Gefühle

Aus Organspende-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Emotionen

"Nicht zu bestätigen scheint sich allerdings die bereits seit den 1930er Jahren bestehende Vermutung, es existiere ein umrissenes neuronales System, das für die Verarbeitung aller Emotionen zuständig wäre. So gibt es zwar Areale wie das limbische System, die bei emotionalen Prozessen eine tragende Rolle spielen, doch diese übernehmen auch ganz andere Aufgaben. Umgekehrt aktivieren emotionale Reize Hirnregionen wie den Hippocampus, der primär für das Gedächtnis zuständig ist. Der Schaltkreis der Angst Es gilt also auch neurowissenschaftlich, was man aus eigener Erfahrung weiß: Gefühle sind eine komplizierte Sache."[1]

"Emotionen werden im limbischen System generiert, das nicht dem Bewusstsein untersteht. Erst das Hinzuschalten der Hirnrinde macht Gefühle bewusst. Ob Angst, Freude oder Hass empfunden wird, hängt davon ab, welche Bereiche des Cortex aktiv sind."[2]

"Emotionen können auch durch Vorstellung (Imagination) willkürlich hervorgerufen werden. Diese intern hervorgerufenen wie auch extern ausgelösten Gefühle werden durch die Änderung der Aktivität im Gyrus cinguli anterior et posterior, im Inselkortex (und dem benachbarten sekundären somatosensorischen Kortex ...) und in den orbitofrontalen Kortizes, den Amygdalae und den damit verbundenen subkortikalen Strukturen erzeugt".[3]

Fähigkeit Patientenverfügung Hirntod
Kommunikation sich mitteilen können unmöglich unmöglich
Können gehen, sprechen, singen, musizieren, balancieren unmöglich unmöglich
Wahrnehmung sehen, hören, riechen, schmecken, tasten möglich unmöglich
Bewusstsein denken, planen, erfinden, kreativ etwas erschaffen möglich unmöglich
Erinnerung was man erlebt hat möglich unmöglich
Wissen was wir gelernt haben möglich unmöglich
Gefühle Liebe, Hass, Vertrauen, Angst, Hoffnung, Sorge möglich unmöglich
Eigenatmung atmet selbstständig, wenn auch schwer möglich unmöglich
Hirnstammreflexe Licht-, Lidschluss-, ... Atem-Reflex vorhanden nicht vorhanden
Homöostase Körpertemperatur, Wasserhaushalt gestört sehr gestört
Herzschlag vorhanden vorhanden
Verbesserung des Zustandes? sehr unwahrscheinlich völlig unmöglich
gewünscht Mord?
Das "unmöglich" ist beim Hirntod deswegen dauerhaft, weil die Gehirnzellen im Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm seit Eintritt des Hirntodes so schwer geschädigt sind, dass sie nicht nur nie wieder funktionieren werden (irreversibel). Sie befinden sich darüber hinaus in einem Sterbeprozess, der schon so weit fortgeschritten ist, dass dieser unaufhaltsamen geworden ist und der nach Tagen mit der Auflösung des Gehirns Autolyse endet.

Emotionen und das limbische System

Die Strukturen des limbischen Systems liegen zwischen dem Großhirn und dem Hirnstamm. Es besteht aus kortikalen und subkortikalen Anteilen. Afferente und efferente Verbindungen bestehen mit dem Hypothalamus und dem Hirnstamm. Das limbische System ist an der Steuerung der vom VNS (vegetativen Nervensystem) innervierten Organe beteiligt, beeinflusst die Hormonproduktion in der [Hyophyse]], ist beteiligt beim Lernen, der Speicherung im Gedächtnis und maßgeblich für die emotionale Färbung des Verhaltens zuständig. Es ist auch an den alltäglichen positiven Emotionen, Freude, Glück, aber auch Abhängigkeit und Sucht beteiligt. "Das limbische System ist eine wichtige Säule der Überlebensstrategien, der Erhaltung der Art und der Anpassung an die sich ändernde Umwelt."[4]

