Arnd Focke: Unterschied zwischen den Versionen

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Arnd Focke (29) hatte am 24.10.1997<ref name="Gebh">Gebhard Focke: Warum ich Organentnahme ablehne… Nach: https://initiative-kao.de/warum-ich-organentnahme-ablehne/ Zugriff am 27.06.2020.</ref> "einen schweren Unfall und musste noch am Unfallort beatmet werden. In der Klinik, in der man ein schweres Schädel-Hirn-Trauma feststellte, wurde er gleich in der Nacht operiert."<ref name="unb">Renate Focke: Operation Explantation: ein unbarmherziger Tod. Nach: https://initiative-kao.de/operation-explantation-ein-unbarmherziger-tod Zugriff am 27.06.2020.</ref>  
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Arnd Focke war "Doktorand an der Universität und seit einem Jahr verheiratet. Seine Frau ... war im zweiten Monat schwanger. Die beiden hatten schon feste Vorstellungen für die Zukunft: Nach der Promotion wollte die Familie nach Kanada gehen; dort wollte unser Sohn weiter wissenschaftlich arbeiten", erzählt Gebhard Focke, Arnds Vater.<ref name="Gebh"></ref>
 
Arnd Focke war "Doktorand an der Universität und seit einem Jahr verheiratet. Seine Frau ... war im zweiten Monat schwanger. Die beiden hatten schon feste Vorstellungen für die Zukunft: Nach der Promotion wollte die Familie nach Kanada gehen; dort wollte unser Sohn weiter wissenschaftlich arbeiten", erzählt Gebhard Focke, Arnds Vater.<ref name="Gebh"></ref>
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Wenn nun beim Hirntod in [[D/A/CH]] Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm abgestorben ist, kann kein Hirntoter irgendwelche Schmerzen haben. Arnd Focke kann somit als Hirntoter die Organentnahme keinesfalls "unter Schmerzen" erlitten haben. Siehe: [[Schmerzempfinden]]</ref>
 
Wenn nun beim Hirntod in [[D/A/CH]] Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm abgestorben ist, kann kein Hirntoter irgendwelche Schmerzen haben. Arnd Focke kann somit als Hirntoter die Organentnahme keinesfalls "unter Schmerzen" erlitten haben. Siehe: [[Schmerzempfinden]]</ref>
  
"Zu spät habe ich gemerkt, worauf wir verzichten mussten", sagt Renate Focke, "unser Sohn musste auf ein geschütztes Sterben, auf liebevolle Begleitung bis zum Tod und darüber hinaus und auf körperliche Unversehrtheit verzichten. Und wir auf einen ungestörten Abschied, der uns die Trauer leichter gemacht hätte."<ref name="TW2012">Doris Michel-Schmidt: Das letzte Tabu. In: TagesWoche (26.01.2012) Nach: https://tageswoche.ch/gesellschaft/das-letzte-tabu Zugriff am 02.06.2020.</ref><br>
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"Zu spät habe ich gemerkt, worauf wir verzichten mussten", sagt Renate Focke, "unser Sohn musste auf ein geschütztes Sterben, auf liebevolle Begleitung bis zum Tod und darüber hinaus und auf körperliche Unversehrtheit verzichten. Und wir auf einen ungestörten Abschied, der uns die Trauer leichter gemacht hätte."<ref name="TW2012">Doris Michel-Schmidt: Das letzte Tabu. In: TagesWoche (26.01.2012) Nach: xyzs://tageswoche.ch/gesellschaft/das-letzte-tabu Zugriff am 02.06.2020.</ref><br>
 
Siehe: [[Sterbebegleitung]]
 
Siehe: [[Sterbebegleitung]]
  

Aktuelle Version vom 29. Juni 2020, 22:27 Uhr

Der Unfall

Arnd Focke (29) hatte am 24.10.1997[1] "einen schweren Unfall und musste noch am Unfallort beatmet werden. In der Klinik, in der man ein schweres Schädel-Hirn-Trauma feststellte, wurde er gleich in der Nacht operiert."[2]

Arnd Focke war "Doktorand an der Universität und seit einem Jahr verheiratet. Seine Frau ... war im zweiten Monat schwanger. Die beiden hatten schon feste Vorstellungen für die Zukunft: Nach der Promotion wollte die Familie nach Kanada gehen; dort wollte unser Sohn weiter wissenschaftlich arbeiten", erzählt Gebhard Focke, Arnds Vater.[1]

In der Klinik

Renate und Gebhard Focke, die Eltern von Arnd, erfuhren erst am nächsten Morgen von dem Unfall und besuchten ihn sofort in der Klinik. Renate Focke beschreibt die Situation so: "Arnd lag auf der Intensivstation, zusammen mit fünf oder sechs anderen Patienten, er wurde beatmet, hatte einen Kopfverband von der Operation, war an viele Geräte angeschlossen und lag wie schlafend da. Er war in ein künstliches Koma versetzt worden. An seiner rechten Schulter, die bloß lag, hatte er eine Prellung und über der linken Augenbraue eine Schnittwunde."[2]

