Kleinhirn

Aus Organspende-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Kleinhirn (Cerebellum) ist ein Teil des Gehirns von Wirbeltieren. Dort lagert es sich dem Hirnstamm hinten auf und befindet sich unterhalb der Okzipitallappen des Großhirns in der hinteren Schädelgrube. Zusammen mit dem verlängerten Mark (Myelencephalon) und der Brücke (Pons) bildet es das Rautenhirn (Rhombencephalon). Kleinhirn und Brücke werden als Hinterhirn (Metencephalon) zusammengefasst.

Das Kleinhirn ist beim Menschen dem Volumen nach der zweitgrößte Teil des Gehirns, besitzt aber eine deutlich höhere Zelldichte als das Großhirn. Zwar macht das menschliche Kleinhirn beim Erwachsenen mit etwa 150 g nur etwa ein Zehntel des durchschnittlichen Hirngewichts aus, doch enthält es mit knapp 70 Mrd. Nervenzellen etwa 4/5 aller zentralnervösen Neuronen. Die Oberfläche der Kleinhirnrinde ist in feine blattförmige Windungen (Folia cerebelli) gefaltet und entspricht etwa 50–75% der Rindenoberfläche der achtmal größeren Großhirnhemispären.

Das Kleinhirn erfüllt wichtige Aufgaben bei der Steuerung der Motorik: Es ist zuständig für Koordination, Feinabstimmung, unbewusste Planung und das Erlernen von Bewegungsabläufen. Zudem wird ihm neuerdings auch eine Rolle bei zahlreichen höheren kognitiven Prozessen zugeschrieben.


"Das Kleinhirn baut keine eigene Motorik auf, ist aber dafür zuständig, die motorischen Muster der anderen Systeme, im besonderen der Extrapyramidalmotorik und der kortikalen Sensomotorik, zu verfeinern und zu präzisieren. Dies schließt die Präzision der aufrechten Haltung und des Gleichgewichtes mit ein."[1]

"Für diese präzisierende Funktion stehen fast ausschließlich Hemmneurone (Purkinje-Zellen) in den beiden Kleinhirnhemisphären zur Verfügung, die alles weghemmen, was an überschießenden Mustern in der Motorik aufgebaut wird. Daher kommen bei Kleinhirnausfällen diese ausfahrenden, überschießenden Muster der Motorik ungehemmt zum Vorschein.
Sobald Motorik läuft, werden auch die Hemmneurone aktiviert, es kommt zu den verfeinerten, elegantgen Bewegungen der Tänzerinnen, zur Präzisionsmotorik der Akrobaten und zum Gleichgewicht der Seiltänzer."[1]

"Kehrt jedoch motorische Ruhe ein, werden die Kleinhirnkerne aktiv, nachdem sie vorher, während der Haltungs- und Bewegungsgeschehens, von den Purkinje-Zellen abgeblockt waren. Sie feuern spontan, um den ganzen motorischen Komplex in Bewegungsbereitschaft zu halten, vergleichbar dem Auto, dessen Morot im Standgas läuft, ohne dass es jedoch bereits fährt."[1]

"Das Kleinhirn ist u.a. für die Feinabstimmung und Koordination von Bewegungsabläufen von größter Bedeutung. Hierzu müssen folgende Abläufe gewährleistet werden:[2]

  • kontinuierliche Rückmeldung dessen, was in der Peripherie des Bewegungsapparats geschieht
  • Rückmeldung dessen, was vom Großhirn dieser Peripherie zugeleitet wird
  • unmittelbare Rückmeldung (Feedback) der eigenen efferenten Informationen."


Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c Gino Gschwend: Neurophysiologische Grundlagen der Hirnleistungsstörungen. Basel 1998, 50.
  2. Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 7. Auflage. München 2017, 17.