2 Organentnahme

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Organentnahme

Vorbereitungen

Für die Organentnahme bestellt der Koodinator der DSO in die Entnahmeklinik Transplantationschirugen ein. Dabei gibt es meist ein Team, das nur Herz und/oder Lunge entnimmt. Ein weiteres Team entnimmt die Organe im Bauch (Leber, Niere, Pankreas, Dünndarm). Werden nur Organe aus dem Bauchraum entnommen, kann es sein, dass nur ein Entnahmeteam kommt.[Anm. 1] Meist sind es Chirurgen, die diese Organe auch transplantieren (einsetzen).

Pro Organspender werden im Duchschnitt 3,5 Organe entnommen.[1]

Wenn von ET an den Koordinator mitgeteilt hat, welches zu transplantierende Organ in welches TXZ kommen soll, und wenn das/die Entnahmeteam(s) angereist ist/sind, kann mit der eigentlichen Organentnahme begonnen werden.

Hierzu wird der künstlich beatmete Organspender von der Intensivstation in den Operationssaal gebracht. Bei der Übergabe des Organspenders an das/die Entnahmeteam(s) werden nochmals alle Papiere kontrolliert.[Anm. 2]

Bei aller Pannen, die es rund um den Hirntod gab,[Anm. 3] es wurden in Deutschland nie Organe entnommen, bei denen nicht zuvor der Hirntod korrekt festgestellt wurde. (Stand Juli 2015)

Durchführung

Wie bei jeder anderen Operation ist auch bei der Organentnahme ein Anästhesist anwesend. Seine Aufgabe ist es, bis zum Herzstillstand den Blutkreislauf stabil zu halten und dass spinale Reflexe unterbleiben. Hierzu spritzt er entsprechende Muskelrelaxantien. Schmerzmittel sind in D/A/CH nicht notwendig, da bei Hirntod eine Schmerzwahrnehmung mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann.[Anm. 4]

Werden dem Organspender nur Organe aus dem Bauchraum entnommen, wird der Organspender vom Schambein bis zum Brustkorb aufgeschnitten. Werden dazu auch Herz und/oder Lunge entnommen, wird dazu der Brustkorb geöffnet. Dabei gehen die Chirurgen wie bei jeder anderen Operation vor.[Anm. 5]

Entsprechende Klammern halten Bustkorb und/oder Bauchraum offen, so dass die Chirurgen ihre Arbeit verrichten können - so wie bei jeder anderen Operation an Herz, Lunge und/oder Bauchraum.

Die großen Blutgefäße des Herzens werden dafür vorbereitet um die Organe mit einer 4°C Perfusionslösung durchzuspühlen. Das Blut wird ausgeschwemmt, um die Ischämiezeit zu verlängern. Das Herz bleibt dabei aufgrund des Kälteschocks stehen.

Nach dem Herzstillstand wird die künstliche Beatmung abgeschaltet.

Wie bei Herz-Operationen[Anm. 6] wird der Körper des Organspenders mit etwa 4°C kaltem Eiswasser gekühlt. Dieses wird in den Bauch- und Brustraum geschüttet, kurz einwirken gelassen und dann wieder abgesaugt. Auch dies verlängert die Ischämiezeit.

Die zu entfernenden Organe werden mit einem Skalpell sauber von den Blutgefäßen getrennt.[Anm. 7] Dabei wird darauf geachtet, dass so viel Blutgefäß am Organ verbleiben, dass die Blutgefäße dieses Organs gut mit den Blutgefäßen des Organempfängers vernäht eingesetzt werden können.
Es wird immer mit den Organen im Brustrum (Herz und Lunge) begonnen, da deren Ischämiezeit besonders kurz ist.

Jedes entnommenen Organ wird nach auffälligen Knoten (Krebs) abgetastet. Wenn nichts Auffälliges gefunden wurde, wird es in eine 4°C Perfusionslösung gelagert und mit den entsprechenden Papieren "reisefertig" gemacht.

Es gibt im Internet auch Beschreibungen von Organentnahmen, die entweder nicht auf dem aktuellen Stand der Medizin sind (aus dem letzten Jahrtausend?) oder einfach nur Übertreibungen. Wer sich hierfür interessiert, kann sie hier nachlesen.

Jede Organentnahme verläuft wie eine andere geplante[Anm. 8] Operation.

Mit dem Organspender wird wie bei einer normalen Operation verfahren.

Nachbereitung

Sind die Organe entnommen, werden die Klammern, die bislang Brust- und Bauchraum offengehalten haben, entfernt und die lange Wunde zugenäht, so wie nach einer ganz normalen Operation.

Der Tubus wird aus dem Mund genommen und das Kind hochgebunden, so wie es bei jedem anderen Toten auch gemacht wird.

Mit zugenähter Wunde und hochgebundenem Kinn wird der Organspender in die Kühlkammer der Toten gebracht.
Einige Kliniken bieten den Hinterbliebenen an, den Leichnam nach der Organentnahme bereits in der Klinik zu sehen. Sie haben hierfür eigens einen Aufbahrungsraum oder eine kleine Kapelle. Besteht diese Möglichkeit in der Klinik nicht, können die Hinterbliebenen den Leichnam beim Bestatter ansehen.
Nach § 6 TPG haben die Hinterbliebenen das Recht, den Organspender nach der Organentnahme nochmals zu sehen.

Anhang

Anmerkungen

  1. Wenn Herz, Lunge, Leber, Nieren, Pankreas und Dünndarm entnommen werden, kann es auch sein, dass mehr als zwei Entnahmeteams kommen.
  2. Januar 2015 wurde bekannt, dass in Bremen die Papiere nicht ordnungsgemäß waren. Hierauf wurde die Organentnahme nicht begonnen. Wie spätere Untersuchungen gezeigt haben, lag Hirntod vor.
  3. Diese Pannen waren meist Fehler in der Dokumentation.
  4. In der Schweiz ist bei der Organentnahme eine Vollnarkose, aber wie die Schweizer Papiere belegen, ausdrücklich nicht gegen mögliche Schmerzen, sondern um die spinale Reflexe zu unterbinden. Siehe: Schmerzwahrnehmung#Schweiz
  5. Ich durfte bei drei Operationen und einer Organentnahme zusehen. Die drei Operationen waren: Entfernung beider Schilddrüsen, Lungen-OP bei offenem Brustkorb und laproskopische Operation an einer Lunge.
    Gegenüber diesen drei Operationen konnte ich bei der Organentnahme kein anderes Verfahren oder anderen Umgang mit dem zu Operierenden feststellen. Man ging auch bei der Organentnahme mit gleicher Behutsamkeit vor. (Klaus Schäfer)
  6. https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Geschichte-der-Kardiotechnik.104879.0.html Zugriff am 18..2015.
    Auf dieser Seite ist die Oberflächenkühlung wie auch ein Hypothermiegerät abgebildet.
  7. Es gab am 18.7.2015 einige Internetseiten, auf denen angegeben wurde/wird, dass die Organe herausgerissen werden. Es sind dies: Zusätzlich findet sich diese Aussage in diesen Internetforen:
  8. Not-OP´s verlaufen sicherlich nicht so ruhig. Wenn durch Unfall noch große Blutgefäße betroffen sind, geht es sicherlich blutiger zu als bei einer Organentnahme.

Einzelnachweise

  1. DSO: Jahresbericht 2014, Seite 33.