Ebenso beschreibt es Gebhard Focke: "Er lag da, mit einem Verband um den Kopf – man hatte seine Schädeldecke geöffnet – sonst aber außer einer kleinen Schürfwunde völlig unversehrt. Er wurde durch Monitore überwacht, bekam Infusionen und wurde beatmet. Er lag völlig regungslos, hatte einen entspannten Gesichtsausdruck und war warm, als wir ihn anfassten."[1][Anm. 1]

Am Nachmittag wurde der Ehefrau von Arnd, sowie Renate und Gebhard Focke von einer Ärztin mitgeteilt, dass seine Überlebenschancen sehr gering seien und die Diagnose Hirntod wahrscheinlich sei.[2]

Gebhard Focke erinnert sich: "In der Klinik sagte uns die zuständige Ärztin – quasi im Vorübergehen – dass unser Sohn ein schweres Schädel-Hirntrauma erlitten habe und wir mit dem Schlimmsten rechnen müssten. Ohne nachzudenken, sagte ich: „Dann wird ja die Frage nach Organspende auf uns zukommen“ – das war mir als erstes in der Schocksituation und der Furcht vor der schrecklichen Wahrheit eingefallen. Erst später bemerkte ich, dass ich durch diese Äußerung einen Mechanismus in Gang gesetzt hatte, der von unserem Sohn aus einem Patienten einen potenziellen Organspender machte und dadurch seine Leiden verlängerte." und weiter: "Ich werfe mir vor, dass ich tatsächlich meinen Sohn für tot hielt, als die Ärzte mir das verkündeten, obwohl er sich durch die Hirntodfeststellung in keiner Weise verändert hatte."[1][Anm. 2]

Die Entscheidung zur Organspende

Renate Focke erzählt weiter: "Einen oder zwei Tage später sprach uns die Stationsleiterin an und beglückwünschte uns zu der Entscheidung für eine Organspende. Wir sagten, wir hätten noch nicht darüber gesprochen, bekamen aber den Eindruck, wir müssten uns so schnell wie möglich entscheiden. Unsere Schwiegertochter sagte uns dann wenig später, Arnd hätte sich für Organspende ausgesprochen. Wir teilten das den Ärzten mit. Somit waren die Weichen für eine Organentnahme gestellt, und zwar schon vor der Hirntodfeststellung."[2][1][Anm. 3]

Gebhard Focke erinnert sich hierzu: "Als das dann stattgefunden hatte, wurden wir offiziell von der Transplantationskoordinatorin nach dem mutmaßlichen Willen unseres Sohnes gefragt mit den Worten: „Ihr Angehöriger war doch sicher ein sozialer Mensch?!“ Wir kreuzten auf einer Liste die Organe an, die entnommen werden konnten. Dann verließen wir das Krankenhaus, ohne unseren Sohn noch einmal zu sehen."[1][Anm. 4]

Die Schwester von Arnd Focke kam nach dieser Entscheidung in die Klinik, "protestierte heftig gegen unsere vorweggenommene Zustimmung zur Organentnahme und sagte erschüttert: „Er ist doch keine Organbank!“ Ich hörte ihren Protest, verstand sie, aber stand ihr nicht bei. Denn über allem stand seine mündliche Erklärung für die Organspende."[2][Anm. 5]

Die Organentnahme

Renate Focke erzählt weiter: "Am nächsten Tag brach bei mir dasselbe Entsetzen aus. Wir redeten und kamen zu der Entscheidung, dass wir die Zustimmung zur Organentnahme zurücknehmen würden, wenn sie nicht noch an diesem Tag erfolgte. Damit haben wir den Ärzten die Verantwortung übergeben und sie unter Zeitdruck gesetzt. Unser sterbender Sohn wurde noch schutzloser."[2][Anm. 6]

Die Alternative

Die Alternative zur Organentnahme beschreibt Renate Focke so: "Wenn wir nach der Hirntodfeststellung eine Organentnahme abgelehnt hätten, wäre kurz danach die Beatmung abgestellt worden. Sein Herz hätte noch stundenlang weiterschlagen können, so sagte man uns nach der Todesnachricht, und er wäre erstickt – das ist, wie wir später hörten, eine Lüge. In Berichten von Ärzten und Pflegern finde ich Beschreibungen von einem heftigen Todeskampf, bei dem viele meinen, es sei den Angehörigen nicht zumutbar, dabei zu sein. Ich frage mich, ob nicht erst die Spenderkonditionierung (d.h. intensive medizinische Behandlung zur Erhaltung der Organe), die einen hirntoten Sterbenden mit allen Mitteln bis zur Organentnahme im Leben hält, diesen qualvollen Todeskampf herbeiführt."[2][Anm. 7]

Die Zeit danach (Renate Focke)

Renate Focke beklagt: "„Sich informieren und dann entscheiden!“, so lautet eine Aufforderung in der Broschüre „Wie ein zweites Leben“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Informieren konnten wir uns in dieser Situation nicht. Wir bekamen im Krankenhaus auch keine Hinweise darüber, wie eine Organentnahme abläuft und dass eine Sterbebegleitung nicht möglich Wenn wir alle, auch unser Sohn, uns aber vorher informiert hätten mit Hilfe des von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfohlenen Informationsmaterials, wären wir wahrscheinlich zu keiner anderen Entscheidung gekommen. Denn was Organentnahme für den hirntoten Organspender und seine Angehörigen wirklich bedeutet, geht aus den Informationen und dem Organspendeausweis nicht hervor."[2][Anm. 8]