Emotionen sind im Gegensatz zu Stimmungen kurzlebig. Die emotionalen Reaktionen führen eine Normalisierung der Gefühle herbei: Das Kind ist böse, der Vater wird wütend, er brüllt das Kind an. Die Tränen des Kindes beseitigen die Wut. Der Vater ist über das Ziel hinausgeschossen. Er reagiert mit Freundlichkeit und Güte. - Die Normalisierung der Emotionen kann wellenförmig verlaufen. Neben solchen somatomotirischen Reaktionen treten in der Regel immer auch vegetative Symptome auf: Erröten, Schwitzen, Tachykardie, Blutdruckanstieg und Zentralisierung des Blutkreislaufes (Kampfreflex). Die endokrinen Reaktionen sind vor allem Stressreaktionen aufgrund der Ausschüttung von Nebennierenmarkhormonen (Adrenalin, Arterenol), später auch Nebennierenrindenhormone für die Stoffwechselreaktion.[4]

Gefühle

Fühlen mit dem Gehirn

Hans Goller schreibt auf seiner Internetseite über "Hirnforschung und Menschenbild" über die Erforschung der Gefühle: "Damasio (1999) fasst die vorhandenen Befunde zur Erforschung der neurophysiologischen Basis der Emotionen folgendermaßen zusammen: 1. Das Gehirn erzeugt Emotionen mit Hilfe einer kleinen Zahl von Hirnregionen. Die meisten befinden sich in subkortikalen Zentren: im Hirnstamm, im Hypothalamus, im basalen Vorderhirn und im Mandelkern. 2. Diese Orte sind an der Produktion verschiedener Emotionen beteiligt. Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass die Aktivitätsmuster für Traurigkeit, Zorn, Furcht und Freude verschieden sind. Jede Emotion hat ihr eigenes Aktivitätsmuster. Traurigkeit zum Beispiel aktiviert Teile des Stirnlappens des Großhirns, den Hypothalamus und den Hirnstamm, während Zorn oder Furcht weder den Stirnlappen noch den Hypothalamus aktivieren. Aktivitäten im Hirnstamm sind allen drei Emotionen gemeinsam, aber intensive Aktivierung des Hypothalamus und der genannten Teile des Stirnlappens taucht speziell bei Traurigkeit auf. 3. Manche dieser Regionen sind auch an der Reizerkennung beteiligt, die bestimmte Emotionen kennzeichnen."[5]

Neurowissenschaftler unterscheiden oft zwischen Emotionen, also der körperlichen Reaktion auf einen äußeren Reiz hin, und Gefühlen, bei denen das Gehirn die Reaktionen des Körpers verarbeitet.
Nur Emotionen, die in die Hirnrinde gelangen, werden als bewusste Gefühle wahrgenommen.
Angst, Ärger, Glück und Trauer aktivieren unterschiedliche Hirnareale. Die Muster sind bei Frauen und Männern nahezu gleich.[6]

"Furcht und Angst und die assoziierten motorischen, vegetativen und endokrinen Anpassungsreaktionen werden durch die Amygdala organisiert. ... Umweltreize, die Gefahr signalisieren (emotionale Reize wie z.B. Schlangen, Spinnen, ein Angreifer, ein Erdbeben usw.), lösen Furchtverhalten aus. Dieses Verhalten wird von Kerngebieten der Amygdala organisiert (...). Es beseht aus dem subjektiven Gefühl Furcht und dem entsprechenden Gesichtsausdruck, motorischen Verhaltensweisen (Flucht, Konfrontation (Kampf) oder Erstarren, ja nach Umweltkonstellation), vegetativ vermittelten kardiovaskulären Regulationen (z.B. Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz, Erniedrigung der Durchblutung des Darmes bei Kampf und Flucht), vegetativ vermittelten anderen Reaktionen (z.B. Abnahme der Darmmotorik, Aktivierung der Schweißdrüsen) und neuroendokrinen Reaktionen (z.B. Aktivierung des ACTH/Kortisol-Systems über den Hypophysenvorderlappen und die Nebennierenrinde; Freisetzung von Adrenalin aus dem Nebennierenmark)."[7]

Aggressiv bis kriminell

"Für die aggressiven Erlebnis- und Verhaltensmuster ist eine spezielle Neuronengruppe im emotionalen Teilsystem ausdifferenziert worden, die im unteren und vorderen Bereich des Schläfenhirnes liegt und Amygdala-Kerngruppe heißt. Diese Gruppe ist das 'Teufelchen' ... mit seiner Wut, Feindseligkeit, Arglist, Aggressionsbereitschaft, Gemeinheit, Neid, Missgunst ect. Diese Neuronen reifen vor allem im 2. Lebensjahr aus (Trotzalter). In der Erziehung muss dem Kind geholfen werden, diese Gruppe unter Kontrolle zu bringen."[8]

