im Gyrus cinguli gefällt. Er ist ein Teil des Papez-Kreises.[1] "Ein Ausfall des vorderen Cingulums, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, hat entsprechende Antriebs- und Interesselosigkeit zur Folge: Der Patient reagiert nur schwach auf Umweltreize, wird wortkarg und bewegungsfaul."[2]

Studien

Stark Verliebten wurden von Andreas Bartels, während sie in der Röhre eines fMRT steckten, Fotos von ihrem Verliebten und Personen aus ihrem sozialen Umfeld, zu denen sie eine neutrale Beziehung haben, gezeigt. "Ergebnis: Beim Anblick des geliebten Partners wurde bei den Verliebten vorwiegend eine Aktivierung des vorderen Cingulum festgestellt. ..., das ist das Zentrum für Interesse und Motivation. Ferner eine Aktivierung weiterer Teile des Belohnungssystems und der Inselregion."[3]

Andreas Bartels führte diese Studie auch mit Müttern durch. Dabei zeigte er ihnen Bilder der eigenen Kinder und anderen Kindern. Die Ergebnisse waren in etwa gleich. "Bemerkenswert jedoch ist, dass sowohl bei Verliebten als auch bei Müttern Hirnregionen ausgeschaltet werden, die mit negativen Emotionen oder kritischer sozialer Wertung zu tun haben. Hierzu gehören Teile des Fronalhirns und des hinteren Cingulum. Das Gehirn kann also beim Anblick eines Menschen, in den man verliebt ist oder der das eigene Kind ist, seine Negativzentren einfach ausknipsen und ganz auf Glück und Zufriedenheit umschalten."[4]



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. Siehe: Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 80.
  2. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 81.
  3. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 313.
  4. Christof Kessler: Glücksgefühle. Wie Glück im Gehirn entsteht und andere erstaunliche Erkenntnisse der Hirnforschung. München 2017, 315.