Einige Zeit nach dem Tod von Arnd Focke hatte seine Mutter Renate Albträume.[Anm. 9] Sie träumte, dass seine Leiche in einem Aquarium trieb, dass sein Leichnam aus dem Grab verschwunden sei. Zur Trauer um Arnd kamen noch Schuldgefühle, dass sie ihren Sohn "nicht davor beschützt hatte".[Anm. 10]

Renate Focke sah ihren Sohn "aufgebahrt im Sarg, sein Mund klein und verkrampft. Er hatte keinen friedvollen, gelösten oder ernsten Gesichtsausdruck wie andere Tote, die ich gesehen habe, sondern sah aus, als wäre er unter Schmerzen gestorben."[Anm. 11]

"Zu spät habe ich gemerkt, worauf wir verzichten mussten", sagt Renate Focke, "unser Sohn musste auf ein geschütztes Sterben, auf liebevolle Begleitung bis zum Tod und darüber hinaus und auf körperliche Unversehrtheit verzichten. Und wir auf einen ungestörten Abschied, der uns die Trauer leichter gemacht hätte."[3]
Siehe: Sterbebegleitung

Darüber hinaus stellt sich Renate Focke auch diese Fragen: "Ich denke, mein Versagen hat noch mit etwas Anderem zu tun: „Organspende rettet Leben“, „Leben weitergeben“ und „Schenken Sie Leben“ sind zu stehenden Redewendungen und eingängigen Bildern geworden, die sich unmerklich eingegraben haben in unseren Wortschatz und unser Wertesystem. Auch die Kirchen haben bekräftigt, dass Organspende im Namen der Nächstenliebe erfolgen kann. Wie kann ich etwas, was so gut und segensreich zu sein scheint, in Frage stellen? Doch die Diskrepanz zwischen dem, was an Positivem mit der Organspende von Hirntoten verknüpft wird, und meinem eigenen Erleben ist unüberwindlich."[2]

Renate Focke macht "wütend, dass die Transplantations-Organisationen auf eine umfassende Information der möglichen Organspender und der Öffentlichkeit verzichten. Sie verweigern auch Informationen darüber, dass der sogenannte Hirntod nicht der Tod ist, den wir bisher gekannt haben. Und sie sagen nicht, dass Organentnahme eine Sterbebegleitung durch die Angehörigen unmöglich macht. Stattdessen setzen sie auf eine große Akzeptanz in der Bevölkerung, weil Organtransplantationen kranken Menschen das Leben verlängern oder erheblich erleichtern können. Und im Ernstfall werden uninformierte Angehörige von Hirntoten dann überrumpelt, so wie es uns ergangen ist."[2][Anm. 12]

Siehe: Todesverständnis, unsichtbarer Tod, gemeinsame Erklärungen, Sterbebegleitung

Renate Focke fühlt sich "missbraucht durch eine Medizin, die einen neuen Todesbegriff einführt und Menschen, deren Gehirn unumkehrbar geschädigt ist, vorzeitig für tot erklärt, indem man sie aufteilt in eine tote Person einerseits und einen lebenden Restkörper andererseits. Die Hirntoddiagnose – wie es das 1997 vom Bundestag verabschiedete Transplantationsgesetz besagt – ermöglicht nach der Zustimmung den Zugriff auf den Hirntoten und die Verwertung des “Restkörpers”. Mein Sohn war kein Restkörper, sondern ein sterben der Mensch, der unsere liebevolle Begleitung und Schutz vor Manipulationen in seinem Sterbeprozess gebraucht hätte."[2]

Siehe: Chronik/Hirntod, Sterbebegleitung

Renate Focke wünscht sich "viele mutige Ärzte und Pflegekräfte, die sich dem gesellschaftlichen Druck widersetzen, Menschen mit Hirnversagen unter dem Aspekt der Verwertbarkeit für andere zu sehen und zu behandeln. Das Grundrecht der Menschen, gerade in der letzten Lebenszeit unbehelligt zu bleiben von den Ansprüchen Dritter, ist durch das Transplantationsgesetz außer Kraft gesetzt worden. Mir bleibt das Entsetzen darüber, dass mein Sohn Arnd einen gewaltsamen Tod hatte. Jetzt muss ich mit dem Geschehenen leben. Meine Hoffnung ist, dass ich andere Menschen dazu anregen kann, sich auch die Seite der Spender und ihrer Familien anzusehen. Dann können sie im Ernstfall hoffentlich eine Entscheidung treffen, mit der sie im Einklang sind."[2][Anm. 13]

Die Zeit danach (Gebhard Focke)

Gebhard Focke macht sich zu dem Ablauf Vorwürfe: "Ich werfe mir vor, dass ich ihn habe sterben lassen, während er aufgesägt und aufgeschnitten wurde, während er mit kalter Perfusionslösung durchspült wurde – und das alles ohne Narkose. Keiner weiß aber genau, was ein sogenannter „Hirntoter“ noch empfinden kann."[1][Anm. 14]

Siehe: Schmemrz

"Wenn die Transplantationsmediziner behaupten, dass dieser Tod wissenschaftlich belegt sei, so blenden sie ganz bewusst die Erkenntnisse der Hirnforscher aus, die in den letzten Jahren viel Neues über das Gehirn und seine Funktion erfahren haben.