"Personen, die sich durch wiederholte massive antisoziale Handlungen auszeichnen, also ohne jede Angst vor den Folgen wiederholt kriminell werden, Sensationen und Gefahren lieben, oft Alkohol oder Drogen einnehmen, werden als Psychopathen bezeichnet. Bildgebende Untersuchungen des Gehirns solcher Personen (z.B. bei immer wieder extrem gewalttätigen Schwerstkriminellen) ergaben, dass bei diesen Personen jene Hirnanteile, die das Erlernen antizipatorisch-kontitionierter Angst und Vermeidung steuern, in solchen Situationen nicht aktiv sind: Es werden also die Amygdala, der vordere Inselkortex,das anteriore Cingulum und vor allem der laterals Orbitofrontalkortex in Erwartung negativer oder schmerzhafter Konsequenzen nicht erregt. (Dagegen sind bei Angstpatienten diese Hirnareale während derselben Lernsituationen überaktiviert.)"[9]

Angst

"Als erwiesen gilt heute, dass vor allem eine Struktur hierbei eine große Rolle spielt: die Amygdala. Sie ist Teil des limbischen Systems, dem eine wichtige Funktion bei der Emotionsverarbeitung zugesprochen wird (siehe Info-Box). Auch an der Aggression ist die Amygdala zentral beteiligt. Sie besteht aus zwei mandelförmigen Ansammlungen von Kernen, die im Zentrum des menschlichen Gehirns sitzen, und zwar einer im linken und einer im rechten Schläfenlappen jeweils direkt vor dem Hippocampus."[10]

Glück

"Das eigentliche Glücksgefühl entsteht durch einen Cocktail gehirneigener Opioide wie Endorphine. Es handelt sich dabei um eine kurzfristige positive Abweichung vom individuellen Zufriedenheitslevel, die sowohl Optimisten als auch Pessimisten kennen."[11]

Sonstiges

"Im Altgroßhirn (limbischer Hirnanteil beider Hemisphären) liegt das umfangreichste Teilsystem, das für den Aufbau der Emotionen ausdifferenziert worden ist und mit seinen Detektorneuronen auf angeborene und erworbene Weise auf Wahrgenommenes, aber auch auf Gedachtes im Globalsystem reagiert, indem es diese Musteranteile kopiert, emotional ausbaut und wieder ins Globalsystem zurückgibt. Daraus resultiert die Stimmung. Es kann sich um konträre Stimmungen handeln, wie z.B. die Gegensatzpaare Freud - Leid, Liebe - Hass oder Lust - Unlust, oder um unipolare wie Vergnügtsein, Spaßhaben, Sehnsucht, Trauer oder Angst; Wut und Aggression werden von Neuronen in der Amygdalakerngruppe ausgebaut."[12]

"Das emotionale Teilsystem ist das größte Teilsystem des Altgroßhirns (Archicerebrum, limgischer Hirnanteil) überhalb des Balkens (...), das die verschiedenartigsten emotionalen Erlebnisse ermöglcht. Einige dieser Emotionen stehen in bipolarer Beziehung zueinander, z.B. Freud - Leid, Liebe - Hass, Angst - Zutrauen, Lust - Unlust. Andere sind unipolar, wie Eifersucht, Missgunst, Schadenfreude, Wut, Gram, Wehmut, Heimweh, Glücklichsein, Sich-Wohlfühlen etc."[13]

"Emotion ist ein 'Gefühl', welches sich aus Wahrnehmung und Denkvorgängen als Reaktion entwickelt."[14]

"Die emotionale Entwicklung ist durch die Differenzierung der Gefühle bestimmt. Gefühle unterscheiden sich von Gedanken und Wahrnehmungen darin, dass sie stärker erlebbar sind. ... Gefühle dagegen sind typischerweise gegenstandsarm und unpräzise. Sie kommen für uns zu Wahrnehmung, Vorstellung und Gedanken deutlich spürbar hinzu."[15] "Besonders intensiv ist die Verbindung zwischen Erinnerung und Gefühlen. ... Gefühle beeinflussen nicht nur unsere Gedanken und Vorstellungen, sondern vor allem die Erinnerungen."[16]

"Wie erzeugt das Gehirn Gefühle?
Die niederen, limbischen Strukturen ermöglichen Gefühlsäußerungen (Adrenalinschub, Herzrasen, weiche Knie, Überschwang, Furcht, ...). Diese Gefühlsweahrnehmungen sind instinktiv und somit im Nervensystem angelegt. Die oberen Bereiche des limbischen Kortex sind für die bewusste Wahrnehmung emotionaler Erfahrungen zuständig. Das limbische System drückt die instinktiven Gefühle aus, der limbische Kortex kontrolliert und steuert diese Gefühle, indem er über das Bewusstsein die Gefühle abschwächt oder unwandelt.
Der Mandelkern ist der Türöffner der Gefühle und liegt zwischen dem Kortex und den subkortikalen Bereichen des Gehirns. Er verfolgt die geistigen Aktivitäten und ist dafür zuständig, die höheren und niederen Gehirnregionen zu alarmieren, wenn Gefühle verarbeitet werden müssen. Der Mandelkern verarbietet sämtliche Informationen der Sinnesorgane und unterschiedlicher Kortexregionen, sodass Informationen sowohl aus der aktuellen Wahrnehmung als auch aus der Erinnerung zur Aktivierung von Gefühlen beitragen können. Bei einem plötzlichen Ereignis (heranrasendes Auto) aktiviert der Mandelkern zuerst den Hypothalamus, sodass Hormone ausgeschüttet werden, die die vegetativen Körperfunktionen steuern (Kampf-Flucht-Reaktion). Der Mandelkern ist ebenfalls mit den Basalganglien und dem Hirnstamm verbunden, die die motorische Reaktion steuern.
In der Großhirnrinde findet die eigentliche Wahrnehmung der Gefühle statt (Glück, Traurigkeit, Nervosität, Liebe, ...). Vom Mandelkern gelangen emotionale Reize in nahezu alle Bereiche des Kortex, wo sie in Stimmungen, Antriebskraft oder soziales Bewusstsein umgesetzt werden."[16]
"Diese weite Verzweigung erklärt, weshalb Gefühle praktisch jeden Aspekt des Denkens prägen, auch wenn wir uns einbilden, eine Überlegung sei 'rein' rational. Sie beeinflusst einfache Vorgänge wie die visuelle Wahrnehmung ebenso wie komplexe Denkprozesse wie Planung und Problemlösung. Ohne Gefühle wüssten wir keine Kunst zu schätzen, könnten keine dauerhaften Freundschaften schließen, ja, wir wären nicht einmal in der Lage, uns im Supermarkt für das eine oder andere Produkt zu entscheiden."[16]

"Gefühle werden in der linken und rechten Gehirnhälfte unterschiedlich verarbeitet. Die rechte Gehirnhälfte ist für das Gefühlerlebnis zuständig, während die linke Gehirnhälfte die analytische Fähigkeit besitzt und damit Gefühle bewertet. Ebenso sind in der linken Gehirnhälfte das Sprachverständnis und die Spracherzeugung lokalisiert, während die emotionale Tönung der Sprache in der rechten Gehirnhälfte wahrgenommen und verarbeitet wird. Für die Verarbeitung der sozialen Empfindungen sind beide Gehirnhälften zuständig."[17]


https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/das-fuerchten-lernen Über die Angst

  • Bei der Furchtkonditionierung wird ein bedrohlicher Reiz in der Amygdala mit einem vorher neutralen Reiz verknüpft.
  • Die Amygdala ist verantwortlich für das Verknüpfen von Erinnerungen mit Emotionen.
  • Emotionale Ereignisse brennen sich dank verschiedener, vom Gehirn ausgeschütteter Botenstoffe besonders tief in das Gedächtnis ein.

Entscheidend für das emotionale Erinnern sind die N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren, kurz NMDA-Rezeptoren in der Amygdala. Blockiert man bei Tieren die NMDA-Rezeptoren in der Amygdala, können sie keine neuen Ängste durch Konditionierung erwerben. Das Besondere an diesen Rezeptoren ist, dass sie nicht reagieren, wenn sie nur durch einen Reiz erregt werden, sondern erst, wenn ein zweiter Reiz kurz darauf folgt.
Das Verlernen der Furcht bezeichnen Psychologen und Neurowissenschaftler als Extinktion. Bei der Extinktion folgt auf den wiederholt dargebotenen konditionierten Reiz kein unangenehmer Reiz.

https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/emotion-2013-literatur-und-links-7000 https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/was-sind-emotionen-2 https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/auf-der-spur-der-gefuehle