Bestätigt werden diese Äußerungen von einer Vielzahl Wissenschaftler aus aller Welt. Bei einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Februar 2005 im Vatikan zu den „Zeichen des Todes“, noch einberufen von Johannes Paul II., war die Kritik so heftig, dass kein offizielles Protokoll – wie sonst üblich – veröffentlicht wurde; nur über inoffizielle Kanäle sind diese Stellungnahmen bekannt geworden. Sind auch Kardinäle interessiert an sog. „neuen“ Organen?"[1]

Siehe: PAS 1985, PAS 1989, PAS 2005, PAS 2006, PAS 2012, DBK 2015
Siehe auch: gemeinsame Erklärungen, Todesverständnis
Es stellt sich hier die Frage, wer hier wen über den Tisch gezogen hat.

Gebhard Focke weiter: "Ich fordere also Aufklärung, die den Namen auch verdient: Statt der Unterdrückung der kritischen Stimmen, an der sich beide christlichen Kirchen kräftig beteiligen, soll auf die Nützlichkeit der Hirntoddefinition für die einen – Mediziner und Empfänger – und auf die Grausamkeit für die anderen – die Spender – hingewiesen werden."[1][Anm. 15]

"Statt von der hundertprozentigen Zuverlässigkeit der Hirntoddiagnose zu fabulieren, sollte man die Öffentlichkeit darüber informieren, dass Studien das Gegenteil belegen."[1]

Siehe: Alan Shewmon

"Und die DSO sollte nicht dauernd von Solidarität in der Gesellschaft reden und damit die Ausbeutung des einen zu Gunsten eines anderen meinen."[1]

Siehe: Selbstbestimmungsrecht

"Zusammen mit der Pharmaindustrie, die an den Transplantierten, die ja Dauerpatienten sind, viel Geld verdient, ist hier ein Kartell entstanden, das Informationen nur dann fördert, wenn sie Werbung für Organspende darstellen, sonst tut man alles, um die Öffentlichkeit nur in einer Richtung zu beeinflussen. Vor kurzem hat der Bundestag in einem Gesetz beschlossen, dass Gewebe und Körperteile wie Arzneimittel behandelt werden. Damit wirft das Explantieren von Menschen noch mehr Gewinn ab."[1]

Siehe: Verschwörungstheorie, [[Re-Transplantation]

"Woran ist die Transplantationsmedizin eigentlich in erster Linie interessiert? Will sie kranken Menschen helfen? Dann müssten andere Therapieformen entwickelt und weiterentwickelt werden, um den Kranken nicht vergebliche Hoffnung zu machen."[1]

Siehe: Alternativen

"Warum gibt es keine allgemein zugängliche Statistik der Erfolge oder Misserfolge der Transplantationen? Sind die Empfänger von Organen tatsächlich so gesund und fit, wie die Werbung uns weismachen will? Man hört und sieht immer nur die Vorzeigepatienten, denen es anscheinend gut geht."[1]

Siehe: Zufriedenheit, Berichte der TXZ

Gebhard Focke endet seinen Artikel mit seinen "eigenen Feststellungen":

1. Aus dem Gesagten geht für mich hervor, dass die Weggabe von Organen nicht erwartet oder sogar eingefordert werden kann, sondern dass das ein Opfer ist, für das man sich nach Kenntnis aller Probleme nur persönlich entscheiden kann.

2. Ich empfinde es als infam, dass es immer wieder zur Konfrontation zwischen Transplantierten und uns Angehörigen von Organspendern kommt. Wir sind beide durch die Medizin miteinander verbunden worden, sozusagen zwei Seiten der einen Medaille, die sich die Mediziner an ihre Brust heften können: Es kann für die einen kein Weiterleben ohne das Opfer der anderen geben. Das muss man sagen können, ohne als „Mörder“ beschimpft zu werden. Diesen Zusammenhang zu verschleiern werfe ich dem System vor.

3. Das Heilsversprechen der Medizin, uns das Leben zu erhalten, ist bislang noch nicht eingelöst worden – ich sage glücklicherweise. Wir müssen wieder lernen, mit dem eigenen Tod zu leben, er ereilt uns alle. Hilfe dabei gibt es in der Hospizbewegung, die da einsetzt, wo die Medizin am Ende ist.[1]


1997 und heute

Der beschriebene Umgang der Ärzte mit den Hinterbliebenen war nicht vorbildlich. Statt dessen ist es wünschenswert, dass die Angehörigen täglich über den aktuellen Stand informiert werden, am besten durch ein persönliches Gespräch, wenn es nicht anders geht per Telefon. Dies gilt insbesondere für diese Entwicklungsschritte:

  1. Es sollten die Ergebnisse der ersten Befunde über die schwere der Verletzungen, insbesondere der Hirnschädigung, mitgeteilt werden.
  2. Es sollte die Zusage erfolgen, dass alles getan wird, um das Leben des Patienten zu retten und seine Gesundheit wieder herzustellen.
  3. Wenn sich neue Ergebnisse ergeben, die eine Verschlechterung des Zustandes anzeigen, oder wenn sich der Zustand akut verschlechtert, sollten die Angehörigen zeitnah darüber informiert werden. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Angehörigen vom Informationsstand der Hoffnung plötzlich damit konfrontiert wird, dass nun die HTD durchgeführt wird oder gar dass der Hirntod festgestellt wurde.[Anm. 16]
  4. Ein zwingendes Muss stellt das Gespräch der Ärzte mit den Angehörigen zum Zeitpunkt dar, wenn die HTD ansteht. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Hinterbliebenen unvorbereitet mit der Tatsache des festgestellten Hirntodes konfrontiert wird.
  5. Nach der Feststellung des Hirntodes ist den Hinterbliebenen nicht nur einfach zu sagen, dass der Patient nun tot ist. Da der Hirntod ein unsichtbarer Tod ist, sollten den Hinterbliebenen Teile der HTD am Hirntoten mit dem Ziel gezeigt werden, dass hier kein Komapatient liegt, sondern ein Hirntoter.[Anm. 17]
  6. Wenn den Hinterbliebenen verständlich gemacht wurde, dass hier kein Koma vorliegt, sondern Hirntod, sollte ihnen einige Minuten gegönnt werden, diese Tatsache für sich zu verarbeiten. Es sollte hierbei angeboten werden, dass die Hinterbliebenen aufkommende Fragen stellen können.
  7. Erst dann sollte die Frage um eine Zustimmung oder Ablehnung zur Organentnahme gestellt werden. Hierbei ist jede Einflussnahme zu vermeiden. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Informationen gegeben werden dürfen. So ist darauf hinzuweisen, dass es jetzt nur die Wahl zwischen zwei Wegen gibt: Therapieende oder Organentnahme Gerade jetzt ist es wichtig, alle gestellten Fragen nüchtern und sachlich zu beantworten, um den Hinterbliebenen eine für sie tragfähige Entscheidung fällen zu können.[Anm. 18]

Es ist keine Frage, dass das von Renate Focke Geschilderte kein vorbildlicher Verlauf in der Klinik war. Auf mehreren Ebenen wurden Fehler begangen, insbesondere beim fehlenden Erklären des Hirntodes, beim Fehlen eines Abschiedrituals und bei der Frage um Organspende. Doch das war im Herbst 1997 und erfolgte parallel zur Verabschiedung des TpG in Deutschland.
In der Zwischenzeit schreiben wir das Jahr 2020. Arnd ist noch immer tot. Doch die Welt hat sich verändert: Damit sind seither 23 Jahre vergangen. In dieser Zeit trat in Deutschland das TPG in Kraft und es ist inzwischen auch eine völlig neue Generation von Ärzten herangewachsen. Die überwiegende Mehrheit der heutigen Ärzte - das schreibe ich nach über 17 Jahren Klinikseelsorge mit Vollzeitstelle - verhalten sich in solchen Situationen anders, einfühlsamer, rücksichtsvoller.