Schnelles und langsames Denken

Der Nobelpreisträger 2002, Daniel Kahneman, entwarf das Modell vom schnellen und langsamen Denken: Das schnelle Denken entspricht dabei den Intuitionen (Bauchgefühl), da hierüber sehr rasch eine Antwort oder Haltung da ist. Hier fließen auch Erfahrungen mit ein. - Das langsame Denken ist das rationale Erarbeiten einer Lösung oder Antwort. Kahneman empfiehlt das langsame Denken, weil hier die Trefferwahrscheinlichkeit höher liegt.[18]

Studien

Zitate

Beate Maria Herbert: "Emotionen besitzen immer eine körperliche Verankerung und beeinflussen zudem auch zerebrale Regelkreise. Der Körper dient allen Emotionen als „Theater“, und Emotionen beeinflussen auch die Arbeitsweise zahlreicher Schaltkreise im Gehirn, wobei die Vielfalt der emotionalen Reaktionen für tief greifende Veränderungen in der Landschaft des Körpers und des Gehirns verantwortlich ist. Die Gesamtheit dieser Veränderungen bildet letztendlich das Substrat der neuronalen Muster, die dann zu gefühlten Emotionen werden."[19]

Beate Maria Herbert: "Für primäre Emotionen ist somit charakteristisch, dass ein angemessener Reiz die Amygdala aktiviert hat und es dadurch zu einer Reihe von Reaktionen, v.a. internen Reaktionen (viszerale und des internen Milieus), Muskelreaktionen, sowie Neurotransmitterreaktionen in Kerngebieten des Hypothalamus kommt. ... Der Hypothalamus löst endokrine und andere chemische Reaktionen aus, die sich über den Blutkreislauf ausbreiten. Primäre Emotionen stellen somit einfache, angeborene und automatisch auslösbare Emotionen auf markante Reize dar. Dabei ist die Amygdala wesentlich und triggert die entsprechenden somatischen Zustände."[20]

Anne Bartsch, Susanne Hübner: "Im Unterschied zum Opioid-System, das die passiven Aspekte des Wohlbefindens und Genießens steuert, bringt das Dopamin-System aktiv auf die Umwelt bezogene Gefühle wie Freude und Interesse hervor (Panksepp, 1998, S. 144-163). Es motiviert den Organismus, sich energisch für die Befriedigung seiner Bedürfnisse einzusetzen. Wenn man Tieren die Möglichkeit gibt, Gehirnstrukturen zu stimulieren, die zu diesem System gehören, tun sie es mit erstaunlicher Ausdauer. Die unterschiedlichen Funktionen positiver Emotionssysteme scheinen sich jedoch nicht so eindeutig im subjektiven Erleben niederzuschlagen wie dies bei den negativen Gefühlen Angst, Wut und Trauer der Fall ist, so dass verschiedene positive Emotionen zu einer Primäremotion zusammengefasst werden."[21]

Sonja Damen: "Die niederen, limbischen Strukturen ermöglichen Gefühlsäußerungen (Adrenalinschub, Herzrasen, weiche Knie, Angst, Überschwang, Furcht ...). Diese Gefühlswahrnehmungen sind instinktiv und somit im Nervensystem angelegt. Die oberen Bereiche des limbischen Kortex sind für die bewusste Wahrnehmung emotionaler Erfahrungen zuständig. Das limbische System drückt die instinktiven Gefühle aus, der limbische Kortex kontrolliert und steuert diese Gefühle, indem er über das Bewusstsein die Gefühle abschwächt oder umwandelt.
Der Mandelkern ist der Türöffner der Gefühle und liegt zwischen dem Kortex und den subkortikalen Bereichen des Gehirns. Er verfolgt die geistigen Aktivitäten und ist dafür zuständig, die höheren oder niederen Gehirnregionen zu alarmieren, wenn Gefühle verarbeitet werden müssen. Der Mandelkern verarbeitet sämtliche Informationen der Sinnesorgane und unterschiedlicher Kortexregionen, sodass Informationen sowohl aus der aktuellen Wahrnehmung als auch aus der Erinnerung zur Aktivierung von Gefühlen beitragen können. Bei einem plötzlichen Ereignis (heranrasendes Auto) aktiviert der Mandelkern zuerst den Hypothalamus, sodass Hormone ausgeschüttet werden, die die vegetativen Körperfunktionen steuern (Kampf-Flucht-Reaktion). Der Mandelkern ist ebenfalls mit den Basalganglien und dem Hirnstamm verbunden, die die motorische Reaktion steuern.
In der Großhirnrinde findet die eigentliche Wahrnehmung der Gefühle statt (Glück, Traurigkeit, Nervosität, Liebe ...)."[22]