Anhang

Anmerkungen

  1. Vor allem Hinterbliebene erleben Hirntote als Komapatienten. Aus diesem Grunde bezeichnete sie Pierre Mollaret und Maurice Goulon 1959 diesen Zustand als "Coma dépassé". Da sie an diesen "Patienten" keine Hirnaktivitäten feststellen konnten und alle ihre 23 Hirntoten trotz aller Maßnahmen der Intensivmedizin binnen 8 Tagen einem Herzstillstand erlagen, war es für sie nicht nur einfach ein Koma, sondern ein überwundenes Koma, ein Zustand jenseits des Komas. Monate zuvor stellte Pierre Wertheimer und sein Team seine 4 Hirntote in dem Artikel mit der Überschrift "sur la mort du système nerveux" (Der Tod des Nervensystems) vor, was schließlich zur Bezeichnung "Hirntod" führte. Im August 1987 erschien in den USA ein Artikel über 53 Hirntote, die alle trotz fortgesetzter intensivmedizinischer Behandlung innerhalb der ersten 8 Tagen einen Herzstillstand erlitten, nur einer erst nach 17 Tagen.
    Hirntod ist kein Koma, auch kein irreversibles Koma. Bei Komapatienten funktionieren noch Teile des Gehirns, bei Hirntoten nichts mehr. Was Hirntote bräuchten, wäre ein neues Gehirn. Wäre die Medizin dazu in der Lage, würde mit dem neuen Gehirn ein völlig neuer Mensch in alten Körper heranwachsen, denn unser Gehirn verarbeitet nicht nur unsere Sinneswahrnehmungen und befähigt uns zum Denken, sondern ist auch die Datenbank unseres Lebens, in dem alles Erlebte und Erlernte gespeichert ist. Mit dem Hirntod ist diese Datenbank unseres Lebens nicht nur gelöscht, sondern physiologisch zerstört. Daher sind für die Medizin Hirntote Tote, siehe: gemeinsame Erklärungen.
    Das Problem beim Hirntod ist, dass es ein unsichtbarer Tod ist, den nur die HTD ans Tageslicht bringt. Daher schrieb Pierre Mollaret 1962 über Hirntote, es gilt "zu erkennen, daß der Tod – so maskiert er auch sein mag – bereits eingetreten ist." (MMW 104,2 (1962), 2197)
    Am besten lässt sich dies am geozentrischen und heliozentrischen Weltbild vergleichen: Unser aller Wahrnehmung lauter, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Doch in Wahrheit dreht sich die Erde um die Sonne. Zu dieser anderen Sichtweise sind wir jedoch erst fähig, wenn wir bereit sind, von der Phänomen-Ebene zu lassen - d.h. was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen - und die Sichtweise annehmen, die der Realität entspricht.
  2. Leiden von Komapatienten wird sofort erkannt, z.B. am Anstieg des Blutdrucks und Verkrampfungen, und sofort mit Medikamenten (meist Morphin) entgegengewirkt. Es ist grundsätzliches Bestreben der Intensivmedizin, dass ihre Patienten nicht leiden. Trägt dieses doch auch zur Genesung bei. Aus diesem Grunde werden zuweilen Patienten auch ins künstliche Koma versetzt. Daher gilt für alle Patienten, alle Sterbende und auch alle Hirntote auf der Intensivstation der Grundsatz: Der Leidende liegt nicht im Bett. Die Leidenden stehen um das Bett herum.
  3. Dieses Beispiel zeigt deutlich auf, wie wichtig es ist, zuerst im Kreis mit der Verwandtschaft über das Thema zu sprechen, wenn vom Hirntoten keine schriftliche Erklärung vorliegt. Es sollte nicht vorkommen, dass ein Teil der Familie von einer Entscheidung weiß und der andere Teil es von den Ärzten erfährt.
  4. Das ist ein Negativbeispiel. So sollte das Gespräch nicht laufen. Das Gespräch sollte hingegen so geführt werden, dass es einzig um die Umsetzung des Willens des Hirntoten geht. Dieser lag bei Arnd Focke in mündlicher Form sogar vor. Daher war diese Manipulation völlig unnötig. - Heute werden - entsprechend § 4 TPG die Gespräch gestaffelt von diesen 4 Kernfragen geleitet:
    1. Ist Ihnen eine schriftliche Willenserklärung des Hirntoten zur Frage der Organspende bekannt?
    2. Wenn nein: Ist Ihnen hierzu eine mündliche Willenserklärung des Hirntoten bekannt?
    3. Wenn nein: Was meinen Sie, was der Wille des Hirntoten sein könnte?
    4. Wenn die Hinterbliebenen hierzu keine Ahnung haben: Wie soll nun verfahren werden?
    Die Frage zu 1. und 2. fragen reine Fakten ab. Dies bedeutet für die Hinterbliebenen noch keine emotionale Belastung. Bei einer Widerspruchsregelung würden keine weiteren Fragen erfolgen. So aber geht es meist mit Frage 3 weiter, was bereits eine emotionale Belastung für die Hinterbliebenen ist. Die Frage 4 mit der Entscheidung der Hinterbliebenen ist der schlimmste Fall (wurst case), der vermieden werden sollte, aber dennoch häufig erfolgt.
    Klaus Schäfer liegen die Jahresberichten der DSO seit dem Jahr 2002 mit den Anteilen der jeweils gegebenen Antworten vor. Sie sind ein deutliches Zeugnis dafür, wie wenige Menschen sich selbst entschieden haben und diese Entscheidung schriftlich festgehalten haben. Dabei würde doch dieses die Hinterbliebenen in dieser Situation emotional sehr entlasten, statt sie zu belasten. Siehe: Entscheidungen.
  5. Weil es innerhalb der Familie sehr unterschiedliche Positionen zur Frage der Organspende geben kann, ist es sehr hilfreich, dass man miteinander darüber spricht. Jeder sollte von der Haltung des Anderen wissen und diese Haltung respektieren. Dies erspart später evtl. die Auseinandersetzung in der Klinik.