"Emotionen können auch durch Vorstellung (Imagination) willkürlich hervorgerufen werden. Diese intern hervorgerufenen wie auch extern ausgelösten Gefühle werden durch die Änderung der Aktivität im Gyrus cinguli anterior et posterior, im Inselkortex (und dem benachbarten sekundären somasensorischen Kortex ...) und in den orbitofrontalen Kontizes, den Amygdalae und den damit verbundenen subkortikalen Strukturen erzeugt."[23]

Statistiken

Andrea Schulze untersuchte in einer Metaanalyse aus 138 fMRT-Studien die Überlappungen zerebraler Verarbeitungsprozesse von Schmerz und negativen Emotionen. Das Ergebnis ist in nachfolgender Tabelle wiedergeben, wobei nur die häufigst genannten Hirnregionen aufgenommen sind:

Hirnregion Angst Wut Ekel Trauer Mischung Schmerz
Seite 25 29 32 34 38
Amygdala 17 9 14 10 14
Okzipitalkortex 17 12 18 5 7
Temporalkortex 14 28 5 21 16
lat. Präfrontalkortex 8 4 7 3 13
Parietalkortex 7 8 2 4 4
Orbitofrontalkortex 5 3 12 5 5
Hippocampus 4 5 - 2 3
m. Präfrontalkortex 4 5 9 12 8
Thalamus 4 7 3 7 3
mACC 4 - 2 3 3
dACC 4 - - 3 2
Cerebellum 3 9 4 11 5
rACC 2 2 - 3 1
a. Insel 2 4 12 3 1
m. Insel 2 - 4 2 1
Basalganglien 2 3 3 4 7
Hirnstamm 2 - - 4 1
PCC 2 - - 3 3
Temporalpol 1 - - 2 1
SI - - - - -
SII - - - - -
Hypothalamus - 2 - 2 1
Gyrus subcallosus - - - - -
d. Insel - - 2 3 1
Prämotorkortex - - - - -

Prozent an Gesamtzahl der Aktivierungen (gerundet, ohne Dezimalstelle)

Überlappungszentren von Angst und Schmerz gibt es im Thalamus, dACC, mACC und rACC (Seite 27). Überlappungen von Wut und Schmerz gibt es in der Amygdala (Seite 30) und im aIC (Seite 31). Überlappungen von Trauer und Schmerz gibt es in der Amygdala und im Thalamus (Seite 36). Überschneidungen von negativen Emotionen und Schmerz gibt es im Thalamus und PCC (Seite 40).[24]

Andrea Schulze: "Patienten mit beidseitigen Amygdalaschäden weisen eingeschränktes Erkennungsvermögen negativer Gesichtsausdrücke auf. ... Aber auch für positive Emotion wie Freude spielt die Amygdala eine entscheidende Rolle." (Seite 48)

Andrea Schulze: "Neben ihrer Schlüsselrolle für die Emotionsverarbeitung beteiligt sich die Amygdala auch an der Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerzen. ... Dennoch existieren zahlreiche bildgebende Schmerzstudien, die keine Aktivierung im Bereich der Amygdala nachweisen konnten. " (Seite 49)

Andrea Schulze: "Der Thalamus wird häufig als 'Tor zum Bewusstsein' bezeichnet, da er den weitaus wichtigsten Eingang zum Neokortex darstellt. Die Hauptfunktion des Thalamus, entsprechend seiner Lage, besteht darin, ankommende Informationen auf dem Weg zum Kortex zu filtern und anzupassen ... Es erfolgt eine Umschaltung der Afferenzen auf die jeweiligen Kortexareale. Eine Anpassung der afferenten Informationen auf der Ebene der thalamischen Kerne ist effektiver und nützlicher, als wenn diese erst im Neokortex erfolgen würde." (Seite 56)

Andrea Schulze: "Der Thalamus fungiert nicht nur als Zwischenschaltung in der Mitte von subkortikalem und kortikalen Informationsfluss, sondern kann auch im Sinne einer kortiko-thalamo-kortikalen Schaltung eine Verbindung zwischen verschiedenen kortikalen Arealen herstellen ... Hieraus lässt sich die Einbettung des Thalamus in ein komplexes kortikales Netzwerk erahnen. ... Allerdings besteht die Hauptaufgabe des Thalamus nicht in Schmerzversarbeitung, sondern er spielt zusätzlich ein große Rolle in der Wahrnehmung und Verarbeitung von verschiedenen Emotionen." (Seite 57)

Andrea Schulze: "Das Cerebellum (Kleinhirn) befindet sich in der hinteren Schädelgrube und besteht aus zahlreichen Kernen, die unterschiedliche Funktionen regulieren. Seine Hauptaufgabe wird in der Bewegungskontrolle gesehen. Um motorisches Antwortverhalten effektiv zu koordinieren, ist das Cerebellum eng mit dem Motorkortex und dem Tractus spinocerebellaris verbunden, welche eine Rückmeldung über die aktuelle Körperhaltung liefern." (Seite 71)

Andrea Schulze: "Auch wenn die Kleinhirnfunktionen primär im Bereich der Bewegungskoordination liegen, zeigen aktuelle Studien und Läsionsberichte eine sehr viel komplexere Rolle dieser Hirnregion und berichten über eine Beteiligung an der Verarbeitung kognitiver Aufgaben, an sensorischen Wahrnehmungsprozesse, am Schmerzempfinden und auch an der Emotionsverarbeitung des Menschen." (Seite 72)

Andrea Schulze: "Die vorgelegte Metaanalyse zeigte auf systematische Weise Ähnlichkeiten in zerebralen Verarbeitungsprozessen von Schmerz verglichen mit denen von negativen Emotionen. Diese Ergebnisse deuten eine Interaktion zwischen körperlichen Schmerzen und verschiedenen negativen Emotionen an, die weitaus spezifischer sein könnte, als bislang angenommen wurde. Demnach wären die regionalen Überlappungen in der Emotionsverarbeitung mit dem Netzwerk der Schmerzverarbeitung abhängig von der Art der negativen Emotion." (Seite 78)

Fähigkeit Patientenverfügung Hirntod
Kommunikation sich mitteilen können unmöglich unmöglich
Können gehen, sprechen, singen, musizieren, balancieren unmöglich unmöglich
Wahrnehmung sehen, hören, riechen, schmecken, tasten möglich unmöglich
Bewusstsein denken, planen, erfinden, kreativ etwas erschaffen möglich unmöglich
Erinnerung was man erlebt hat möglich unmöglich
Wissen was wir gelernt haben möglich unmöglich
Gefühle Liebe, Hass, Vertrauen, Angst, Hoffnung, Sorge möglich unmöglich
Eigenatmung atmet selbstständig, wenn auch schwer möglich unmöglich
Hirnstammreflexe Licht-, Lidschluss-, ... Atem-Reflex vorhanden nicht vorhanden
Homöostase Körpertemperatur, Wasserhaushalt gestört sehr gestört
Herzschlag vorhanden vorhanden
Verbesserung des Zustandes? sehr unwahrscheinlich völlig unmöglich
gewünscht Mord?
Das "unmöglich" ist beim Hirntod deswegen dauerhaft, weil die Gehirnzellen im Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm seit Eintritt des Hirntodes so schwer geschädigt sind, dass sie nicht nur nie wieder funktionieren werden (irreversibel). Sie befinden sich darüber hinaus in einem Sterbeprozess, der schon so weit fortgeschritten ist, dass dieser unaufhaltsamen geworden ist und der nach Tagen mit der Auflösung des Gehirns Autolyse endet.

Anhang

Quellen

Die hier verwendeten Quellen:

  • Anne Bartsch, Susanne Hübner: Emotionale Kommunikation – ein integratives Modell (Diss). Halle 2004.
  • Sonja Damen: Wie entsteht Bedeutung in der präverbalen Entwicklungsphase des Kleinkindes? Analyse kognitions-­ und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bildung einer Theorie der Bedeutungsentwicklung (Diss). Bremen 2012.
  • Beate Maria Herbert: Kardiosensibilität, Emotionsverarbeitung und Verhalten. Die Bedeutung der Herzwahrnehmung für zentralnervöse Emotionsverarbeitungsprozesse und Verhaltensregulation (Diss). München 2006.
  • Andrea Schulze: Überlappungen zerebraler Verarbeitungsprozesse von

Schmerz und negativen Emotionen: eine Metaanalyse aus 138 fMRT-Studien (Diss). München 2010.