  6. Das war im Herbst 1997. Damals war die DSO noch nicht gesetzlich verpflichtet in jede Organtransplantation eingebunden, denn das TPG trat erst im November 1997 in Kraft. Seither erfolgen die Organentnahmen sehr zeitnah nach der Feststellung des Hirntods: Bei 2,7% der Organentnahmen betrug die Zeit zwischen Feststellung des Hirntods und dem Ende der Organentnahme weniger als 7 Stunden; bei 24,8% betrug sie 7 bis 12 Stunden; bei 42,6% betrug sie 12 bis 18 Stunden; bei 15,4% betrug sie 18 bis 24 Stunden; bei 14,5% betrug sie mehr als 24 Stunden. Quelle: DSO: Jahresbericht 2012, Seite 19.
  7. Nach dem Bericht von Renate Focke ist unklar, ob eine HTD bei Arnd Focke durchgeführt und der Hirntod festgestellt wurde. Es soll daher auf beide Möglichkeiten eingegangen werden:
    • Arnd Focke war zu diesem Zeitpunkt nicht hirntod
      Wenn Arnd Focke zu diesem Zeitpunkt nicht hirntot war, hätte ein Abschalten der künstlichen Beatmung sein Herz durchaus noch für einige Stunden schlagen können. Zu einem Todeskampf wäre es nicht gekommen, da man in diesen Situationen (meist nach PV) den Patienten ausreichen Schmerzmittel gibt. Es hätte aber bei einer Organentnahme eine Zuwiderhandlung gegen die Entscheidungshilfe BÄK 1991 oder bereits BÄK 1997 bedeutet.
    • Arnd Focke war zu diesen Zeitpunkt hirntot
      Wenn Arnd Focke zu diesem Zeitpunkt bereits hirntot war, wäre sein Herz nach dem Abstellen der künstlichen Beatmung nach wenigen Minuten zum Stillstand gekommen. Es wäre dann zu keinem Todeskampf gekommen, da Hirntote kein Schmerzempfinden haben.
  8. Die BZgA erhielt erst mit der Verabschiedung des TPG im Jahr 1997 den gesetzlichen Auftrag, zu Hirntod und Organspende aufzuklären. Arnd Focke starb jedoch im Herbst 1997.
    Die Bedürfnisse der Menschen sind sehr unterschiedlich. Es ist kaum möglich, mit einer Broschüre die Bedürfnisse aller Hinterbliebenen zu erfüllen. Während die Einen nur einen allgemeinen Überblick haben wollen, interessiert die Anderen peinlich genau, wie die Organentnahme erfolgt, dass z.B. der Oberkörper vom Halsansatz bis zum Schambein aufgeschnitten wird. - Um den verschiedenen Bedürfnissen annähernd zu entsprechen, wurde dieses Organspende-Wiki erstellt.
  9. Es ist nicht gesagt, dass diese Albträume von der Zustimmung zur Organspende gekommen sind. Andere Eltern haben nach dem plötzlichen Tod ihres Kindes auch Albträume, obwohl dort Organspende gar kein Thema war, weil kein Hirntod vorlag. Der plötzliche Tod eines Kindes ist ein so gewaltiger Eingriff in das Leben, der zu Albträumen führen kann.
  10. Arnd Focke war bei seinem Unfall 29 Jahre alt. Er war damit volljährig. Seine Eltern hatten bezüglich seines Lebens wie auch der Frage um Organspende somit gar kein Mitspracherecht (Selbstbestimmungsrecht). Damit kommt den Eltern auch keinerlei Schuld zu, weder am Unfall noch an der Organentnahme.
    Wenn auch Arnd Focke seine Bereitschaft zur Organspende nie schriftlich festgehalten hat, so war seine Ehefrau über diesen seinen Wunsch informiert. Dieser sein Wunsch wurde der Klinik mitgeteilt und umgesetzt. - Dies zeigt deutlich, dass es nicht nur getan ist, seine Entscheidung mündlich mitzuteilen, man sollte sie auch schriftlich festhalten, damit alle Hinterbliebene es nachlesen können. Dies entlastet die Hinterbliebenen enorm.
  11. Dies ist eine Interpretation. In D/A/CH können Hirntote keine Schmerzen haben. Das unterstreichen auch offizielle Schreiben der Schweiz, in dem Land, in dem zur Organentnahme eine Vollnarkose vorgeschrieben ist. Diese Vollnarkose wird gegeben, um die spinalen Reflexe (vom Rückenmark ausgehend) zu unterbinden. So heißt es in diesen offiziellen Papieren.
    Bei der HTD wird auch der Trigeminus-Nerv gereizt. Damit löst man einen Schmerzreiz aus, der größer ist als das Öffnen das Körpers bei der Organentnahme. Dabei darf der Hirntote keine Regung zeigen. Andernfalls ist der Hirntod widerlegt.
    In D/A/CH müssen beim Hirntod Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm abgestorben sein. Die Medizin kennt genau das Areal im Großhirn, in dem Schmerzreize verarbeitet und der Schmerz wahrgenommen wird. Patienten, bei denen dieses Areal im Großhirn geschädigt ist, besitzen ein vermindertes oder kein Schmerzempfinden.
    Wenn nun beim Hirntod in D/A/CH Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm abgestorben ist, kann kein Hirntoter irgendwelche Schmerzen haben. Arnd Focke kann somit als Hirntoter die Organentnahme keinesfalls "unter Schmerzen" erlitten haben. Siehe: Schmerzempfinden
  12. Seit 1997, dem Todesjahr von Arnd Focke und der Verabschiedung des TPG, ist die BZgA gesetzlich dazu verpflichtet, ergebnisoffen über Hirntod und Organspende aufzuklären. Seit Herbst 2012 sind auch die Krankenkassen in besonderer Weise hierzu in die Pflicht genommen. Daneben bemühen sich auch einzelnen Gruppen und Personen um Aufklärung, seit 2014 auch das Organspende-Wiki.