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/was-sind-emotionen-2 Zugriff am 1.8.2015.
  2. https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/bewusste-gefuehle Zugriff am 1.8.2015.
  3. Wilfrid Jänig, Niels Birnbaumer: Motivation und Emotion. In: Robert F. Schmidt, Florian Lang (Hg.): Physiologie des Menschen und Pathophysiologie. 30. Auflage. Heidelberg 2007, 243.
  4. a b Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 1555.
  5. http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/107.html Zugriff am 4.2.2016.
  6. Brigitte Osterath: Bewusste Gefühle. (23.08.2011) Nach: https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/bewusste-gefuehle Zugriff am 22.3.2018.
  7. Wilfrid Jänig, Niels Birnbaumer: Motivation und Emotion. In: Robert F. Schmidt, Florian Lang (Hg.): Physiologie des Menschen und Pathophysiologie. 30. Auflage. Heidelberg 2007, 244.
  8. Gino Gschwend: Neurophysiologische Grundlagen der Hirnleistungsstörungen. Basel 1998, 98.
  9. Wilfrid Jänig, Niels Birnbaumer: Motivation und Emotion. In: Robert F. Schmidt, Florian Lang (Hg.): Physiologie des Menschen und Pathophysiologie. 30. Auflage. Heidelberg 2007, 245.
  10. https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/der-schaltkreis-der-angst Zugriff am 1.8.2015.
  11. https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-passiert-im-gehirn-wenn-wir-gluecklich-sind Zugriff am 1.8.2015.
  12. Gino Gschwend: Neurophysiologische Grundlagen der Hirnleistungsstörungen. Basel 1998, 75.
  13. Gino Gschwend: Neurophysiologische Grundlagen der Hirnleistungsstörungen. Basel 1998, 96.
  14. Hermann Bünte, Klaus Bünte: Das Spektrum der Medizin. Illustriertes Handbuch von den Grundlagen bis zur Klinik. Stuttgart 2004, 1554.
  15. Sonja Damen: Wie entsteht Bedeutung in der präverbalen Entwicklungsphase des Kleinkindes? Analyse kognitions- und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bildung einer Theorie der Bedeutungsentwicklung. Köln 2012, 59. (humanw. Diss.) http://unimedia.uni-koeln.de/2013/Humanwissenschaften/Diss_Damen_2013.pdf Zugriff am 2.2.2016.
  16. a b c Sonja Damen: Wie entsteht Bedeutung in der präverbalen Entwicklungsphase des Kleinkindes? Analyse kognitions- und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bildung einer Theorie der Bedeutungsentwicklung. Köln 2012, 60. (humanw. Diss.) http://unimedia.uni-koeln.de/2013/Humanwissenschaften/Diss_Damen_2013.pdf Zugriff am 2.2.2016.
  17. Sonja Damen: Wie entsteht Bedeutung in der präverbalen Entwicklungsphase des Kleinkindes? Analyse kognitions- und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bildung einer Theorie der Bedeutungsentwicklung. Köln 2012, 61. (humanw. Diss.) http://unimedia.uni-koeln.de/2013/Humanwissenschaften/Diss_Damen_2013.pdf Zugriff am 2.2.2016.
  18. https://www.dasgehirn.info/denken/intuition/intuition-bauchgefuehl-oder-verstand-9576 Zugriff am 5.8.2015.
  19. Beate Maria Herbert: Kardiosensibilität, Emotionsverarbeitung und Verhalten, 24.
  20. Beate Maria Herbert: Kardiosensibilität, Emotionsverarbeitung und Verhalten, 25.
  21. Anne Bartsch, Susanne Hübner: Emotionale Kommunikation – ein integratives Modell (Diss). Halle 2004, 21.
  22. Sonja Damen: Wie entsteht Bedeutung in der präverbalen Entwicklungsphase des Kleinkindes?, 60.
  23. Wilfrid Jänig, Niels Birnbaumer: Motivation und Emotion. In: Robert F. Schmidt, Florian Lang (Hg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie. 30. Auflage. Heidelberg 2007, 243.
  24. Andrea Schulze: Überlappungen zerebraler Verarbeitungsprozesse von Schmerz und negativen Emotionen: eine Metaanalyse aus 138 fMRT-Studien (Diss). München 2010.