  13. Es gibt keine Ansprüche Dritter gegenüber Hirntoten. Diese werden ausschließlich von Kritikern genannt, aber von zahlreichen Gremien und Gruppen (u.a. DER, BÄK, EKD, DBK) wie auch in der Rechtswissenschaft strikt abgelehnt.
  14. Solche Selbstvorwürfe sind verständlich. Diese haben auch Hinterbliebene, wenn nach vorliegender PV die Therapie beendet wurde. Diese haben Hinterbliebene insbesondere dann, wenn keine PV vorliegt und vorher nie über das eigene Sterben gesprochen wurde.
    Wenn der Hirntod von Arnd Focke nach rein rechtlichen Gesichtspunkten betrachtet wird, stellt sich die Situation wie folgt dar:
    1. Arnd Focke war 29 Jahre alt und war damit über ein Jahrzehnt vor dem Gesetz volljährig. Ungeachtet dessen bleibt man auch als Erwachsener immer noch Sohn oder Tochter seiner Eltern.
    2. Nach Abs. 5 § 1a TPG gibt es für den Fall, dass weder eine schriftliche noch eine mündliche Willenserklärung des Hirntoten zur Frage der Organspende vorliegt eine Rangfolge:
      1. der Ehegatte oder der eingetragene Lebenspartner,
      2. die volljährigen Kinder,
      3. die Eltern oder ihnen gleichgestellte Personen (z.B. Vormund, Pfleger, Sorgeinhaber)
      4. die volljährigen Geschwister,
      5. die Großeltern.
        Damit fiel - rein juristisch betrachtet! - der schwangeren Ehefrau die Entscheidung zu. Volljährige Kinder gab es von Arnd Focke keine. Somit wären Renate und Gebhard Focke erst entscheidungsberechtigt gewesen, wenn es keine Ehefrau gegeben hätte oder diese zu diesem Zeitpunkt nicht erreichbar gewesen wäre.
    Auf diese gesetzliche Regelung wird an dieser Stelle für alle Menschen in ähnlichen Situationen ausdrücklich hingewiesen. Möge diese Info allen zur emotionalen Entlastung werden.
  15. Auf eigenen Wunsch durfte ich in der genannten Reihenfolge bei diesen Operationen im OP-Saal mit dabei sein:
    1. Entfernung der beiden Schilddrüsen
    2. Laproskopische Entfernung eines Lungenlappens (OP über Monitor)
    3. Entfernung eines Lungenflügels am offenen Oberkörper
    4. Organentnahme, bei der Lunge und Nieren gespendet wurden"
    Meine dabei gemachten Beobachtungen können daher die Aussage einer Grausamkeit einer bei einer Organentnahme nicht bestätigen. Vielmehr ging es bei allen vier Operationen mit einer vergleichbaren Ruhe und würdevollem Umgang zu. Da geht es bei so manchen Demonstrationen grausamer zu, erst recht bei Schlägereien.
  16. Ein wünschenswertes Vorgehen hat Klaus Schäfer in seinem Buch Vom Koma zum Hirntod beschrieben.
  17. Hierzu sollte - wie es auch die HTD vorsieht - mit den leichten Reizen begonnen werden, um dann schrittweise zu den schwereren Reizen zu wechseln. Dabei sollten die einzelnen Schritte anschaulich und für Nichtmediziner nachvollziehbar gezeigt werden.
    So kann z.B. bei der Erklärung des Pupillen-Reflexes der Arzt zunächst mit der Taschenlampe in sein Auge leuchten, damit die Hinterbliebenen sehen können, wie dieser Reflex funktioniert. Gleiches gilt beim Berühren der Augenlider. Hier können die Hinterbliebenen dazu eingeladen werden, an sich selbst zu testen, ob sie es schaffen, ohne mechanische Hilfe ihr Auge offen zu halten, wenn sie ihren Augapfel berühren wollen. Gleiches gilt beim Überprüfen des Würge-Reflexes.
    Sollte die Trennung des Hirntoten von der künstlichen Beatmung notwendig sein, um die letzten Zweifel auszuräumen, dass hier kein Koma, sondern Hirntod vorliegt, sollten vorher kurz die physiologischen Zusammenhänge erklärt werden. Die Hinterbliebenen sollten in der anthopologischen Tragweite verstehen, was ihnen hierbei gezeigt wird.
  18. Dies gilt grundsätzlich für alle Gespräche nach der Feststellung des Hirntodes. Bei hirntoten Kindern und Jugendlichen ist jedoch ein besonders behutsamer Umgang angeraten.
    Wenn keine schriftliche oder mündliche Zustimmung oder Ablehnung zur Organentnahme vorliegt und die Hinterbliebenen keine Ahnung haben, was der Hirntote für diese Situation für sich wünschte, haben die Hinterbliebenen zu entscheiden. Mit dieser Entscheidung müssen sie ein Leben lang leben. Daher ist die Tragfähigkeit der Entscheidung von so großer Bedeutung.
    Diese Bedeutung der Tragfähig ist für die Zustimmung wie auch für die Ablehnung sehr wichtig. Bei den unter KAO zusammengeschlossenen Eltern besitzt die Zustimmung keine Tragfähigkeit. Bei Klaus Kinkel besitzt die Ablehnung keine Tragfähigkeit, da er die Entscheidung ohne Rücksprache mit der Familie traf, die davon wusste, dass die Tochter klar gesagt hatte, dass sie für sich einer Organentnahme zustimmen würde.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Gebhard Focke: Warum ich Organentnahme ablehne… Nach: xyzs://initiative-kao.de/warum-ich-organentnahme-ablehne/ Zugriff am 27.06.2020.
  2. a b c d e f g h i j k l Renate Focke: Operation Explantation: ein unbarmherziger Tod. Nach: xyzs://initiative-kao.de/operation-explantation-ein-unbarmherziger-tod Zugriff am 27.06.2020.
  3. Doris Michel-Schmidt: Das letzte Tabu. In: TagesWoche (26.01.2012) Nach: xyzs://tageswoche.ch/gesellschaft/das-letzte-tabu Zugriff am 02.06.2020.